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Fair gehandelte Produkte wie Kleidung, Kaffee, Schokolade und Spielzeug
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Frau
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Ort

Schloßplatz 1
86551 Aichach
Deutschland

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kontakt [at] weltladen-aichach.de

Egal ob Süßigkeiten und  Knabbereien, Gewürze und Chutneys, Musikinstrumente, Spielzeug, Bücher, Postkarten, CDs oder Textilien und Schmuck .... Im Weltladen Aichach findest du Schönes, Nützliches und Spannendes aus fairem Handel. Die Lebensmittel stammen überwiegend aus ökologischem Anbau.

Außerdem werden ausgesuchte Schreibwaren, wie zum Beispiel handgeschöpftes Papier, Musikinstrumente, Spielzeug, Schmuck und Wohnaccessoires geführt. Viele Produkte werden in Sozialprojekten oder benachteiligten Regionen gefertigt. 

Fair ist, wenn auch die Erzeuger*Innen für ihre Produkte einen angemessenen Preis erhalten. Der Faire Handel bietet den Produzent*innen in benachteiligten Ländern über einen langen Zeitraum eine zuverlässige Partnerschaft an. Wichtig sind dabei garantierte Vergütungen, die dem Herstellungsaufwand der Produkte entsprechen. Den Menschen in Ländern des globalen Südens wird durch den fairen Handel ein friedliches und menschenwürdiges Leben ermöglicht, das Schulbildung, zumutbare Arbeitsbedingungen, gesichertes Familieneinkommen, soziale Absicherung bei Krankheit und vor allem langfristige Selbstverwaltung und Eigenverantwortung beinhaltet.

Im Aichacher Weltladen arbeitet eine Gruppe von etwa 40  ehrenamtlichen  Verkäufer*innen. Das Team freut sich auch über neue Mitarbeiter*innen. Wer Lust hat, sich ehrenamtlich einzubringen kann einfach eine der Verkäufer*innen ansprechen. 

Ergänzend kümmern sich einige Angestellte um Organisation, Verwaltung und Geschäftsführung des Vereins "Gemeinsam für Eine Welt - Aichach e. V.“

 

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Tipp
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Montag bis Freitag 9:00 bis 18:00
Samstag 9:00 bis 12:30
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Reich an Rohstoffen und dennoch arm

Reich an Rohstoffen und dennoch arm
Sie sind die reichsten Länder der Welt. In ihren Böden lagert Gold in Hülle und Fülle. Sie verfügen über Öl, Gas und Seltene Erden. Und trotzdem sind die Menschen hier bitterarm. Der Ressourcenfluch betrifft vor allem Afrika, Asien und Lateinamerika.
fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade

70 Prozent der Bevölkerung in rohstoffreichen Ländern müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag überleben. Der Fachausdruck für diesen inakzeptablen Zustand ist Ressourcenfluch. In Afrika sind über 20 Länder betroffen und auch in Lateinamerika und Asien trifft es viele ressourcenreiche Länder.

 

Bekannte Beispiele sind Nigeria, Venezuela und Indonesien. Besonders drastisch trifft der Ressourcenfluch die Demokratische Republik Kongo mit seinen Goldvorkommen. Das wertvolle Gold aus der roten Erde des zentralafrikanischen Staates findet sich in nahezu allen Smartphones oder Laptops dieser Welt. Häufig stammt das kongolesische Gold aus illegalen Geschäften.

 

In Afrika lagern 40% der weltweiten Goldvorkommen, aber trotz dieser und anderer  enormer Rohstoffvorkommen produziert der Kontinent nur 3% des Wertes aller weltweit hergestellten Waren und Dienstleistungen. Auf dem Weltmarkt sind afrikanische Produkte kaum zu finden, noch nicht mal ein Kugelschreiber oder eine Luftpumpe! Das Schicksal des Kontinentes ist beispielhaft für den fatalen Zusammenhang von reichen Bodenschätzen und einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung. Das Gold aus dem Kongo steht in diesem Artikel exemplarisch für zahlreiche andere Rohstoffe, die weltweit von der Industrie verarbeitet werden - wie Kobalt , Seltene Erden oder Seltene Metalle.

 

 

Mit dem Gold wird die Verantwortung verkauft

Angefangen mit dem Kolonialismus sind seit jeher internationale Großunternehmen an den Goldvorkommen der Länder interessiert. Sie schlachten in großen Minen systematisch die Bodenschätze aus, exportieren die Rohstoffe und bringen die Länder politisch und wirtschaftlich aus dem Gleichgewicht. 

 

Denn der Handel mit Rohstoffen ist oft die größte und einzige Einnahmequelle der Regierungen. Die Steuern der Einwohner*innen spielen keine wichtige Rolle, entsprechend gering ist der Einfluss der Bevölkerung auf ihre Staatsoberhäupter. Das nutzen viele Regierungen aus, um sich persönlich zu bereichern. Und auch durch Bestechungsgelder verschwindet viel Geld in privaten Taschen.

 

Das Wohl der Allgemeinheit, Bildung und soziale Maßnahmen hingegen werden kaum gefördert. Auch eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft wird vernachlässigt. Besonders gravierend ist dies in Bezug auf die Landwirtschaft: Die Bevölkerung ist dadurch immer weniger in der Lage, sich selbst mit einheimischen Nahrungsmitteln zu versorgen.

 

Folgen für Mensch und Natur

Die Arbeitsbedingungen in den großen industriellen Minen aber auch in kleineren, familiären Bergbaubetrieben in Ländern des globalen Südens (Entwicklungsländern) sind in vielen Fällen miserabel. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen mit ihrer körperlich anstrengenden Arbeit nicht genug Geld, um ihre Familien zu ernähren. Kinderarbeit ist deshalb weit verbreitet. Zehntausende Kinder suchen weltweit in Minen nach dem begehrten Edelmetall. Viele können dadurch die Schule nicht besuchen. Sich eine bessere Zukunft aufzubauen und damit dem Ressourcenfluch zu entkommen, bleibt ihnen verwehrt.

  Die 100 Millionen Erwachsene und Kinder, die weltweit im Rohstoffabbau arbeiten, gefährden dabei ihre Gesundheit. Rund zehn Prozent des geförderten Goldes kommt aus kleinen, nicht offiziell zugelassenen Minen. Gerade in diesen Minen bekommen die Schürfer*innen keine Schutzausrüstung, sie atmen tagtäglich viele Stunden Staub und teilweise giftige Substanzen ein. Lungenerkrankungen wie Asthma sind weit verbreitet. Viele Minen sind nicht ausreichend gesichert. Von Hand gegrabene Schächte und Tunnel drohen einzustürzen und führen zu schweren Unfällen mit tödlichen Folgen.

 

Tödlich kann auch der ungeschützte Kontakt mit giftigen Substanzen enden. Gold zu gewinnen ist sehr aufwendig, es kommt im Boden nur in geringen Konzentrationen und als feine Partikel vor. Um es abzubauen wird das hochgiftige Zyanid oder Quecksilber verwendet. Ohne Schutzausrüstung sind Hautentzündungen und Vergiftungen die Folge. Und auch die Umwelt leidet unter diesen Substanzen. Das Grundwasser wird vergiftet, Tiere und Pflanzen streben.

 

Zertifiziertes, faires Gold erkennen

Seit einigen Jahren rückt die Herkunft des Goldes immer mehr in den Fokus. Vom einfachen Minenarbeiter zum Zwischenhändler, weiter an die internationalen Umschlagplätze bis zur Verarbeitung von Gold - von der Abbaumine bis zum Endverbraucher -  ist es ein weiter Weg.  In den letzten Jahren haben sich mehrere freiwillige Initiativen und auch internationale Standards und Regularien entwickelt, die das Goldgeschäft nachhaltiger gestalten sollen. Neben besseren Arbeitsbedingungen für die Goldschürfer*innen weltweit, ermöglichen diese Standards den Verbraucher*innen, zurückzuverfolgen, woher das Gold kommt und unter welchen Bedingungen es gewonnen wurde.

 

Die „Alliance for Responsible Mining“ ist ein Pionier im Bereich des verantwortungsvollen Goldbergbaus. Das Netzwerk aus Organisationen, Umweltschützer*innen und Unternehmen zeichnet mit dem Siegel „Fairmined“ Goldminen aus, die beim Abbau soziale und ökologische Standards einhalten. Die Arbeitsplätze und der Arbeitsprozess sind sicher. Sie verzichten auf Kinderarbeit und setzen Chemikalien sicher und reduziert ein. Das Siegel garantiert den Minen einen Mindestpreis und zusätzliche Prämien, wenn sie die Standards einhalten. Die Alliance for Responsible Mining betreut und unterstützt zertifizierte Minen außerdem bei der Einhaltung der Standards.

 

Auch der Verein TransFair vergibt ein Fair Trade Siegel für Gold und Edelmetalle. Das Siegel steht für besseren Schutz von Mensch und Umwelt im Goldabbau, damit die Minenarbeiter ihre Lebenssituation und die ihrer Familie aus eigener Kraft langfristig verbessern können. Für zertifiziertes Gold bekommen die Minen einen stabilen Mindestpreis und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie. Bestimmungen für Arbeits- und Umweltschutz werden eingehalten, die Minenarbeiter*innen können vom Goldabbau leben und ihre Kinder eine Schule besuchen. Wer mit dem Kauf von Schmuck fairen Handel unterstützen möchte, findet Händler*innen und Goldschmiede, die mit zertifiziertem Gold arbeiten, im fairtrade-Produktfinder.

 

Das nachhaltigste Gold ist recyceltes Gold

Wer in Deutschland Schmuck bei einem Goldschmied kauft, muss sich nicht allzu große Sorgen um die Herkunft des Goldes machen. " Wir sind die ältesten Recycler der Welt", sagt  Reiner Fein vom Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere.

 

Mehr als 90 Prozent des Goldes, das deutsche Goldschmiede verarbeiten, ist recyceltes Gold. "Die größten, unstillbaren „Hungerer“ nach Gold sind nicht die Juweliere, sondern die Anleger, die Gold als Kapitalanlage kaufen und die Industrie, die den Rohstoff für Handys, Katalysatoren in PKWs oder für Computer benötigen“, so  Sophia Singer, Augsburger Goldschmiedemeisterin.

 

Sophia Singer verwendet hauptsächlich recyceltes Gold für ihre Werke. Das hat in ihrem Handwerk seit Jahrtausenden Tradition. Für die Schmuckdesignerin ist das nicht nur eine Frage der Wertschätzung des teuren Materials, sondern auch eine Frage der Nachhaltigkeit:  „Jedes Material, das wir recyceln können ist besser und nachhaltiger, als frisch abgebautes Material“, so Sophia Singer. Bei Schmuck ist es also relativ einfach, nachhaltig zu handeln. Altes Gold einschmelzen und daraus neue Lieblingsstücke zu machen, verbraucht keine neuen Ressourcen. Die Geschichte des alten Schmuckstücks lebt im Neuen weiter. Dafür werden keine Menschenrechte verletzt und der Ressourcenfluch wird nicht weiter befeuert.

 

Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex

Um ein Umdenken zu initiieren ist es beim Kauf von Smartphones, Handys oder Laptops  wichtig, nachzufragen, woher das Material stammt und unter welchen Bedingungen es abgebaut wurde. Eine Liste mit fairen Handys und Smartphones stellt Utopia zur Verfügung. Auch wer Gold als Geldanlage verwendet, sollte die Herkunft klären.

 

Zertifizierungen von Gold beziehungsweise von Rohstoffen allein lösen aber nicht das Problem des Ressourcenfluchs. Die Zertifizierungen erhöhen zwar die Transparenz in der Lieferkette und können zu einer Verbesserung der Lebensumstände der Minenarbeiter beitragen, die Konflikte rund um die Minen und die sich selbst bereichernden Regierungen bleiben jedoch bestehen. Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex. Es braucht dafür sowohl ein Umdenken in der Politik der rohstofffördernden Länder als auch im Konsumverhalten der Länder, deren Industrie von den Rohstoffen profitiert.

 

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel ist ein Ergebnis des zweiten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2018/ 2019 im Fachbereich Geographie anboten. Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab.

 

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Eco Gold
fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
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fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
Das Fairmined Logo garantiert faire Arbeitsbedingungen in den Minen. Logo: Faimined
Logo Fairmined
fairtraide, faires Gold, Logo: Fairtrade
Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
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Ökonomie als Donut

Ökonomie als Donut
Ein neues Bild für zukunftsfähiges Wirtschaften: Kate Raworth stellte die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße" und entwickelte die Donut-Ökonomie. Buchtipp von Norbert Stamm.
Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Grafik: Kate Raworth

Kate Raworth ist eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, der nicht gefiel, was sie an der Universität von Oxford lernte. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“.

 

Einfach zeichnen

Raworth griff zum Bleistift und zeichnete einen „sicheren und gerechten Raum für die Menschheit“ - den Bereich, in dem ein gutes Leben für alle Menschen auf der Welt auch langfristig möglich scheint. Heraus kam etwas, das aussieht wie ein Donut (Bild Donut vom Buchcover). Das war um 2011. Sie legte ihre Zeichnung verschiedenen Menschen und Gruppen vor – und stieß auf viel Zustimmung. 2017 veröffentlichte sie ihre gesammelten Überlegungen im Buch „Doughnut Economics. Seven ways to think“, es ist im März 2018 unter dem Titel „Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“ auf Deutsch erschienen.  

 

Wirtschaftsraum zwischen planetaren Grenzen und Weltentwicklungszielen

Raworths Donut ist der Freiraum, in dem zukunftsfähiges Wirtschaften heute möglich ist. Der innere Rand steht für zwölf  Grundbedürfnisse aller Menschen - wie sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, Zugang zu Bildung, Wohnen und rechtliche Sicherheit. Den äußeren Donut-Rand bilden natürliche Faktoren wie Klima, Luft, Süßwasserqualität, Stickstoffkonzentration und Artenvielfalt. Sie sind begrenzt durch das, was das Erdsystem an menschlicher Aktivität verträgt. Dazwischen können wir leben.   Angeregt wurde Raworth durch das Modell der planetaren Grenzen, das der schwedische Agrar- und Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström 2009 zusammen mit anderen einführte. Und durch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die zuletzt 2015 als 17 Weltnachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) beschlossen wurden. Raworth vereint beides – und leitet daraus den Spielraum für unser Wirtschaften ab.

 

Die Macht der Grafiken

Uns Menschen beeindrucken vor allem Bilder. So auch die Bilder, die uns die Wirtschaftswissenschaften bisher von erfolgreichem Wirtschaften vermitteln: das vom geschlossenen Kreislauf, von der mathematisch exakten Kurve von Angebot und Nachfrage... All diese schönen Diagramme haben jedoch weder den Finanzcrash von 2008 vorher angezeigt noch beziehen sie Artensterben, Klimawandel und die Zahl der Hungernden mit ein. Raworth erkannte: wir brauchen nicht nur neue Erzählungen, sondern vor allem auch neue Bilder. Nicht mehr die exponentielle Wachstumskurve, sondern einen Donut. Nicht mehr Bilder von eigenständigen Kreisläufen, sondern von der Einbettung der Ökonomie. Nicht mehr das Konstrukt vom Menschen als einem homo oeconomicus, sondern ein Bild vom Menschen, das unsere soziale Verbundenheit zeigt. Solch neue Bilder findet sie und versucht, sie zu vermitteln.

 

Sieben wichtige Gedankenschritte für ein neues Bild von Wirtschaft

Am Anfang steht für Raworth der Abschied vom Bruttoinlandsprodukt als der Maßzahl für Wohlstand. Stattdessen geht es darum, allen Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen.

Zweiter Schritt ist die Realisierung der Tatsache, dass Ökonomie eingebettet ist in Gesellschaft und Natur und eben kein eigenständiger Kreislauf.

Drittes Thema ist ein zutreffenderes Bild vom Menschen – nicht mehr als homo oeconomicus, sondern sozial eingebunden - das Raworthsche Modell zeigt die Bedeutung  menschlicher Beziehungen.

Vierter Bereich: wir müssen systemisch denken, aber nicht mehr mechanistisch – es gibt keine einfachen Hebel, um ein solch komplexes System wie Wirtschaft zu steuern. 

Fünftes: der Abschied vom Bild, das vorübergehend Ungleichheit nötig sei, um später Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen, sondern stattdessen von vorneherein auf die Herstellung von Gleichheit zu setzen, z.B. durch öffentliche Investitionen in Gesundheit und Bildung.

Sechstens eine soweit wie möglich kreislaufförmige, regenerative Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft, ähnlich wie sich Cradle to Cradle das vorstellt.

Und siebtens sollten wir uns von der Abhängigkeit von Wirtschaftswachstum befreien: Wirtschaft muss nützen, auch ohne Wachstum.

 

Der Donut scheint zu schmecken - um im neuen Bild zu bleiben

Heute lehrt Kate Raworth Ökonomie in Oxford und Cambridge. Und ihr „Donut-Modell“ macht ebenfalls Karriere: es findet sich in immer mehr Powerpoint-Präsentationen. Und der Umweltökonom Daniel o'Neill der Universität Leeds hat ein Indikatorensystem entwickelt, das Donuts für über 150 Staaten anzeigt. Damit ist auf einen Blick sichtbar, wie nachhaltig diese Staaten derzeit wirtschaften: die Donuts zeigen an, wie vollständig das jeweilige soziale Fundament ist (der innere Kreis) und wie sehr die ökologischen Grenzen eingehalten oder überschritten werden (der äußere Kreis). Diese Datenbank mit dem Titel „A Good Life For All Within Planetary Boundaries“ zeigt unter anderem auch den Donut für Deutschland: während die sozialen Grundbedürfnisse fast vollständig abgedeckt seien, würden die ökologischen Grenzen oft weit überschritten.

Im März 2018 erschien Kate Raworths 413 Seiten starkes, gut lesbares Buch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“. Auf den Seiten des Hanser-Verlags ist das umfangreiche Einführungskapitel auf Deutsch als PDF zu finden. Hier fnden Sie außerdem einige anschauliche Videos von Kate Raworth zu dem Thema (auf der Seite ein wenig nach unten scrollen).

 

Zur Person: Kate Raworth studierte um 1990 Ökonomie in Oxford. Doch mit dem, was sie dort über Wirtschaft lernte, war sie unzufrieden. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb verbrachte sie anschließend drei Jahre bei sogenannten Barfuß-Unternehmerinnen auf Sansibar. Und wechselte dann zu den Vereinten Nationen in New York, um am Human Development Index mitzuarbeiten. Zum Schluss arbeitete sie über zehn Jahre für die Entwicklungsorganisation Oxfam, wo sie gegen die unfairen Spielregeln und die Doppelmoral der internationalen Handelsbeziehungen kämpfte und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschenrechte erforschte. Nach einem Jahr Erziehungszeit, entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Und unterrichtet heute Ökonomie – u.a. in Oxford.

Kate Raworth: "Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört" Übersetzung: Hans Freundl und Sigrid Schmid, Hanser Verlag, 413 Seiten, 24 Euro

 

Folgende Lifeguide-Artikel könnten euch auch interessieren:

Interview mit Christian Felber: "Die Gemeinwohl-Ökonomie gehört in die Bilanzen von Kommunen, Unternehmen und Banken": https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/interview-mit-christian-felber

Buchtipp: "Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung" von Uwe Burka:   https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/wenn-geld-altern-wuerde

Artikel in Newslichter:  https://www.newslichter.de/2018/05/donut-oekonomie-ein-revolutionaeres-…

 

Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
Kate Raworth, die Autorin von „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
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"Spitze Nadel 2017" für die Weltläden der Region

"Spitze Nadel 2017" für die Weltläden der Region
Auszeichnung für: "XXXL - Wir tragen fair"
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt

Unter dem Motto "XXXL - Wir tragen fair", machten 30 Weltläden aus der Region und ihre Partner*innen mit übergroßen T-Shirts auf Missstände in der Textilproduktion aufmerksam. Die Riesen-T-Shirts wurden an Masten und Bäumen angebracht oder sorgten bei Demonstrationszügen für Aufsehen. Die Aktion, die im April 2017 auch in Augsburg stattfand, wurde auf der Berliner Ethical Fashion Week mit der „Spitzen Nadel“ ausgezeichnet. Partner*innen der lokalen Aktion „Augsburg zieht an!“ waren unter anderem die Werkstatt Solidarische Welt e.V., Weltladen Augsburg, Fairtradestadt Augsburg, aktion hoffnung und Vinty‘s, Contact in Augsburg e.V., Dear Goods, Degree Clothing, Eine Welt Promotorin, Glore, Lifeguide Augsburg oder die Umweltstation.

Die „Spitze Nadel“ ist ein Preis der gemeinnützigen Gesellschaft cum ratione (Paderborn) und des INKOTA-netzwerks (Berlin).  Die Auszeichnung würdigt Initiativen, die mit besonders innovativen und wirksamen Aktionen auf die Missstände in der globalen Textil-, Schuh- und Lederindustrie aufmerksam machen und sich für die Menschenrechte bei der Arbeit einsetzen.

Die Weltläden der Region Iller-Lech erhielten die „Spitze Nadel 2017“ in der Kategorie „Breitenwirkung“. Die feierliche Preisverleihung fand im Rahmen der Ethical Fashion Show im Funkhaus Berlin statt. Berndt Hinzmann, Referent beim INKOTA-netzwerk und Mitinitiator der „Spitzen Nadel“, erklärt: „Es ist wunderbar, dass immer mehr Menschen in der Öffentlichkeit klar und eindeutig für einen fairen Handel eintreten. Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Die Menschen wollen die ganze Rechnung sehen. Deshalb fordern wir Transparenz statt Versteckspiel: Politik und Unternehmen müssen für die Einhaltung der Menschenrechte sorgen und der Öffentlichkeit transparent berichten!“

Weitere Informationen:

"Augsburg zieht an" Textil-Aktionstag 2017 in Augsburg für faire, ökologische und nachhaltige Kleidung. Foto: Werkstatt Solidarische Welt
"Augsburg zieht an" Textil-Aktionstag 2017 in Augsburg für faire, ökologische und nachhaltige Kleidung. Foto: Werkstatt Solidarische Welt
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
"Augsburg zieht an" Logo des Textil-Aktionstages 2017 für faire, ökologische und nachhaltige Kleidung.
"Augsburg zieht an" Logo des Textil-Aktionstages 2017 für faire, ökologische und nachhaltige Kleidung.
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
XXXL- Wir tragen fair. Diese Aktion der Iller-Lech-Weltläden erhielt bei der Ethical Fashion Week Berlin die Auszeichnung "Spitze Nadel 2017". Foto: Werkstatt Solidarische Welt
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