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Wie wird der Augsburger Wald zukunftsfähig?

Wie wird der Augsburger Wald zukunftsfähig?

Ilsungstr. 15a
86161
Augsburg
Stadtwald Augsburg, Freizeit, Radfahren, spazieren gehen,  Erholung, Augsburg, Naherholung, Stadtwald, Naturschutz, Grüne Oase, Augsburger Stadtwald, Foto: Norbert Liesz
Augsburger Försterinnen und Förster berichten, wie gemischte, klimastabile Wälder entstehen und wie sie damit das Waldsterben verhindern können.

Bei der Waldführung erfahrt ihr, wie das Forstpersonal in Zeiten des Klimawandels arbeitet. Die Augsburger Förster*innen pflanzen zum Beispiel nicht heimische Baumarten, schaffen resiliente Lebensräume und schützen einzelne Bäume.

 

INFO:

  • Waldführungen: 21. Juni, 16 bis 17.30 Uhr
  • Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Ilsungstr. 15a (Sportanlage Süd)
  • Anmeldung unter waldpavillon@augsburg.de oder telefonisch 0821 324-6118
  • Fünf Euro Eintritt
Event-Termin
-

Wie wird der Augsburger Wald zukunftsfähig?

Wie wird der Augsburger Wald zukunftsfähig?

Ilsungstr. 15a
86161
Augsburg
Stadtwald Augsburg, Freizeit, Radfahren, spazieren gehen,  Erholung, Augsburg, Naherholung, Stadtwald, Naturschutz, Grüne Oase, Augsburger Stadtwald, Foto: Norbert Liesz
Augsburger Försterinnen und Förster berichten, wie gemischte, klimastabile Wälder entstehen und wie sie damit das Waldsterben verhindern können.

Bei der Waldführung erfahrt ihr, wie das Forstpersonal in Zeiten des Klimawandels arbeitet. Die Augsburger Förster*innen pflanzen zum Beispiel nicht heimische Baumarten, schaffen resiliente Lebensräume und schützen einzelne Bäume.

 

INFO:

  • Waldführungen: 24. Mai und 21. Juni, 16 bis 17.30 Uhr
  • Treffpunkt: Forstmuseum Waldpavillon, Ilsungstr. 15a (Sportanlage Süd)
  • Anmeldung unter waldpavillon@augsburg.de oder telefonisch 0821 324-6118
  • Fünf Euro Eintritt
Event-Termin
-

Wie wertvoll ist der Augsburger Zukunftspreis?

Wie wertvoll ist der Augsburger Zukunftspreis?
Lokalen Agenda 21: "Die Jury zur Auszeichnung nachhaltigen Engagements muss glaubwürdig sein."
Augsburger Zukunftspreis 2018, Rathaus Augsburg, Foto: Stadt Augsburg

Es für kein:en Beteiligt:en eine Ehrung, wenn jemand, der den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, einen Preis an diejenigen vergibt, die ihn aufhalten möchten." Akteure der Lokalen Agenda 21 der Stadt Augsburg.

Die Vertreter:innen verschiedener Foren der Lokalen Agenda 21 fordern den Augsburger Stadtrat im April 2021 auf, bei der Auswahl der Jurymitglieder und Laudator:innen darauf zu achten, dass diese selbst hinter den Zukunftsleitlinien stehen, damit der Zukunftspreis wertvoll bleibt. Schließlich ist es für kein:en Beteiligt:en eine Ehrung, wenn jemand, der den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, einen Preis an diejenigen vergibt, die ihn aufhalten möchten.

Seit 2006 ruft die Stadt Augsburg jedes Frühjahr engagierte Bürger:innen, Einrichtungen und Unternehmen dazu auf, Projekte für den Zukunftspreis einzureichen, die in ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zukunftsweisend sind. Ausgewählt und geehrt werden die Gewinner:innen von Angehörigen jeder im Stadtrat vertretenen Fraktion bzw. Ausschussgemeinschaft sowie Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats.

 

Zukunftspreis-Verleihung 2020: Affront für die Gewinner:innen und Beschädigung des gesamten Preises

Bisher erfolgte die Besetzung der Jury, ohne die Einstellung der Juror:innen zu den Zukunftsleitlinien zu beachten. Jede Fraktion konnte ein:en Vertreter:in entsenden, ohne mögliche Widersprüche zu hinterfragen. Die in den Foren der Lokalen Agenda 21 engagierten Verfechter:innen des sozio-ökologischen Wandels empfinden die Mitwirkung und Auszeichnung durch ein:en Vertreter:in einer Partei, die fundamental andere Ziele verfolgt – wie das beim Zukunftspreis 2020 geschehen ist – als unzumutbaren Affront für die Gewinner:innen und eine Beschädigung für den gesamten Preis.

Der Preis soll zukunftsfähiges Handeln ehren. Was Zukunftsfähigkeit bedeutet, hat Augsburg in den Zukunftsleitlinien niedergeschrieben. Dazu zählen unter anderem Klima schützen, allen die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen, soziales und ökologisches Wirtschaften fördern sowie Vielfalt leben. Unvereinbar mit einer Tätigkeit als Juror:in ist es, die menschliche Verantwortung für den Klimawandel und seine Konsequenzen abzulehnen oder sich für Diskriminierung und Ausgrenzung einzusetzen.  

 

Der Zukunftspreis soll respektvoll behandelt werden

Daher fordern die bürgerschaftlich engagierten Akteure der Lokalen Agenda 21 die demokratischen Kräfte im Stadtrat auf, künftig dafür zu sorgen, dass der Zukunftspreis mit Respekt und Integrität behandelt wird. Für die kommenden Zukunftspreisvergaben soll darauf geachtet werden, dass die Tätigkeit in der Jury mit der Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesellschaftlicher Realitäten des 21. Jahrhunderts und der sich daraus ableitenden Herausforderungen einhergeht. „Wer also den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, sollte nicht diejenigen ehren dürfen, die ihn aufhalten möchten“, so die Akteure der Lokalen  Agenda.

 

Berufungspraxis für die Besetzung der Jury ändern

Die Berufungspraxis für die Mitglieder der Jury soll dahingehend geändert werden, dass die Jury aus der gleichen Anzahl von Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats und des Stadtrats zusammengestellt wird, bei der jedoch nicht alle Fraktionen vertreten sein müssen. Alle Jurymitglieder müssen sich explizit zu den Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg bekennen. Diese Leitlinien sind die Basis für den Zukunftspreis.Auch wenn die Agendaforen keinen Einfluss auf die Wahl der Zukunftspreisträger:innen haben, sind sie jedoch Teil des Prozesses. Viele Foren haben in den vergangenen Jahren selbst den Zukunftspreis erhalten und freuen sich zurecht über die Auszeichnung für ihr Engagement und die Wertschätzung für ihre Tätigkeiten.Daher sehen die Verterer:innen der Foren es als dringend notwendig an, dass auch in der Jury Menschen sitzen, die uneingeschränkt hinter den demokratischen Werten unserer Gesellschaft stehen. Der Zukunftspreis muss wertvoll bleiben. Die Gewinner:innen des Zukunftspreises haben es verdient, in ihren Bestrebungen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Augsburg aufrichtig und ehrlich geehrt und wertgeschätzt zu werden.

Die Stellungnahme, mit der Bitte entsprechend den Forderungen zu handeln, die an die Fraktionen des Augsburger Stadtrats geschickt wurde, findet ihr hier.

 

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cm/pm

Augsburger Zukunftspreis 2019, NaturSinn International KG, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger NaturSinn International KG. Foto: Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg, Projekt Nachhaltigkeit 2020
Der Lifeguide Augsburg erhält die Auszeichung Projekt Nachhaltigkeit 2020. Hier das Team des Lifeguide bei der Verleihung des Augsburger Zukunftspreises 2019 Foto: Nicolas Liebig
Augsburger Zukunftspreis, Augsburger Zukunftspreis 2018, Eva Weber,Reiner Erben, Nachhaltiges Augsburg, Augsburg, Goldener Saal, Foto: Stadt Augsburg
Augsburger Zukunftspreis 2018. Die Preisverleihung im Goldenen Saal des Rathauses der Stadt Augsburg. Foto: Stadt Augsburg
Norbert Pantel (links) und Thomas Hecht von der Lokalen Agenda 21 in Augsburg bei der Demonstration Fridays for Future in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Norbert Pantel (links) und Thomas Hecht von der Lokalen Agenda 21 in Augsburg bei der Demonstration Fridays for Future in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Die Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg werden in der Lokalen Agenda 21 vorgestellt. Foto Cynthia Matuszewski
Die Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg werden in der Lokalen Agenda 21 vorgestellt. Foto Cynthia Matuszewski
Lokalen Agenda 21, Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Akteure der Lokalen Agenda 21 Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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Fridays for Future (FFF) hat es geschafft, tausende Menschen in Augsburg auf die Straße zu bringen, um sich gegen den Klimawandel und für zukunftsrelevante Themen einzusetzen. Die Augsburger FFF-Gruppe hat den Zukunftspreis 2020 gewonnen.
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augsburg [at] fridaysforfuture.is

Auf den Pausenhöfen, bei Familienabendessen und Firmenmeetings wird plötzlich über „das Klima“ gesprochen. Schulen gründen Umwelt-AGs und in Freundeskreisen ist Politik plötzlich ein Thema. Die jungen Menschen, die sich in der Fridays for Future-Bewegung engagieren, haben es geschafft, tausende Menschen in Augsburg und Millionen Menschen in der ganzen Welt auf die Straße zu bringen, um sich gegen den Klimawandel und für zukunftsrelevante Themen stark zu machen.

Durch Teilnahme an zahlreichen Podiumsdiskussionen und politischen Veranstaltungen vor der Kommunalwahl im März 2020 hat Fridays for Future in Augsburg ihrem Anliegen Gehör verschafft und so auch die Wahlkampfthemen deutlich geprägt. Schon vorher durften Schüler*innen der Augsburger FFF-Gruppe vor dem Nachhaltigkeitsbeirat und im Umweltausschuss der Stadt Augsburg sprechen. 2020 haben FFF-Aktive einen Sitz im Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg bekommen, um sich für ihre Forderungen einzusetzen, die sie gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammengestellt haben.

Wie mühsam war es bis vor Kurzem, umweltpolitische Notwendigkeiten politisch umzusetzen. Die Fridays for Future haben hier wieder Hoffnung aufkeimen lassen. Durch ihr unermüdliches und kreatives Engagement haben sie nicht nur das Vorurteil widerlegt, die Jugend sei politisch uninteressiert, sondern konsequent die notwendige Klimadebatte in alle Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten getragen." Stadtrat Christian Pettinger (ÖDP) in seiner Laudatio zum Zukunftspreis

Sei es durch die Organisation von Demonstrationen, durch die Teilnahme an Podiumsdiskussionen oder durch gemeinsame Müllsammelaktionen. Fridays For Future haben es geschafft, frischen Wind in die Klimadebatte zu tragen - auch in Augsburg.

 

40 Stunden in der Woche für das Herzensprojekt

Mit ihrem Klimacamp neben dem Rathaus haben die Augsburger FFF´s sogar für bundesweites Echo gesorgt. Die Kernarbeit wird von 20 bis 30 Ju­gendlichen in ihrer Freizeit verrichtet, ohne großes Vorwissen oder viel Geld. Sie arbeiten oft über 40 Stunden pro Woche an ihrem Herzensprojekt. Und sie machen es gerne. Auch wenn es ihrerer Meinung nach wünschenswert wäre, dass für eine lebenswerte Zukunft gar nicht erst  gekämpft werden muss.

 

Lifeguide-Meinung: Wir gratulieren von Herzen! Mit ihrem Engagement haben Fridays for Future Augsburg den Zukunftspreis 2020 mehr als verdient!

 

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Feinstaub in Augsburg

Feinstaub in Augsburg
Was lässt sich aus den vorhandenen Daten des Umweltbundesamtes ablesen?

Der Physiker Thomas Hecht liefert eine Übersicht der verfügbaren Zahlen und stellt die Fragen: Was kann die Stadt Augsburg gegen Feinstaub tun? Und wie kann jede*r  Augsburger*in selbst Feinstaub messen?

Auf den Seiten des Umweltbundesamtes (UBA) finden sich Daten aller offiziellen Messstationen in Deutschland. Je nach Station gibt es dort Informationen zu Ozon, Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid oder Stickstoffdioxid. Und natürlich zu Feinstaub der Partikelgröße 10µm, also 10 Mikrometer. Sie werden im Folgenden PM10 genannt, es handelt sich um Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer. Im besten Fall liefert das UBA Stundenmittelwerte. Zum Teil werden auch Tagesmittelwerte, Jahresmittelwerte oder die Zahl der Tage veröffentlicht,, an denen Grenzwerte überschritten wurden. Was lässt sich aus den vorhandenen Daten für Augsburg ablesen?

 

Wird die Luft in Augsburg besser?

Eine umfassende Antwort auf die Frage, ob die Luft in Augsburg besser wird, ist schwierig. Beispielhaft soll Feinstaub der Größe PM10 (Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometer) und die Möglichkeiten, dies aus den öffentlich verfügbaren Daten abzulesen, dargestellt werden.Das Umweltbundesamt (UBA) bietet für Augsburg zwei Werte an: den Jahresmittelwert und die Anzahl der Tage, an denen der Grenzwert von 50µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) mit Feinstaub PM10 überschritten wurden.Betrachtet man die Entwicklung seit 2002, fällt positiv auf, dass sowohl die Zahl der Tage mit Grenzwertüberschreitungen (Abbildung 1, ROT) als auch der jährliche Mittelwert (Abbildung 1, BLAU) abnehmen. Betrachtet man ausschließlich die Zahl der Tage mit Grenzwertüberschreitungen (ROT), so könnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass die Luft schon fast sauber sei. Betrachtet man jedoch den Jahresmittelwert (BLAU) , so zeigt sich, dass diese Aussage nicht stimmt.Hier gibt es zwar auch eine Abnahme, aber sehr viel geringer. Und die aktuellen Werte sind weit entfernt von der Null.

Dies ist in Abbildung 1 für die Station Bourges Platz exemplarisch dargestellt. Ein und dieselbe Belastungsquelle mit denselben Daten, aber unterschiedlicher Auswertung liefert hier ganz unterschiedliche Aussagen. Die Zahl der Tages-Überschreitungen erlaubt großen Optimismus, die andere verweist darauf, wie wenig damit erreicht wurde. Der Optimismus muss weiter gedämpft werden, da bereits in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 an der Karlstraße 13 Mal der Grenzwert überschritten wurde. 

 

Abbildung 1:

 

Räumliche Abhängigkeit

Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob die Karlstraße nicht eine Mess-Station mit besonders hohen Schadstoffwerten ist, weil dort ein hohes Verkehrsaufkommen ist und die Messung besonders nah am Verkehr vorgenommen wird. Dies ist leider nicht der Fall: Wenn die Werte an der Karlstraße hoch sind, steigen sie auch in der übrigen Stadt. Allein der Standort entscheidet, um welchen Faktor.Um diese Frage ausführlich zu beantworten, lohnt es sich, die Werte aller Augsburger Mess-Orte zu vergleichen. Betrachtet man die Tagesmittelwerte der letzten zwei Jahre, also insgesamt etwa 4 mal 700 Tageswerte, so zeigt sich, dass die Werte der Stationen sehr gut korreliert sind, d.h. zeigt sich ein Anstieg bei der einen Station, so auch annähernd bei allen anderen, lediglich um einen gewissen Faktor verändert. Abbildung 2 verdeutlicht die Korrelation: Hier werden die Werte vom Bourges-Platz und die der Karlstraße gezeigt. Dabei zeigt das Korrelationsmaß R²=0,97, dass es eine sehr starke Korrelation ist!

 

Abbildung 2:

Im Vergleich zu den Werten der Karlstraße liegen die Werte - und damit die Belastung - am Königsplatz bei 88%, am Bourges Platz bei 77% und beim Landesamt für Umwelt bei 65%.

Das bedeutet: Auch wenn nur an der Karlstraße ein Messwert über dem Grenzwert liegt, gibt es stadtweit hohe Belastungen. Die hohen Werte der Karlstraße zeigen nur die Spitze des Eisberges." Thomas Hecht, Physiker.

 

Weniger Grenzwertüberschreitungen sind kein Grund zur Entwarnung

Bei der Festlegung gesetzliche Grenzwerte spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Laut Umwelt-Bundesamt darf bei einer Tagesmessung 35 Mal im Jahr der Grenzwert 50 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter) überschritten werden. Aber es ist unrealistisch anzunehmen, dass 49 µg/m³ keine Belastung darstellen, 51 µg/m³ hingegen schon. Die Anzahl der Tage, an denen der Grenzwert überschritten wird, ist daher nur in sehr engen Grenzen ein Indiz für die wirkliche Belastung der Bevölkerung mit Schadstoffen. Keineswegs ist dieser Wert geeignet, Entwarnung zu geben. Spitzenbelastungen sind bei der obigen Betrachtung herausgemittelt und werden nicht erfasst. Die Korrelation zwischen den Mess-Stationen zeigt, dass alle Augsburger*innen belastet werden  - nur unterschiedlich stark!   

 

Negativ-Faktoren für Feinstaubbelastung - Was kann Augsburg tun?

Zunächst einmal die Negativ-Faktoren: Luftverwirbelungen durch Verkehr und Wind verlangsamen Klärungsprozesse. Ein trockenes, heißes Stadtklima fördert die Staubbildung. Eine Verdichtung des Autoverkehrs und der Ausbau von Straßen verschlechtern zusätzliche die Situation. Wächst die Stadt in die Fläche, so entfernt sich auch der Frischluftgürtel vom Stadtkern. Nimmt die weltweite Klimaerwärmung zu, steigt dadurch die Belastung!

Was kann eine Stadt wie Augsburg tun, um dem entgegenzuwirken?An erster Stelle steht die Reduktion des auf Verbrennung basierten Verkehrs. Das bedeutet, eine autofreie oder zumindest in Teilen autofreie Innenstadt. Außerdem Entsiegelung der Flächen: Wo auch immer möglich, sollten Bäume und Alleen gepflanzt werden. Sie spenden Schatten und durch die Alleen entstehen Luftschneisen. Pflanzen mit großer Oberflächen tragen auch zur Luftfeuchte bei und können Staub binden. Außerdem sollte so viel Stadtgrün wie möglich angelegt werden. Dazu gehören Nachbarschaftsgärten, begrünte Verkehrsinseln oder Blühwiesen auf Brachflächen. Vertikale Gärten begrünen Fassaden und sorgen für Kühlung, Schatten und frische Luft.

 

Selber Schadstoffe messen!

Zusätzlich zu den Zahlen, die das Umweltbundesamtes (UBA) für Augsburg liefert, können wir selbst Schadstoffe messen. Derzeit gibt es in Augsburg es vier Mess-Stationen des Landesamtes für Umwelt (LfU), die aber nur Stundenmittelwerte liefern. Inwieweit eine sehr große Zahl günstiger Sensoren mit Messungen im 10-Sekunden-Takt weitere Aussagen ermöglichen, ist Inhalt des Forschungsprojektes SmartAQNet.Um möglichst viele Stationen zu betreiben sind alle eingeladen, für 30 Euro einen solchen Sensor zu bauen und vor Ort zu messen. Immer wieder sind Workshops geplant, auch in Zusammenarbeit mit der Lokalen Agenda 21.    SmartAQNet leitet die Daten auch an das seit längerer Zeit laufenden Bürgerprojekt. Hier finden sich Links zu Messdaten meines Sensors, des Umweltbundesamtes, sowie SmartAQNet.

Text und Grafiken von  T.Hecht, unter Nennung der Quelle entsprechend

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Der Wald ist die Wiege der Nachhaltigkeit

Der Wald ist die Wiege der Nachhaltigkeit
Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist wichtig für unsere Zukunft
Wald, Foto: Cynthia Matuszewski

Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung in der Waldwirtschaft im beginnenden 18. Jahrhundert. Damals wurde mehr Holz geschlagen, als nachwachsen konnte und es kam zu einem Umdenken, das heute noch für nachhaltige Wälder gilt.

Der Wald hat für viele Menschen eine besondere Bedeutung: Für Jogger*innen, Wanderer, Fahrradfahrer*innen oder Pilzsammler*innen ist der Wald ein vielfältiges Erholungs- und Freizeitgebiet; für Waldarbeiter*innen, Förster*innen und Waldbesitzer*innen ist er ein Arbeitsplatz. Er speichert CO2 und hält so die Luft rein. Der Wald liefert aber auch nachwachsende Rohstoffe in Form von Holz. Damit ein Wald schön und produktiv bleibt, sollte er nachhaltig bewirtschaftet werden.

 

Der Nachhaltigkeitsgedanke kommt aus der Forstwirtschaft

Der Begriff der Nachhaltigkeit geht bis ins 18. Jahrhundert zurück und hat seinen Ursprung in der Forstwirtschaft. Damals benötigte man für die fortschreitende Industrialisierung große Mengen Holz für die Herstellung von Holzkohle. Dafür wurden viele Wälder abgeholzt, sodass das Holz immer knapper wurde und Deutschland weit geringer bewaldet war als heute. Der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus Freiberg in Sachsen erkannte, dass es so nicht weitergehen konnte und entwickelte als erster 1713 einen Ansatz zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Es darf immer nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen kann." Carl von Carlowitz, sinngemäß zitiert aus der "Sylvicultura oeconomica" von 1713.

Boden und Wasser bleiben sauber

Heute beinhaltet der Begriff nachhaltiger Wald  noch weitere ökologische Aspekte: Wird ein Wald nachhaltig genutzt, so bleiben auch Boden und Wasser immer sauber. Nachhaltiger Wald sichert somit auch für zukünftige Zeiten einen gesunden Lebensraum für Tiere und Pflanzen. So bleibt die biologische Vielfalt im Waldökosystem langfristig erhalten und bietet damit auch den Menschen Erholung. So ein intaktes Waldökosystem wird nur durch eine naturnahe Waldbewirtschaftung erreicht.

Naturnahe Wälder als Hüter der Nachhaltigkeit

Naturnahe Wälder bestehen aus vielen verschiedenen Baumarten und besitzen so eine höhere Artenvielfalt und Biodiversität. Der Wald ist somit besser gegen Schädlingsbefall und starke Winde geschützt als Wälder mit nur einer Baumart, wie beispielsweise Fichtenwälder. In Deutschland werden rund 36 Prozent der Waldfläche naturnah bewirtschaftet: Staatswälder sind zu 40 Prozent, Privatwälder zu 30,5 Prozent naturnach. Je älter ein Wald ist, umso naturnäher ist er. Wälder mit Baumbeständen über 120 Jahren sind meist ohne menschliche Eingriffe gewachsen und sind besonders naturnah. Mittelalte Wälder mit etwa 60 Jahren sind dagegen stark von Menschen kultiviert und werden nur zu einem Drittel naturnah bewirtschaftet. Diese Wälder wurden planmäßig hauptsächlich mit Fichtenmonokulturen bepflanzt. Jüngere Waldbestände hingegen werden wieder häufiger gemischt und damit naturnaher aufgebaut.

  Nachhaltige Wälder in der Region

Die Stadt Augsburg besitzt fast 8.000 Hektar Wald, was etwa 10.700 Fußballfeldern entspricht und ist damit zweitgrößter Waldbesitzer in Deutschland. Die hiesigen Wälder speichern viel Trinkwasser und dienen als Naherholungs -, Wasser- und Naturschutzgebiet. Daher legt die Stadt großen Wert auf naturnahe Wälder und nachhaltige Holzproduktion. Besonders wichtig für die Natur sind der unter Naturschutz stehende Haunstetter Wald und der Siebentischwald, da sie die einzigen naturnahen Lechlandschaften darstellen. Aus den übrigen Wäldern werden pro Jahr circa 30 000 m³ Holz gewonnen, die mit dem nachhaltigen PEFC-Siegel zertifiziert sind.

Die meisten Waldbesitzer verhalten sich nachhaltig

Wechselt ein Wald durch Erbe oder Kauf seinen Besitzer, so informiert der Förster den neuen Waldbesitzer unter anderem über nachhaltige Waldbewirtschaftung. Der Unterallgäuer Förster Stefan Kreuzer meint, dass sich 99 Prozent der privaten Waldbesitzer*innen mittlerweile nachhaltig - im Sinne der ursprünglichen Definition - verhalten. Sie sorgen dafür, dass nach der Nutzung der Bäume wieder Jungwald entsteht und aufwächst. Auch die Zahl Waldbesitzer*innen, die ihren Wald naturnah bewirtschaften wollen, steigt stetig an. „Es gibt aber auch Waldbesitzer*innen, die sich davor scheuen, ihre Wälder in gemischte Wälder umzubauen“, sagt Förster Kreuzer. „Das ist sehr zeitaufwendig und verursacht Kosten und manche hängen einfach an der Baumart Fichte.“ Das hängt auch damit zusammen, dass ein Fichtenwald schwer in einen Mischwald umzugestalten ist. Die Fichte verjüngt sich so reichhaltig und flächig, dass für Mischbaumarten wenig Fläche übrig bleibt. Die jungen Fichten zu beseitigen ist für Waldbesitzer*innen sehr aufwändig. Aber die Mühe würde sich lohnen:

Ein naturnaher Wald senkt durch die verschiedenen Baumarten das Risiko eines Sturmschadens deutlich. Und das ist nur einer von vielen Vorteilen!" Förster Stefan Kreuzer

Waldbesitzer*innen planen und handeln für Jahrzehnte im Voraus

Waldbesitzer*innen können ihren Wald auf unterschiedlicher Art nachhaltig gestalten: So können sie klimatolerante Bäume pflanzen – entweder heimischen Baumarten oder auch Gastbaumarten aus anderen Ländern. Dabei sollten sie das Klima der Zukunft im Auge haben, da sich dieses je nach Region mehr oder weniger stark verändern wird. Außerdem sollten Bäume gepflanzt werden, die für den Standort des Waldes geeignet sind und Faktoren wie Boden, Feuchtigkeit, Wind und die Sonneneinstrahlung beachtet werden. So ist eine Weißtanne auf wechselfeuchtem Boden besser geeignet als eine Fichte, da sie selbst auf diesem Problemstandort tiefere Wurzeln ausbildet und somit standhafter ist. Auch sollte nie mehr Holz aus dem Wald geschlagen werden als nachwächst. Der Waldbestand soll unbedingt durch eigene Pflanzungen oder durch die Natur verjüngt werden. Die jungen Bäume müssen dann gepflegt und frühzeitig durchforstet werden, damit sie stabiler und vitaler wachsen können. Um den Wald gesund zu halten sollten kranke Bäume, die beispielsweise durch den Borkenkäfer geschädigt wurden, frühzeitig beseitigt werden.

 

Jeder kann etwas zur Nachhaltigkeit eines Waldes tun

Auch wir können etwas zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung beitragen: Achten Sie beim Kauf von Holzprodukten auf Regionalität und auf eine nachhaltig Zertifizierung. Die Siegel PEFC und FSC sind Systeme mit der größten zertifizierten Fläche. Wer gerne im Wald spazieren geht, sollte darauf achten, keinen Müll im Wald zu entsorgen und gegebenenfalls gefundenen zu entsorgen. Auch Radler*innen können zur Nachhaltigkeit beitragen indem sie die Wege nutzen und nicht quer durch den Wald fahren. Förster Kreuzer bitte Waldbesucher*innen dringend darum, Waldbesitzer beim Fällen von Bäumen nicht zu behindern und Absperrungen zu beachten. Unsere Zukunft hängt auch vom Wald ab. Deshalb sollte jeder seinen Teil zur Nachhaltigkeit beitragen. Gerade Waldbesitzer*innen können mit einem nachhaltig gestalten Wald viel bewirken.

Mehr zum Thema Ökosystem Wald und dessen forstwirtschaftliche Bewirtschaftung gibt es auf der Webeseite www.wald.de der Stiftung Unternehmen Wald.

 

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel entstand im Rahmen des ersten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2017/ 2018 im Fachbereich Geographie anboten. Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab. Am Ende dieser vielversprechenden Zusammenarbeit lagen dem Lifeguide im Februar 2018 insgesamt 11 neue Artikel vor. Sie werden im Laufe der Jahre 2018 und 2019 veröffentlicht. Wir freuen uns darauf.

 

 

Wald, Foto: Cynthia Matuszewski
Wald, Foto: Cynthia Matuszewski
Wald, Foto: Cynthia Matuszewski
Wald, Foto: Cynthia Matuszewski
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Ökologischer Fußabdruck - Spiel ermittelt persönliche Werte Cynthia Matuszewski Do., 25.01.2018 - 11:11
Ökologischer Fußabdruck - Spiel ermittelt persönliche Werte
Die Umweltstation verleiht Parcour mit 32 Riesenfüßen
Ökologischer Fußabdruck, Umweltstation Augsburg

Die Plastiktüte an der Supermarktkasse, der Strom aus meiner Steckdose, das Fleisch auf meinem Tisch, der Wochenentripp nach Paris – das alles hinterlässt Spuren in unserer Umwelt. Die Umweltstation Augsburg verleiht jetzt ein Spiel, bei dem wir unseren persönlichen ökologischen Fußabdruck ermitteln können. Auf 32 Füßen stehen Fragen zu unserem Alltag und Lebensstil. Der Parcours ist selbsterklärend und die Fragen beinhalten zugleich Lösungen für unseren Alltag. Ziel des Spiels für Groß und Klein ist, dass wir uns Gedanken über unseren Lebensstil machen. Die Gesamtpunktzahl von 36 einfachen Fragen ergeben eine grobe Einschätzung unseres persönlichen ökologischen Fußabdrucks. Die Füße sind 40 x 80 cm groß und können ganz flexibel bei Infoständen, Workshops, etc. eingesetzt werden.

Ausleihe: Catharina Beck: 0821 - 324 6074 oder  veranstaltungen@us-augsburg.de

 

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Flugreisen: Zwischen Reiselust und ökologischem Gewissen

Flugreisen: Zwischen Reiselust und ökologischem Gewissen
Kompensieren ist gut, gar nicht fliegen ist besser
Fliegen, CO2, Emissionen, Schadstoffe, Reisen, CO2-Kompensation

Wenn der Himmel schon seit Wochen grau ist und Sonnenlicht nur noch eine vage Erinnerung, lösen selbst die simpelsten, plump gephotoshoppten Bilder bei mir einen Sehnsuchts-Flash aus. Türkisblaues Meer, hellblauer Himmel soweit das Auge reicht, weißer Strand… ? Egal. Ich will genau dorthin. Jetzt!

Am Ende des Winters bin ich am anfälligsten für irrationale Entscheidungen und für die Art von Reisen, die ich – aus ökologischer Sicht - unbedingt meiden sollte: Flugreisen. Denn ich weiß natürlich auch, dass Fliegen zu den Klimakillern schlechthin gehört. Am schlimmsten sind für mich Bilder von goldgelben Wanderwegen, die sich oberhalb einer Küstenlinie entlangschlängeln. Das ist meine ganz persönliche Achillesferse. Zeit also, sich von den bunten Trugbildern zu lösen und sich gründlich mit dem Fliegen auseinander zu setzen.

Klimaneutrales Fliegen gibt es nicht

Erste Erkenntnis und keine Überraschung: Klimaneutrales Fliegen gibt es nicht. Fliegen mit Kerosin schadet immer dem Klima und am besten wäre es, wir würden das Fliegen vermeiden. Zumal das Fliegen weltweit rasant zunimmt. Laut carbonmarketwatch produziert der weltweite Flugverkehr Tag für Tag allein 2,5 Millionen Tonnen C02, also 900 Millionen Tonnen jährlich. Das ist genauso viel CO2, wie die gesamte Bundesrepublik Deutschland in einem Jahr verursacht.

Am besten wäre es also, gar nicht mehr zu fliegen. Bei Strecken bis zu 1.000 Kilometern fällt mir die Entscheidung auch nicht schwer: Reisebus und Bahn schneiden klimatechnisch am besten ab, ich entscheide mich für die Bahn. Von Augsburg aus ist man in fünf Stunden in Paris – das hat unsere Familie sogar mit jüngeren Kindern gut bewältigt. Natürlich gibt es auch immer wieder mal Pannen! Erst kürzlich stand ich drei Stunden auf der neuen Strecke Berlin-München. Nachts. Bei Minustemperaturen. Aber erstens bin ich auch schon auf diversen Flughäfen gestrandet. Und zweitens überzeugen mich die Zahlen: Bei einer Hin- und Rückfahrt im ICE verursache ich auf der erwähnten Strecke Berlin-München 45 Kg CO₂. Die unten stehenden Tabellen wischen alle Zweifel beiseite:

Grafik: stromissimo , Stadtwerke Güstrow GmbH

Tabelle: Umweltbundesamt 28.4.2016

Fliegen mit Biossprit – keine gute Idee

Bahn ist also meine erste Wahl – selbst der PKW schneidet im Verhältnis zum Flieger noch ganz gut ab. Was aber, wenn mein goldgelber Wanderweg nur per Flug zu erreichen ist? Gibt es denn keinen Ersatzstoff für das klimaschädliche Kerosin? Bisher noch nicht. Es wird zwar viel experimentiert, so flog bereits 2009 ein Airbus der Finnair mit Speiseöl zum Klimagipfel nach New York und auch die Lufthansa, japanische, niederländische und andere Luftfahrtgesellschaften experimentieren mit Alternativen wie gebrauchtem Bratfett, Biosprit aus Leindotteröl, Algen, vergärtem Zucker oder mit dem Öl der Jatropha-Pflanze.Aber ein Durchbruch wurde mit diesen sogenannten Agrotreibstoffen bisher noch nicht erreicht. Zumal in der Luft die gleichen Kritikpunkte gelten wie bei der Biosprit-Debatte am Boden: Es ist problematisch potentielle Lebensmittel als Treibstoff zu verwenden. Außerdem benötigt Biomasse-Treibstoff riesige Anbauflächen und der Konflikt um die Ressource Land würde sich verschärfen.In dem NGO-Luftverkehrskonzept „Schritte zu einem zukunftsfähigen und umweltverträglichen Luftverkehr in Deutschland“, lehnen die acht verantwortlichen NGOs (u.a. Brot für die Welt, BUND, Robin Wood oder die Klima-Allianz Deutschland) die Nutzung von Biomasse im Luftverkehr in großem Umfang ab. Aus ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Gründen.

Wir dürfen nicht die Jahresproduktion von Biomasse, die einen Menschen ein Jahr lang ernährt, in wenigen Minuten verbrennen“, Monika Lege von RobinWood.

 

Fliegen mit Strom - Zukunftsmusik

Und wie steht es mit der Entwicklung von Elektroflugzeugen? Ein Hauptproblem sind die schweren und platzraubenden Batterien. Außerdem brauchen E-Flugzeuge  eine neue Infrastruktur am Boden. Aber immerhin überquerte Mitte 2015 ein zweisitziges Elektromodell den Ärmelkanal. Und Bertrand Piccard umrundete mit Hilfe von Sonnenenergie 2016 erstmals die Erde. Allerdings brauchte er für die 40.000 Kilometer ein Jahr und flog in 17 Etappen. Diese Technologien sind also noch Zukunftsmusik für den normalen Linienflugverkehr.

Wer freiwillig CO2 kompensiert, verbessert anderswo den Klimaschutz

Wer also jetzt oder in den nächsten Jahrzehnten fliegen möchte, dem bleibt nur die freiwillige Kompensation der eignen CO2-Emission. Mit Hilfe eines Klimarechners werden die Schadstoffe ermittelt, die ich mit meinem Flug verursache und es wird eine Summe genannt, die als Ausgleich gezahlt werden kann. Das Geld fließt, beispielsweise bei der gemeinnützigen Organisation atmosfair, in ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt. Also in effiziente Brennholzkocher in Nigeria, in Grünen Strom in Bolivien, Kleinbiogasanlagen in Nepal oder Windkraft in Nicaragua. Jeder atmosfair-Spender kann sich ein Projekt aus den Bereichen Windkraft, Wasserkraft, Umweltbildung, Energieeffizienz, Biomasse oder Solarenergie aussuchen.

CO2 kompensieren: Was kostet das?

Bei einem Hin- und Rückflug München - Barcelona liegt der CO2-Ausstoß laut atmosfair beispielsweise bei 566 Kilo CO2 und wir können 14 Euro spenden. Für München - New York werden 3.856 KG CO2-Emissionen errechnet und die Spendenhöhe beträgt 89 Euro. Um den CO2-Ausstoß in ein Verhältnis zu setzen, zeigt atmosfair als Richtwert auch unseren „empfohlenen, maximalen Jahresausstoß“ an: Er liegt bei 2.300 Kilo CO2. Ein Jahr Autofahren im Mittelklassewagen verursacht bei einer Strecke von 12.000 Kilometern 2.000 kg CO2.

Klimaschutzprojekte: Auf RFI-Faktor und Gold-Standard achten

Es gibt derzeit mehrere gemeinnützige oder kommerzielle Anbieter für eine CO2-Kompensation. Utopia hat eine Liste der Anbieter mit einer kurzen Charakterisierung veröffentlicht. Einige von ihnen berücksichtigen beim Errechnen des CO2-Ausstoßes den sogenannten Radiative Forcing Index (RFI-Faktor), der neben CO2 auch die schädliche Wirkung von Stickoxid, Wasserdampf, Zirruswolken oder von Ruß- und Kondensstreifen berücksichtigt. Das führt meist zu einer etwas höheren Kompensations-Summe, bildet aber die Realität wesentlich besser ab. Auch auf einen weiteren Faktor sollte man bei der Spende von Klima-Kompensationen achten: Entsprechen die Projekte dem sogenannten CDM Gold-Standard? Das ist der strengste existierende Standard für Klimaschutzprojekte. Mehr dazu bei Germanwatch oder carbonconnect.

8,5 -14 Prozent der Privat-Fliegenden zahlen CO2-Kompensation

Wer sich die Mühe sparen will, kann auch bei einem klimafreundlichen Reiseveranstalter buchen, der die Schadstoff-Kompensation bereits in seinem Reisepreis berücksichtigt. Im Forum anders reisen haben sich über 100 Reiseveranstalter zusammengeschlossen, die nachhaltige Reisen anbieten. Auch atmosfair veröffentlicht eine Liste mit klimafreundlichen Reiseveranstaltern. Mittlerweile bieten auch viele Fluggesellschaften bereits beim Buchen per Klick die CO2-Kompensation an. Dies könnte allerdings noch etwas auffälliger platziert werden. Auch viele Unternehmen leisten für ihre Geschäftsflüge bereits Ausgleichszahlungen. 2014 waren es immerhin 80 Prozent in Deutschland, während die privaten „Kompensierer“ je nach Studie zwischen 8,5 und 14 Prozent ausgleichen.

Ist C02-Kompensation moderner Ablasshandel?

Aber ist die C02-Kompensation nicht einfach nur moderner Ablasshandel, mit dem wir uns „freikaufen“? Dem widersprechen die meisten Umweltorganisationen. Sie honorieren die Möglichkeit, dass wir die Umweltkosten für das Fliegen ermitteln und voll und ganz tragen können. Das Freiburger Ökoinstitut sieht Klimakompensation „als eine mögliche (nachgelagerte) Maßnahme für Unternehmen und für Bürger, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen.“ Und Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von atmosfair sagt im taz-Interview zu dem Vorwurf, Ausgleichzahlungen seien doch nur „Peanuts“:

„Ja klar, absolut gesehen sind das Peanuts. Wenn Sie als Person im Jahr insgesamt neun Tonnen CO2 emittieren, wird man diese im Meer der globalen Klimatonnen nie registrieren, trotzdem sind Sie allein auf Ihren Flug für fünf Tonnen verantwortlich. Alles was ich tue ist Peanuts, wenn ich mich mit China vergleiche. Ihre Entscheidung ist aber eben nicht globalisiert, sondern Sie treffen sie individuell. Bezogen auf China sind das dann 0,0 Prozent, aber bezogen auf das, was Sie auf der Welt ändern können, sind es 100 Prozent.“

Und was heißt das jetzt für meinen goldgelben Wanderweg? Wenn es wirklich gar keine Alternativen gibt, lautet die Prämisse: Nie mehr fliegen ohne freiwillige C02-Kompensation. Ansonsten: Ab an die Ostsee!

 

Buchtipp: Frank Herrmann:  FAIRreisen Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen, oekom verlag, München 2016, ISBN-13: 978-3-86581-808-9, Printausgabe: 19.95 €, erhältlich auch als e-Book

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