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Jetzt regionale Lebensmittel kaufen...

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...und kleine Läden unterstützen
regionale Lebensmitel_ Collage Cynthia Matuszewski

In Zeiten, in denen der Lebensmitteleinkauf nicht mehr genussvolles Bummeln, Begutachten und Schnuppern bedeutet, sondern eher schnelles Abarbeiten von langen Einkaufslisten, wollen wir heute an die erinnern, die uns in Augsburg und der Region mit ihren kleineren Lebensmittelläden, mit ihren Bäckereien oder Marktständen ein bisschen Normalität erhalten und dabei gleichzeitig unter erschwerten Bedingungen arbeiten.

Bei manchen gehen die Umsätze zurzeit spürbar zurück. Wir möchten Euch hier stellvertretend für viele, viele Läden in Augsburg und der Region einige wenige vorstellen und Euch dadurch motivieren, unsere kleinen Läden in Augsburg und der Region nicht zu vergessen.

 

Mut, Ideen und Hoffnung

„Wir haben Mut, gute Ideen und die Hoffnung, dass uns die Augsburgerinnen und Augsburger nicht hängen lassen“, beschreibt Sylvia Hank von der Werkstatt Solidarische Welt die Motivation des Weltladens Augsburg, den Laden weiterhin zu öffnen. In der Weißen Gasse werden fair gehandelte Lebensmittel und derzeit auch Osterleckereien angeboten. Zwar mit leicht eingeschränkten Öffnungszeiten, aber mit vollen Regalen. Seit Neuestem gibt es sogar einen Lieferservice von Boxbote.

Boxbote ist ein Fahrrad-Lieferservice, der schon länger Online-Bummeln in Augsburger Läden plus Lieferung anbietet und damit den regionalen Einzelhandel fördert. In Zeiten von Corona sind die Radler*innen von Boxbote natürlich besonders gefordert. Zum Glück sind sie umweltfreundlich unterwegs. Ein Blick auf ihre Website lohnt sich, vielleicht gibt’s ja via boxbote eine Verbindung zum Lieblingsladen!

In schwierigen Zeiten halten wir zusammen. In der Familie, in der Firma und in der eigenen Stadt." Bio-Bäcker Frank Schubert.

Mit dieser Aussage spricht Bio-Bäcker Frank Schubert wohl allen Bäcker*innen aus dem Herzen, die jetzt unter schweren Bedingungen arbeiten müssen. Es lohnt sich also, sie zu unterstützen! Wenn wir allein an das Opa-Heinz-Brot von Schubert denken – oder die köstlichen Himbeertörtchen...

 

Improvisieren, kooperieren, treu bleiben...

Bei RutaNatur, Augsburgs fabelhaftem Unverpackt-Laden, sind die Gemüsekisten prall gefüllt und es gibt wie gewohnt alle Lebensmittel und Drogerieartikel.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist der Fleischmarkt stark eingebrochen. Das macht sich auch bei Augsburgs bekanntestem Schäfer, Christian Hartl, bemerkbar. Er lässt seine Herde auf den Lechheiden weiden und steht für die Weidestadt Augsburg und die Marke Lechtal-Lamm. Hartl findet gerade kaum noch Abnehmer für seine sechs Monate alten Lämmer. Wer Lust auf einen besonderen Osterbraten hat, kann sich diesen direkt beim Metzger oder bei der Hüteschäferei Hartl aus Augsburg-Mühlhausen bestellen: www.lechtal-lamm.de. Zusätzliches Schmanckerl: Der Küchenchef vom Riegele gibt dazu vier seiner Lieblings-Rezepte mit Lechtal-Lamm bekannt.

Mutter Erde ist Augsburgs ältester Bio-Laden, im Kern der Augsburger Altstadt, im Bauerntanzgässchen. Hier kommen zwar zurzeit nicht mehr scharenweise japanische Tourist*innen auf ihrem Stadtrundgang vorbei und fotografieren den romantischen Laden, aber die Kundinnen sind dem Bio-Händler treu geblieben. Natürlich dürfen an dieser Stelle auch nicht die Lokalhelden im Bismarckviertel und etliche tolle Hofläden fehlen – vom Bio-Hofladen Marquart in Friedberg über den Sieberhof in Sainbach zum Biohof Emersacker und und und... Alle Hofläden findet Ihr hier im Lifeguide, wenn Ihr in der Suchfunktion „Hofladen“ eingebt.

Das Herzstück Horgau hat erst am 12. März 2020 eröffnet und musste sich schnell auf neue Rahmenbedingungen einstellen. In dem Diedorfer Laden mit regionalen Produkten und leckeren selbstgemachten Snacks können jetzt - zusätzlich zum Verkauf im Laden - Lebensmittel vorbestellt werden. Je nach Wunsch werden die fertigen Lebensmittelpakete geliefert oder können abgeholt werden.

 

Frische Luft und freundliches Winken

Last but not least wollen wir uns – etwas wehmütig – an unsere bunten, trubeligen Wochenmärkte und den Stadtmarkt erinnern, wo es im Moment natürlich ruhiger zugehen muss. Hier dürfen derzeit keine Speisen eingenommen werden. Aber die meisten Marktstände und die Viktualienhalle haben weiter geöffnet und der Stadtmarkt verspricht trotz „Social Distancing“ ein paar Sonnenstrahlen, frische Luft und vielleicht sogar ein Winken von Ferne... 

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Die Lechheiden: bei den letzten Wildpferden

Die Lechheiden: bei den letzten Wildpferden
Star im Juni: 400.000 pinkfarbene Sumpfgladiolen
Sumpfgladiole, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg

Die Königsbrunner Heide mit den Wildpferden, der üppigen Vegetation und den kleinen Flussläufen ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Ende Juni ist es hier besonders schön: Dann blüht die pinkfarbenen Sumpfgladiole. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen.

Wer heute die Königsbrunner Heide besucht, macht auch einen Ausflug in die Vergangenheit. Nach dem Ende der letzten Eiszeit, vor rund 10.000 Jahren, galoppierten hier noch Wildpferde durch die lichten Kiefernwälder. Das Flussbett des Lechs war breit und mächtig. Der wilde Strom transportierte große Mengen Kies aus den Alpen ins weite Tal. Auf diesen kargen Kiesböden gediehen vor allem Kiefern, die langsam wuchsen und viel Raum für Gräser, Kräuter und Steppenpflanzen ließen. Es entstanden geschützte, sonnige Lichtungen - der perfekte Lebensraum für Wildpferde. Aber auch Auerochsen, Wisente und Rothirsche fanden hier ausreichend Nahrung und zogen grasend über die Ebene.

Von der Urlandschaft zur Kulturlandschaft

Dann kamen die Menschen, schlugen Brennholz, jagten Wildtiere und schufen Weideplätze für ihre Haustiere. Aus den Kiefernwäldern wurde eine nahezu baumfreie Ebene, die Lechheiden. Mit der dünnen Humusschicht waren die Heiden schlechtes Ackerland, aber tausende Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde weideten hier. Noch vor 150 Jahren gehörten die Lechheiden zu den bedeutendsten Sommerweiden für Wanderschäfer aus ganz Süddeutschland. Aus der Urlandschaft am Lech wurde eine Kulturlandschaft. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind die weiten Lechheiden zum größten Teil Geschichte – die Wanderschäferei lohnte sich nicht mehr, die Menschen benötigten Bauland und der Anbau von Nutzpflanzen wurde auch auf kargem Boden möglich. Heute existiert nur noch ein Prozent der ursprünglichen Lechheiden und lichten Kiefernwälder.

 

Artenreichtum: Die Lechheiden

Dieser kleine Rest hat es aber in sich: Die Lechheiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Hier finden sich über 3.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche „Einwanderer“ aus ganz Europa. Denn der Lech transportiere nicht nur Kies und Geröll, sondern auch Samen von Pflanzen. Und auch die Weidetiere brachten in ihren Fellen und Klauen Pflanzensamen und Kleinlebewesen ins Lechtal.

Star im Juni: Die Sumpfgladiole mit 400.000 Blüten

So stammen aus dem heißen Süden Europas die meisten der 24 Orchideenarten im Lechtal. Enzian, Silberdistel oder Schneeheide hingegen sind typische Alpenbewohner. Und die zarte Küchenschelle oder das knallgelbe Ochsenauge kommen aus der eiszeitlichen Tundra. Star der Pflanzenwelt in Königsbrunn ist jedoch eindeutig die pinkfarbene Sumpfgladiole aus Südeuropa. Ende Juni, Anfang Juli blühen auf der Königsbrunner Heide für wenige Wochen etwa 400.000 Sumpfgladiolen. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen. Besucher*innen und Fotograf*innen werden gebeten, die Wege NICHT zu verlassen.

Heute ist die Königsbrunner Heide eines von vielen sogenannten Trittsteinbiotopen, die sich am gesamten Lech entlang ziehen und den Erhalt vieler Arten sichern.

Und was ist aus den Weidetieren geworden, die auf den Lechheiden lebten? Seit einigen Jahren zieht von Mai bis Oktober wieder ein Wanderschäfer mit seiner Herde am Lechufer entlang. Seine Schafe und Ziegen beweiden im Auftrag des Naturschutzes die artenreichen Lechheiden und das Fleisch des Lechtal-Lamms ist eine regionale Delikatesse.

 

Die Wildpferde sind zurück...

Auch die Wildpferde sind zurückgekehrt – wenn auch mit Hilfe der Menschen. Seit 2007 bevölkert eine kleine Herde stämmiger, goldbrauner Przewalskipferde (sprich: Schewalski) ein Gehege nahe der Königsbrunner Heide. Przewalskipferde stammen ursprünglich aus den weiten Steppen Zentralasiens. Sie sind die letzten echten Wildpferde. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie bis auf einige Tiere in Zoos nahezu ausgestorben und es gab kein einziges frei lebendes Wildpferd mehr. Von zwölf dieser Zootiere stammen heute weltweit über 2.000 Przewalskipferde ab. Das ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Genau wie die Schafherde gehören die Przewalskipferde zum Projekt Weidestadt Augsburg des Landschaftspflegeverbands. Neben der Tatsache, dass sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum einfach nur schön aussehen, haben die Pferde auch eine wichtige Aufgabe: Fressen. Przewalskipferde kürzen das Gras bis auf wenige Zentimeter und verhindern damit eine Verbuschung auf den Heiden und in den lichten Kiefernwäldern. Das wiederum sichert Tieren und Pflanzen ihren Lebensraum. Also eine Win-Win–Situation nicht nur für Sumpfgladiole und Ochsenauge, sondern auch für die vielen Insekten auf der Lechheide, wie den besonders seltenen Kreuzenzian-Ameisenbläuling, einen Schmetterling, dessen Raupen sich nur vom Kreuzenzian ernähren können. Auch zahlreiche andere Tiere, wie Schachbrettfalter, Himmelblauer Bläuling, Zauneidechse, Ringelnatter oder Wespenspinne, lassen sich auf der Königsbrunner Heide entdecken.

Mit ein wenig Glück kann man am Abend eine Herde Wildpferde an ihrer Wasserstelle treffen oder sie dabei beobachten, wie sie über die Lechheiden galoppieren. Und sich für einen Moment vom Alltag in der Gegenwart verabschieden und ein wenig Wildnis-Feeling genießen.

 

Königsbrunner Heide:

Mit Pkw: Parkplatz am Sportpavillion neben Karwendelstraße 20, 86343 Königsbrunn.

Mit Bus: Linie 734 bis Haltestelle Heidestraße.

Mit Straßenbahn: Linie 2 bis Haunstetten Nord.     TIPP Naturschutz-Scout werden: Der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. sucht immer wieder Menschen, die sich für die Wildpferde, die Lechheiden und den Naturschutz begeistern und Naturschutz-Scouts werden möchten. Zu den Aufgaben dieser ehrenamtlichen Helfer*innen gehören bei freier Zeiteinteilung Tier- und Zaunkontrollen, Info-Gespräche mit Besucher*innen und die Mitwirkung bei Aktionstagen.

Infos: Norbert Pantel, 0821-324-60 94, n.pantel@lpv-augsburg.de, www.lpv-augsburg.de

 

 

Wildpferde, Przewalski-Pferde, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Norbert Pantel
Auf der Königsbrunner Heide bei Augsburg lebt eine kleine Herde von Przewalski-Pferden. Sie gehören zu den letzten Wildpferden Europas. Foto: Norbert Pantel
Sumpfgladiole, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Ende Juni ist es in der Königsbrunner Heide besonders schön: Dann blühen die pinkfarbenen Sumpfgladiolen. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Wildpferde, Przewalski-Pferde, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Norbert Pantel
Auf der Königsbrunner Heide bei Augsburg lebt eine kleine Herde von Przewalski-Pferden. Sie gehören zu den letzten Wildpferden Europas. Foto: Norbert Pantel
Kiefernwald, lichter Kiefernwald, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Die lichten Kiefernwälder der Lechheiden. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Wildpferde, Przewalski-Pferde, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Norbert Pantel
Auf der Königsbrunner Heide bei Augsburg lebt eine kleine Herde von Przewalski-Pferden. Sie gehören zu den letzten Wildpferden Europas. Foto: Norbert Pantel
Kiefernwald, lichter Kiefernwald, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Die lichten Kiefernwälder der Lechheiden. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
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"Wir sprechen hier über das Leben an sich."

"Wir sprechen hier über das Leben an sich."
Insektensterben in Deutschland - was macht Augsburg?
Foto: Arn Matuszewski, Biodiversität, Augsburg, Insekten,

In der Natur hat alles einen Grund, jede Art ihren Zweck. Wenn bestimmte Arten aussterben, auch kleine Insekten die krabbeln und nervig sind, fehlen sie in unserem lebenswichtigen Ökosystem.

In Deutschland ist in den letzten 30 Jahren an 96 Orten eine ausführliche Studie über Insekten durchgeführt worden. Das Ergebnis, das im Oktober 2017 veröffentlicht wurde, war sehr deutlich. An vielen Orten Deutschlands sind über 75 Prozent der fliegenden Insekten verloren gegangen und es ist zu befürchten, dass diese dramatische Zahl auf ganz Deutschland übertragbar ist.

Um zu erfahren,  was die Stadt Augsburg zu diesem Thema macht, sprach Lifeguide-Gastautorin Maya Strömgren mit Diplom-Biologin Birgitt Kopp vom Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen und mit Diplom-Landschaftsarchitekt Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband. Sie erfuhr unter anderem, dass verschiedene Insekten in Augsburg schon seit 1846 gezählt werden und erstellte fünf Top-Tipps, was wir für die Artenvielfalt tun können.

 

Maya Strömgren: Wie ist die Situation in Augsburg im Vergleich zu anderen Städten?

Nicolas Liebig: In Augsburg sind deutlich mehr Flächen Naturschutzgebiete als in anderen deutschen Städten.

Von 147 Quadratkilometern Stadtgebiet stehen 28% unter Naturschutz, fast ein Drittel, das ist wirklich etwas Ungewöhnliches.

Um die Naturschutzgebiete zu pflegen, brauchen wir jedoch viel Zeit und Geld, um weiterhin zu erhalten und zu fördern,  was wir jetzt noch haben. Die Flüsse Wertach und Lech bringen uns eine besonders artenreiche Landschaft, trotzdem wurde Augsburg nicht vom Insekten- und Artenverlust verschont. Das Rebhuhn, das auf Insekten als Nahrung für die Jungen angewiesen ist, hat zum Beispiel seit 1980 europaweit um 94% abgenommen. Den Trend bemerkt man auch hier in unserer Umgebung.

Birgitt Kopp:

Seit 1846 zählt der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben alle möglichen verschiedenen Insekten: Vom Schmetterling bis zur Eintagsfliege. Wir konnten also zum Glück sehr früh beurteilen, wie sich bei uns in der Region die Situation verändert.

Und deshalb wurde bei uns auch frühzeitig sehr viel gemacht und wir konnten die Artenvielfalt am Lech und an der Wertach  immerhin auf den Restflächen, die der Mensch nicht für sich beanspruchte, erhalten. Augsburg hat im Verhältnis zu anderen Städten also eine bessere Ausgangslage. 

Was sind die wichtigsten Maßnahmen der Stadt Augsburg um das Insektensterben zu verhindern?

Nicolas Liebig: Unsere wichtigste Maßnahme ist, uns um die Naturschutzgebiete zu kümmern. Besonderes auf den Lechheiden haben wir eine große Artenvielfalt. Dort werden die Weiden vorsichtig gemäht und die Wanderschäfer leisten eine wichtige Arbeit, um die Kulturlandschaft zu behalten.

Um Insekten und Biodiversität zu fördern, bringen wir große Pflanzenfresser zurück: Schafe, aber auch Rinder und sogar Wildpferde. Durch den Kot wird der Samen verteilt.

Die Beweidung fördert auch die Ansiedlung von viel mehr Insekten. Mit ihnen kommen auch andere Tiere, wie beispielsweise Vögel.Birgitt Kopp: Da macht die Stadt Augsburg eigentlich ganz viel. Zum Beispiel entwickeln sich wahnsinnig viele Insekten, Larven und Käfer in Totholz.

Je mehr Totholz wir haben, desto mehr Artenvielfalt haben wir. Auch für Vögel und Fledermäuse ist dieser Lebensraum wichtig.

Wir haben ganz viele fachkundige und interessierte Baumpfleger, die immer kritisch prüfen, was sie im Sinne der Biodiversität stehen lassen können. Manchmal helfen uns auch Zufälle. In einem unserer Parks wurden Solitärbienen gefunden, über deren Vorkommen der zu Rate gezogene Fachmann völlig erstaunt war. Er fragte, wie die Fläche denn gemäht werde. Wir mähen immer in der Früh, um sechs Uhr, wenn noch keine Erholungssuchenden auf dem Rasen liegen. Dann sind aber auch viel weniger Insekten unterwegs. Wenn man also um sechs Uhr den Rasen mäht, tötet man viel weniger Insekten.

Der Landschaftspflegeverband ist auch ein ganz wichtiger Partner für die Stadt Augsburg. Der Verband versucht immer das gesamte Spektrum von Pflanzen und Tieren zu pflegen und zu schützen und nicht nur einzelne Arten.

 

Als der Bericht vom Insektensterben im Oktober 2017 erschien, waren Sie überrascht von dem Ergebnis?

Birgitt Kopp: Nein, ich war gar nicht überrascht.

Wenn man sich mit Natur beschäftigt, dann fällt es auf, dass die Insekten immer weniger werden.

Früher musste man sie zum Beispiel immer von den Scheiben auf dem Auto kratzen, aber heute gibt es kaum noch Insekten auf den Scheiben. Der Mensch hat wirklich einen erschreckend großen Einfluss und schränkt so viele Lebensräume ein. Wir haben immer geahnt, dass wir einen wahnsinnig großen Artenverlust haben.

Leider interessiert es fast keinen, dass wir zum Beispiel durch die Begradigung des Lechs immer weniger Eintagsfliegen haben. Niemand ist darüber erschrocken, sondern die Leute freuen sich und sagen: „Das ist doch super, dann haben wir nicht dauernd diese Krabbeltiere, sie sind so nervig."

 

Intensive Landwirtschaft wird ja als eine der Hauptursachen für das Insektensterben genannt. Was machen Sie in dieser Hinsicht?

Birgitt Kopp: Dazu muss man wissen, dass die Stadt Augsburg selbst keine Landwirtschaft betreibt. Wir sind also auf den Dialog mit den Landwirten angewiesen und können höchstens bei der Verpachtung von Flächen durch Vorgaben unsererseits einwirken.Grundsätzlich  ist es immer eine Frage von gegenseitigem Vertrauen. Ein gutes Beispiel für gelungene Zusammenarbeit sind die Trinkwasser-Schutzgebiete der Stadtwerke Augsburg. Die SWA kooperieren seit über 25 Jahren mit Landwirten der Region und setzen sich für Trinkwasserschonende Feldbewirtschaftung ein. Jeden Sommer blühen in den Trinkwasser-Schutzgebieten in Augsburg und Umgebung wunderschöne Blumenwiesen und Blühfelder. Die SWA unterstützen darüber hinaus den Erhalt von sogenannten "Lerchenfenstern" in Getreidefeldern. Hier können Lerchen ungestört brüten. Die strengen Auflagen der SWA für den Grundwasserschutz in Bezug auf Düngung und auch Pflanzenschutzmittel kommen der Natur zugute.

Die Landschaft und die Naturschutzgebiete in und neben den Trinkwasserschutzgebieten haben außergewöhnlich artenreiche Wiesen und viele Ackerwildkräuter, da muss man weit fahren, um etwas Vergleichbares zu finden.

Nicolas Liebig: Wir arbeiten unter anderem mit sogenannten PIK-Maßnahmen (Produktionsintegrierte Kompensation). Dabei arbeiten Landwirte mit Gewerbetreibenden zusammen und kompensieren deren Flächenverbrauch. Die Landwirte bauen auf einem Teil ihrer Ackerfluren tier- und insektenfreundliche Pflanzen an und erhalten dafür Ausgleichszahlungen. Wir können beobachten, dass auf diesen Flächen die Insekten wieder zunehmen, und damit auch beispielsweise die Population von Rebhühnern.

Wie können wir in unserem Alltag etwas für den Erhalt der Insekten tun?

Nicolas Liebig:

Wir können uns selbst die wichtige Frage stellen: „Was konsumiere ich?“ Konventionelle Produzenten von Lebensmitteln und Kleidung benutzen viele Chemikalien und wer ein umweltfreundliches Produkt wählt, trägt auch dazu bei, dass der Lebensraum für mehr Insekten erhalten bleibt.

In unserer Region lassen zum Beispiel Wanderschäfer ihre Herden auf den Lechheiden weiden und das Fleisch des Lechtal-Lammes steht zum Verkauf. Wer Fleisch vom Lechtal-Lamm kauft, unterstützt die Biodiversität unserer Region und damit auch die Insekten.

Birgitt Kopp:

Auch in unseren eigenen Gärten haben wir viele Möglichkeiten:  Es gibt einen Trend, die Vorgärten mit Wurzelsperrfolie zu versehen. Dann kommt Kies darauf und vielleicht eine Zierkugel oder manchmal eine immergrüne Pflanze. In solchen Gärten möchte kein Insekt leben.

Ein richtig schöner Garten für die Insekten ist einer mit vielen Blüten, wo über die Winter einfach die Stauden mit ihren Samen stehen bleiben. Die Insekten brauchen Überwinterungsplätze und das sind zum Beispiel hohle Stängel von Gartenstauden. Wenn ich die im Herbst alle abschneide, dann trage ich zum Insektensterben bei. Statt Buchsbaumkugeln und einem perfekten Rasen, können wir Wildblumen aussäen und die Wiese das erste Mal im August mähen. Und wir sollten nicht bei jedem Insekt, das wir sehen, gleich in Panik ausbrechen. Die Natur bringt nichts hervor, was nicht auch in irgendeiner Form einen gewissen Zweck erfüllt. Wenn man bestimmte Arten ausrottet, auch unbewusst, dann fehlen sie in die Nahrungskette. Dann ist das ganze System nicht mehr stabil.

 

Ich stelle mir vor, dass die Gärten wie kleinen Inseln sind, zwischen dem Stadtwald und den Naturschutzgebieten, stimmt das?

Birgitt Kopp: Ja, genau, jeder Garten und jeder Balkon, auch das Straßenbegleitgrün in Augsburg ist ein sehr wichtiger Trittstein oder ein „Verbindungsband“ zwischen den Flächen. Viele Insekten fliegen nicht weit, deshalb brauchen sie immer mehrere Standorte auf denen sie Rast machen können. Der Austausch zwischen den Flächen ist notwendig, um sich  genetisch miteinander auszutauschen. Da kann jeder bei sich zu Hause etwas machen, zum Beispiel insekten- und bienenfreundliche Blumen pflanzen! Am besten sind heimische Arten wie z.B. Oregano, Margeriten, wichtig ist auch, dass die Blüten nicht gefüllt sind.

Besonders hilfreich ist es für die Insekten, wenn bereits sehr früh und auch bis spät in den Herbst etwas im Garten blüht, damit die „mageren“ Zeiten gut überbrückt werden können.

 Wo können wir erfahren, was die Stadt Augsburg zu diesen Themen macht?

Nicolas Liebig: Auf die Homepage von Landschaftspflegeverband gibt es viele Information über unsere Arbeit, über die Naturschutzgebiete und auch über die Möglichkeit an verschiedenen Workshops teilzunehmen.Birgitt Kopp: Wir hier am Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen geben gern Auskunft, wenn jemand Fragen hat und anruft. Bei uns gibt es auch eine Liste für Gärtner, die insektenfreundliche Gartenpflanzen beschaffen können.

Ihr letztes Wort?

Wir müssen die Menschen dafür gewinnen, sich für Biodiversität zu interessieren. Biodiversität ist nichts Kompliziertes, es hört sich nur kompliziert an. Biodiversität beinhaltet alles, was Leben ist, wir sprechen hier über das Leben an sich",  Birgitt Kopp

Tipps:

1.    Bring Unordnung in den Garten! Die Insekten brauchen Stauden und kleine Verstecke zum Überwintern. Hier eine Liste mit bienenfreundlichen Pflanzen2.    Mehr Blüten in den Garten und auf den Balkon! Die Blüten geben den Insekten Nektar und wirken wie „Trittsteine“. Am besten heimische Stauden pflanzen.3.    Baue ein Insektenhotel! Gib den Insekten ein Heim. Ganz einfache Instruktionen im Internet.4.    Bewusst einkaufen! Alles was du konsumierst beeinflusst die Umwelt und damit auch die Insekten. Vermeide die negativen Effekte durch weniger Konsum und kaufe so viele umweltfreundliche Produkten wie möglich.  5.    Keine Angst vor Insekten! Lass sie leben! Die Insekten sind nicht grundlos auf unserer Welt: Sie bestäuben unsere Pflanzen und versorgen uns dadurch mit Lebensmitteln. Außerdem ernähren sie unsere Vögel.

 

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel ist ein Ergebnis des ersten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2017/ 2018 im Fachbereich Geographie anboten.Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab. Am Ende dieser vielversprechenden Zusammenarbeit lagen dem Lifeguide im Februar 2018 insgesamt 11 neue Artikel vor. Sie werden im Laufe des Jahres 2018 veröffentlicht. Wir freuen uns darauf. 

 

Beilfleck-Widderchen, Schmetterling, Augsburg, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Beilfleck-Widderchen. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Königsbrunner Heide, Augsburg, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg,
Königsbrunner Heide. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Rebhuhn, Augsburg, Foto: Nicolas Liebig, Landschaftspflegeverband
Rebhuhn.Foto: Nicolas Liebig, Landschaftspflegeverband Augsburg
Birgitt Kopp, Augsburg, Foto: privat
Birgitt Kopp, Diplom Biologin am Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen der Stadt Augsburg. Foto: Privat
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Nicolas Liebig, Augsburg, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
Nicolas Liebig, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
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Weihnachtsbraten vom Lechtal-Lamm!

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Tradition, Naturschutz und guter Geschmack
Lechtal-Lamm, Lechheide, regionale Lebensmittel,

Zwei Metzgereien in der Region Augsburg bieten Lammfleisch an, das aus der Beweidung der Lechheiden stammt. Auch in der Brauereigaststätte Riegele gibt es Lechtal Lamm-Gerichte. Der Landschaftspflegeverband empfiehlt Weihnachtsbraten vom Lechtal Lamm und verweist darauf, dass der Genuss von Lammfleisch aus der Landschaftspflege einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leistet.

 

Schafe gehören auf unsere Lechheiden wie die Fugger zu Augsburg

„Lechheiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Hier wachsen seltene Orchideen, Enziane und andere botanische Raritäten. Und auch was den Insektenreichtum betrifft, sind die Lechheiden einzigartig“, schwärmt Nicolas Liebig, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg. Leider gibt es heute nur noch wenig Lechheiden. Der Verband hat sich daher zum Ziel gesetzt, die letzten Heidereste wie die Königsbrunner Heide, die Firnhaberauheide oder die Flugplatzheide in Haunstetten zu erhalten. Wichtige Partner sind dabei diejenigen, die die Heiden über Jahrhunderte genutzt haben: die Wanderschäfer!

 

Seit bald 20 Jahren sind Wanderschäfer wieder in Augsburg unterwegs

Christian Hartl ist Wanderschäfer in der dritten Generation. Erst kürzlich hat er den Betrieb von seinem Vater Josef Hartl übernommen. Mit seinen mehr als 500 Tieren ist er von April bis Oktober im Stadtgebiet unterwegs. Dabei beweidet er hauptsächlich Naturschutzflächen im Stadtwald und im Augsburger Norden. Für seine Dienstleistung wird der Schäfer mit staatlichen Naturschutzgeldern honoriert. „Landschaftspflege ist für uns Wanderschäfer mittlerweile eine der wichtigsten Einnahmequellen geworden. Eine runde Sache wäre es, wenn wir auch unser Produkt, das Lammfleisch, noch stärker in der Region vermarkten könnten“, erklärt Christian Hartl.

 

Hofmetzgerei Ottillinger und Metzgerei Dichtl sowie Wirtshaus Riegele bieten Lechtal Lamm an

Bereits im Jahr 2001 hatte der Landschaftspflegeverband die Marke „Lechtal-Lamm“ ins Leben gerufen. Der patenrechtlich geschützten Marke liegen strenge Produktionskriterien zu Grunde. Aus verschiedenen Gründen ist die Vermarktung leider nahezu eingeschlafen. Über das Projekt „Weidestadt Augsburg“ ist es nun gelungen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Ein Fachbüro konnte beauftragt werden, die Vermarktung neu anzukurbeln. „Nun zeichnen sich erste Erfolge ab“, freut sich Liebig, „denn wir konnten zwei Metzgereien dafür gewinnen, ihren Kunden Lechtal Lamm anzubieten. Auch das Wirtshaus Riegele bietet zwei Lechtal Lamm Gericht auf der Speisekarte an!“. Küchenchef Josef Unertl ist vom Lechtal Lamm begeistert: „Neben der hervorragenden Qualität ist es mir wichtig, dass das Lammfleisch aus der Landschaftspflege in der Region kommt. Nachhaltiger geht es nicht. Das kommt auch bei unseren Gästen gut an. Der Absatz unserer Lechtal Lamm-Gerichte läuft prima!“.

Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
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Tradition, Naturschutz und guter Geschmack

Tradition, Naturschutz und guter Geschmack
Lechtal-Lamm: Lammfleisch von den Lechheiden
Wanderschäfer Christian Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz

Wanderschäfer Christian Hartl zieht auf seine Sommerweide im Stadtwald Augsburg – seine Tiere beweiden dort im Auftrag des Naturschutzes die artenreichen Lechheiden – ab diesem Jahr gibt es wieder „Lechtal-Lamm“ – entweder direkt vom Schäfer oder bei verschiedenen Augsburger Restaurants wie dem Brauhaus Riegele, der Lustküche oder der Berghütte. 

„Wir Schäfer haben die einzigartigen Lechheiden geschaffen und nur mit uns Schäfern kann es gelingen, diese auch für die Nachwelt zu erhalten!“ Christian Hartl, Schäfer.

Schaf-Auftrieb im Stadtwald

Wenn im Mai auf den Lechheiden im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“ die Gräser und Kräuter anfangen zu sprießen, ist es für Wanderschäfer Christian Hartl aus Mühlhausen an der Zeit aufzubrechen. Mit seinen 500 Mutterschafen, einigen Ziegen und seinen beiden Hütehunden zieht er von Mühlhausen über die Firnhaberau 10 Kilometer durch die Grünanlagen am Lechufer bis zum Kuhsee. Dort beginnen die Lechdämme, die bis zur Staustufe 23 zu Hartls Weiderevier im Stadtwald Augsburg gehören. Bis Mitte Oktober wird sich der Schäfer mit seinen Tieren dort aufhalten. Aufgabe der Tiere ist es, auf rund 80 ha Lechheiden den Rasenmäher zu spielen. Denn die zahlreichen seltenen Orchideen, Enziane, Heuschrecken, Schmetterlinge und viele Arten mehr mögen kurzen Pflanzenbewuchs und möglichst wenig schattenwerfende Sträucher und Bäume.

Die Wanderschäfer gehören zu den Lechheiden wie die Fugger zu Augsburg!

 „Über Jahrhunderte zogen Schäfer aus ganz Süddeutschland im Sommer nach Augsburg, um ihre Tiere auf den damals deutlich größeren Lechheiden zu weiden. Was sie hierher lockte, waren günstige Weideflächen und die nahe Textilindustrie als wichtiger Abnehmer für die Schafwolle. Der heute streng geschützte Artenreichtum war damals eher ein Nebenprodukt“, erklärt Nicolas Liebig, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg. Der Verband kümmert sich darum, dass die Beweidung nach Zielen des Naturschutzes abläuft. Außerdem unterstützt und berät er den Schäfer bei der Akquise von Fördermitteln und bei der Vermarktung von Lammfleisch.

Über Jahrhunderte zogen Schäfer aus ganz Süddeutschland im Sommer nach Augsburg, um ihre Tiere auf den damals deutlich größeren Lechheiden zu weiden. Was sie hierher lockte, waren günstige Weideflächen und die nahe Textilindustrie als wichtiger Abnehmer für die Schafwolle. Der heute streng geschützte Artenreichtum war damals eher ein Nebenprodukt“, Nicolas Liebig, Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg

Lechtal-Lamm: Naturschutz schmeckt!

„Wir möchten erreichen, dass Landwirte, die sich für Naturschutz und Landschaftspflege engagieren, davon auch leben können. Neben gut ausgestatteten Fördertöpfen spielt dabei die Vermarktung dieser nachhaltig produzierten Erzeugnisse eine wichtige Rolle“, so der Vorsitzende und Umweltreferent Reiner Erben. Aus diesem Grund hatte der Landschaftspflegeverband bereits im Jahr 2001 die Marke „Lechtal-Lamm“ ins Leben gerufen. Der patenrechtlich geschützten Marke liegen strenge Produktionskriterien zu Grunde. Aus verschiedenen Gründen war die Vermarktung nahezu eingeschlafen. „Über das Projekt „Weidestadt Augsburg“ ist es uns möglich, einen neuen Anlauf zu nehmen. Mit dem Büro ECOZEPT aus Freising haben wir kompetente Fachleute beauftragt, uns dabei zu unterstützen. Ab jetzt kann wieder Lechtal-Lamm erworben werden!“, so Erben.

Wir möchten erreichen, dass Landwirte, die sich für Naturschutz und Landschaftspflege engagieren, davon auch leben können", Reiner Erben, Umweltreferent der Stadt Augsburg

Wanderschäferei in der dritten Generation

Christian Hartl hat erst letztes Jahr die Schäferei von seinem Vater Josef übernommen, der wiederum bereits mit seinem Vater mit den Schafen im Lechfeld unterwegs war. Die Hartls sind stolz auf ihren  Beruf. „Wir Schäfer haben die einzigartigen Lechheiden geschaffen und nur mit uns Schäfern kann es gelingen, diese auch für die Nachwelt zu erhalten!“.  Liebig ergänzt: „Wanderschäfer leisten für den Naturschutz sehr wertvolle aber auch sehr harte Arbeit. Sie ist nur dann wirtschaftlich interessant, solange der Schäfer staatliche Fördermittel aus dem Vertragsnaturschutz erhält. Als Privatpersonen können wir den Schäfer unterstützen, wenn wir sein wichtigstes Produkt, das Lammfleisch, konsumieren!“. Naturschutz kann eben auch durch den Magen gehen!

Wer von Hartls Lammfleisch beziehen möchte, kann das tun unter 08207/9638451 oder über per Email: bestellungen@lechtal-lamm.de

Bisher bieten folgende Restaurants in Augsburg Lechtal-Lamm auf ihrer Speisekarte an:

  • Wirtshaus Riegele, Frölichstraße 26
  • Stormann’s, Stadtmarkt
  • Berghütte, Predigerberg 14
Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
500 Schafe ziehen durch Augsburg-Lechhausen - Wanderschäfer Christian Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Nicolas Liebig
500 Schafe ziehen durch Augsburg-Lechhausen - Wanderschäfer Christian Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Nicolas Liebig
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