Vertikale Gärten und grüne Fassaden für Augsburg

Jetzt planen - 2021 genießen. Die kostenlose Praxisanleitung gibt wertvolle Tipps.

Dieser Lifeguide-Artikel erscheint am 15.Oktober  2020 auch in der Purpur, dem Magazin zu verantwortungsvollem Leben in Augsburg und Umgebung aus dem Hause liesLotte.

 

Die Architektin Sabine Pfister und die Urban-Gardening-Expertin Tine Klink haben eine detaillierte Praxis-Anleitung für vertikale Gärten erstellt und erprobt. Mit individueller Bestandsaufnahme, Pflanzenlisten und Ideen für Kletterhilfen. Die Broschüre „Grüne Fassaden für Augsburg. Vertikale Gärten – planen – bauen und genießen – eine Anleitung“ ist jetzt kostenlos erhältlich.


Herbst und Winter sind wie geschaffen dafür, sich für das kommende Gartenjahr inspirieren zu lassen und neue Pläne zu entwickeln. Und warum sollten wir dabei nicht auch einmal eine ungewohnte Perspektive einnehmen? Und in die Höhe denken? Gerade wenn man mitten in der Stadt wohnt und nicht viele Quadratmeter Boden zur Verfügung hat.

Wir denken an eine Dimension, die nur eine Stadt zu bieten hat und die oft als Nachteil definiert wird: die Höhe. Und auf einmal erschließen sich vielfältige zusätzliche Möglichkeiten! Der vermeintliche Nachteil wird zum Vorteil. Fassaden, leere Hauswände oder langweilige Mauern sind die Grundlage für unser grünes Augsburg – eine Stadt mit vertikalen Gärten." Sabine Pfister., Architektin.

Denn fast alle Fassaden eignen sich für eine Begrünung. Im Rahmen des bundesweiten Förderprogrammes Kurze Wege für den Klimaschutz und in Zusammenarbeit mit dem Büro für Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg erprobten die beiden Fachfrauen ihren Gegenentwurf zur steinernen Stadt an einem Kita-Container und einem Einfamilienhaus in Augsburg.

Die Argumente für begrünte Hauswände liegen auf der Hand: Sie verändern unsere Straße, unser Viertel und letztendlich auch uns. Pflanzen verbessern die Luftqualität und locken Vögeln und Insekten an. Das gesamte Quartier wird bunter, lebenswerter und menschenfreundlicher.

Ein „Grüner Mantel“ ist nicht nur schön, er spart auch Energie und verbessert das Klima. Im Sommer sorgen vertikale Gärten für schattige, kühle Straßen.“ Sabine Pfister.  

Sylvia und Niklas Schaab aus Göggingen mussten von diesen Argumenten nicht lange überzeugt werden: Sie beschlossen, ihr über 100 Jahre altes Haus zu begrünen und nahmen am Projekt Kurze Wege für den Klimaschutz teil. In der Praxisphase zeigte sich, dass es gut war, bei der Fassadenbegrünung auf die Expertise sowohl einer Architektin, als auch einer Urban-Gardening-Expertin zurückgreifen zu können.

Die Planung und Bestandsaufnahme war bei uns sehr wichtig. Dabei werden die Fassade, der Putz, der Haussockel und der Fassadenanstrich geprüft." Sylvia Schaab, Hausbesitzerin.

Für die Familie war auch eine detaillierte, maßstabsgerechte Zeichnung von möglichen Begrünungs-Ideen eine gute Entscheidungshilfe. Insgesamt haben die Vorbereitungen - mit der Entfernung von Bodenplatten, dem Fassadenanstrich und der Bodenverbesserung - länger gebraucht, als erwartet. „Dafür haben wir aber eine solide Grundlage für die kommenden Jahre“, so Niklas Schaab.

Bei der Auswahl der Pflanzen sind unter anderem die Himmelsrichtung, die Bodenqualität, die Bewässerung und natürlich der vorhandene Platz für eine Pflanze entscheidend.“ Tine Klink, Urban Gardening-Expertin.

"Und eine Pflanze sollte auch zum Charakter des Hauses passen“, ergänzt Sabine Pfister. Die Schaabs haben sich für Kletterrosen an der Südseite ihres freundlichen, gelben Vorstadthauses entschieden. Das unterstreicht den Charakter des Gebäudes von 1895.

In ihrer Broschüre haben Tine Klink und Sabine Pfister ihre Erfahrungen verarbeitet und vor allem Wert auf eine praxisnahe Beschreibung gelegt. Von kurzen Anleitungen zum Bau von Holz-Rankgerüsten, über die Auswahl der richtigen Kletterhilfe, bis hin zu praktischen Pflanzlisten, hilfreichen Links und einer „Checkliste“, wird jeder Schritt leicht verständlich begleitet. Darüber hinaus sind die beiden Begrünungsexpertinnen auch in Zukunft offen für Fragen von Interessierten.

In vielen anderen Städten werden vertikale Gärten bereits mit Zuschüssen für Pflanzen und Rankhilfen gefördert. Manche Gemeinden bieten auch Hilfe bei Behördengängen an. Das kann bei der Fassadenbegrünung von Mehrfamilienhäusern sehr sinnvoll sein. Denn hier sind häufig öffentliche Flächen involviert, wie etwa Gehwege. 

Wir wollen mit unserer Broschüre möglichst viele Menschen - und gern auch die Stadt Augsburg - für grünen Fassade begeistern und alle Interessierten dabei unterstützen, dass in unserer Stadt bald einige vertikale Gärten in den Himmel wachsen.“ Sabine Pfister, Architektin.
 

INFO:

Die Broschüre „Grüne Fassaden für Augsburg. Vertikale Gärten – planen – bauen und genießen – eine Anleitung“ gibt es kostenlos:

Fassadenbegrünung, Foto: Sabine Pfister
Fassadenbegrünung, Foto: Cynthia Matuszewski
Fassadenbegrünung, Foto: Sabine Pfister
Fassadenbegrünung, Foto: Cynthia Matuszewski
Fassadenbegrünung, Foto: Cynthia Matuszewski
Fassadenbegrünung, Foto: Cynthia Matuszewski
Fassadenbegrünung, Foto: Sabine Pfister

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

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