1 - 4 von 4 wird angezeigt

Smartphones zurück in den Ressourcen-Kreislauf!

Smartphones zurück in den Ressourcen-Kreislauf!
Macht Platz in euren Schubladen und Schränken! Schont Ressourcen und gebt jetzt eure Handys, Smartphones und Tablets an einer der vielen Sammelstellen vom Kolpingwerk ab und damit zurück in den Wertstoff-Kreislauf.
Handy, Rohstoffe, seltene Erden, recyclen, Foto von Bruno Germany auf Pixabay

    Mehr als 200 Millionen ausgedienter Handys liegen ungenutzt in deutschen Schubladen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitcom (2021) hervor. In diesen Geräten verbergen sich rund 6.000 Kilogramm Gold sowie weitere wertvolle Rohstoffe. Der geschätzte Wert der Ressourcen in unseren Schränken und Schubladen wird auf mehr als 250 Millionen Euro geschätzt. Wenn ihr in euren Schubladen also auch noch solche "alten Schätzchen" habt, ist es Zeit für eine Aufräumaktion, die euch Platz verschafft, Ressourcen schont und eurem Handy vielleicht sogar neues Leben einhaucht.

     

    Missio und das Kolpingwerk in Augsburg arbeiten seit 2018 mit Mobile-Box in Köln zusammen und sammeln an zahlreichen Stellen in Augsburg und Umgebung eure Altgeräte - wie Handys, Smartphones, Tablets und Ladekabel. Die Handys werden dann an Mobile Box weitergegeben. Das Unternehmen wurde 2012 von zwei Studenten gegründet und beschäftigt mittlerweile mehr als 20 Mitarbeiter*innen. Mobile-Box ist ein beim Umweltamt angezeigtes Rücknahmesystem für gebrauchte Mobiltelefone. Zurückgenommene Alt-Handys werden hier einer umweltgerechten Verwertung zugeführt. Mit jedem gesammelten Gerät werden gleichzeitig Umweltschutzgruppen oder gemeinnützige Vereine finanziell unterstützt.

    10 bis 20 Prozent der Handys können wiederverwendet werden

    Ist euer Handy noch gut in Schuss oder gebrauchsfähig, gehört es zu den 10 - 20 Prozent der Mobiltelefone, die innereuropäisch wiederverwendet werden, nachdem sie geprüft, teilweise repariert und mittels herstellereigener Verfahren von persönlichen Daten bereinigt wurden. Mobil Box handelt dabei nach einem der zentralen Grundsätze des Kreislaufwirtschaftsgesetzes: „Wiederverwendung vor Verwertung“. Als „Refurbished Handy“ gelangt euer Handy in den Shop von Mobil Box, Future-Phones, und macht einen neuen Nutzer oder eine neue Nutzerin glücklich.

    Etwa 80 – 90 Prozent, also ein Großteil der gesammelten Handys, ist nicht mehr gebrauchsfähig. Diese Geräte werden in einem zertifizierten Recycling-Betrieb auseinandergenommen und in Sekundär-Rohstoffe zerlegt. Dazu gehören wertvolle und teils sehr seltene Metalle, wie Gold, Silber und Kupfer. Diese müssen nicht mehr umweltschädigend in Bergwerken auf der ganzen Welt abgebaut werden, womit ihr mit eurer Handyspende einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leistet. Beim Recycling werden die Handys und damit alle Daten physisch zerstört.

    Umwelt schützen - Menschenrechtsverletzungen verhindern

    Wenn ihr euch also von euren alten Handys trennt, könnt ihr nicht nur Elektroschrott vermeiden und Ressourcen schonen, sondern auch Umweltsünden und häufig sogar Menschenrechtsverletzungen verhindern, die häufig mit der Rohstoffgewinnung einhergehen.

    Ihr, eurer Verein oder eure Initiative haben die Möglichkeit eine Sammelbox aufzustellen? Dann wendet euch an das Kolpingwerk in Augsburg: Kolpingwerk Bezirksverband Augsburg.

    Hier geht's zu Karte mit bundesweiten Abgabestellen.

     

    Sammelstellen für Handys in der Stadt Augsburg:  

    Die Sammelstellen sind zu den jeweils üblichen Öffnungszeiten erreichbar. In den Kirchen ist die Abgabe vor und nach dem Gottesdienst möglich.   

    •     86156 Bärenkeller: zentr. Pfarrbüro Oberhausen-Bärenkeller, Hirblinger Str. 3
    •     86156 Bärenkeller: Kirche St. Konrad, Bärenstr.22    
    •     86152 Innenstadt: Kolpinghaus Augsburg Diözesanbüro, Jesuitengasse 8 
    •     86152 Innenstadt: 2er Bistro, Frauentorstr. 29  
    •     86152 Innenstadt: Pforte des Bischöflichen Ordinariats, Fronhof 4
    •     86152 Innenstadt: Pforte des Bischöfliches Ordinariats, Hafnerberg 2   
    •     86150 Innenstadt: Haus St. Ulrich Rezeption, Kappelberg 1  
    •     86150 Innenstadt: Moritzpunkt, Maximilianstr. 28  
    •     86150 Innenstadt: Haus St. Ulrich, Kirche + Umwelt, Kappelberg 1
    •     86167 Lechhausen: Bäckerei/Konditorei Mück, Kolbergstr. 14
    •     86167 Lechhausen: Bäckerei/Konditorei Mück, Zietenstr. 1
    •     86167 Lechhausen: REWE Markt Bernd Stummer, Neuburger Str. 176
    •     86154 Oberhausen: Jugendzentrum h2o SJR Augsburg, Zollernstr. 41
    •     86154 Oberhausen: Freizeitsportanlage Oase, SJR Augsburg, Wiesenstr. 9
    •     86156 Oberhausen: Kirche St. Martin, Zirbelstr. 21
    •     86156 Oberhausen: Kirche St. Peter + Paul, Hirblinger Str. 3
    •     86156 Oberhausen: Kirche St. Joseph, Donauwörther Str. 9   
    •     86391 Stadtbergen/Deuringen: Kirche St. Gabriel, Kapellenstr. 1-9
    •     86391 Stadtbergen/Deuringen: Kirche Zum Auferstandenen Herrn, Riedstr. 14
    •     86391 Stadtbergen/Deuringen: Kirche St. Nikolaus, Schulstr. 2
    •     86391 Stadtbergen/Deuringen: Maria, Hilf den Christen,Bismarckstr. 63            

     

    Sammelstellen für Handys im Landkreis Augsburg:    

    Die Sammelstellen sind zu den jeweils üblichen Öffnungszeiten erreichbar. In den Kirchen ist die Abgabe vor und nach dem Gottesdienst möglich.           

    •     86368 Gersthofen: Katholisches Pfarramt, Schulstr. 1      
    •     86368 Gersthofen: Evangelisches Pfarramt, Ludwig-Hermann-Str. 25   
    •     86368 Gersthofen: Ballon-Museum Gersthofen, Bahnhofstr. 12   
    •     86368 Gersthofen: Vitalba - italienischer Modefriseur, Bahnhofstr. 32
    •     86368 Gersthofen: Rathaus Gersthofen, Rathausplatz 1
    •     86368 Gersthofen: Anna-Pröll-Schule Gersthofen, Theresienstr. 12
    •     86368 Gersthofen: Orthopädieschuhtechnik Grashei, Griesstraße 2
    •     86391 Stadtbergen/Deuringen: Kirche St. Gabriel, Kapellenstr. 1-9
    •     86391 Stadtbergen/Leitershofen: Zum Auferstandenen Herrn, Riedstr. 14    
    •     86391 Stadtbergen:  Kirche St. Nikolaus, Schulstr. 2      
    •     86391 Stadtbergen: Kirche Maria, Hilf den Christen, Bismarckstr. 63  
    •     86391 Stadtbergen: Pfarrbüro Stadtbergen, Bismarckstr. 63

                   

    Sammelstellen für Handys bei der Kolpingsfamilie in Mering:

    •     Pfarramt
    •     Bücherei
    •     Kindergarten St. Margarita
    •     Kindertagesstätte St. Afra
    ×

    Reich an Rohstoffen und dennoch arm

    Reich an Rohstoffen und dennoch arm
    Sie sind die reichsten Länder der Welt. In ihren Böden lagert Gold in Hülle und Fülle. Sie verfügen über Öl, Gas und Seltene Erden. Und trotzdem sind die Menschen hier bitterarm. Der Ressourcenfluch betrifft vor allem Afrika, Asien und Lateinamerika.
    fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade

    70 Prozent der Bevölkerung in rohstoffreichen Ländern müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag überleben. Der Fachausdruck für diesen inakzeptablen Zustand ist Ressourcenfluch. In Afrika sind über 20 Länder betroffen und auch in Lateinamerika und Asien trifft es viele ressourcenreiche Länder.

     

    Bekannte Beispiele sind Nigeria, Venezuela und Indonesien. Besonders drastisch trifft der Ressourcenfluch die Demokratische Republik Kongo mit seinen Goldvorkommen. Das wertvolle Gold aus der roten Erde des zentralafrikanischen Staates findet sich in nahezu allen Smartphones oder Laptops dieser Welt. Häufig stammt das kongolesische Gold aus illegalen Geschäften.

     

    In Afrika lagern 40% der weltweiten Goldvorkommen, aber trotz dieser und anderer  enormer Rohstoffvorkommen produziert der Kontinent nur 3% des Wertes aller weltweit hergestellten Waren und Dienstleistungen. Auf dem Weltmarkt sind afrikanische Produkte kaum zu finden, noch nicht mal ein Kugelschreiber oder eine Luftpumpe! Das Schicksal des Kontinentes ist beispielhaft für den fatalen Zusammenhang von reichen Bodenschätzen und einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung. Das Gold aus dem Kongo steht in diesem Artikel exemplarisch für zahlreiche andere Rohstoffe, die weltweit von der Industrie verarbeitet werden - wie Kobalt , Seltene Erden oder Seltene Metalle.

     

     

    Mit dem Gold wird die Verantwortung verkauft

    Angefangen mit dem Kolonialismus sind seit jeher internationale Großunternehmen an den Goldvorkommen der Länder interessiert. Sie schlachten in großen Minen systematisch die Bodenschätze aus, exportieren die Rohstoffe und bringen die Länder politisch und wirtschaftlich aus dem Gleichgewicht. 

     

    Denn der Handel mit Rohstoffen ist oft die größte und einzige Einnahmequelle der Regierungen. Die Steuern der Einwohner*innen spielen keine wichtige Rolle, entsprechend gering ist der Einfluss der Bevölkerung auf ihre Staatsoberhäupter. Das nutzen viele Regierungen aus, um sich persönlich zu bereichern. Und auch durch Bestechungsgelder verschwindet viel Geld in privaten Taschen.

     

    Das Wohl der Allgemeinheit, Bildung und soziale Maßnahmen hingegen werden kaum gefördert. Auch eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft wird vernachlässigt. Besonders gravierend ist dies in Bezug auf die Landwirtschaft: Die Bevölkerung ist dadurch immer weniger in der Lage, sich selbst mit einheimischen Nahrungsmitteln zu versorgen.

     

    Folgen für Mensch und Natur

    Die Arbeitsbedingungen in den großen industriellen Minen aber auch in kleineren, familiären Bergbaubetrieben in Ländern des globalen Südens (Entwicklungsländern) sind in vielen Fällen miserabel. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen mit ihrer körperlich anstrengenden Arbeit nicht genug Geld, um ihre Familien zu ernähren. Kinderarbeit ist deshalb weit verbreitet. Zehntausende Kinder suchen weltweit in Minen nach dem begehrten Edelmetall. Viele können dadurch die Schule nicht besuchen. Sich eine bessere Zukunft aufzubauen und damit dem Ressourcenfluch zu entkommen, bleibt ihnen verwehrt.

      Die 100 Millionen Erwachsene und Kinder, die weltweit im Rohstoffabbau arbeiten, gefährden dabei ihre Gesundheit. Rund zehn Prozent des geförderten Goldes kommt aus kleinen, nicht offiziell zugelassenen Minen. Gerade in diesen Minen bekommen die Schürfer*innen keine Schutzausrüstung, sie atmen tagtäglich viele Stunden Staub und teilweise giftige Substanzen ein. Lungenerkrankungen wie Asthma sind weit verbreitet. Viele Minen sind nicht ausreichend gesichert. Von Hand gegrabene Schächte und Tunnel drohen einzustürzen und führen zu schweren Unfällen mit tödlichen Folgen.

     

    Tödlich kann auch der ungeschützte Kontakt mit giftigen Substanzen enden. Gold zu gewinnen ist sehr aufwendig, es kommt im Boden nur in geringen Konzentrationen und als feine Partikel vor. Um es abzubauen wird das hochgiftige Zyanid oder Quecksilber verwendet. Ohne Schutzausrüstung sind Hautentzündungen und Vergiftungen die Folge. Und auch die Umwelt leidet unter diesen Substanzen. Das Grundwasser wird vergiftet, Tiere und Pflanzen streben.

     

    Zertifiziertes, faires Gold erkennen

    Seit einigen Jahren rückt die Herkunft des Goldes immer mehr in den Fokus. Vom einfachen Minenarbeiter zum Zwischenhändler, weiter an die internationalen Umschlagplätze bis zur Verarbeitung von Gold - von der Abbaumine bis zum Endverbraucher -  ist es ein weiter Weg.  In den letzten Jahren haben sich mehrere freiwillige Initiativen und auch internationale Standards und Regularien entwickelt, die das Goldgeschäft nachhaltiger gestalten sollen. Neben besseren Arbeitsbedingungen für die Goldschürfer*innen weltweit, ermöglichen diese Standards den Verbraucher*innen, zurückzuverfolgen, woher das Gold kommt und unter welchen Bedingungen es gewonnen wurde.

     

    Die „Alliance for Responsible Mining“ ist ein Pionier im Bereich des verantwortungsvollen Goldbergbaus. Das Netzwerk aus Organisationen, Umweltschützer*innen und Unternehmen zeichnet mit dem Siegel „Fairmined“ Goldminen aus, die beim Abbau soziale und ökologische Standards einhalten. Die Arbeitsplätze und der Arbeitsprozess sind sicher. Sie verzichten auf Kinderarbeit und setzen Chemikalien sicher und reduziert ein. Das Siegel garantiert den Minen einen Mindestpreis und zusätzliche Prämien, wenn sie die Standards einhalten. Die Alliance for Responsible Mining betreut und unterstützt zertifizierte Minen außerdem bei der Einhaltung der Standards.

     

    Auch der Verein TransFair vergibt ein Fair Trade Siegel für Gold und Edelmetalle. Das Siegel steht für besseren Schutz von Mensch und Umwelt im Goldabbau, damit die Minenarbeiter ihre Lebenssituation und die ihrer Familie aus eigener Kraft langfristig verbessern können. Für zertifiziertes Gold bekommen die Minen einen stabilen Mindestpreis und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie. Bestimmungen für Arbeits- und Umweltschutz werden eingehalten, die Minenarbeiter*innen können vom Goldabbau leben und ihre Kinder eine Schule besuchen. Wer mit dem Kauf von Schmuck fairen Handel unterstützen möchte, findet Händler*innen und Goldschmiede, die mit zertifiziertem Gold arbeiten, im fairtrade-Produktfinder.

     

    Das nachhaltigste Gold ist recyceltes Gold

    Wer in Deutschland Schmuck bei einem Goldschmied kauft, muss sich nicht allzu große Sorgen um die Herkunft des Goldes machen. " Wir sind die ältesten Recycler der Welt", sagt  Reiner Fein vom Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere.

     

    Mehr als 90 Prozent des Goldes, das deutsche Goldschmiede verarbeiten, ist recyceltes Gold. "Die größten, unstillbaren „Hungerer“ nach Gold sind nicht die Juweliere, sondern die Anleger, die Gold als Kapitalanlage kaufen und die Industrie, die den Rohstoff für Handys, Katalysatoren in PKWs oder für Computer benötigen“, so  Sophia Singer, Augsburger Goldschmiedemeisterin.

     

    Sophia Singer verwendet hauptsächlich recyceltes Gold für ihre Werke. Das hat in ihrem Handwerk seit Jahrtausenden Tradition. Für die Schmuckdesignerin ist das nicht nur eine Frage der Wertschätzung des teuren Materials, sondern auch eine Frage der Nachhaltigkeit:  „Jedes Material, das wir recyceln können ist besser und nachhaltiger, als frisch abgebautes Material“, so Sophia Singer. Bei Schmuck ist es also relativ einfach, nachhaltig zu handeln. Altes Gold einschmelzen und daraus neue Lieblingsstücke zu machen, verbraucht keine neuen Ressourcen. Die Geschichte des alten Schmuckstücks lebt im Neuen weiter. Dafür werden keine Menschenrechte verletzt und der Ressourcenfluch wird nicht weiter befeuert.

     

    Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex

    Um ein Umdenken zu initiieren ist es beim Kauf von Smartphones, Handys oder Laptops  wichtig, nachzufragen, woher das Material stammt und unter welchen Bedingungen es abgebaut wurde. Eine Liste mit fairen Handys und Smartphones stellt Utopia zur Verfügung. Auch wer Gold als Geldanlage verwendet, sollte die Herkunft klären.

     

    Zertifizierungen von Gold beziehungsweise von Rohstoffen allein lösen aber nicht das Problem des Ressourcenfluchs. Die Zertifizierungen erhöhen zwar die Transparenz in der Lieferkette und können zu einer Verbesserung der Lebensumstände der Minenarbeiter beitragen, die Konflikte rund um die Minen und die sich selbst bereichernden Regierungen bleiben jedoch bestehen. Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex. Es braucht dafür sowohl ein Umdenken in der Politik der rohstofffördernden Länder als auch im Konsumverhalten der Länder, deren Industrie von den Rohstoffen profitiert.

     

    Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

    Dieser Artikel ist ein Ergebnis des zweiten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2018/ 2019 im Fachbereich Geographie anboten. Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab.

     

    argolla_ecogold_c_ana_moltke_huitfeldt_eco_gold
    Eco Gold
    fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
    Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
    stacked_rings_cbario-neal_stamp2
    cbario-neal_stamp2
    fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
    Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
    Das Fairmined Logo garantiert faire Arbeitsbedingungen in den Minen. Logo: Faimined
    Logo Fairmined
    fairtraide, faires Gold, Logo: Fairtrade
    Das Fairtrade-Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen und fair gehandeltes Gold. Foto: Fairtrade
    ×
    Sand - der endliche Rohstoff Maike Radermacher Do., 13.09.2018 - 12:44
    Sand - der endliche Rohstoff
    Die Baubranche boomt - und Sand ist dabei ein wichtiger Rohstoff. Aber wir brauchen unbeding Alternativen zu diesem Baumaterial.
    Sand ist nach Luft und Wasser die am meisten genutzte Ressource unseres Planeten

    Wenn wir an Sand denken, taucht vor unserem inneren Auge meist ein Bild von unendlichen, weißen Stränden auf. Oder der Sandkasten, in dem Kinder mit Sandeis spielen. Sand scheint im Übermaß vorhanden zu sein. Das ist er aber nicht.

     

    Die boomende Baubranche

    Die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, hat bereits 2014 zum ersten Mal offiziell auf die Sandknappheit hingewiesen. Bislang hat sich an der Sandnachfrage jedoch nichts geändert. Der Sandverbrauch der Bauwirtschaft in den Industrieländern, China, Indien und anderen Schwellenländern lag 1990 bei 7.963 Millionen Tonnen. Schätzungen zufolge wird der Verbrauch bis 2050 um 460% auf 37.215 Millionen Tonnen ansteigen.

     

    Sandabbau

    Die Bauindustrie wächst unaufhaltsam. Bis 2100 wird die Weltbevölkerung um 21% wachsen. Außerdem zieht es die Menschen in den urbanen Raum: Zum ersten Mal in der Geschichte lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Bis 2050 soll dieser Prozentsatz auf 66% ansteigen. Außerdem bleibt Wohnungsbau aufgrund von historisch niedrigen Zinsen und explodierenden Immobilienpreise sehr lukrativ. Alle diese Entwicklungen benötigen enorme Mengen an Baumaterial – allen voran Sand.

    Es wird nicht nur auf Land gebaut, teilweise muss sogar erst zusätzliches Land entstehen. So zum Beispiel in Singapur. Dem Inselstaat wurde bereits ein Fünftel des Landes künstlich hinzugefügt, bis 2030 möchte es um weitere 100 Quadrat-Kilometer wachsen. Die Landgewinnung wird durch den massiven Import aus drei Ländern ermöglicht: Vietnam, Kambodscha und Malaysia. Diese Länder haben den Export wegen Sandknappheit offiziell eingestellt. Singapurs Statistiken zufolge wird Sand jedoch weiterhin zum Beispiel aus Kambodscha importiert – auf illegalem Wege.

     

    Alternativen zu den winzigen Körnchen

    Sand ist eine sich dem Ende neigende Ressource und bislang – vor allem in der Bauindustrie – unersetzlich. Maßnahmen sind bislang eher rar. Eine naheliegende Alternative ist das Recycling von Baumaterial. In Deutschland könnte 80% der jährlich anfallenden 50 Millionen Tonnen Bauschutt recyclet werden. Aber so lange der Sand günstig ist, wird das nicht passieren.

    Andere Forscher beschäftigen sich mit der Idee, Sand in Betongemischen mit einer Alternative zu substituieren. So auch das Team der Stanford und Brown Universität in den USA mit ihrem Projekt REGObrick: Es forscht an einer Methode, neue Werkstoffe mit Hilfe von Bakterien zu züchten, die den Sand im Beton ersetzten können. Meeressand könnte auch mit dem bislang für Beton untauglich geltenden Wüstensand substituiert werden. Die Firma Polycare Research Technology in Thüringen arbeitet an Techniken, Wüstenstand für die Bauindustrie interessant zu machen. Dabei wird der Sand mit Polyesterharzen gebunden, was den Sandkörnern Oberflächenhaftung verleiht und ihn damit auch zum Bauen nutzbar macht. Weitere denkbare Alternativen können auch Ton und Lehm sein.

     

    • Viele Grafiken zu dem Thema findet ihr hier: www.trademachines.com/info/sand
    • Hier findet ihr eine gute Grafik, die alle Fakten zum Thema Sand zusammenfasst.
    • Einen weiteren Lifeguide-Artikel mit Verbrauchertipps zum Thema Sand findet ihr hier
    ×

    Sand – knapper Rohstoff unserer Zeit

    Sand – knapper Rohstoff unserer Zeit
    Kein fester Rohstoff wird häufiger verwendet als Sand: Er findet sich in Beton, Glas, Computer-Chips, Putzmitteln, Kosmetika. Und so unglaublich es klingt: Uns geht der Sand aus.
    Sand ist nach Luft und Wasser die am meisten genutzte Ressource unseres Planeten

    Sand ist nach Luft und Wasser die am meisten genutzte Ressource unseres Planeten. Er steckt in Computerchips, Kunststoffen, Kosmetik und Glas, wird zur Textilherstellung und in der Baubranche verwendet. Insgesamt gibt es mehr als 200 Nutzungsbereiche für diesen Rohstoff. Der kontinuierliche Abbau bleibt jedoch nicht folgenlos.

     

    Sand – ein begehrter Rohstoff

    Sand rückt zunehmend in den Fokus von Umweltverbänden und Wissenschaftler*innen. Der Bundesverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) kürte Sand deshalb zum Gestein des Jahres 2016. Ökonomisch betrachtet ist um den immer knapper werdenden Rohstoff mittlerweile sogar ein regelrechter Kampf entstanden.

     

    Die UN Umweltbehörde UNEP beziffert in Ihrem Bericht 2014 die globale Abbaumenge auf geschätzte 47 bis 59 Milliarden Tonnen Sand und Kies pro Jahr. Allein für die Betonherstellung - Beton besteht zu zwei Dritteln aus Sand - wurden laut UNEP im Jahr 2012 zwischen 25,9 und 29,6 Milliarden Tonnen Sand und Kies verwendet. Diese Menge würde ausreichen, eine 27m hohe und 27m breite Betonmauer entlang des Äquators zu bauen (vgl. UNEP 2014).

     

    Der enorme Sandverbrauch ist v.a. begründet durch den anhaltenden Bauboom aufstrebender Länder und die eingeschränkte Verwertbarkeit von Wüstensand. Beispielsweise verbaute China in den letzten drei Jahren genauso viel Sand, wie die USA in den letzten 100 Jahren (AZ 25.06.2016).

     

    Sand ist aber nicht gleich Sand. Für die industrielle Verwertbarkeit, insbesondere für die Betonherstellung, wird kantiger Sand benötigt. Der rundgeschliffene und feine Wüstensand eignet sich nicht, weil er sich nicht verkeilen kann. Daraus hergestelltes Baumaterial wäre porös und brüchig. So lässt sich erklären, dass Wüstenstaaten wie Dubai für ihre enormen Bauvorhaben wie „The World“ und dem mit 828 m höchsten Wolkenkratzer der Welt „Burj Khalifa“ Sand aus Australien importieren mussten.

     

    Die NASA hat mit eindrücklichen Satellitenbildern die Aufschüttung der künstlichen Inseln dokumentiert: http://climate.nasa.gov/images-of-change#467-artificial-islands-united-arab-emirates

     

    Strände verschwinden

    Sand hat sich zu einem Gut entwickelt, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Der illegale Sandabbau an vielen Stränden der Welt, in Flüssen, an Land oder auf hoher See, zieht enorme ökologische und soziale Folgen nach sich. Die Sandmafia lässt in Ländern wie Marokko oder Indien ganze Strände abtragen – zurück bleiben Mondlandschaften.

     

    Doch auch in anderen Teilen der Erde sind die Strände bedroht. Neben dem direkten Sandabbau der Strände spielt auch der Abbau auf hoher See eine Rolle. Mit riesigen Saugrüsseln wird der Meeresboden eingesaugt, samt der dort lebenden Flora und Fauna. Vom Land her rutscht der Sand nach und lässt die Strände schrumpfen. Außerdem fällt der Nachschub aus den Flüssen immer geringer aus. Jahrtausende lang lieferten die Flüsse durch den Transport von Geröll und Kies aus den Gebirgen Sand ins Meer. Doch durch die weltweit über 850 000 Staudämme (BUND) bleibt ein Großteil in den Stauseen zurück. Zusätzlich wird auch der Sand aus den Flüssen direkt abgebaut.

     

    Viele Staaten begegnen dem Problem schwindender Strände mit Sandaufschüttungen. Miami Beach, künstliche Strände in Teneriffa oder die deutsche Insel Sylt sind nur einige Beispiele dafür. Für die Aufschüttung künstlicher Strände wird vor der Küste liegender Sand mit Saugrüsseln vom Meeresboden an den Strand gespült. Dabei wirbeln feine Sedimente auf, die sich auf die Pflanzen und Tiere legen und diese ersticken. Nachhaltig sind derartige Maßnahmen leider nicht, da ein aufgespülter Strand aufgrund seiner Struktur und Form bis zu zehnmal schneller erodiert als natürlicher.

     

    Sandrecycling und Sparmaßnahmen

    Mittlerweile gibt es bereits recycelten Sand aus Altbeton- und Glas und es wird an der Herstellung von Sand aus Müllteilen oder der Nutzung von Wüstensand geforscht. Letztendlich muss aber neben dem Recycling auch an die Einsparung des Rohstoffs gedacht werden.

     

    Bis zur Fertigstellung eines einzelnen mittelgroßen Wohnhauses werden bis zu 200 t Sand verbaut, für einen Kilometer Autobahn sogar bis zu 300 000 t. Außerdem steckt Sand in vielen Alltagsprodukten wie dem Smartphone oder Fernseher.

     

    Tipps für die Verbraucher*innen:

    • Nutzen Sie die Gebrauchsdauer von Alltagsprodukten aus. Eine Neuanschaffung ist aus Umweltsicht meist der schlechtere Weg, auch wenn beispielsweise die Waschmaschine nicht die optimale Energieeffizienzklasse hat.
    • Lassen Sie öfter mal Ihr Auto stehen. Weniger Individualverkehr erfordert weniger Straßenneubauten und Sanierungen.
    • Energiesparmaßnahmen sparen neben Energie auch Sand ein, weniger Kraftwerke und Staudämme müssen gebaut werden.
    • Überdenken Sie Ihren Platzbedarf. Laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung stieg der Wohnraum der Deutschen von 1998 mit 39 m² auf 45 m² pro Person im Jahr 2013. Einen Altbau zu sanieren macht aus ökologischer Sicht oft mehr Sinn, als ein neues Haus zu bauen.

     

    Weitere Informationen:

    ARTE: http://future.arte.tv/de/sand/sand-zahlen-und-fakten

    BIB: http://www.bib-demografie.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Download/Grafik_des_Monats/2013_07_pro_kopf_wohnflaeche.pdf?__blob=publicationFile&v=3

    BNHS: http://bnhs.org/bnhs/

    Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/checkpoint-bpb-die-montagsgespraeche/229430/checkpoint-bpb-die-montagsgespraeche-auf-sand-gebaut-eine-ressource-verschwindet

    DIE ZEIT: http://www.zeit.de/2014/34/strand-sand-verschwinden/seite-4

    United Nations Environnement Programme (UNEP):  http://www.unep.org/pdf/UNEP_GEAS_March_2014.pdf

    Umwelt im Unterricht http://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/baustoffe-ressourcen-und-nachhaltiges-bauen/

    Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.de/daten/flaechennutzung/flaechenverbrauch-fuer-rohstoffabbau

    Schrot und Korn: http://schrotundkorn.de/lebenumwelt/lesen/jedes-sandkorn-fehlt.html

    Filmtipp:

    Arte Sand - die Umweltzeitbombe

     

    ×
    KONTAKT