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"Eine Fahrradstadt ist eine menschenfreundliche Stadt"

"Fahrradstadt ist eine menschenfreundliche Stadt"
Sven Külpmann lebt seit 2003 autofrei. Er wünscht sich, dass seine Enkel auf den Straßen der Innenstädte spielen können, er würde die Maxstraße zum grünen Boulevard umgestalten und die Tram als Teil der Lieferkette nutzen.
Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski

Sven Külpmann, wuchs mit Benzin im Blut auf und lebt dennoch seit 2003 autofrei. Er arbeitete lange hauptberuflich als Webentwickler, war aktiv bei der Augsburger Bikekitchen, sammelte mit seinem Bilderblog „Things on Augsburgs Lanes“ ein 2.000 Bilder starkes Album der Fehlnutzung von Radwegen und initiierte die Bürgerinitiative Fahrradstadt 2020. Heute schreibt er in der Augsburger Allgemeinen die Kolumne „Radlerleben“ Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Lastanfahrradladens Elephant Cargo in Augsburg.

 

Steckbrief:

  • Name: Sven Külpmann
  • Beruf: Webentwickler und Lastenradberater
  • Geboren in: Lindau
  • Lebt in: Augsburg
  • Lieblingsort: auf dem Rad

 

Du lebst seit 2003 autofrei. Was hat dich dazu bewegt?

Sven Külpmann: Ich lebte damals in der Heidelberger Altstadt. Irgendwann waren die Parkkosten, Knöllchen, Abschleppgebühren und die Instandhaltungskosten für den 14 Jahre alten Passat Variant schlicht zu hoch für den studentischen Thekenjob.

 

Ganz ehrlich: Wie häufig und in welchen Situationen hast du schon mal einen Pkw vermisst?

Ich lebte eine Weile im tiefsten Schwarzwald. Da hätte ein Auto sicherlich dabei geholfen öfter einen Tapetenwechsel zu bekommen.

"Aktuell vermisse ich den Pkw tatsächlich nie, denn mein Lastenrad hat Laderaum für über 400 Liter und 175 Kilogramm Zuladung."

Sven Külpmann

Einzig meine Lebenspartnerin greift seit einiger Zeit hin und wieder zum Car-Sharing, aber wenn wir zusammen Möbel kaufen, steigt sie noch immer aufs Rad, weil es mehr Platz bietet.

 

Mit welchen Argumenten bewegst du Menschen, auf ein eigenes Auto zu verzichten?

Als Radenthusiast neigt man gern dazu, das Fahrrad zu romantisieren. Damit kannst du aber nur den Freizeitradler oder andere Enthusiasten erreichen. Das, womit man jeden überzeugen kann, ist letztlich das Geld. Ein durchschnittlicher Autobesitzer in Deutschland gibt laut ADAC rund 600 Euro im Monat für sein heilig's Blechle aus.

Wenn du nun dieses Auto weggibst, bezahlt sich ein qualitativ brauchbares (Lasten-)Rad in weniger als einem Jahr – allein vom Wegfall der laufenden Kosten.

 

Autofrei funktioniert ja vor allem in der Stadt. Was rätst du Menschen in ländlicheren Regionen?

Natürlich ist die Wahl des Verkehrsmittels immer von der persönlichen Situation abhängig. Ich selbst habe schon Zeiten hinter mir, in denen ich 40 Kilometer auf dem Fahrradtacho gesammelt habe, bis ich endlich in der Arbeit angekommen war. Dass das nichts für jeden ist, sehe ich auch. Jedoch ist es wichtig, dass wir uns bewusster für ein Verkehrsmittel entscheiden: Prüfe genau, für welche Wege du das Auto wirklich brauchst. Vielleicht kannst du dir einen (Zweit-)Wagen mit Nachbarn oder der Gemeinde teilen, so dass diese Ressource auch wirklich effektiv genutzt wird. Engagiere sich für Mobilitätsalternativen in deiner Gemeinde: Es muss ja nicht gleich die Wiedereröffnung des Bahnhofs sein, doch ein Car-Sharing-Verein oder eine Mitfahrinitiative könnte in einem Dorf flexibel weiterhelfen.

Was müsste Augsburg tun, um dem Namen Fahrradstadt tragen zu dürfen? Per Definition ist eine Fahrradstadt eine Stadt, in der das Fahrrad im Fokus der verkehrspolitischen Agenda steht. Nach dieser Definition ist Augsburg schon eine Fahrradstadt. Doch der Wille allein macht noch keine nachhaltige Infrastruktur.

    "In meinen Augen ist es enorm schade, dass wir heute Radwege bauen, die in vielen Fällen nicht einmal dem aktuellen Radfahraufkommen gewachsen sind."

    Sven Külpmann, Fahrradexperte aus Augsburg

    Wenn wir aktuelle Maßnahmen so planen würden, dass die resultierende Infrastruktur wirklich 25 Prozent Radverkehrsanteil aufnehmen kann, dann wäre das nicht nur ein Zeichen, dass es die Stadt mit dem angestrebten Anteil der einzelnen Verkehrsarten ernst meint. Es wäre auch eine nachhaltigere Investition, denn sonst bauen wir in sieben Jahren alles nochmal um. Außerdem braucht es eine bessere Kommunikation mit Bedenkenträgern. Die Handwerks- und Handelsverbände denken immer noch, dass eine Fahrradstadt ihren Umsatz schmälert. Ganz im Gegenteil denke ich, dass eine Fahrradstadt auch gleichzeitig eine menschenfreundliche Stadt ist, die mit weniger Kraftverkehr zum Verweilen einlädt und die Menschen zum genussvollen Bummeln animieren kann. Diese Chancen und die Potentiale neuer Mobilitätsmittel und Logistiklösungen muss man dem Handel und dem Handwerk nahebringen. Wenn man diese Gruppen hinter sich hat, funktioniert diese Menschenstadt.

     

    Was erlebe ich, wenn ich bei einer Critical-Mass-Veranstaltung mitradle?

    Das kommt ganz auf dich an. Und auf das Wetter. Und auf die Route.

     

    Wie ökologisch ist eigentlich ein Pedelec?

    Das hängt davon ab, wie weit man ins Detail geht und das auseinander klamüsert. Dann stellen sich Fragen wie: Besteht der Rahmen aus Stahl, Alu oder Carbon und wo wurde er gefertigt. Kaum einer wird dir die Differenz der Ökobilanzen von Gummi- versus Ledergriffen vollumfänglich aufrechnen können. Ich will damit sagen: Die genaue Ökobilanz eines Konsumguts, welches so sehr durch seine Einzelkomponenten definiert wird, zu beschreiben ist hochkomplex.

    Die Nutzung spielt aber eine viel größere Rolle als die Produktion und sie lässt sich vereinfacht in Zahlen festhalten (in Kürze): Für die CO2-Emission, die ein Pkw auf 100 Kilometer verursacht, kannst du 3.900 km Pedelec fahren. Die Emissionen der Akkuproduktion (vereinfach ca. 26 kg Treibhausgas) haben sich nach nur 100 Kilometer ökologisch amortisiert, wenn dadurch Pkw-Kilometer eingespart werden. Außerdem sind der Flächenbedarf und der Verschleiß der Infrastruktur deutlich geringer als beim Auto. Wenn du dann den Akku schonend behandelt hast, ihn im Winter und im Hochsommer zum Parken mit ins Haus genommen hast und ihn am Ende seiner Lebenszeit dem Recycling zugeführt hast, dürftest du nach 1.000 Ladezyklen und ca. 70.000 km gute 15.500 Kilogramm C02 im Vergleich zum Pkw gespart haben. Glückwunsch!

     

    Sind moderne Lastenräder der Anfang vom Ende des Autos in den Städten?

    Nein. Das Auto ist selbst der Anfang vom Ende des Autos in Städten. Stau, Feinstaub und Dieselskandal machen uns die Bredouille nur bewusst, in die wir uns mit unserer automobilen Bequemlichkeit gelenkt haben. Dank dieser Schlagwörter entwickeln wir wieder einen Sinn dafür, was der tatsächliche Preis für die Bequemlichkeit ist, die das Auto verspricht:

      "Wir leben in Städten, die für das Auto geplant wurden und nicht für Menschen."

      Sven Külpmann verzichtet seit 2005 auf's Auto

      In der nächsten Stufe wird sein, dass wir abwägen, wieweit wir städtische Lebensqualität weiter über Bequemlichkeit definieren, oder ob es da vielleicht wichtigere Faktoren gibt. Dann werden wir an autofreie Wohnviertel denken und dabei nicht vom potentiellen Verlust von Freiheit abgeschreckt sein. Am Ende werden wir einen Wertewandel vollführt haben: Öffentlicher Raum wird in 20 Jahren mehr sein als Parkraum. Er wird wieder für Menschen bereitstehen, Raum für Begegnung und Entspannung bieten. Die menschenfreundliche Stadt wird leiser sein und ein gesünderes Umfeld bieten in dem wir uns gerne aufhalten werden.

      Lastenräder sind dabei nur ein kleiner Teil im Gesamtkonzept der zukünftigen Mobilität und ich sehe sie als einen Evolutionsschritt zu neuen Leichtfahrzeugen. Wo Lastenräder noch viel Potential haben, das ist das Handwerk und die dezentralisierte innerstädtische Logistik: Als Teil einer smarten Lieferkette können ein bis zwei Lastenräder einen Sprinter ersetzen.

       

      Du  engagierst dich in zahlreichen Initiativen: Was ist deine geheime Superkraft?

      Naja. Ich habe mein Engagement seit der Geburt meiner Tochter stark zurückgefahren und musste mich erst einmal auf dem Boden der Tatsachen umsehen: der Tag hat eben nur 24 Stunden. Heute konzentriere ich mich nur noch auf die positiven Aspekte des Radfahrens und Aktionen die begeistern können.

      "Dabei treibt mich die Hoffnung an, dass meine Enkel in einer menschenfreundlichen Stadt auf der Straße spielen können."

      Sven Külpmann, Fahrradexperte aus Augsburg

      Das und die Faszination am Fahrrad: Es ist und bleibt eines der effizientesten Fortbewegungsmittel. Es besitzt eine fesselnde Einfachheit und technische Ästhetik und lässt uns dennoch Teil der Natur bleiben, durch die wir uns bewegen.

       

      Welche deiner Radtouren war die interessanten?

      Um den Kopf frei zu bekommen, fahre ich gerne kleine Runden am Lech oder in den Westlichen Wäldern. Für den mentalen Frühjahrsputz bin ich dann einmal im Jahr etwas weiter unterwegs. Mit sportlichem Lastenrad und Zelt bei gehobenem Tempo und niedrigen Temperaturen im Frühjahr reichen mir vier Tage um den Geist von Alltagslasten zu befreien.

      Wirklich inspirierend war die Teilnahme an der #Schokofahrt im April 2018. Bei der Schokofahrt wird Schokolade zu 100 Prozent CO2-frei im Staffelprinzip von Amsterdam bis München und Dornbirn gebracht, nachdem die Kakaobohnen bereits mit der „Tres Hombres“, einem Segelfrachter ohne Motor nach Europa geschifft wurden. Insgesamt wurden eine knappe Tonne feinste Fair-Trade-Schoki absolut C02-neutral transportiert. Es war wundervoll zu sehen, wie ein solches Projekt Leute mitreißt, unglaublich schön zu spüren, wie eine einzige Etappe über die Geislinger Steige drei Menschen zusammenbringen kann.

       

      Wofür würdest du gern mehr Zeit haben?

      Ich würde gern mehr basteln: Mein erstes Lastenrad habe ich 2013 selbst geschweißt. Für solche Projekte hätte ich gerne wieder Zeit, würde gern ordentlich WIG-schweißen lernen und dann Lastenräder und Anhänger bauen. Aber nur so zum Spaß...

       

      Wer oder was inspiriert dich?

      Jede Familie, die ihr Kind nicht mit dem Auto zu Schule oder Kindergarten bringt und so dabei hilft der SUVsierung der Innenstadt entgegenzutreten. Denn genau bei dieser Gelegenheit formen wir das Mobilitätsbewusstsein der nächsten Generation.

       

      Wenn du Bürgermeister von Augsburg wären: Was würden Sie ändern?

      Ich würde alles zwischen Grottenau und Eser Wall, Schießgraben und Oberem Graben für den Individualverkehr abriegeln.

       

        "Die Maxstraße würde zum grün bewachsenen Boulevard auf dem wir im Schatten der Bäume den Sommer genießen."

        wenn Sven Külpmann Bürgermeister von Augsburg wäre....

        Augsburg hätte innerhalb weniger Jahre eine autofreie Innenstadt. Die Tram würde Teil der Lieferkette und sorgte Hand in Hand mit Lastenrädern für eine getaktete, kostengünstige und emissionsarme Stadtlogistik. Am Schluss würden Bürger und Handel selbst mehr autofreie Wohnviertel initiieren. Im Landkreis würde sich Augsburg dafür einsetzen, Schnellwege und Sharing-Systeme für pedalbetriebene Leichtfahrzeuge auszubauen.

         

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        Erstveröffentlichung: Dieses Interview wurde im Dezemner 2018 im nachhaltigen Lifeguide-Reiseführer veröffentlicht.

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        Augsburg hat eine kostenlose City-Zone

        Augsburg hat eine kostenlose City-Zone
        Mit Bus und Tram gratis durch Augsburgs Innenstadt
        Cityzone, Augsburg, kostenloser Nahverkehr, Foto Cynthia Matuszewski

        Ab Januar 2020 gibt es die kostenlose City-Zone in Augsburg. An neun Stationen rund um den Königsplatz gilt das Angebot für die Fahrgäste. Wer sich innerhalb der City-Zone mit Bus und Straßenbahn bewegt, muss kein Fahrgeld zahlen und kein Ticket lösen.

        Mit der City-Zone übernimmt Augsburg bundesweit die Vorreiterrolle. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Stadtwerken Augsburg und ein Baustein der Augsburger Agenda für Mobilität.

        City-Zone: So geht's

        Es gilt die Faustregel: Vom Königsplatz und Moritzplatz je eine Haltestelle weiter – das ist die City-Zone. Fährt man in die City-Zone hinein oder aus ihr heraus, um zum Ziel zu kommen, zählen die Stationen nicht mit. So kann man beispielsweise von der Wertachbrücke bis zum Hauptbahnhof mit der Linie 4 mit einem Kurzstreckenticket fahren. Nur, wer die Zone durchquert, also bei derselben Fahrt rein und wieder rausfährt, muss die Stationen mitzählen. Führt die Fahrt also beispielsweise mit der Linie 1 vom Kongress am Park zur Barfüßer Brücke, dann muss ein Ticket für zwei Zonen gelöst werden.

        Die Innenstadt wird attraktiver: Weniger Autoverkehr, bessere Luft

        "Mit der City-Zone gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung Luftreinhaltung in Augsburg“, sagt Bürgermeisterin Eva Weber. „Durch die City-Zone wollen wir den Parksuchverkehr verringern und die Innenstadt für Besucher attraktiver machen und den Einzelhandel stärken.“ Als sympathische Werbung für den Nahverkehr sieht Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza die kostenfreie Zone. „Auch eingefleischte Autofahrer können damit die Vorzüge des Nahverkehrs testen.“ Im besten Fall seien damit in Zukunft weniger Autos in der Innenstadt unterwegs. „Mit unserem Konzept tun wir etwas Gutes für den Umweltschutz und können CO2 einsparen.“

         

        swa, Infografik, kostenlose Cityzone, Augsburg, Grafik: swa
        Kostenlose Cityzone, Augsburg, Grafik: swa
        swa, Infografik, kostenlose Cityzone, Augsburg, Grafik: swa
        Kostenlose Cityzone, Augsburg, Grafik: swa
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: swa
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        Wagen hält? Nein, Wagen fährt...

        Wagen hält? Nein, Wagen fährt...
        Eine Bestandsaufnahme des aktuellen und künftigen Augsburger Nahverkehrs
        Straßenbahn, Wagen hält, Foto Stefan Heller, Augsburg, ÖPNV, Tram

        Mobil und am besten noch flexibel sein. In der Menschheitsgeschichte war es nie wichtiger, genau diese beiden Eigenschaften erfüllen zu können. Was macht eigentlich Augsburg in Sachen öffentlichen Nahverkehr? Komme ich schnell von A nach B und kann ich meine Termine pünktlich erreichen? Eine Bestandsaufnahme.

        179 Fahrzeuge, 24 Linien

        Fünf Straßenbahnlinien und 19 Buslinien bilden zusammen das Rückgrat des Nahverkehrs in Augsburg und werden von 86 Straßenbahnen, sowie 93 Erdgas-Bussen bedient. Die Staßenbahnen fahren zu 100 Prozent mit Öko-Strom, die Busse zu 100 Prozent mit Bio-Erdgas.

        Die Hauptlast des Augsburger Nahverkehrs wird von den Straßenbahnlinien geschultert. Sie verbinden das Stadtzentrum sternförmig mit den größten Stadtteilen. Der Königsplatz ist derzeit wichtigster Umsteigebahnhof in alle Richtungen. Die vielen Buslinien in Augsburg verbinden die kleineren Stadtteile mit dem Stadtzentrum oder sorgen für Anbindung an das Straßenbahnnetz. Genutzt wird der hiesige Nahverkehr von über 120.000 Augsburger*innen pro Tag, jährlich sind es mehr als 60 Milliione Fahrgäste.

        Neben dem öffentlichen Verkehr bieten die Stadtwerke Augsburg (swa) für den individuellen Verkehr auch Carsharing an. Von der swa stehen über 100 Autos an rund 50 Standorten bereit. Die Initiative BeiAnrufAuto hat 30 Fahrzeuge in ihrem Fuhrpark. Auch ein Leihrad ist in Augsburg leicht zu finden: In Augsburg stehen 175 Fahrräder an über 30 Standorten bereit. Hier kooperieren die Stadtwerke mit „NextBike“, einem Leipziger Start Up-Unternehmen. Eine Übersicht über die Leihstationen für PKWs finden Sie hier und für Räder hier.

         

        Service in Tram, Bus und an Haltestellen

        Vieles erscheint den Augsburger*innen als Selbstverständlichkeit, ist aber im nationalen Vergleich eine Besonderheit.

        • So bieten seit 2016 alle Busse und Straßenbahnen der swa einen Zugang zum kostenlosen WLAN an. 2017 gab es bereits 9.500 tägliche Zugriffe auf dieses Angebot. Einen Service, den nicht einmal die Deutsche Bahn allen Regionalzügen umgesetzt hat.
        • Jede Straßenbahnhaltestelle ist mit einer Anzeige für die nächsten Abfahrten ausgestattet, das betrifft inzwischen auch viele Bushaltestellen. In anderen Städten bekommen diese Ausstattung oft nur stärker oder höchst frequentierte Haltestellen.
        • Seit 2015 blinkt das Haltestellendreieck in den Abendstunden grün, um auf die gesicherten Anschlussfahrzeuge hinzuweisen.
        • Alle ab 2009 angeschafften, neueren Mercedes-Busse und Straßenbahnen haben Bildschirme, die auf Verbindungen an den Haltestellen hinweisen und in Zukunft auch Schlagzeilen der Augsburger Allgemeinen-Zeitung anzeigen. Aktuell werden alle älteren Straßenbahnen gleichfalls mit solchen Bildschirmen nachgerüstet.
        • Viele Fahrzeuge sind, ebenso wie die meisten Haltestellen, barrierefrei ausgebaut und ermöglichen einen nahezu ebenerdigen Ein-und Ausstieg. So wurden konsequent alte Straßenbahnen mit hohem Einstieg aus dem Verkehr gezogen und durch neue Trambahnen ersetzt. Diese neuen, teilweise 42 Meter langen Straßenbahnzüge sind die längsten Tram-Bahnen, die jemals in Augsburg eingesetzt wurden. Die alten Bahnen werden nur noch zur Hauptverkehrszeit eingesetzt. Im Januar 2019 wurde bekannt, dass die Stadtwerke bis zu 27 neue Trambahnen für zusätzliche Strecken und als Ersatz für ältere Wagen kaufen wird. Hierfür erhielt sie einen Förderbescheid der Bayerischen Staatsregierung über fünf Fahrzeuge.
        • Viele Straßenbahnlinien fahren direkt mehrere Park and Ride-Parkplätze im Stadtgebiet an um Autofahrer*innen einen Umstieg auf den öffentlichen Stadtverkehr zu ermöglichen.

         

        Die Mobilitätsdrehscheibe

        Eines der umfangreichsten Verkehrsprojekte in Augsburg ist die Mobilitätsdrehscheibe. Ziel des 2007 initiierten Projekts ist zum einen der Ausbau und die Verbesserung des Straßenbahnnetzes, zum anderen die optimale Verknüpfung von Fernverkehr und Nahverkehr. Ein Zentrum des Umbaus ist somit der Hauptbahnhof Augsburg. Als eines der ersten für den Nahverkehr relevanten Projekte ging 2010 die neue Straßenbahnlinie 6 in Betrieb und verbindet seither Hauptbahnhof, Rotes Tor, Textilviertel und Hochzoll. Außerdem sichert die Linie 6 den Anschluss per Bus nach Friedberg.

        Als nächstes Projekt wurde das Herzstück von Augsburgs Nahverkehr in Angriff genommen: Der Königsplatz. An diesem Verkehrsknotenpunkt treffen Straßenbahnen, Busse, Fußgänger*innen, Fahrradfahrer*innen und Autoverkehr aufeinander. Bis 2013 war das ein Problem, das regelmäßig zu Staus führte. Nach mehrjähriger Bauzeit eröffnete 2013 das neue Gleisdreieck. Der Autoverkehr wird nun an dem futuristischen Neubau in der Mitte des Platzes, wo Busse und Trams halten, vorbeigeleitet. Der Kö selbst ist autofrei und ein weitläufiger Bereich mit alten Bäumen und Springbrunnen bietet den Fußgänger*innen Platz für Erholung.

         

        Spätestens ab 2022 wird im Tunnelgeschoss umgestiegen

        Die Untertunnelung des Hauptbahnhofes ist ein weiterer Teil des Projekts Mobilitätsdrehscheibe, das gemeinsam von den swa, der Stadt Augsburg und der deutschen Bahn realisiert wird. Unter dem Bahnhof entsteht derzeit die erste unterirdische Straßenbahnstation Augsburgs. Bis zum Jahr 2022 sollen hier alle Fahrgäste bequem vom Fernverkehr-Zug in die Nahverkehrs-Tram umsteigen. Im Dezember 2018 war mit dem Bahnsteig F und den Gleisen 10 und 12 ein wichtiges Teilziel erreicht.

        Auch eine unterirdische Tunnelschleife für das Wendemanöver der Tramlinie 4 zurück in Richtung Oberhausen Nord ist geplant. Die Linie 6, die bisher am Hauptbahnhof wendet um nach Hochzoll zu fahren, wird am Hauptbahnhof künftig zur Linie 5. Diese neue Linie 5 soll sogar noch vor dem untertunnelten Hauptbahnhof fertig sein und dann die Innenstadt direkt mit dem Universitäts-Klinikum verbinden. Von der neuen Linie profitiert nicht nur das Klinikum und der künftige Medizin-Campus der Universität, sondern auch der südliche Teil Kriegshabers.

         

        Eine Straßenbahn bis nach Königsbrunn

        Die Idee Königsbrunn mit Augsburg per „Localbahn“ zu verbinden ist schon über 100 Jahre alt – demnächst könnte sie jedoch realisiert werden. Eine Verlängerung der Linie 3 in Richtung Königsbrunn wurde 2018 beschlossen und befindet sich aktuell noch bei der Prüfung durch die Regierung von Schwaben. Wenn alles gut läuft, soll die Linie 3 bereits Ende 2019, spätestens jedoch bis 2022 fahren. Dann dauert eine Fahrt zum Kö 30 Minuten und hat acht neue Haltestellen: Haunstetten West, Naturfreibad Haunstetten, Brahmsstraße, Bereitschaftspolizei, Guldenstraße, Brunnenzentrum, Mindelheimer Straße und schließlich Königsbrunn Zentrum.

         

        Deutschlandweit die erste Stadt mit kostenloser City-Zone

        Mitte Februar 2018 schlug die damalig geschäftsführende Bundesregierung in einem internen Papier der EU-Kommission einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Deutschland vor. Dieser soll die erhöhten Stickstoffdioxidwerte in den deutschen Innenstädten nachhaltig senken. Die Bundesregierung wollte in drei Modellstädten zunächst einen kostenfreien Nahverkehr testen. Jürgen Fergg, Pressesprecher der SWA, sagte damals im Interview mit der stadtzeitung Augsburg: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn Augsburg und die Region eine der jetzt angedachten Modellstädte werden würde.“ Dazu kam es nicht. Also preschten die swa und Stadt Augsburg allein vor und beschlossen die „City-Zone“. Augsburg ist damit deutschlandweit die erste Stadt, die in der Innenstadt einen Gratis-Nahverkehr anbieten möchte. Voraussichtlich Ende 2019 sollen die ersten Fahrgäste ganz ohne Ticket mit Straßenbahn und Bus durch die Innenstadt kommen. Die unten abgebildeten Stationen können dann gratis genutzt werden.

         

        Aber manchmal sieht man die positiven Seiten vor lauter Bussen und Tram-Bahnen nicht und ärgert sich über die zweiminütige Verspätung einer Straßenbahn, die einen fünfminuten-Takt fährt. Ein Tram-Takt von fünf Minuten - das ist keine Grundversorgung, sondern absoluter Luxus in einer Stadt wie Augsburg und stellt das Maximum dar, was gefahren werden kann. Während man also auf die Tram wartet und vielleicht sogar langsam kalte Füße bekommt, kann man sich vielleicht ein besonders schönes Extra in Augsburg vor Augen führen: Die Christkindl-Tram, die in der Vorweihnachtszeit durch die Stadt rollt. Hier werden Weihnachtslieder gesungen und Christbaumkugeln hängen von der Decke. Die Christkindl-Tram ist die liebenswerte, umweltfreundliche Augsburger Antwort auf den bekannten Dieseltruck einer großen Getränkefirma. Hier gilt: Schiene sticht Diesel. Und die Tatsache, dass der Schienenverkehr umwelttechnisch den Dieselverkehr aussticht, gilt ja das ganze Jahr über!

        Die Linienfahrpläne

        Kontrovers diskutiert: Die neuen Tarife vom 1.1.2018

         

        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: swa
        Christkindl-Tram, Stadtwerke Augsburg, ÖPNV, Ökostrom,  Fotos: swa/Caroline Reili
        Die Christkindl-Tram der Stadtwerke Augsburg ist noch bis 23. Dezember in Augsburg unterwegs. Fotos: swa/Caroline Reili
        Mobilitätsdrehscheibe, Augsburg, Tunnel Ost, Hauptbahnhof Augsburg, HBF Augsburg, Foto: Stadtwerke Augsburg, swa
        Im Rahmen des Projekts Mobilitätsdrehscheibe wird in Augsburg der Hauptbahnhof untertunnelt. Das Foto entstand 2017 und zeigt den Tunnel Ost. Foto: Stadtwerke Augsburg, swa
        City-Zone, Augsburg, kostenloser Nahverkehr, City-Zone Augsburg geplant 2019, Augsburg, swa, Grafik: Stadtwerke Augsburg swa, swa
        Ende 2019 soll Augsburg als erste deutsche Stadt eine City-Zone mit kostenlosem Nahverkehr bekommen. Acht Stationen können dann kostenfrei genutzt werden. Grafik: Stadtwerke Augsburg swa,
        Carsharing, swa, Augsburg, Nachhaltigkeit, Foto swa / Thomas Hosemann
        SWA-Carsharing: 2017 stehen in Augsburg 100 Autos an über 40 Standorten zur Verfügung – wie hier am Martinipark. Foto: swa / Thomas Hosemann
        swa, Fahrradverleih, Leihräder, Augsburg, Fahrradstadt
        swa-Fahrradverleih am Königsplatz in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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