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Regionalvermarktertag im Botanischen Garten Augsburg

Regionalvermarkter im Botanischen Garten Augsburg

Botanischer Garten Augsburg
Dr.-Ziegenspeck-Weg 10
86161
Augsburg
Plakat Regionalvermarktertag 2019
Gesund. Regional. Lecker! Regionale Organisationen und Anbieter*innen präsentieren ihre Produkte, bieten Kostenproben an oder informieren über Lebensmittel.

Beim Regionalvermarktertag erfahrt ihr, wie unsere Region schmeckt. Vom knusprigen Brot, frischen Eiern, Honig, Säften von Streuobstwiesen bis zu selbstgebrautem Bier - unsere Region hat viel zu bieten!

Neben Gaumenfreuden sorgt ein Rahmenprogramm für Unterhaltung für die gesamte Familie. Von 11 bis 16 Uhr steht der Pomologe Anton Klaus für die Bestimmung von Äpfeln aus dem eigenen Garten zur Verfügung. Dafür müsst ihr mindestens drei typische Äpfel einer Sorte mit Stiel, ohne Wurm und sonnengereift mitbringen.

 

Außerdem informiert die Insektenrangerin Tine Klink über naturnahe Gärten und die Umweltstation Augsburg bietet verschiedene Aktionen für Kinder z.B. „Rund ums Gemüse“ und Filzen jeweils von 13.00 bis 16.30 Uhr an.

 

Die Aussteller sind über das Geländes des Botanischen Gartens verteilt. Sie präsentieren Ihre Produkte und bieten diese zum Verkauf an. Mit dabei sind: Bäckerei Schubert, Rollende Gemüsekiste, Der Grüne Daumen, Cityfarm, Landmetzgerei Diem, Imkerei Beier, Ölmühle Kappelbauer, Obst- und Gartenbauverein Haunstetten, Schmankerl aus dem Bauerngärtle – Fam. Sailer, Weitwinkel e.V., Zusamtaler Saftmanufaktur, Herzstück, Meisterhand, Lechtaler Kürbiskerne, Schwabenbüffel, MutMacherMenschen, Naturglück Horgau, Landkäserei Reissler, Stadtwerke Augsburg, Imkerei Rauscher,  Weltladen Augsburg.

 

Der Regionalvermarktertag wird von der Umweltstation Augsburg in Kooperation mit dem Botanischen Garten Augsburg organisiert und vom Bayerischen Umweltministerium gefördert.

 

Event-Termin
-
German
Unweit des Biohotels Bayrischer Wirt gibt es jetzt im Norden Augsburgs eine weitere Bio-Oase. In Gila Richters Laden kommen nur Produkte, die auch bei uns wachsen oder in der Region hergestellt werden.
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Ort

Neuburger Straße 164
86167 Augsburg
Deutschland

E-Mail
info [at] auxburgunverpackt.de
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Öffnungszeiten
Di 9:00 bis 14:00
Fr 9:00 bis 19:00
Sa 9:00 bis 14:00
Mo, Mi, Do 9:00 bis 18:00
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Seitenabschnitte

Klein und gemütlich und dennoch hell und freundlich - so kann man Gila Richters Laden beschreiben. Wer Lust hat, bekommt einen Kaffee direkt am Schaufenster serviert und kann sich mit ihr über die neuesten Errungenschaften austauschen oder mit netten Nachbarn plauschen. „Es sollen die Menschen aus dem Quartier hier einkaufen kommen,“ wünscht sie sich.

    „So wie früher sollte Einkaufen wieder zu einem Genußerlebnis werden und frische Produkte auf den Tisch kommen.“

    Gila Richter, Inhaberin AuxburgUnverpackt

      Zero Waste mitten in Lechhausen

      Während andere ewig nach einem Laden suchen, hatte Gila Richter einfach Glück. Sie übernahm das Ladengeschäft ihrer Mutter. Wo früher Fotos gemacht wurden, hängen jetzt Schütten voller leckerer Produkte und füllen schmackhaft gefüllte Gläser die Regale. Buntes Obst und Gemüse lockt die Kund*innen in den kleinen Laden.

        „Ich verkaufe nichts, was nicht mindestens ein Pfandglas hat.“

        Gila Richter, Inhaberin AuxburgUnverpackt

          Müll vermeiden ist also eines ihrer wichtigsten Ziele. Durch den Einkauf von Großgebinden und den Weiterverkauf in mitgebrachte Gefäße spart sie viel Verpackung. Ihr liebstes Produkt in diesem Zusammenhang: die gefriergetrockneten Erdbeeren. "Das ist im Bio-Supermarkt der Renner für kleine Kinder," erzählt sie. Dort werden sie in kleinen Tüten zu 12 Gramm verkauft und verursachen so eine Menge Müll. Bei ihr kosten sie nur einen Bruchteil und können einfach in beliebiger Menge in einem hübschen Schraubglas mitgenommen werden. Im ersten halben Jahr hat sie so an die 250 Tüten einsparen können… Und das ist nur ein Produkt von nahezu 300 Produkten.

           

          Mindestens genauso wichtig ist Gila, dass sie nur Lebensmittel verkauft, die hier auch wachsen. Es gibt eine Kundin, die seit der Eröffnung immer wieder kommt und fragt: „Haben Sie Chia-Samen?“. Diese Frage beantwortet sie demnach auch immer mit „Nein und ich werde sie auch nicht anschaffen.“ Der Grund: Chia-Samen kommen von weit her und haben deswegen einen hohen CO2-Fußabdruck. Leinsamen sind genauso gesund und wachsen hierzulande.

          Tante-Emma-Ladenbesitzerin mit Leib und Seele!

          „Ich mache den Laden hier aus Überzeugung!“

          Gila Richter über ihre Motivation einen Laden zu führen

          Und das merkt man in allem was sie tut. Sie erklärt ihrer Kundschaft unermüdlich die Vorzüge des verpackungsfreien, regionalen Einkauf. Sie hat für alle ein freundliches Wort und kennt die Geschichten jedes und jeder einzelnen Kund*in. Sie ist eben Tante-Emma-Ladenbesitzerin mit Leib und Seele!

           

          Darüber hinaus ist sie ständig auf der Suche nach regionalen Bezugsquellen für ihr teilweise ungewöhnliches Sortiment. „Ein ehemaliger Klassenkamerad ist der Besitzer der „Alten Liebe“ und baut sein eigenes Gemüse an. Diese teilweise ungewöhnlichen Gemüsesorten liefert er mir auch in den Laden,“ berichtet Gila.

           

          Auch sonst nutzt sie die kleinen, sehr innovativen Angebote aus der Region. Schokolade, Eis, Nussecken und in der Weihnachtszeit vegane Lebkuchen kommen von der Augsburger Manufaktur Meisterhand. Sojabohnen, Erdbeeren und Heidelbeeren aus Kissing vom Asam Hof und Kürbiskerne aus Aichach von Lechtaler Kürbiskerne

           

          Weniger Plastik und mehr Regionalität

           

          Mit dem zweiten Unverpackt-Laden in Augsburg entsteht also nicht nur eine flächendeckender Landschaft an Unverpackt-Läden in der Region, sondern auch ein individuelles kulinarisches Angebot in Bioqualität. Damit ist sie in ihrem Stadtviertel zusammen mit dem Biohotel Bayrischer Wirt ein paar Häuser weiter, einer der wenigen biologisch und regional ausgerichteten Orte in Lechhausen.

           

          Infos:

           

          Webseite AuxburgUnverpackt 

           

          Mehr Läden für plastikfreien, unverpackten Einkauf::

          RutaNatur - Unverpackt im Herzen Augsburgs

          Die Krämerin - Unverpackt in Schwabmünchen

          Unser kleiner Laden - Unverpackt-Laden in Straßburg

          Herzstück - regionale und unverpackte Lebensmittel in Diedorf und Horgau

           

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          Im Herzen von Schwabmünchen bietet die Genossenschaft „Die Krämerin“ lose Ware aus der Region in Bioqualität an. Damit können Verbraucher*innen plastikfrei einkaufen und lokal-produzierende Betriebe unterstützen.
          Anrede
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          Fuggerstraße 44
          86830 Schwabmünchen
          Deutschland

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          info [at] diekraemerin-smue.de
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          Öffnungszeiten
          Di-Fr 8:00 bis 19:00
          Sa 8:00 bis 13:00
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          Seitenabschnitte

          An den Wänden hängen gut gefüllte Schütten aus Glas, in einer Ecke steht ein alter Bauernschrank mit nützlichen Utensilien für plastikfreies Leben, davor ein paar Tische, um den Café aus der regionalen Kaffeerösterei zu trinken. Eine lange, helle Ladentheke ist das Herzstück des Schwabmünchner Unverpackt-Ladens „Die Krämerin“. Hier stehen lecker anmutende, selbstgemachte Süßwaren verführerisch in Glasbehältern auf der Theke direkt neben der Kasse. Wer kann dazu schon nein sagen?

           

          Faire Preise für die Erzeuger*innen und qualitativ gute Ware

          Auf der anderen Seite erwarten die Kund*innen schmackhafter Käse aus der Region, der beliebte selbstgemachte Käsesalat und die Frischkäsecremes. Der Käse kommt direkt von einem Betrieb mit Mutterkuhhaltung.

            „Uns ist es wichtig, dass unsere Produkte umweltverträglich und tierfreundlich hergestellt werden.“

            Heike Uhrig, Mit-Initiatorin der Genossenschaft Die Krämerin

              In so einem Laden funktioniert Einkaufen eben ganz anders als im Supermarkt. Die Genossenschaft kauft zu fairen Preisen von kleinen Erzeuger*innen aus der Region und bekommen qualitativ hochwertige Ware dafür. Das kostet natürlich mehr als im Supermarkt, der durch die große Absatzmenge Rabatte bekommt. Doch die Kund*innen zeigen dafür großes Verständnis, wenn man ihnen das erklärt.

               

              Hochwertige Bioprodukte liegen ihr am Herzen

              Ihre Vorliebe für hochwertige Bioprodukte hat Heike Uhrig bei ihrer Arbeit in einem Hofladen entdeckt. Sie ist schon seit Jahren Anhängerin des unverpackten Einkaufs und organisiert beim Forum Plastikfrei die Stammtische in Schwabmünchen. Das führte auch zum Wunsch, einen Unverpackt Laden vor Ort aufzumachen. Zum einen, damit sie nicht so weit zum nächsten Unverpackt-Laden fahren muss, zum anderen, weil sie den vielen Erzeuger*innen aus der Region, die Möglichkeit geben wollte, ihre tollen Produkte zu verkaufen. 

               

              Genossenschaft sorgt für gemeinschaftlichen Laden

               

              Gut, dass sie mit Konstantin Wamser einen ebenso begeisterten Kompagnon gefunden hat, der mit ihr gemeinsam die Gründung der Genossenschaft vorangetrieben hat. Nun stehen hinter dem Projekt mehr als 200 Genoss*innen, die den Laden mit ihrem Anteil von je 200 Euro unterstützen. Uhrig wünscht sich, dass die Mitglieder der Genossenschaft sich noch mehr zum Laden zugehörig fühlen und dass ihnen bewusst ist, das „Die Krämerin“ der Laden für alle sein will.

               

              Keimzelle für nachhaltige Projekte

               

              Wie sehr der Laden schon im Bewusstsein der Menschen angekommen ist, zeigt das Beispiel eines Mädchens, das über den Laden Mitstreiter*innen für eine Kindergruppe von Greenpeace gesucht hat. Gemeinsam mit anderen Kindern hat sie nun das „Greenteam Schwabmünchen“ gegründet und sie treffen sich regelmäßig in der Café-Ecke der Krämerin, um ihre Projekte zu planen. Das soll künftig auch für andere Projekte funktionieren. Auch einen Stammtisch für nachhaltiges Leben oder andere Veranstaltungen für ressourcenschonenden Konsum soll es geben.

                „Wir wollen, dass der Laden eine Keimzelle für nachhaltige Projekte wird.“

                Heike Uhrig über den Anspruch der Genossenschaft Die Krämerin

                Weniger Plastik und mehr Regionalität

                 

                Bis dahin wünschen sich Heike Uhrig und das Verkaufsteam, dass noch mehr Schwabmünchner*innen ihren Einkauf bei der Krämerin tätigen. Das hilft nicht nur langfristig den Laden zu erhalten, sondern unterstützt die Erzeuger*innen aus der Region. 

                So ein Laden spart also nicht nur Unmengen an (Plastik-)Verpackungen, sondern sorgt auch dafür, dass das Geld in der Region bleibt und somit die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit der Region, gestärkt wird. Darüber hinaus entfallen lange Lieferwege und sparen so viel Verkehr und CO2.  

                 

                Infos:

                 

                Webseite Die Krämerin

                 

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                „Jeder Mensch sollte neugierig und offen bleiben“

                „Jeder Mensch sollte neugierig und offen bleiben“
                Interview mit Frank Schubert von der Bäckerei Schubert. Der Biobäcker setzt konsequent auf Zeit, Handwerk und ökologische Zutaten. Aus Übezeugung und Leidenschaft. Seine Backwaren sind dadurch gesünder für Mensch und Umwelt.
                Frank Schubert_2016_Foto: Torsten Mertz

                Seit 1954 produziert die Bio & Vollwert Bäckerei und Konditorei Schubert ihre Backwaren in Augsburg. Die Bäckerei Schubert hat bereits 1973 auf Bio-Getreide umgestellt und gehört zu den Bayerischen Bio-Pioniere. Das Korn für alle Vollkornmehle wird in der Bäckerei Schubert direkt vor Ort frisch gemahlen. Am Produktionsstandort auf dem ehemaligen Schlachthofgelände, im Café himmelgrün und in sechs weiteren Verkaufsstellen in Augsburg und München arbeiten über 100 Mitarbeiter, davon 15 Auszubildende. Frank Schubert ist seit 2009 alleiniger Geschäftsführer der Firma Schubert.

                 

                Name: Frank Schubert

                Beruf: Geschäftsführer der Bio Bäckerei Schubert

                Geboren in: Augsburg

                Lebt in: Augsburg

                Lieblingsort:  Siebentischwald

                 

                Wir wollen die Artenvielfalt erhalten, dass das Trinkwasser sauber bleibt und dass wir von einer Landschaft umgeben sind, in der wir uns wohlfühlen.

                 

                Wann müssen Sie aufstehen?

                Meist stehe um sechs mit meinen Kindern auf und komme dann in die Bäckerei.

                 

                Was treibt Sie an?

                Schubert: Ich möchte die handwerkliche und ökologische Herstellung von Backwaren für den heutigen Kunden so spannend machen, dass er nicht nur sagt, dahinter steht eine interessante Philosophie, sondern auch: die macht mir Lust, die macht mir Spaß. Ich habe gemerkt, dass ich diese beiden Dinge verbinden muss, nur dann kann ich viele Verbraucher für Bio begeistern. Das Café himmelgrün war ein erster Baustein und hier wollen wir noch mehr machen.

                 

                Was macht ein gutes Brot aus?

                Schubert: Erstens: Es muss handwerklich gut gemacht sein, einem gut schmecken, Lust machen und den Menschen gut ernähren. Zweitens: Für uns ist es grundlegend wichtig, dass alle Zutaten immer aus biologischer Landwirtschaft kommen. Und das Dritte ist der Verzicht auf Zusatzstoffe, wie beispielsweise Spezialmehle oder technische Enzyme, die ursprünglich nicht ins Brot gehören. Das darf alles nicht drin sein.

                 

                Warum ist die biologische Landwirtschaft Ihnen so wichtig?

                Schubert: Mein Vater ist schon sehr früh auf die Bio Bewegung gestoßen. Er wollte gesundes und natürliches Brot backen. Das ist so geblieben. Ich habe immer ein starkes Bild vor Augen: Wenn wir alle uns die Frage stellen, wie eine Landschaft aussieht, in der wir leben und unsere Kinder darin aufwachsen sehen möchten. Was müssen wir dann tun? Wie sähe dies aus? Gibt es darin kleine Landwirtschaften oder nur Großbetriebe? Radle ich gerne an einem Feld vorbei, das gerade chemisch gespritzt wird? Möchte ich das einatmen? Möchte ich, dass andere das einatmen müssen? Müsste ich Angst davor haben, dass meine Kinder eine Stalltür öffnen, weil sich dahinter Tierquälerei verbirgt? Gibt es in meiner Landschaft Vögel, wilde Blumen und Schmetterlinge, oder möchte ich, dass deren Lebensräume nebenbei vernichtet werden? Ich finde  die Antworten eindeutig und deswegen handeln wir 100 % ökologisch.

                 

                Was ist wichtiger: regional oder bio?

                Schubert: Für mich muss regional auch immer bio sein. Denn regional ist ja erst einmal aus, dass ich kürzere Lieferwege habe und die regionale Wertschöpfungskette erhalte. Die Bezeichnung „regional“ allein ist oft zu schwammig. Ob ich mit meiner direkten Umwelt nachhaltig umgehe, wird nicht geregelt. Dass lässt sich deshalb nicht auseinander dividieren. Ich kann auch regional richtigen Mist machen.

                 

                Konkret: woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe

                Schubert: Wir haben sei einigen Jahren Mehrjahreskontrakte mit Bauern aus der Umgebung, im Umkreis von ungefähr 60 Kilometern. Durch diese räumliche Nähe haben wir einen direkten Bezug den Bauern: Wir treffen uns mindestens einmal im Jahr und tauschen uns aus. Der Vorteil ist: Wir und die Bauern haben Planbarkeit was das Einkommen, die Mengen und die Qualität betrifft.

                 

                Noch einmal zurück zu den Backhilfsmittel und Enzymen. Warum werden die von den meisten Bäckern benutzt?

                Schubert: Wir gehen momentan davon aus, dass der Großteil der Backwaren in Deutschland mit technischen Enzymen versetzt ist, beim Kleingebäck wahrscheinlich über 90 Prozent. Diese Enzyme haben bisher den Vorteil, dass sie nicht deklariert werden müssen, aber in der Wirkung wesentlich besser sind als alle Zusatzstoffe, die es bisher gab, die sogenannten E-Nummern. Momentan werden gezielt Enzyme gezüchtet, die die Kruste und Bräunung verbessern, die Haltbarkeit verlängern und das Volumen vergrößern. Um das auszugleichen, betreiben wir als Handwerksbäcker einen sehr, sehr großen Aufwand, müssen sehr traditionelle Backprozesse aktivieren und pflegen. Ein konventioneller Bäcker kann durch die neuesten Entwicklungen der technischen Enzyme Handwerklichkeit vortäuschen oder sogar besser sein.

                 

                Was macht denn einen Handwerksbäcker aus?

                Schubert: Handwerklich ist erst einmal ein Bäcker, der nicht industriell arbeitet. Viele Backwaren werden noch per Hand aufgearbeitet, es gibt relativ viele Menschen in der Produktion. Das heißt aber nicht, dass dort die traditionellen Backprozesse gepflegt werden. Handwerksbäcker verwenden i. d. Regel auch technische Enzyme, Spezialmehle oder sogar Fertigbackmischungen, die man einfach nur mit Wasser mischt. Das gibt schöne Brote, die immer gleich schmecken und aussehen. Das individuelle jedes einzelnen Bäckers geht jedoch verloren. Dann ist es aber wichtig, den Kunden zu erklären, dass der Verzicht auf diese Hilfsmittel dazu führt, dass es auch mal Backwaren gibt, die etwas anders aussehen oder schmecken als an einem anderen Tag, weil wir mit natürlichen Rohstoffen arbeiten. Handwerksbäcker sollten sich auf traditionelle Teigführungen besinnen und dadurch ihre Eigenständigkeit erhalten.

                 

                Was macht die Bäckerei Schubert anders?

                Wir setzen Vorteige, Sauerteige, lange Teigführungen ein. In die Semmel, die wir herstellen, ist beispielsweise ein Vorteig drin, der 24 Stunden ruht und dann erst verarbeitet wird. Dann stehen die Semmeln noch einmal 24 Stunden, bis sie gebacken werden. In der Zeit bilden sich deutlich mehr Aromen aus, man bekommt eine schöne Kruste und gleichzeitig werden Stoffe im Getreide so aufgeschlossen, dass sie für den Menschen besser bekömmlich sind.

                Es gab vor kurzem eine Untersuchung darüber, warum in letzter Zeit so viele Menschen den Weizen nicht vertragen, und da kam heraus, dass ein Grund sein könnte, dass die meisten Bäcker keine lange Teigführung mehr machen. Es kann also sein, dass nicht der Weizen Schuld ist, sondern die immer kürzeren Herstellungsprozesse. Ein Industriebäcker kann beispielsweise einen Teig in ein, zwei Minuten kneten, bevor er direkt weiterverarbeitet wird. Wir kneten bis zu zwanzig Minuten und lassen den Teig dann aber noch einige Stunden stehen, bevor wir ihn weiterverarbeiten.

                 

                Bio, regional, viele Mitarbeiter, viel Platz und viel Zeit. Das kostet. Um wie viel sind Ihre Backwaren teurer als die anderer Bäckereien?

                Schubert: Die grundlegenden Backwaren dürfen bei uns nicht viel teurer sein als beim guten konventionellen Bäcker. Wir wollen, dass möglichst viele Menschen Bio und gute Qualität essen können. Darüber hinaus haben wir natürlich Produkte, die sehr aufwändig in der Herstellung sind oder teure Rohstoffe benötigen. Gerade der teurere Dinkel ist bei uns ein wichtiger Rohstoff, wir haben 30 Prozent Dinkelanteil im Gesamtsortiment. Und ganz unumgänglich ist es, in der Biobranche auf übermäßige Gewinnmargen zu verzichten. Die Produkte sollen ja für den Kunden auch noch erschwinglich bleiben.

                 

                Die meisten Bäckereien sind dazu übergegangen, ihren Kunden den ganzen Tag bis in den Abend eine große Auswahl bieten zu können. Wie viel Brot und andere Backwaren bleiben bei Ihnen übrig - und was machen Sie damit?

                Schubert: Wir haben Versuche gestartet, das Sortiment am Abend klein zu halten, um die Retouren zu verringern. Langfrist gesehen gehen dann leider viele Kunden zu einem anderen Bäcker. Da müsste sich jeder Kunde umgewöhnen und offen werden für Betriebe, die sagen, wir wollen nicht mehr so viel wegwerfen. Hier kann ein einzelner Bäcker nicht viel tun.

                Die Retouren bringen wir dreifach unter: Ein Teil geht an die Tafeln, ein Teil geht als Tierfutter an Biobauern und ein Teil wird in Biogasanlagen verarbeitet. Es gäbe zwar theoretisch Möglichkeiten, einen Teil der übrig gebliebene Backwaren im Betrieb nochmals zu verwenden, aus Gründen der Hygiene und der Sicherheit ist es aber praktisch unmöglich

                 

                Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

                Schubert: Wir wollen in nächster Zeit noch weitere Produkte entwickelten, die Genuss mit Ökologie und ganzheitlichem Handeln verbinden. Es gibt aber auch noch einige Baustellen im Bereich Ökologie bei unseren Fertigungsanlagen. Und auf Seiten der Rohstoffe wollen wir klären, wie wir noch regionaler einkaufen können. Beispielsweise gibt es für Molkereiprodukte nur wenige Lieferanten in der Region. Und das Thema Verpackungen haben wir auch auf dem Schirm, das gilt vor allem für Coffee-to-go-Becher. Bei uns können die Kunden schon jetzt ihre eigenen Becher mitbringen. Hier würden wir aber gerne mehr machen: In anderen Städten haben sich mehrere Gastroeinrichtungen vernetzt; in Augsburg ist das noch nicht so. Vielleicht gibt es ja unter den Lifeguide-Lesern jemand, der sagt, hier würde er oder sie gerne einige Unternehmen zusammenbringen. Ein weiteres wichtiges Thema ist auch immer wieder die Mitarbeiterzufriedenheit, hier haben wir einige Projekte angestoßen.

                 

                Was ist Ihre geheime Superkraft?

                Schubert: Ich nehme mir Zeit für den Ausgleich. Dazu gehört meine Familie, ich spiele Gitarre, ich treibe Sport - und was mir wichtig ist: immer wieder in der Welt herumzukommen. Wir haben ein Netzwerk befreundeter Bäckereien, mit denen wir uns mehrmals im Jahr treffen und austauschen, um Kraft und neue Ideen zu bekommen.

                 

                Angenommen, Sie treffen heute den 18-jährigen Frank Schubert, war raten Sie ihm?

                Schubert: Das einzige wäre, bei einigen Sachen einmal genauer hinzusehen - und die Dinge einzugrenzen. Also nicht alles auf einmal machen zu wollen.

                 

                Eine Begegnung, die Sie nie vergessen?

                Schubert: Das erste Treffen mit meiner Frau vor über 25 Jahren.

                 

                Was sollte jeder Mensch in seinem Leben mal gemacht haben?

                Schubert: Wichtig für unsere Gesellschaft finde ich, dass jeder Mensch neugierig und offen bleibt. Und auch bereit ist, auf andere zuzugehen. Das ist in diesen Zeit, in denen sich die Gruppen politisch immer mehr voneinander abgrenzen, sehr wichtig. Wenn die einen Bevölkerungsgruppen gegenüber den anderen nicht offen sind und die Neugierde aufeinander verlieren, werden wir sehr, sehr schwierige Zeiten haben. Das Miteinander ist auch etwas, was wir hier im Betrieb aktiv leben: Wir beschäftigen Menschen aus sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen, mit unterschiedlicher Bildung, offene und weniger offene, Bio-Begeisterte und solche, denen Bio egal ist, wir haben Flüchtlinge, die gerade Deutsch lernen. Es gibt hier einige Herausforderungen, aber es funktioniert.

                 

                Sie laden Freunde zum Essen ein: Was kochen Sie?

                Schubert: Europäisch, bunt, frisch mit vielen verschiedenen Komponenten und dazu passenden Getränken/Drinks.

                 

                Was gefällt Ihnen an Augsburg

                Schubert: Ich liebe Augsburg, ich freue mich, dass es mittlerweile großstädtischer geworden ist, dass es viele interessante Projekte gibt, interessant Einzelhändler - und die Nähe zur Natur. Ich nutze beides gerne, gehe in den Siebentischwald, an den Kuhsee und natürlich in die Innenstadt mit ihren Plätzen und den vielen Cafés. Man kann sich hier wie im Urlaub fühlen.

                 

                Brot und Backwaren von Schubert erhält man in den fünf Augsburger Filialen am Hauptbahnhof, Apostel-Platz, Stadtmarkt, Königsplatz und Schlachthof. Außerdem werden alle Naturkostläden, Bio-Supermärkte und Reformhäuser in Augsburg beliefert.

                 

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                Der Artikel erschien zuerst am 20. Dezember 2016

                Brot - traditionell gebacken von der Biobäckerei Frank Schubert in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
                Brot - traditionell gebacken von der Biobäckerei Frank Schubert in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
                Eines der wichtigsten Lebensmittel in unserem Kulturkreis: Brot. Foto: Cynthia Matuszewski
                Eines der wichtigsten Lebensmittel in unserem Kulturkreis: Brot. Foto: Cynthia Matuszewski
                Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
                Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
                In der Backstube der Bio-Bäckerei Schubert in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
                In der Backstube der Bio-Bäckerei Schubert in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
                Das Lifeguide-Team bei einer Backstubenführung bei Bio-Bäcker Frank Schubert in Augsburg. vl: Frank Schubert, Norbert Stamm, Torsten Mertz und Annabell Hummel. Foto: Cynthia Matuszewski
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                Im neuen Unverpackt-Wagen Grünfux-deluxe bietet die Biobäckerei Schubert preisewerte Biobackwaren vom Vortag an. Foto: Frank Schubert
                Im neuen Unverpackt-Wagen Grünfux-deluxe bietet die Biobäckerei Schubert preisewerte Biobackwaren vom Vortag an. Foto: Frank Schubert
                Biobäckerei Schubert, Filiale am Königsplatz. Foto: Frank Schubert
                Biobäckerei Schubert, Filiale am Königsplatz. Foto: Frank Schubert
                Von links: Josef Wetzstein (Landesvorsitzender Bioland Bayern), Janina und Frank Schubert (BioBäckerei Schubert, Augsburg), Thomas Hammerl und Partnerin ( Bioland-Landwirt), Foto: Cynthia Matuszewski
                Von links: Josef Wetzstein (Landesvorsitzender Bioland Bayern), Janina und Frank Schubert (BioBäckerei Schubert, Augsburg), Thomas Hammerl und Partnerin ( Bioland-Landwirt), Foto: Cynthia Matuszewski
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                „Immer auf der Suche nach der Seele des Kaffees“

                „Immer auf der Suche nach der Seele des Kaffees“
                15 Fragen an Stefan Steidle von der Bohnenschmiede. Seit 2014 kaufen er und Max Schmid per direct-trade bei Kafffebauern aus 14 Ländern und rösten daheim in Wehringen erlesenen Kaffee.
                Stefan Steidle und Max Schmid von der Wehringer Kaffeerösterei Bohnenschmiede. Foto: Annika Müller

                 „Wir hatten die Idee, wir gingen zum Rathaus, zehn Minuten später gab es die Firma."

                Stefan Steidle von der Wehringer Kaffeerösterei Bohnenschmiede

                Seit 2014 hat der kleine Ort Wehringen, südlich von Augsburg, eine eigene Kaffeerösterei: die Bohnenschmiede. Hier und in vielen regionalen Verkaufsstellen gibt es den leckeren Kaffee aus 14 Ländern, geröstet in Wehringen und eingekauft direkt bei den Kaffeebauern in Bolivien, Nicaragua, Peru und in vielen anderen Ländern. Viele der Bohnen sind biozertifiziert.

                Angefangen hat alles mit einer Kaffeeröstmaschine, die der Maschinenbauingenieur Stefan Steidle und sein Freund, der Schlosser Hermann Schmid, selbst bauten. Heute führt Hermanns Sohn Max Schmid zusammen mit Stefan Steidle den Betrieb. Ihr erkennt den Kaffee von Max und Stefan nicht nur am guten Geschmack, sondern auch an ihren außergewöhnlichen Namen wie „Jaaa verreck“, „Narrisch guat“ oder „Himmi Herrgott“.

                Steckbrief:

                • Name: Stefan Steidle
                • Beruf: Maschinenbauingenieur (Kaffeeröster im Nebenberuf)
                • Geboren in: Bobingen
                • Lebt in: Wehringen
                • Lieblingsort: Also neben der Rösterei (lacht) – aber Zuhause ist es natürlich am schönsten, mit der Familie.

                 

                Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?

                Stefan Steidle: Ich wechsele ab. Ich habe eigentlich jeden Tag verschiedene Zubereitungsarten. Aber wenn ich mich entscheiden müsste, dann Espresso.

                 

                Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gerne mal einen Kaffee trinken?

                Ganz sicher ein Musiker, weil ich ja selbst Musiker bin. Wer wäre da interessant? Phil Collins.

                 

                Wie begann eure Leidenschaft für das Kaffeerösten?

                Irgendwann hatte ich mit der reinen Kaffee-Zubereitung alles ausprobiert. Der nächste Schritt war ein Mini-Röster für den Hobby-Bereich. Damit habe ich auf der Terrasse angefangen. Beim Rösten hat man neue Möglichkeiten, den Geschmack des Kaffees zu beeinflussen und zu verändern. Dann kam damals mein Freund Hermann und meinte, sowas können wir auch selbst bauen. Ein bisschen größer. Und so ist das losgegangen. Wie sagt man das so schön, eine Schnapsidee (lacht).

                 

                2014 habt ihr die Bohnenschmiede als Unternehmen gegründet – welche Hürden musstet ihr dabei überwinden?

                Ehrlich gesagt: keine (lacht). Wir hatten die Idee, wir gingen zum Rathaus, zehn Minuten später gab es die Firma. Also das war echt einfach (lacht). Man muss dazu sagen, das Gebäude gehört Max bzw. seiner Mutter, ist also im Familienbesitz. Wir mussten niemanden fragen und können hier machen was wir wollen. Das Einzige, was wir machen mussten, war eine Nutzungsänderung der Immobilie eintragen zu lassen damit wir hier Kaffee rösten können. Aber das war auch schon alles.

                 

                Euer Motto lautet „Immer auf der Suche nach der Seele des Kaffees.“ Was genau ist die Seele des Kaffees?

                Eine Seele, und das darf man ja ruhig mit dem Mensch vergleichen, ist nichts Einfaches, sondern definitiv etwas Komplexes. Das hat viele Aspekte. Beim Menschen genauso wie beim Kaffee. Wie wächst der Mensch auf, wie wird er von außen beeinflusst. Und so ist das beim Kaffee auch."

                Stefan Steidle, Kaffeeröster

                Kaffee-Tasting mit Stefan Steidle und Max Schmid von der Wehringer Kaffeerösterei Bohnenschmiede. Foto: Annika Müller

                Der Kaffee, und das was man am Ende in der Tasse schmeckt, stellt dar, wo der Kaffee gewachsen ist. Wer ihn angebaut und gepflegt hat. Wie er weiterverarbeitet wurde. Wie er am Ende geröstet und zubereitet wurde. Für uns ist das Schöne, herauszufinden, was macht die einzelne Bohne aus? Welchen Charakter hat die? Das ist aus der Sicht des Rösters eine Herausforderung, das zu erforschen und auszuprobieren. Wie muss der Kaffee am besten geröstet werden? Am Ende spielt auch unser persönlicher Geschmack eine Rolle und so rösten wir, wie wir es für richtig empfinden.  

                 

                Das kann aber jeder anders sehen und so ist das eine Suche, die nie aufhört. Auch unsere Möglichkeiten verändern sich. Nicht nur dadurch, dass wir immer erfahrener werden mit den Jahren, aber auch die technischen Möglichkeiten verändern sich. Somit hat man wieder neue Möglichkeiten, herauszufinden, was der Kaffee so in sich hat. Und das macht es für uns aus.

                 

                Wie kommt ihr auf die Namen eurer Kaffeesorten?

                Darüber haben wir uns lange Gedanken gemacht. Was passt zum Charakter dieses Kaffees? Unsere Namen sind eine Mischung aus bayrisch und schwäbisch, so wie wir auch, als bayrische Schwaben. Die Sorten „Heiligs Blechle“ oder „Den mogsch“ sind eindeutig aus dem Augsburger Eck. (lacht) Dann gibt es auch oberbayrische Namen, wie den „Bleamerl Kaffää“.

                Entscheidend ist: Passt der Name zu uns? Soll ja ein bisschen ein Augenzwinkern sein.

                 

                Ihr habt das direct-trade-Siegel – Wie läuft der Kontakt zu den Kaffeebauern vor Ort ab?

                Es ist so gesehen kein Siegel wie Fairtrade beispielsweis: Fairtrade ist eine Organisation die das ganze überwacht und dementsprechend für alle Beteiligten Geld kostet. Direct-trade ist nichts anderes als, frei übersetzt, der direkte Handel mit den jeweiligen Kaffeebauern.

                Max Schmid und Stefan Steidle von der Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller

                "Für uns, als kleine Kaffeerösterei, ist es eine Herausforderung zu sagen, ich kenne jeden Kaffeebauern persönlich und ich war überall. ... Deswegen arbeiten wir mit Direktimporteuren."

                Stefan Steidle, Kaffeeröster

                Wir haben Kaffee aus 14 verschiedenen Ländern. Es wäre also eine finanzielle Herausforderung, jedes Jahr 14 Länder zu bereisen. Es wäre auch eine zeitliche Herausforderung und ich muss klar sagen, ich fände das auch nicht nachhaltig, wenn wir so viele Flugreisen jedes Jahr machen würden.

                 

                Deswegen ist unser Weg, über Direktimporteure zu arbeiten. Das sind meistens kleine Familienbetriebe. Leute, die einen familiären Bezug und dadurch Kontakt zu diesen Ländern haben. Somit sind die Importeure kleine Unternehmen, die aus genau einem Land, meistens von einer bestimmten lokalen Kooperative den Kaffee importieren. Wenn ich wiederum diesem Importeur vertraue und verstehe was der da macht, und das gut finde, und weiß, dass er den Leuten vor Ort einen fairen Anteil weitergibt, dann habe ich die Transparenz. Bis zum Baum, wenn man so will. Das macht direct-trade unter anderem aus.

                 

                Im Gegensatz zu Großhändlern wie Tchibo, die so gesehen auch direct-trade betreiben, zahlen wir den Kaffeebauern vor Ort aber deutlich mehr als den Börsenpreis.

                Kaffee von der Wehringer Rösterei Bohnenschmiede. Foto: Annika Müller

                "Letzten Herbst war der Börsenpreis für Kaffee so etwa bei zwei Dollar pro Kilo. Die Größenordnung, die wir bezahlen, lag letzten Herbst bei circa fünf bis sechs Euro das Kilo. Davon können die Kaffeebauern viel besser leben."

                Stefan Steidle, Kaffeeröster

                Im Gegenzug können wir Qualitätswünsche äußern. Also beispielsweise, dass die Kaffeebauern biologisch arbeiten und auf den Schutz der Mitarbeiter achten. Somit ist das ein Geben und Nehmen.

                Durch das zusätzliche Geld können sich die Leute vor Ort Bildung leisten. Durch Bildung versteht man erst im Detail, wie Landwirtschaft funktioniert. Und kann nachhaltig handeln, wie zum Beispiel unsere Partner in Peru. Als sie vor zehn Jahren mit dem Kaffeeanbau angefangen haben, lieferten sie Standardqualität. Heute sind sie CO2-neutral und bauen Top-Qualität an – auch auf internationalen Bewertungsskalen. Darauf sind sie natürlich stolz. Zum Ausgleich für ihren großen CO2-Footprint beim Kaffeeanbau haben diese Kaffeebauern in Peru steile Hänge gekauft, mit denen man heute nicht viel anfangen kann. Sie haben dort Bäume gepflanzt, die sehr viel CO2 speichern. Dieser Wald wird immer größer, kann somit immer mehr CO2 speichern. Kurzfristigsorgt dieser Wald dafür, dass ihr Unternehmen CO2-neutral ist und langfristig ist das ihre Rente: Wenn sie einmal keinen Kaffee mehr anbauen, leben sie von dem CO2-Handel.

                 

                Ihr seid inzwischen ein klimaneutrales Unternehmen. Welche Tipps würdest du anderen Unternehmer*innen mit auf diesen Weg geben?

                Für mich beginnt das tatsächlich bei der Analyse. Jedes Unternehmen ist anders und hat andere Produkte, und dementsprechend einen anderen Footprint. Man unterscheidet zwischen dem Footprint des Unternehmens an sich, also unserer Bohnenschmiede hier in Wehringen, und dem Footprint des einzelnen Produkts, also bei uns vom Kaffeeanbau und -transport bis zur Verpackung des gerösteten Kaffees. Da war für uns die große Erkenntnis, so viel Einsparpotential haben wir hier vor Ort gar nicht. Unsere Zertifizierung bezieht sich auf das Jahr 2019, da hatten wir in Summe ein 127 Tonnen CO2. Davon hatte das Unternehmen hier in Wehringen keine 10 Tonnen. Der Rest war nur der Kaffeeanbau. Der Wasserverbrauch, Pestizide und Dünger sind im Allgemeinen das, was am meisten CO2 im Kaffeeanbau verursacht. Je nachhaltiger die Kooperativen dabei arbeiten, und ich das auch nachvollziehen und belegen kann, desto mehr darf ich dann von meiner CO2-Footprint-Rechnung abziehen. Somit hilft es uns, noch mehr über unseren eigenen Kaffee zu erfahren.

                 

                Wann hast du zuletzt etwas Neues ausprobiert und was war das?

                Gestern haben wir einen neuen Kaffee aus Bolivien geröstet. Von dort hatten wir noch nie Kaffee, also mal wieder ein neues Land. Unabhängig von den Herkunftsländern, probiere ich auch gerne eine neue Zubereitungsart aus. Verändere etwas daran oder versuche, das nochmal zu verfeinern. Daher kommt auch unser Spruch: Auf der Suche nach der Seele des Kaffees.

                 

                Und was kochst du sonst gern, außer Kaffee?

                Ich grille gerne, das gebe ich zu (lacht). Das kommt aber aus regionalen Höfen, wenn es um Fleisch geht. Und das Gemüse genauso. Wir kaufen das alles bei kleinen Bioläden. Das ist zum Glück gerade ein Trend, dass sich auf dem Dorf überall kleine „Tante-Emma-Läden“ etablieren, die von regionalen Höfen beziehen. Fleisch hole ich vom Biolandhof in Schwabeck, das ist hier ein paar Dörfer weiter. Gemüse kommt auch aus der Ecke, vom Pfänderhof. Mir geht Regionalität über Bio. Wenn ich hier im Supermarkt Bioprodukte sehe, und das kommt dann aus China oder Chile, über die halbe Welt, was ist daran besser?

                 

                Wofür würdest du gerne mehr Zeit haben?

                Einerseits natürlich für die Kids. Das muss man fairerweise sagen, sowas kommt manchmal zu kurz. Manchmal wäre es auch nicht schlecht, wenn ich für mich selbst mehr Zeit hätte (lacht). Klar werde ich auch gefragt, wie das funktioniert: Ein Vollzeit-Beruf und Kaffee rösten nebenzu. Aber wenn ich in der Rösterei bin, ist das für mich keine Arbeit, sondern reiner Spaß. Ich mache das gerne. Dennoch ist es zeitaufwändig (lacht). Das kann man nicht verleugnen.

                 

                Was ist dein Lieblingsplatz in Augsburg und Umgebung?

                Der Weg von Burgwalden bis nach Augsburg rein. Dieser Waldweg ist ein schöner Ausgleich, wenn man überlegt, man ist direkt neben einer Großstadt. Andere würden hierher in den Urlaub fahren. Man schätzt das manchmal gar nicht so, was man vor der Haustür hat.

                 

                Wenn du Bürgermeister von Augsburg wärst, was würdest du dann ändern?

                Ich würde mir mehr Gedanken über das Verkehrskonzept machen. Wie komme ich nachhaltig von A nach B?

                Stefan Steidle, Kaffeeröster

                Max war vor kurzem mit dem Bus in Augsburg – das sind von Wehringen aus keine 15 Kilometer und kostet hin und zurück 16 Euro. Da hört es doch auf (lacht). Nachhaltigkeit und Klimaschutz muss ja irgendwo im Alltag ankommen.

                 

                Was bedeutet nachhaltig leben für dich persönlich?

                Für mich ist das Thema bewusstes Konsumieren am wichtigsten. Das ist mir fast noch wichtiger als der Begriff Nachhaltigkeit.

                "Wir sollten uns beim Einkaufen überlegen, wie das funktionieren kann, wenn ein günstiger Kaffee im Discounter fünf oder sechs Euro das Kilo kostet. Der Kaffee kostet schon grob zwei Euro das Kilo an der Börse, zwei Euro und neunzehn Cent sind Kaffeesteuer, dann kommt noch die Mehrwertsteuer dazu. Also da kann nichts mehr übrigbleiben für die Kaffeebauern."

                Stefan Steidle

                Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller

                Wenn man sich dessen bewusst ist, faire Produktion unterstützt und bei kleineren oder auch größeren Anbietern einkauft die diese Werte vertreten, ist schon viel passiert. Ob das jetzt Kaffee oder andere Produkte sind. Bei Kaffee haben wir halt den Fakt, dass Kaffee zwangsläufig von weit her aus dem Ausland kommt, weil er hier nicht wächst. Aber wir können versuchen, auch dort Einfluss zu nehmen, durch die Art wie wir konsumieren. Wenn man sich Gedanken darüber macht, ist dies meines Erachtens der so wichtige erste Schritt.

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                Max Schmid und Stefan Steidle von der Kafferösterei Bohnenschmiede. Foto: Annika Müller
                Max Schmid und Stefan Steidle von der Kafferösterei Bohnenschmiede. Foto: Annika Müller
                Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
                Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
                Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
                Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
                "Immer auf der Suche nach der Seele des Kaffees" ist das Motto der Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
                "Immer auf der Suche nach der Seele des Kaffees" ist das Motto der Kaffeerösterei Bohnenschmiede in Wehringen bei Augsburg. Foto: Annika Müller
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                Leckere Oster-Rezepte vom Weltladen Augsburg

                Leckere Oster-Rezepte vom Weltladen Augsburg
                In dem Osterlamm, den Karottenmuffins oder den Orangenplätzchen sind jede Menge fair gehandelter Zutaten.
                Orangenplätzchen, gebacken nach einem Rezept des Weltladens Augsburg mit vielen fair gehandelten Zutaten. Foto: Henriette Seydel / Weltladen Augsburg

                Ob für den Osterbrunch oder als Mitbringsel zur Osterfeier – Selbstgebackenes kommt immer gut an, vor allem, wenn die Zutaten fair und bio sind. Die Mitarbeiter*innen des Weltladens Augsburg haben dem Lifeguide drei ihrer leckersten Oster-Rezepte verraten. In dem Osterlamm, den Karottenmuffins oder den Orangenplätzchen sind jede Menge fair gehandelter Zutaten. Und wer zum Stöbern in den Weltladen geht, findet für sein persönliches Oster-Rezept ganz sicher weitere Zutaten.

                 

                Im  Weltladen Augsburg könnt ihr euch zu jeder Jahreszeit inspirieren lassen und findet für viele Gelegenheiten witzige Geschenke und nachhaltige Mitbringsel, leckere und fair gehandelte Schokolade oder tolle Deko-Artikel, wie Kerzen und Gefilztes. Bei einem Streifzug durch die farbenfrohen Regale kommt richtig gute Stimmung auf!. Für alle, die gern mit Listen arbeiten und Häkchen machen, gibt es jetzt auf der Weltladen-Seite die "Checkliste Ostern - eine Fairanstaltungshilfe".

                 

                Für Osternester liefert uns übrigens die Natur die besten "Zutaten", wie Zweige, Moos oder kleine Steine. Ideen liefert Katrin Mayer aus Horgau in ihrem Artikel Osternester ganz natürlich.

                 

                Rezepte:

                Alle Zutaten, die mit einem ° gekennzeichnet sind, findet ihr fair gehandelt im Weltladen Augsburg. Den Rest, wie Bio-Eier, Butter oder Mehl gibt es in einem der zahlreichen Lifeguide-Läden – einfach unter dem Stichwort „Lebensmittelläden" stöbern.

                 

                Osterlamm

                Symbolisch für das Lamm Gottes stellt das süße Schoko-Osterlamm ein Symbol für Reinheit und Frieden dar. Neben Ostereiern und Hefezopf ist auch das Osterlamm vielerorts Brauchtum. Zum Backen wird eine spezielle Form benötigt, die dem Teig seine Lammform gibt.

                Zutaten:

                • 2 Eier
                • 125 g weiche Butter
                • 110 g Zucker°
                • 1 Pk. Vanillezucker°
                • 1 Prise Salz°
                • 100 g Mehl
                • 1/2 TL Backpulver
                • 60 g gemahlene Mandeln°
                • etwas Butter und Mehl/Semmelbrösel für die Form
                • 200g weiße Schokolade°
                • bisschen Vollmilchschokolade° oder Rosinen° für die Augen

                Zubereitung:

                • Da alle Zutaten etwa Zimmertemperatur haben sollten, diese etwa 30 Minuten vor der Zubereitung bereitstellen.
                • Die Lammform einfetten und mit Mehl oder Semmelbröseln bestäuben. Den Backofen auf 180 °C (Ober-/Unterhitze) oder 160 °C (Heißluft) vorheizen.
                • Für den Rührteig die Eier trennen und das Eiweiß mit der Hälfte des Zuckers zu steifem Schnee schlagen.
                • Anschließend die Eigelbe mit dem restlichen Zucker, dem Vanillezucker, der Butter und dem Salz schaumig schlagen.
                • Mehl mit Backpulver und Mandeln vermischen und unterrühren. Nun vorsichtig den Eischnee unterheben.
                • Den Teig in die Form geben und das Lamm auf dem untersten Rost etwa 30 bis 45 Minuten backen.
                • Nach dem Backen die Form aus dem Ofen nehmen und etwa 10 Minuten auskühlen lassen. Anschließend das Lämmchen vorsichtig aus der Form lösen und auf einem Kuchenrost  auskühlen lassen.
                • 2/3 der weißen Schokolade schmelzen, das restliche Drittel raspeln. Mit der flüssigen Schokolade das vollständig abgekühlte Lamm  überziehen, anschließend sofort mit den Raspeln bestreuen. Sobald alles (an)getrocknet ist, mit einem Holzspieß und der dunklen geschmolzenen Schokolade Augen, Ohren und Mund nachzeichnen (alternativ Rosinen als Augen ran“kleben“).

                 

                Karottenmuffins

                Zutaten:

                • 225g Karotten
                • 225g Mehl
                • 1/2 Pck. Backpulver
                • 1 Prise Salz°
                • 140g brauner Zucker°
                • abgeriebene Schale einer Orange
                • 2 TL Zimt°
                • 115g gehackte und geröstete Haselnüsse°
                • 55g Kokosflocken°
                • 2 Eier
                • 150ml Sonnenblumenöl
                • ca. 50ml Orangensaft°
                • 225g Frischkäse, 85g Butter, 115g Puderzucker für die Glasur
                • 250g Marzipan und Lebensmittelfarbe für die Möhrchendeko

                 

                Zubereitung:

                • Den Backofen auf 180° vorheizen und die Muffinform mit Papierförmchen auslegen.
                • Karotten reiben.
                • Das Mehl mit dem Backpulver in eine Schüssel sieben, anschließend mit den Karotten, Salz, Zucker, Orangenschale, Zimt, Nüssen und den Kokosflocken vermischen.
                • Die Eier verquirlen und mit dem Öl und dem Saft zur Teigmischung geben. Alles gut verrühren.
                • Jetzt den Teig in die Förmchen füllen und für etwa 20-40 Minuten in den Ofen schieben.
                • Für die Glasur Frischkäse, Butter und Puderzucker vermischen, und die abgekühlten Muffins bestreichen.
                • Das Marzipan orange und grün färben und Karotten formen. Damit die Muffins dekorieren.

                Orangenplätzchen

                Zutaten:

                • 2 Eier
                • 250g weiche Butter
                • 150g Zucker°
                • 1 EL Orangensaft
                • 400g Mehl
                • 1/4 TL Backpulver
                • Orangensaft° und Puderzucker für die Glasur
                • Dekoperlen, Schokolinsen, Zuckerstreusel, etc.

                Zubereitung:

                Mit allen Zutaten einen Mürbeteig kneten, diesen kühlstellen und anschließend ausrollen. Jetzt verschiedene österliche Figuren ausstechen und bei 180° im Ofen abbacken. Nachdem die Plätzchen abgekühlt sind, können sie mit Zuckerguss und sonstiger essbaren Deko verziert werden.

                 

                Guten Appetit und Frohe Ostern!

                 

                Erstveröffentlichung im Lifeguide: 10.4.2019

                Osterbäckerei, Weltladen Augsburg, Osterplätzchen, Kekse, Augsburg, Foto: Henriette Seydel, Osterhase
                Osterlamm, gebacken nach einem Rezept des Weltladens Augsburg mit vielen fair gehandelten Zutaten. Foto: Henriette Seydel/ Weltladen Augsburg
                Osterbäckerei, Weltladen Augsburg, Osterplätzchen, Kekse, Augsburg, Foto: Henriette Seydel, Osterhase
                Karottenmuffins, gebacken nach einem Rezept des Weltladens Augsburg mit vielen fair gehandelten Zutaten. Foto: Henriette Seydel/Weltladen Augsburg
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                Das Herzstück in Horgau

                Das Herzstück in Horgau
                Das „Herzstück“ in Horgau ist ein Laden mit Kaffeewirtschaft, in dem es Bio-Produkte aus der Region ohne viel Verpackungsmüll gibt.
                Verpackungsfrei einkaufen im Herzstück Horgau.

                Das „Herzstück“ in Horgau ist ein Laden mit Kaffeewirtschaft, in dem es Bio-Produkte aus der Region ohne viel Verpackungsmüll gibt. Herzkammer ist dabei die Küche, in der die regionalen Lebensmittel zu bodenständigen und frischen Gerichten verarbeitet werden.

                "Von Bürger für Bürger" – das ist das Motto des Herzstücks in Horgau. Nach langjähriger Umbauphase hat die Genossenschaft im Sommer 2021 in Horgau ihren 2. Laden eröffnet. Er dient als Ort der Begegnung und ist gleichzeitig ein Schaufenster regionaler Produkte. Ganz so, wie es früher in den Dorfläden eben war: Produkte von Landwirt*innen und Produzent*innen aus der Region - ausschließlich aus ökologischer und nachhaltiger Herkunft.

                „Wir wollten den Einkauf und den Genuss wieder einfach und ehrlich machen,“ sagt Anja Dördelmann, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. Vieles wie Brot, Nudeln, Marmeladen, Kräutersalze, Aufstriche aber auch feinste Pralinen und Torten werden vor Ort selbst gemacht oder aus der Region frisch bezogen – ohne lange und komplizierte Zutatenliste. Hier können die Käuferinnen und Käufer sicher sein, dass sie Natürliches bekommen und brauchen kein Hintergrundwissen, was Zusatzstoffe oder Verknüpfungen von Herstellern mit großen Konzernen betrifft.

                Verpackungsarm und „Zero Waste“

                Es wird nur das eingepackt, was sich anders nicht transportieren lässt. Selbstgemachtes kommt in Pfandgläsern. Neben Obst und Gemüse können die Kunden auch Nudeln, Getreide, Hülsenfrüchte und Müsli als offene Waren kaufen. Aus Schütten kann man sich dann die gewünschte Menge in eigene Gefäße abfüllen.

                Alles, was verpackt werden muss, kommt in recycelbare oder kompostierbare Behälter, die nach dem Gebrauch wieder in den Kreislauf eingehen können. Denn das Herzstück Horgau hat sich vollständig den ganzheitlichen und ökologischen Geboten verschrieben. Dazu gehört die Kreislaufwirtschaft nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip. Das bedeutet: Es wird kein Müll produziert und alle Stoffe werden wiederverwendet. Das gilt auch für die Ausstattung: Der Laden wird weitestgehend mit Second-Hand-Möbeln und -Geräten ausgestattet, bei der Renovierung werden ausschließlich natürliche Materialien verwendet. Recycling und Upcycling sind eine Selbstverständlichkeit.

                Der Ansatz des Herzstücks beruht auf dem Prinzip der Gemeinwohlökonomie und die Unternehmensstruktur wird soziokratisch organisiert. Das heißt, alle Beteiligten können ihre Ansichten und Ideen in den Prozess einfach und direkt einbringen. So findet sich jeder der 90 Genossenschafts-Mitglieder im Herzstück wieder.

                Verpackungsfrei einkaufen im Herzstück Horgau.

                Kulinarischer und kultureller Treffpunkt für alle Horgauer

                Neben Lebensmitteln und Artikeln für das tägliche Leben gibt es in der Kaffeewirtschaft Frühstück und einen wechselnden und frischen Mittagstisch – natürlich bio und regional. Als Basis dienen heimatliche Rezepte in Verbindung mit pfiffigen Ideen.

                Regionalität ist einfach das Herz des Herzstücks. Das Konzept ist stark mit dem Naturpark Westliche Wälder verbunden. „Wir wollen dieses Gebiet, aus dem viele unserer Produkte stammen und wo wir Menschen uns für einen Wandel zusammenschließen, erlebbar und spürbar machen“, so Anja Dördelmann.

                Mitglied werden:

                Wer dieses Projekt unterstützen möchte, kann Anteile à 300 € für das Herzstück Horgau, Genossenschaft mit Dorfladen und Kaffeewirtschaft, erwerben. Informationen gibt es auf der Webseite  www.herzstück-horgau.de oder am Infostand der Herzler beim „Horgauer Bauernmarkt“ jeden ersten Samstag im Monat – Augsburger Straße 2a in Horgau.

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                Lebensmittel pur - Unverpackt und plastikfrei

                Lebensmittel pur - Unverpackt und plastikfrei
                Ramona Dorner von rutaNatur: "Es ist wichtig, die Menschen auf diesen Weg mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass das Projekt "Unverpackt" ein wichtiger Beitrag zum Überleben der Menschheit auf diesem Planeten sein kann."
                Ramona Dorner, rutaNatur unverpackt, Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski

                Mit ihrem Fokus auf das Wesentliche betreibt Ramona Dorner ihren verpackungsfreien Naturkostladen. Das pure Lebensmittel kann ohne überflüssiges Plastik und Werbung am besten wirken. So erfährt unser Essen Wertschätzung und den unbeeinflussten Genuss, den es verdient.

                "Es ist wichtig, die Menschen auf diesen Weg mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass das Projekt "Unverpackt" ein wichtiger Beitrag zum Überleben der Menschheit auf diesem Planeten sein kann." Ramona Dorner

                 

                Steckbrief:

                Name: Ramona Dorner

                Beruf: Glasdesignerin, Geschäftsführerin bei rutaNatur

                Lieblingsverpackung: Walnussschale oder auch eine andere Verpackung der Natur

                 

                Lifeguide: Unverpackt – wie geht das?

                Ramona Dorner: Verpackt, wie geht das? Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten so stark an künstliche Verpackungen gewöhnt und uns so weit von der Natur entkoppelt, dass wir uns diese Frage überhaupt nicht mehr stellen. Nachdem mir das durch verschiedene Ereignisse und Begegnungen in den letzten Jahren immer stärker ins Bewusstsein rückte, war dieser Weg für mich irgendwie vorgezeichnet. Aber klar kostet diese Rückbesinnung auf "Tante Emma" und damit auf das Wesentliche beim Einkaufen - das Produkt und nicht die Verpackung - gewaltige Anstrengungen. Ein großer Teil der heutigen Produktions- und Vertriebsstrukturen, sowie der Marketingtechniken ist auf den Verkauf unverpackter Produkte an Endverbraucher überhaupt nicht mehr eingestellt. Deshalb ist es mit enormen Anstrengungen verbunden, ein entsprechendes Lieferantennetz aufzubauen. Aber genauso wichtig ist es, die Menschen auf diesen Weg mitzunehmen und ihnen zu zeigen, dass das Projekt "Unverpackt" ein wichtiger Beitrag zum Überleben der Menschheit auf diesem Planeten sein kann. Die Zunahme von Plastik in den Weltmeeren wird mit Sicherheit eher das Gegenteil bewirken.

                 

                Unverpackt mit Kind – wie geht das?

                Unverpackt ohne Kind – wie geht das? Ich sehe keinen Widerspruch darin.

                "Gerade mit Kind fühle ich mich noch mehr dazu aufgerufen, mein Leben bewusst zu gestalten und meinen Anteil für den Erhalt unserer Natur und unserer Umwelt beizutragen.

                 

                Was steht hinter eurem Logo?

                Mir war es wichtig, mit dem Logo meinen Grundgedanken der Natürlichkeit und des Ursprünglichen zum Ausdruck zu bringen. Dies geschah durch Anwendung eines eher primitiven Zeichenstils, der unvollkommen wirkt und dennoch ästhetisches Empfinden hervorruft.

                "Die Natur selbst ist für mich - gerade durch ihre Unvollkommenheit - so wunderschön.

                Die Holzstruktur und die Blüte sind Symbole der Natur, die meinen Gedanken nochmals bildhaft vervollständigen. Ein Hauch Philosophie steckt auch dahinter. Die geöffnete Blüte ist ein Zeichen für die Vergänglichkeit alles Materiellen, auch wenn es noch so schön und anmutig wie eine Blume ist. Werden und Vergehen ist der Lauf der Welt...

                 

                Was bedeutet für dich die Zuwendung zum Wesentlichen?

                Das ist eine Frage, die eine facettenreiche Antwort herausfordert. Im Grunde bedeutet das für mich eine Rückbesinnung auf die Einfachheit und auf das Ursprüngliche. Man könnte es auch als Minimalismus bezeichnen.

                "Indem ich auf viele, materiellen Dinge unserer Überflussgesellschaft verzichte, Orte mit unzähligen Reizen meide und gesellschaftlichen Zwängen immer mehr entsage, fühle ich eine große Erleichterung und finde besser zu einer inneren Ruhe. Diese ermöglicht es mir, ein Leben im Hier und Jetzt zu führen und jedem Augenblick mit Bewusstheit zu begegnen.

                Konkret bedeutet das für mich unter anderem, ein Leben im Einklang mit der Natur zu führen, ausreichend Zeit für das Alleinsein zu finden sowie unzählige Momente mit meiner Familie und lieben Menschen zu verbringen.

                Des Weiteren entspricht für mich „das Wesentliche“ einer inneren Haltung, dem Leben mit Demut und Dankbarkeit zu begegnen, sich selbst weniger im Mittelpunkt des Lebens zu sehen, sondern das große Ganze zu betrachten und seinen Teil für dessen Entwicklung beizutragen.

                 

                Was würdest Du tun, wenn Du Bürgermeisterin von Augsburg wärst?

                Ich bin der Meinung, dass auch jeder Bürger ohne „Meistertitel“ eine Menge bewegen kann. Da hatte und habe ich viele Visionen – egal ob alleine oder zusammen mit anderen. Aus der Perspektive eines Bürgermeisters habe ich das noch nicht betrachtet und finde diese Träumerei auch nicht reizvoll, da das Erlangen eines solchen Amtes nicht in meinem Interesse ist.

                Grundlegende Änderungen auf politischer Ebene halte ich aber für dringend notwendig, auch wenn meine eigenen Motivationen weniger politischer Natur sind.

                 

                Wo ist dein Lieblingsplatz in Augsburg?

                Aktuell ist das ein Fleckchen mit kleinem Bächlein im Siebentischwald in Haunstetten. Dort erfährt mein Kind gerade die Natur.

                 

                Welche drei Dinge gehören für dich in jeden Kühlschrank?

                Ich habe in Frankreich ein halbes Jahr ohne Kühlschrank ganz gut gelebt, deshalb kann ich das nicht so pauschal beantworten.

                 

                Was kochst du wenn Besuch kommt?

                Ich habe immer noch eine gewisse, sicherlich unbegründete Scheu davor, für viele Menschen zu kochen, obwohl ich es liebe, für die Familie täglich frische Speisen zuzubereiten. Deshalb gibt es dann meist Buffet mit Brotzeit und selbstgemachten Dips. Manchmal tische ich aber auch eine Quiche auf oder koche eine Saison-Suppe, wie z.B. aus Spargel. Seitdem der Nachwuchs da ist, habe ich meine Liebe zum Backen wiederentdeckt. Bevor ich mir Süßes kaufe, backe ich lieber selbst und bestimme so, was drin ist. Besuche sind gute Gelegenheiten, um sich in diesem Bereich kreativ auszutoben. Ein weiterer Vorteil ist, dass man der „süßen Sünde“ nicht alleine ausgeliefert ist, sondern sie mit anderen teilen kann.

                 

                Auto, Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß?

                Solange meine Beine mich tragen, bevorzuge ich den Fußmarsch. So bin ich völlig unabhängig und flexibel.

                Gerade jetzt mit Baby freue ich mich über diesen Vorteil noch mehr. Ansonsten ist der Drahtesel mein treuster Transportbegleiter. Da das Fahrradfahren mit Baby aber vorerst noch nicht möglich ist, schätze ich die Fortbewegung zu Fuß umso mehr. Und nicht nur ich – auch das Kind liebt es, weil es im Tragetuch ganz nah bei Mama ist. Als nächste Option gewinnt bei mir das Bahnfahren. Hierbei kann ich völlig entspannen und mich tragen lassen.

                 

                Was regt dich auf?

                Wenn andere mir ihre Meinung aufdrängen möchten. Auch die Erwartungshaltung von so vielen, dass andere für sie jederzeit erreichbar sein müssen. Und die gesellschaftliche Versenkung in Smartphones und anderen Medien.

                 

                Was bedeutet die Mutterrolle für dich?

                Dem Kind Geborgenheit schenken und mich selbst dabei geborgen fühlen. Die Welt durch Kinderaugen nochmals neu entdecken. Das Kind etwas lehren und vor allem auch von ihm lernen. In der neuen Aufgabe im Leben aufgehen und die Fülle auskosten.

                Da ein Kind sich zwangsläufig an dem orientiert, was ihm tagtäglich vorgelebt wird, ist es noch mehr als zuvor in meiner Verantwortung, ein Leben zu führen, mit dem ich selbst im Reinen bin. Es ist nicht an mir, ihm zu zeigen, welchen Weg es zu gehen hat, sondern ihm Vorschläge zu machen und es herauszufordern, seinen eigenen Weg zu beschreiten.

                 

                Du triffst dein 18-jähriges Ich. Welchen Rat gibst du dir selbst?

                Vertraue dir selbst und gehe unbeirrt deinen Weg. Du wirst sehen, alles ist gut!

                 

                Welches Kunstwerk würdest du gern besitzen?

                Ich bin ein großer Kunstfreund, keine Frage. Allerdings habe ich nicht den Wunsch ein bestimmtes Kunstwerk in meinem Besitz zu wissen. So betrachte ich lieber die Kunstwerke, die mir auf meinen Wegen begegnen oder werde selbst kreativ. Eine Schwäche für kunsthandwerkliche Gebrauchsgegenstände muss ich allerdings eingestehen, was wohl daher rührt, dass ich selbst mehrere Jahre in diesem Bereich gearbeitet habe. Ich fühle mich der Handwerkskunst sehr verbunden, auch weil sie noch so ursprünglich ist und Schönheit mit Nutzen vereint. Deshalb fördere ich deren Fortbestehen auch sehr gerne, da sie tatsächlich vom Aussterben bedroht ist.

                 

                Welche Eigenschaft schätzt du an einem Menschen?

                "Ich schätze bei Menschen vor allem Authentizität – Ein Mensch, der sich selbst und anderen gegenüber öffnen kann, den Mut hat, seine Maske abzulegen und in Kontakt mit anderen kommt, ohne dass jegliche Barriere zwischen ihnen steht. Diese kindliche Eigenschaft, die leider häufig verloren geht, schätze ich an erwachsenen Menschen. Und selbst, wenn es nur Momente sind, in denen sich ein Erwachsener so „nackt“ zeigt.".

                 

                Welche Begegnung hat dich berührt?

                Da fällt mir spontan die Begegnung mit einem Gärtner aus meiner Heimat ein. Ich war damals auf einer Recherche-Reise wegen meines Gesellenstücks – ein Minigewächshaus – unterwegs. Bevor ich diesem besagten älteren Herrn begegnete, sprach ich mit vielen anderen Fachleuten, die mir zwar auch gute Ratschläge gaben, welche aber eher auf einer sachlichen Ebene blieben.

                Bei ihm war es anders. Er liebte und lebte seinen Beruf, was ich unmittelbar spürte. Mein Vorhaben, ein Häuschen für seine innig geliebten Pflanzen zu bauen, begeisterte ihn auf Anhieb. Mit Herzblut ließ er sich auf meine Fragen ein. Unsere gemeinsame Leidenschaft für dieses Thema verband uns und ließ eine kurze, aber intensive Zusammenarbeit entstehen. Später kam auch noch per Zufall heraus, dass dieser Mann eine Brücke zu meinem jetzigen Lebenspartner darstellte. Wir beide kannten, unabhängig voneinander, Familienmitglieder der Gärtnerei, obwohl wir an zwei ganz verschiedenen Orten wohnten.

                 

                INFO:

                Erstveröffentlichung dieses Lifeguide-Interviews am 11.9.2017

                 

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                Im Laden rutaNatur unverpackt in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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                Mit mobilen Hühnern in eine nachhaltige Zukunft

                Mit mobilen Hühnern in eine nachhaltige Zukunft
                Die Hühner haben Platz zum Scharren und Picken, die Lieferketten sind kurz und der Boden wird natürlich gedüngt
                Das Hühnermobil bietet Vorteile für Tier, Mensch und Umwelt. Foto: Schenk Hof Friesenried

                Mit mobilen Ställen können Bauern und Bäuerinnen das Gehege ihrer Hühner an unterschiedlichen Stellen platzieren. Das bietet viele neue Möglichkeiten für Huhn, Landwirt*in und Umwelt. Und es trägt zu mehr Nachhaltigkeit bei.  

                 

                 Für die Besitzer*innen von Hühnern ist folgendes Szenario Alltag: Schon wenige Wochen nachdem die Hühner in ihren Stall eingezogen sind, ist ihr Gehege verwüstet. Der Boden gleicht einer braunen, nassen Matsch-Fläche, auf der kein Grashalm mehr zu finden ist. Verantwortlich dafür ist der intensive Scharr- und Picktrieb der Tiere. Dieses Problem lösen die sogenannten „Hühnermobile“, die in der Augsburger Region immer häufiger zu sehen sind. Die Idee dabei: Sobald die Tiere eine Fläche abgeweidet haben, versetzt der Bauer den Hühnerstall ganz einfach an einen neuen Platz. Dadurch ergeben sich viele Vorteile für Mensch und Tier.

                 

                Hohe Lebensqualität für Hühner

                Die Hühnermobile verbessern die Lebensbedingungen der Tiere erheblich. Mit der automatischen Entriegelung der Klappen öffnet sich in den Morgenstunden ihr Weg in die Freiheit. Auf noch unberührtem Boden könne die Tiere Gräser, Löwenzahn und andere Pflanzen entdecken. Die Vorteile der Bodenhaltung werden dabei von den Hühnern voll ausgenutzt. So erleben Huhn und Hahn durch regelmäßiges Versetzen des Geheges neue Reize. Diese führen zu weniger Verletzungen, welche ansonsten in engen Ställen  durch Langeweile und Konkurrenz ausgelöst werden können.  

                 

                Weniger Nitrat im Grundwasser  

                Der Kot von Tieren und seine Entsorgung auf den Feldern ist für Tierhalter*innen und Umwelt häufig ein Problem. Denn dabei kann zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangen. Durch regelmäßiges Verschieben der flexiblen Ställe wirken die Bäuer*innen dem entgegen. Der Kot der Tiere verteilt sich dabei über längere Zeit auf mehr Fläche. So wird das Feld auf natürliche Weise gedüngt  und eine Übernutzung verhindert. Dies erhöht die Umweltverträglichkeit der Hühnerzucht maßgeblich.

                 

                Einfache Handhabung und gute Wirtschaftlichkeit

                Auch für die Erzeuger*innen bieten die Hühnermobile eine Reihe von Vorteilen. Viele Bereiche sind vollautomatisiert und einfach zu bedienen. Das Hühnermobil schafft daher eine gute Möglichkeit für Nebeneinkünfte.

                Ein modernes Hühnermobil ist mit einem Wassertank ausgestattet, der je nach Modell die Tiere mehrere Tage automatisch tränkt. Zusätzlich garantieren ein selbstständiger Futterspender und eine Klimaanlage optimale Lebensbedingungen für die Tiere. Für ausreichende Hygiene sorgt ein Kotband. Es fördert alle Abfallprodukte aus dem Stall und hält ihn sauber. Damit übernimmt das Hühnermobil wichtige Aufgaben für die Landwirte und ermöglicht gleichzeitig eine artgerechte Haltung der Tiere.

                 

                Regionale Produkte und traditionelle Ideen

                Die Bodenhaltung von Geflügel und ihre Kombination mit dem Anbau von Getreide hat in der Landwirtschaft eine lange Tradition. Nach erfolgreicher Ernte wurden die Tiere bis ins 20. Jahrhundert hinein auf das abgeerntete Feld geschickt. Dort pickten sie die zurückgelassenen Körner wie Weizen, Roggen und Gerste. Diese Technik macht sich der bewegliche Stall zunutze. Die Bäuer*innen können so ihre Felder vielseitiger bewirtschaften.

                 

                Kurze Wege – kurze Lieferketten

                Der Verkauf der Eier vor Ort hat mehrere Vorteile: Durch den Direktvertrieb im Hofladen oder am Eierautomaten landet der Verdienst ohne Umwege über den Zwischenhandel bei den Bäuer*innen. Für die Kund*innen hat das Ei vom Bauernhof um die Ecke außerdem den Vorteil, dass sie die Tierhalter*innen kennen und sich vor Ort genau über ihr Produkt informieren können. Nicht zuletzt sind regionale Lebensmittel mit kurzen Wegen und kurze Lieferketten nachhaltig und helfen das Überleben ländlicher Betriebe zu sichern. 

                 

                Tierhaltung im Kontext der Nachhaltigkeit

                Mobile Ställe greifen also alle Aspekte der Nachhaltigkeit auf. Sie schließen regionale Wirtschaftskreisläufe, schonen die Umwelt und sichern Arbeitsplätze vor Ort. Das stabilisiert unser Sozialgefüge. Ein solches Konzept fügt sich gut in die bereits bestehende Kultur- und Wirtschaftslandschaft unserer Region ein und ermöglicht es den Augsburger*innen umweltschonend einzukaufen.

                • Alle Fotos für diesen Artikel stammen von Schenk Hof Friesenried im Allgäu. Herzlichen Dank ins Allgäu für die tollen Fotos von glücklichen Hühnern.
                • Und falls du dir selbst ein Bild von den Hühnermobilen machen möchtest: Hier haben wir einige Hühnermobile in unserer Region aufgelistet – wenn du weitere kennst, schick uns doch bitte eine Mail: redaktion@lifeguide-augsburg.de

                 

                Hühnermobile in der Region Augsburg Stadt und Land, sowie Aichach Friedberg:

                Erstveröffentlichung im Lifeguide: 26.1.2021

                Hühner, Wiese, Schenk Hof Friesenried, Foto: Schenk Hof Friesenried
                Das Hühnermobil bietet Vorteile für Tier, Mensch und Umwelt. Foto: Schenk Hof Friesenried
                Eierautomat, Schenk Hof Friesenried, Foto: Schenk Hof Friesenried
                Im Eierautomaten gibt es rund um die Uhr firsche Eier. Foto: Schenk Hof Friesenried
                Hühnermobil, Hühner, Schenk Hof Friesenried, Foto: Schenk Hof Friesenried
                Das Hühnermobil wird regelmäßig an einen neuen Standort gebracht. Es bietet Vorteile für Tier, Mensch und Umwelt. Foto: Schenk Hof Friesenried
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                foodsharing in Augsburg

                foodsharing in Augsburg
                Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen! In Augsburg gibt es 230 aktive Foodsaver*innen. Von 2015 bis 2020 retteten sie in 23.000 Einsätzen rund 280 Tonnen Lebensmittel.
                foodsharing: Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen!

                „Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen!“ Das ist das Motto der Initiative foodsharing, die sich seit 2012 dafür einsetzt, dass Lebensmittel eine höhere Wertschätzung erfahren und nicht verschwendet werden. Die Internet-Plattform www.foodsharing.de ermöglicht es Privatleuten, zu viel gekaufte Lebensmittel in Form sogenannter „Essenskörbe“ anzubieten, die andere abholen und verbrauchen können.

                 

                Gastbeitrag von Elke Thiergärtner, foodsharing-Botschafterin von Augsburg

                 

                In Augsburg hat sich im Februar 2015 eine Gruppe von Engagierten gefunden, die sich über das private Teilen von Lebensmitteln hinaus dafür einsetzen, Essen auch im Handel, bei Gastronomiebetrieben oder auf Veranstaltungen abzuholen und weiterzuverteilen. Was damals als sehr kleine Gruppe begonnen hat, ist in den letzten Jahren zu einer beachtlichen Größe angewachsen: Aktuell retten 230 aktive Foodsaver*innen Lebensmittel bei etwa 45 Kooperationsbetrieben – vom kleinen Gemüsestand bis zum Supermarkt. Dazu kommen regelmäßige Abholungen bei Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Augsburger Plärrer oder dem Christkindlesmarkt.

                 

                Von 2015 - 2020: 23.000 Rettungseinsätze für 280 Tonnen Lebensmittel

                Das Engagement der Foodsaver*innen und das große Netzwerk an Abnehmer*innen machen es möglich, dass wir auch ungewöhnliche Aktionen wie etwa die Rettung und Verteilung von 11.000 Litern Erbsenmilch im Februar 2020 stemmen können. Insgesamt konnten wir so bei über 23.000 Rettungseinsätzen schon fast 280 Tonnen Lebensmittel vor der Tonne retten.

                foodsharing betreibt in Augsburg mehrere „Fairteiler“ – öffentlich zugängliche Stellen mit Kühlschrank und Regal, an denen alle Augsburger*innen übrig gebliebene Lebensmittel abgeben bzw. dort abgelieferte Lebensmittel mitnehmen können. Die meisten Augsburger Fairteiler sind aktuell aufgrund des Lockdowns geschlossen. Geöffnet sind die Standorte im Grandhotel Cosmopolis, Springergasse 5,  sowie im Hof der Alten Gasse 7 (hinter dem Kulturcafé Neruda ).

                Seit Mai 2020 ist foodsharing in Augsburg Teil der Lokalen Agenda. Damit haben wir noch mehr Gelegenheit, uns mit anderen Initiativen zu vernetzen und gemeinsam über das Thema Lebensmittelverschwendung aufzuklären und zu informieren. Sei es online über soziale Netzwerke  oder – sobald dies wieder möglich ist – mit Aktionen wie Schnibbelpartys oder Infoständen bei Veranstaltungen.

                 

                100 Prozent Ehrenamt

                Die Plattform foodsharing.de wie auch das Engagement der Foodsaver ist zu 100 Prozent ehrenamtlich. Das Retten und Teilen der Lebensmittel findet komplett geldfrei statt. Wir sehen uns dabei nicht als Konkurrenz zur Tafel oder anderen Organisationen, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. Vielmehr arbeiten wir als Ergänzung, indem wir z. B. Lebensmittel retten, die die Tafeln nicht annehmen dürfen, oder auch Kleinstmengen mitnehmen.

                Wer Foodsaver werden möchte, registriert sich auf www.foodsharing.de. Nachdem man dort ein Quiz bestanden hat, absolviert man drei Einführungsabholungen mit erfahrenen Foodsavern. Danach erhalten die neuen Foodsaver einen foodsharing-Ausweis und können im Rahmen unserer Betriebsteams Lebensmittel bei kooperierenden Betrieben abholen.

                Kontakt: augsburg@foodsharing.network

                 

                Die Fairteiler-Standorte in Augsburg:

                • Keller des Grandhotel Cosmopolis (Springergässchen 5)
                • Hof hinter dem Kulturcafé Neruda (Alte Gasse 7)
                • Sozialkaufhaus contact (Im Tal 8, Haunstetten)
                • Kinder- und Jugendhaus Lehmbau in Hochzoll (Mittenwalder Straße 31, Mo-Fr 10-19 Uhr)
                • im City Café (Konrad-Adenauer Alllee 9, Di-Sa ab 14 Uhr)

                Kontakt: augsburg@foodsharing.network

                Foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative Foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
                foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
                Foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
                foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative Foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
                Foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative Foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
                Foodsharing, Augsburg, Lebensmittel retten, Foto: Foodsharing Augsburg
                Die Initiative Foodsharing rettet Lebensmittel. Foto: Foodsharing Augsburg
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