Mit vier Agendasprecherinnen erhält die Lokale Agenda 21, das Augsburger Netzwerk für Nachhaltigkeit, jede Menge Frauenpower für die lokale Nachhaltigkeit in allen Dimensionen.
Seit fast 30 Jahren ist die Lokale Agenda 21 ein lebendiges Netzwerk für Nachhaltigkeit in Augsburg. Sie bringt Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen – mit einem Ziel: die Stadt enkeltauglich und lebenswert zu gestalten. Im Juni 2025 wählten die Vertreter*innen der 30 Agendaforen diese vier Sprecherinnen für die nächsten zwei Jahre.
Dank an Tom Hecht
Ausgeschieden ist Tom Hecht, der 10 Jahre lang mit sehr großem Engagement Agendasprecher war. Er ist weiterhin unter anderem in der Bürgerstiftung Augsburg und augsburg.one aktiv. Ohne ihn hätte es das Fachforum Verkehr schon lange nicht mehr gegeben. Selbst klimabewegt, war und ist eine weitere Stärke seine Verknüpfungsarbeit mit der Fridays-for-Future-Bewegung. Als Mitglied des Nachhaltigkeitsbeirats initiierte er 2019 maßgeblich die Einführung eines Klimabeirats in Augsburg. Danke, Tom.
Demokratisch und transparent gewählt
Die Wahl erfolgte nach soziokratischen Regeln, also nicht in einer Mehrheitsentscheidung, sondern anhand von Argumenten für die vorgeschlagenen Personen in Bezug auf Aufgaben und Kompetenzraster. Alle Anwesenden schlugen in der ersten meinungsbildenden Runde eine Person vor und begründeten ihre Auswahl. In einer zweiten Meinungsrunde konnten sie nach dem Hören der Argumente ihre Wahlvorschläge ändern. Das Ergebnis war klar: Viele gute Gründe sprachen für die vier Frauen, die nun die Agenda für die nächsten zwei Jahre repräsentieren.
Ihre Aufgaben sind vielfältig: Sie bereiten die monatlichen Treffen der Agenda-Akteur*innen vor und moderieren sie, arbeiten im Nachhaltigkeitsbeirat mit und vertreten den Agendaprozess nach außen – auch im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin und Vertretenden der Referate der Stadt Augsburg.
Vier Frauen – vier Dimensionen der Nachhaltigkeit
Das Engagement der neuen Sprecherinnen zieht sich quer durch die vier Dimensionen der Nachhaltigkeit, die den Zukunftsleitlinien zugrunde liegen – Ökologie, Ökonomie, Soziales und Kultur.
Maria Brandenstein: Gemeinwohl und Partizipation stärken
„Nachhaltigkeit lebt vom Engagement jedes einzelnen Menschen – überall und jederzeit.“ Für Maria ist klar: Eingebettet in ein Netzwerk wird dieses Engagement noch wirksamer, motivierender und stärkender. Genau deshalb übernimmt sie Verantwortung als Agendasprecherin.
Sie möchte Freude am gemeinsamen Einsatz für Nachhaltigkeit und eine optimistische Grundstimmung fördern. Als ihre wichtigste Aufgabe sieht sie es, die verschiedenen Foren der Agenda besser zu vernetzen und Synergien zu nutzen. „So können wir noch mehr Menschen erreichen und zur Mitarbeit inspirieren.“
Maria bringt reichhaltige Erfahrung mit: Im Bildungsbündnis initiierte sie den Augsburger Begabungstag, der jährlich den Austausch über begabungsgerechte Bildung ermöglicht. Im Soziokratie Zentrum setzt sie sich für Nachbarschaftsinitiativen ein – für sie die Keimzellen eines friedlichen Miteinanders. Mit Kolleg*innen verbreitet sie die soziokratische Methode, die Partizipation und Gleichwertigkeit stärkt. Beruflich engagierte sie sich für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Sie bewegt sich also in dern Dimensionen Soziales und Kultur.
Nun freut sie sich als frischgebackene Ruheständlerin auf mehr Zeit für ihre Aufgaben in der Agenda: „Wir können die Herausforderungen auf dem Weg in eine lebenswerte Zukunft nur gemeinsam meistern. Und gemeinsames Handeln eröffnet uns die Chance auf eine hohe Lebensqualität – nicht durch Haben, sondern durch Sein.“
Sabine Pfister: Visionen für ein gutes Leben in Augsburg
Für Sabine spiegelt sich ihre Vision in den Zukunftsleitlinien der Stadt wider. „Gut leben“ bedeutet für sie: unkonventionelle Wege gehen, Heimat und Identität bewahren, bezahlbaren Wohnraum sichern und eine Haltung von „nutzen statt besitzen“ einnehmen. Sie wünscht sich eine Stadt der kurzen Wege mit sauberer Luft und klaren Gewässern.
Als Seniorin hat sie sich dem lebenslangen Lernen verschrieben und setzt auf lebendige Nachbarschaften. „Gemeinsam ist besser als einsam“, lautet ihr Motto. Besonders schätzt sie die Nachhaltigkeitseinschätzung, mit der Stadtratsbeschlüsse auf ihre Auswirkungen im Sinne der Zukunftsleitlinien geprüft werden: „Ich kenne keine andere Stadt, die das so konsequent umsetzt.“
Der Agendaprozess mit seinen Fachforen ist für Sabine die ideale Plattform: Hier gestalten Bürger*innen, Politik und Verwaltung gemeinsam die Zukunft – auf Augenhöhe. „Deshalb engagiere ich mich als Sprecherin des Augsburger Netzwerks für Nachhaltigkeit – der Lokalen Agenda 21.“ Sie ist aktiv im Forum Mitgestalten sowie im Wohnzimmer im Schwabencenter, also in den Dimensionen Soziales und Kultur.
Sylvia Schaab: Nachhaltigkeit als Haltung im Alltag
Für Sylvia ist die Agenda der Beweis dafür, dass Ausdauer und Engagement Wirkung zeigen. Seit fast 30 Jahren engagieren sich hier Menschen, die Augsburg gerechter, sozialer, ökologischer und ökonomischer machen wollen. „Hier treffen sich Menschen, die etwas bewegen wollen und Wissen sowie Plattformen anbieten, um unsere Stadt lebenswert zu erhalten.“
Besonders wichtig ist ihr, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Kostenfrage ist: „Nachhaltigkeit ist keine Frage des Geldbeutels, sondern der Haltung.“ Jede*r kann einen Beitrag leisten – durch kleine, alltägliche Handlungen wie Müllvermeidung oder zu Fuß gehen, statt das Auto zu nutzen.
Für Sylvia bedeutet ein nachhaltiger Lebensstil, bewusst Dinge zu wählen, die keinem Lebewesen schaden und das Leben für alle verbessern. „Diese Lebensweise stärkt unser Zusammenleben und ermöglicht künftigen Generationen eine lebenswerte Zukunft.“ Als Agendasprecherin möchte sie zeigen, dass Nachhaltigkeit vom Nischenthema zur Grundhaltung aller werden muss.
Engagiert ist sie im Forum Plastikfrei, bei Transition Town und der Gemeinwohlökonomie. Und als Chefredakteurin des Lifeguide Augsburg kennt und unterstützt sie Projekte und Initiativen aus allen vier Dimensionen.
Anne Schuester: Kultur als Fundament der Transformation
„Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind groß – wirklich groß“, sagt Anne. Sie kommt aus dem Agenda-Forum Ständige Konferenz der Kulturschaffenden und setzt sich seit vielen Jahren für die Etablierung von Kultur als vierte Dimension der Nachhaltigkeit ein.
Für Anne ist Kultur der Katalysator der Transformation: Sie verbindet, inspiriert und stiftet Sinn. „Eigentlich wissen wir alle, was zu tun ist, damit nachfolgende Generationen ein lebenswertes, zukunftsfähiges Augsburg haben. Und doch könnte und müsste vieles so viel schneller gehen.“
Ihr Antrieb: die Frage „Wie wollen wir zusammen leben?“ – eine Frage, die für sie den Kern nachhaltiger Stadtentwicklung berührt. Als Agendasprecherin und Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat möchte sie gemeinsam mit der Stadtgesellschaft Antworten finden und Kultur als verbindendes Fundament stärken.
Gemeinsam für Augsburgs Zukunft
Mit Anne, Sylvia, Maria und Sabine hat die Lokale Agenda vier starke Stimmen, die verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit verkörpern: Kultur, Ressourcenschutz, Gemeinwohl und Nachbarschaft. Gemeinsam wollen sie den Agendaprozess stärken, Brücken bauen und die nachhaltige Entwicklung Augsburgs weiter voranbringen. (red)
Dieser Artikel erschien als erstes in der Stadt mit A, der Augsburger Agendazeitung Nr. 62
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