App Integreat - Der mobile Alltagsguide

Sieger des Augsburger Zukunftspreises 2020: In zwölf Sprachen erleichtert die App Asylsuchenden, ausländischen Fachkräften oder andere Zuwanderungsgruppen das Ankommen in Deutschland

2015 begannen ehrenamtliche Programmierer mit der Entwicklung der Integreat-App, um der Ausgrenzung von Geflüchteten entgegenzuwirken. Inzwischen nutzen 61 Städte die App Integreat.

Wer bietet in Augsburg Sprachkurse an? Wer hilft mir in Alltagsfragen weiter? Wie finde ich Arbeit oder eine Lehrstelle in der Nähe? Wie kann ich mein Kind in der Kita anmelden? Wer neu in Augsburg ankommt und die Sprache nicht beherrscht, hat zahlreiche Fragen und muss im Alltag viele Hürden überwinden.

Die App Integreat hilft beim Ankommen und bietet in 12 Sprachen und in übersichtlicher Form Informationen zu den Themen Gesundheit, Wohnen, Sprache, Bildung, Familie oder Arbeit in Augsburg. Auch Veranstaltungen, Aktionen, Veränderungen in den Gesetzeslagen oder aktuelle Informationen etwa zu Corona-Regelungen werden tagesaktuell eingepflegt. Die Plattform steht kostenlos online und offline zur Verfügung und ist als App vom Smartphone aus abrufbar. Aber auch ohne die Installation der Software können die Seiten von jedem internetfähigen Gerät im Browser geöffnet werden. Kostenloser Download der Integreat-App.

 

2015: ehrenamtliche Programmierer ergreifen die Initiative

Als im Jahr 2015 die Zahlen der Neuzugewanderten anstiegen, begannen ehrenamtliche Programmierer mit der Entwicklung der Integreat-App, um der Ausgrenzung von Geflüchteten entgegenzuwirken, die vor allem durch Informationsarmut entsteht. Die Integreat-App entstand in Zusammenarbeit der „Tür an Tür – Digitalfabrik gGmbH“ und der „Bildungskoordination für Neuzugewanderte“ der Augsburger Stadtverwaltung.

Augsburg ist eine Ankommensstadt: 2019 zogen 22.437 Menschen aller Altersgruppen von außerhalb in die Fuggerstadt, fast die Hälfte davon aus dem Ausland. Viele kennen sich im Bildungssystem oder dem Arbeitsmarkt noch nicht aus, andere können sich noch nicht auf ihre Kenntnisse der deutschen Sprache verlassen. Für sie stellt das Ankommen in Augsburg eine große Herausforderung dar. Ihnen kann die App Integreat eine wertvolle Unterstützung sein.


Über 30.000 Zugriffe im Jahr 2019

In Augsburg werden aktuell alle Informationen in 12 Sprachen angeboten. Damit ist Augsburg Vorreiter im bundesweiten Vergleich. Im Jahr 2019 registrierte die App über 30.000 Zugriffe. Für 2020/2021 ist eine Kampagne in Augsburger Straßenbahnen und Bussen geplant, um die App noch bekannter zu machen.

 

61 Städte nutzen Integreat

Viereinhalb Jahre nach dem Start hat diese Augsburger Projekt weite Kreise gezogen, denn 61 weitere Städte und Landkreise setzen Integreat mittlerweile nach dem Augsburger Vorbild ein. Da die Inhalte unter der Creativ Commons Lizenz zur Verfügung gestellt werden, können sie von anderen Kommunen nahezu uneingeschränkt genutzt werden. So werden wertvolle Ressourcen gespart. Die Zusammenarbeit der Kommunen untereinander ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts geworden.

Seit April 2020 ist Integreat für Augsburg noch umfangreicher.Die Bildungskoordination für Neuzugewanderte sorgte für eine komplette inhaltliche Neuauflage der App und veranlasste Übersetzungen in viele Sprachen. Ermöglicht wurde dies durch die finanzielle Unterstützung des Sozialreferats, des Umweltreferats sowie des Büros für Migration, Vielfalt und Interkultur der Stadt Augsburg und durch Projektmittel des Bundesprojekts Demokratie leben.

 

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Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

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