Augsburger Fachtagung „Wir gestalten unsere Zukunft“

Zukunftstagung 2017

Unter dem Titel „Wir gestalten unsere Zukunft – Nachhaltige Entwicklung durch bürgerschaftliches Engagement!“ fand am 1.4.2017 eine Fachtagung der Umweltstation Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Büro für Nachhaltigkeit statt. Über 80 TeilnehmerInnen diskutierten im Augsburger Rathaus über Möglichkeiten, nachhaltige Initiativen in Augsburg zu stärken und zu fördern.

„Nachhaltige Initiativen stärken und Akteure vernetzen“, „gesellschaftlichen Wandel forcieren“, „Projekte verstetigen und nachhaltig finanzieren“ sowie „Organisationsprozesse verbessern und Ehrenamt stärken“ – das waren die zentralen Themen der von der Umweltstation Augsburg in Zusammenarbeit mit dem Büro für Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg am 1. April durchgeführten Tagung im Augsburger Rathaus.

Die Tagung richtete sich an alle, die im Bereich Nachhaltigkeit in Augsburg und Umgebung aktiv sind – sei es als TeilnehmerInnen beim Augsburger Zukunftspreis, als haupt- oder ehrenamtliche Akteure bei Vereinen oder Initiativen, in Unternehmen, in der Verwaltung oder "auf eigene Faust" als Freiberufliche im Bildungsbereich.

"Weniger ist mehr - vom Glück des Genug" - Vortrag von Ute Scheub

Für die über 80 TeilnehmerInnen startete der Tag mit einem Vortrag von Dr. Ute Scheub zum Thema „Weniger ist mehr – Vom Glück des Genug“. Die Politikwissenschaftlerin und Mitbegründerin der taz hat in den letzten Jahren zahlreiche Menschen besucht, die als öko-soziale Pioniere neue Wege zwischen Markt und Staat ausprobieren, die nicht auf Geld- sondern auf Glückslogik basieren. Interessanterweise liegt Deutschland, immerhin eines der reichsten Länder der Welt, bei einer aktuellen Studie zum Glücksempfinden weltweit nur auf Platz 16. Für Scheub liegt der Grund dafür einerseits in der immer weiter aufgehenden Schere zwischen arm und reich sowie an fehlender Mitbestimmung an gesellschaftlichen Prozessen. „Je mehr Selbst- und Mitbestimmung die Menschen haben, desto glücklicher sind sie“, sagt Scheub. Andererseits reichen schon 5 % Entschlossene aus, um gesellschaftlichen Wandel anzustoßen.

Workshops für die Zukunft

In sieben Workshops beschäftigten sich die TeilnehmerInnen anschließend mit verschiedenen Themen und Kompetenzen, die es braucht um nachhaltige Initiativen zu stärken oder zukunftsfähige Strategien in die eigene Arbeitswelt zu integrieren.

Im Workshop „Nachhaltige Finanzierung“ wurden vorgestellt, wie sich Bürger, Firmen und Kommunen finanziell unabhängiger machen können. Die Workshopleiter Benedikt Michale und Christoph Ulrich Mayer sind Experten für nachhaltige Geldanlagelösungen und menschengerechte Wirtschaftssysteme.

Viele Initiativen in Augsburg werden durch freiwilliges Engagement getragen – Birgit Ritter und Wolfgang Krell vom Freiwilligen-Zentrum Augsburg diskutierten mit den TeilnehmerInnen, wie gute Rahmenbedingungen in Institutionen geschaffen werden können, damit BürgerInnen sich gerne engagieren und Freude an ihrem Engagement haben.

„Der Chef weiß alles und entscheidet“ – ist das noch eine zukunftsfähige Führungsstrategie? Maria Brandenstein und Dominik Kieser stellten mit der sogenannten „Soziokratie“ eine alternative Methode vor, um Organisations- und Besprechungsstrukturen aufzubauen, die auf „Entscheiden mit Einverständnis“ beruhen.

Ohne Netzwerke geht es nicht – oder doch? Gemeinsam mit Anna Röder, Vorsitzende des NANU! e.V., wurden Kriterien für kooperative und zukunftsfähige Netzwerkarbeit diskutiert.

Wem der Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft manchmal zu langsam erscheint, der konnte im Workshop „Gesellschaftlichen Wandel forcieren“ von Christian Z. Müller, Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg und Teil des Bildungsbündnisses der Lokalen Agenda 21, innovative Ideen entwickeln, wie man diesen Wandel im beruflichen und privaten Umfeld vorantreiben kann.

Engagement kostet Kraft – Coach und Trainerin Christine Pehl zeigte, mit welchen Techniken man auch wieder entspannen und sein inneres Gleichgewicht behalten.

„Tue Gutes und rede darüber“ – die Journalistin Cynthia Matuszewski zeigte Möglichkeiten auf, wie professionelle Öffentlichkeits- und Medienarbeit funktioniert und wie die TeilnehmerInnen ihre Initiativen auf dem Internetportal „Lifeguide Augsburg“ darstellen können.

Nächstes Jahr wieder!

„Die Tagung war ein Instrument zur qualitativen Weiterentwicklung und Verstetigung zukunftsweisender Projekte und Initiativen in Augsburg. Sie unterstützt im Rahmen des Agenda-Prozesses auch die Umsetzung der Augsburger Zukunftsleitlinien“, erläutert Nicolas Liebig, Geschäftsführer der Umweltstation Augsburg, die Zielsetzung der Veranstaltung.

Reiner Erben, Referent für Umwelt, Nachhaltigkeit und Integration und Vorsitzender von Landschaftspflegeverband und Umweltstation Augsburg, richtet den Blick schon in die Zukunft, denn „die Zukunftstagung soll jährlich stattfinden und so – neben der Verleihung der Augsburger Zukunftspreises – zu einer festen Größe in der Augsburger Nachhaltigkeitsbewegung werden. Meine Vision ist es, dass diese Tagung dann spätestens ab 2021 im neuen Umweltbildungszentrum im Botanischen Garten stattfindet, das sich zu einem Kristallisationspunkt für eine nachhaltige Stadtgesellschaft entwickeln wird.“

Zukunftstagung 2017 Lifeguide-Seminar (Foto Norbert Liesz)
Ute Scheub auf der Zukunftstagung 2017 in Augsburg (Foto: Cynthia Matuszewski)
Zukunftstagung 2017 in Augsburg (Foto: Cynthia Matuszewski)
Zukunftstagung 2017 in Augsburg (Foto: Norbert Liesz)
Reiner Erben auf der Zukunftstagung 2017 in Augsburg (Foto: Norbert Liesz)
Zukunftstagung am 1. April 2017 in Augsburg (Foto: Cynthia Matuszewski)

Über den Autor

Norbert Pantel

Norbert Pantel ist Biologie- und Erdkundelehrer und arbeitet als Naturschutz- und Umweltbildungsreferent bei Landschaftspflegeverband und Umweltstation Augsburg. Er ist zuständig unter anderem für die Beweidungsprojekte des Landschaftspflegeverbands und betreut verschiedene Bildungsprojekte der Umweltstation.

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