Beruf und Familie - Passt!

Interview mit Nicole Beste-Fopma

Sylvia Schaab, selbst Mutter von drei Kindern und selbsständige Autorin, im Gespräch mit ihrer Kollegin Nicole Beste-Fopma.

Sylvia Schaab: Alle jammern, dass man Familie und Beruf nicht vereinbaren kann. Dein Buch behauptet: Es geht doch! Wieso?

Nicole Beste-Fopma: Zum einen, weil ich es selbst gezeigt habe – sowohl als alleinerziehende Mutter eines Sohnes mit einem Vollzeitjob in der Industrie und später als Mutter von vier Söhnen als Selbstständige. Das alleine qualifiziert mich aber natürlich noch nicht.

Es gibt nicht DIE Lösung. Jede Mutter, jeder Vater, jedes Paar muss die für sich passende Lösung finden." Nicole Beste-Fopma

Ich beschäftige mich seit mehr als acht Jahren intensiv mit den Thema Vereinbarkeit. Ganz bewusst mit dem Fokus auf dem, was geht, ohne die Hindernisse zu negieren. Ich habe in den vergangenen Jahren mit sehr vielen Müttern und Vätern gesprochen, die mir alle ihre Vereinbarkeitsgeschichten erzählt haben. Natürlich klappt es nicht immer bei allen. Alle haben ihre Herausforderungen und Tage, an denen sie sich am Liebsten gleich wieder ins Bett verkriechen würden. Wie wir alle wissen, passiert das Leben während wir Pläne machen. Und kaum etwas ist unvorhersehbarer als Kinder. Aber ich habe festgestellt, dass es bei all denjenigen am Besten geklappt hat, die sich mit ihrem Partner, ihrer Partnerin konsequent hingesetzt haben und hinsetzen und sich immer wieder gemeinsam den Herausforderungen stellen. Auch dann, wenn sie sich getrennt haben.

 

Du hast selbst vier Kinder großgezogen. Wie hast du das alles auf die Reihe gekriegt?

Manchmal frage ich mich das auch. Natürlich hat es auf der einen Seite geholfen selbstständig zu sein und von Zuhause aus zu arbeiten. Ich war fast immer da und konnte mich kümmern. Auf der anderen Seite wäre ich auch gerne in einer Festanstellung gewesen. Geregelte Arbeitszeiten. Geregeltes Gehalt. Das Motto der Selbstständigen: Selbst und ständig, war zeitweise sehr herausfordernd. Geholfen hat aber sicherlich auch, dass ich zwar ein kreativer Kopf bin, gleichzeitig aber auch sehr strukturiert. Meine Wochen sind stramm durchorganisiert und dennoch kann ich immer flexibel auf Unvorhergesehenes reagieren.

 

Was ist denn so schlecht, an dem Modell Vater arbeitet und die Frau erzieht die Kinder?

Nichts. Wenn es das Modell ist, auf das sich beide geeinigt haben und mit dem beide glücklich sind. Super! Allerdings sollte sich die Frau nicht „blauäugig“ auf das Modell einlassen. Die Scheidungsraten sind hoch. In einem solchen Fall sind die wenigsten Paare sich noch grün. In meinem Buch rate ich zu einem Vertrag, um so für den Fall der Fälle abgesichert zu sein.

 

Sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich benachteiligt? Wenn Sie jung sind, werden sie ungern eingestellt, weil sie ja Kinder bekommen könnten und wenn Sie über 40 Jahre sind, sind sie für den Arbeitsmarkt zu alt.

Ich befürchte, dass das leider noch immer so ist. Ich weiß aber auch, oder hege die Hoffnung, dass sich da bald etwas ändert. Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass in den Unternehmen ein Umdenken stattfindet. Sie erkennen, dass junge Frauen zwar noch immer Kinder bekommen, dass es aber auch immer mehr Paare gibt, die sich gleichgestellt um den Nachwuchs kümmern wollen und werden. Die Ü40 Frauen profitieren vom Fachkräftemangel und können, wenn sie nicht durchgehend erwerbstätig waren, heute mit ihren, in der Familienzeit erworbenen Familienkompetenzen, auftrumpfen.

 

Das Wort Fachkräftemangel ist in aller Munde und angeblich machen die Unternehmen allerlei Zugeständnisse an Mitarbeitende. Ist das ein Lippenbekenntnis oder setzen sie sich wirklich für mehr Vereinbarkeit ein?

Es gibt Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Zugeständnisse machen und dann gibt es aber auch noch immer die Unternehmen, für die das Thema „Familienbewusstsein“ noch eher Lippenbekenntnis ist. Auch hierauf gehe ich in meinem Buch ein. Ich zeige, an welchen Kriterien man erkennen kann, ob das Unternehmen es ernst meint oder nicht. Das ist mit einiger Recherchearbeit verbunden, aber lieber etwas länger recherchiert und dann einen guten Arbeitgeber haben. Als den erstbesten nehmen und sich dann zwischen Beruf und Familie aufreiben.

 

Ruhen sich nicht auch viele Mütter und Väter auf ihren Status „Eltern“ aus?

Ja. Solche gibt es immer. Warum sollten die Eltern besser sein als die Unternehmen. Es sind alles nur Menschen und wir sind doch alle darauf aus, das beste für uns herauszuholen.

Wer erfolgreich Beruf und Familie vereinbaren will, sollte den Status „Mutter“ oder „Vater“ nicht allzu sehr strapazieren. Kompromissbereitschaft ist wichtig. Das gilt für beide Seiten.

Es ist ein Geben und Nehmen. Da kann es dann auch mal sein, dass man als Elternteil mal nicht den gewünschten Urlaub genehmigt bekommt, weil gerade ein super wichtiges Projekt ansteht. Wenn man aber sonst flexibel arbeiten kann und auch mal den Stift einfach fallen lassen kann, weil gerade ein Anruf aus der Kita oder der Schule gekommen ist, dann ist das Gesamtpaket schon ziemlich gut.

 

Das Thema Kind und Karriere wird heiß diskutiert. Ist es ein Mythos oder kann man auch mit Kindern auch Karriere machen?

Na klar kann man auch mit Kindern Karriere machen. Aber wer Karriere machen will und kann, hat eben weniger Zeit für die Kinder. Es gibt zwar schon erste Unternehmen, die auch Führungspositionen in Teilzeit anbieten, aber bis ganz nach oben – und damit meine ich die C-Lounge (CEO, CFO, u.a.) – schaffen es nur die allerwenigsten in Teilzeit. Ich persönlich habe noch von niemandem gehört.

 

Wie ist es zu dem Buch gekommen?

Angefangen hat alles mit der Einführung des Equal Pay Day in Deutschland. Da ist mir aufgefallen, dass die Entgeltungleichheit eng mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusammenhängt. Nach der Elternzeit kehren viele Frauen in Teilzeit in den Job zurück. Das führt dazu, dass weniger Frauen Karriere machen. Es führt aber auch dazu,  dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer. Damals – vor zehn Jahren – war das Thema „Vereinbarkeit“ noch nicht so wirklich ein Thema. Ich wollte für Mütter und Väter eine Lobby schaffen und habe daher mit LOB, einem Magazin für berufstätige Mütter und Väter, angefangen. Das Buch ist eine logische Konsequenz.

 

Was gibst du Müttern und Vätern mit auf den Weg, wenn sie sich auf die Suche nach einem passenden Arbeitgeber machen?

Es gibt die Arbeitgeber, die eine familienbewusste Unternehmenskultur leben und Familie schätzen. Wer ihr/sein eigenes Vereinbarkeitsmodell gefunden hat, weiß, woran ein familienbewusstes Unternehmen zu erkennen ist, Verhandlungsspielraum mit dem potentiellen Arbeitgeber einkalkuliert, wird den passenden Arbeitgeber finden.

Am 12.2.2019 ist Nicole Beste-Fopma zu Gast in Augsburg.

Nicole Beste-Foqma_Foto_Björn Friedrich

Über die Autorin

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab ist in Nürnberg geboren, hat in Erlangen und Keele, Staffordshire studiert und lebt seit 2003 in Augsburg. Sie ist Journalistin und schreibt Texte für Unternehmen, coacht Autoren und gibt Schreibkurse. Gemeinsam mit ihrem Ehemann managt sie ihre Agentur, einen Haushalt mit 3 Kindern und will die Welt ein bisschen besser machen. Als sie ins eigene Haus gezogen ist, wurde ihr bewusst, wie viel Müll sie als fünfköpfige Familie produzierten und so machte sie sich Anfang 2015 ans Werk, den (Plastik-)Müll zu reduzieren. Wie sie das macht, schreibt sie in ihrem Blog www.gruenerwirdsnimmer.de. Darüber hinaus erzählt sie Verbrauchern, Organisationen und Unternehmen, wie sie selbst weniger Plastik verbrauchen können. Dafür gibt es sogar ein Zertifikat.

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