Das Hotel mit einsmehr

Nachhaltigkeit und Inklusion im Hotel: Der Verein einsmehr realisiert in Augsburg ein vorbildliches Leuchtturmprojekt

Im Westen von Augsburg entsteht gerade das Hotel einsmehr. So viel ist jetzt schon sicher: Es wird ein ganz besonderer Übernachtungsbetrieb, der da Anfang November 2020 seine Pforten öffnet. Denn mit seinem Hotel hat der Verein einsmehr in Augsburg in Bezug auf Nachhaltigkeit und Inklusion ein mutiges Leuchtturmprojekt realisiert. Mit 73 Zimmer und Studios bereichert das Hotel Garni in unmittelbarer Nähe des Universitäsklinikums Augsburg dann unsere Hotelszene.Tagungsräume, Café und Bar vom Westhouse Augsburg ergänzen das Angebot. ,

Bio, regional, fair: Vom Frühstück bis zu den Holz-Hybrid-Wänden

Einen Schwerpunkt legen die Macherinnen und Macher auf das Thema Nachhaltigkeit: Von den Zutaten fürs Frühstück über die bio-zertifizierte Bettwäsche bis hin zu den give-aways: Wenn irgend möglich werden Bio-Produkte und / oder Waren aus der Region verwendet. Der Strom kommt von der Hotel-eigenen Solaranlage, mit dem auch e-Autos in der Tiefgarage geladen werden können. Wärme wird übers Fernwärmenetz angeliefert. Dieser Ansatz ist passend in Augsburg größtem Holz-Hybrid-Bau, dem Westhouse Augsburg, in dem das Hotel seinen Platz finden wird. Zum Übernachtungsprogramm gehört zum Beispiel auch ein nachhaltiges Wochenende, u.a. mit zwei Leihfahrrädern, einer Refill-Flasche und dem Lifeguide-Reiseführer durch ein nachhaltiges Augsburg.

 

Innovativ und inklusiv

Neu für Augsburg ist aber auch, dass das Hotel einsmehr als Inklusionsbetrieb geführt wird. Bedeutet: Die Hälfte der 24 Mitarbeiter*innen sind Menschen mit einer Beeinträchtigung. Der Verein einsmehr – Initiative Down-Syndrom für Augsburg und Umgebung, der den Betrieb initiiert und vorangetrieben hat - will damit Arbeitsplätze schaffen für Menschen mit einer (geistigen) Behinderung, für die es aktuell so gut wie keine Alternativen zu einer Beschäftigung in einer Werkstätte gibt.

Ich wünsche mir, dass Menschen mit geistiger Behinderung eine Chance erhalten, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Und ich habe Vertrauen, dass wir das in dem geschützten Rahmen des Hotel einsmehr schaffen - und gleichzeitig unserem hohen Anspruch auf Professionalität im Hotelbetrieb gerecht werden." Jochen Mack, Geschäftsfüher Hotel einsmehr


Arbeit mit Sinn

Das Team, das aktuell die Gründung vorantreibt und die ersten Gäste begrüßen wird, zeichnet sich durch eine große Vielfalt aus. Allen ist gemeinsam, dass sie gespannt darauf sind, ein innovatives und inklusives Konzept für einen Hotelbetrieb mitzugestalten. Mit Sandra Huerga Kanzler als stellvertretende Hoteldirektorin hat das Hotel einsmehr eine Hotelfachfrau und Diplom-Hotelbetriebswirtin im Team, die im In-und Ausland schon sehr viel größere Häuser mit über 200 Betten geleitet hat. Für sie und ihrem Mann Raol gab es gleich mehrere Gründe, sich im Hotel einsmehr zu bewerben:

Nachdem ich die Stellenanzeige gelesen hatte, ging mir das Hotel einsmehr nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann hier eine sinnvolle Arbeit leisten, indem ich mein Wissen und Knowhow an Menschen mit einer Beeinträchtigung weitergebe und sie fit für den ersten Arbeitsmarkt mache. Das Hotel einsmehr ist mein Herzensprojekt." Sandra Huerga Kanzler, stellvertretende Hoteldirektorin, Hotel einsmehr

So wie Sandra Huerga Kanzler geht es vielen Mitarbeiter*innen. "Viele betonten schon beim Bewerbungsgespräch, dass sie eine Arbeit mit Sinn suchen in einem Betrieb, in dem es nicht ausschließlich um Rendite und die Interessen von Investoren geht", berichtet Jochen Mack.

 

Vorbereitung in einem Qualifizierungsprogramm

Dank einer Förderung durch die Sternstunden des Bayerischen Rundfunks konnte einsmehr ein Programm der Beruflichen Qualifizierung für Menschen mit einer (geistigen) Beeinträchtigung entwickeln und durchführen. Corona-bedingt musste das Programm verschoben und verkürzt werden, die zukünftigen Mitarbeiter*innen bekamen aber immerhin einen zweimonatigen Einblick in die Arbeit im Hotel und lernten in Praktika den Berufsalltag in verschiedenen Betrieben kennen. Sehr erfreulich: Von den zwölf Teilnehmenden konnte einsmehr zehn eine Stelle auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt anbieten (mit Tariflohn und Sozialversicherung).


Kooperation mit regionalen Firmen

Von Anfang an hat einsmehr mit regionalen Firmen kooperiert: Die Innengestaltung übernahm die renommierte Augsburger Firma Dreimeta, die Stühle kommen zum großen Teil von Wagner-living, die beauftragten Handwerker*innen sind so gut wie alle aus der Region oder dem bayerischen Umland und die Internetagentur elfgenpick kann als direkter Nachbar ständig den Baufortschritt beobachten. Dies hatte den Vorteil, dass durch die Corona-Pandemie fast keine Verzögerungen zu verkraften waren, da fast alle Beteiligten von vor Ort zur Baustelle kommen konnten.

Die Türen gingen auf, bevor wir angeklopft haben“

...so beschreibt die Vereinsvorsitzende Karin Lange die Welle an Unterstützung, die das Vorhaben von Anfang an begleitete. Der Bezirk Schwaben und die Stadt Augsburg gaben eine wichtige Starthilfe, der Bunte Kreis und die Stadtsparkasse halfen, wo sie konnten, die LEW-Lechwerke finanzierten die Solaranlage auf dem Dach mit und viele Einzelpersonen leisteten einen Beitrag in mehreren Spendenaktionen, die der Verein organisierte. Ein Höhepunkt war das Benefizkonzert des Rotary-Clubs Augsburg mit dem Heeresmusikcorps, bei dem 20.000 Euro zusammenkamen. Insgesamt sammelte der Verein über 400.000 Euro an Spenden für das große Vorhaben. Damit und mit den Zuschüssen konnte die Investitionssumme von insgesamt ca. 1,5 Mio. aufgebracht werden.

Und so wird nach vielen Planungsrunden und Abstimmungsgesprächen, der Beantragung von Zuschüssen und ungezählten Hintergrundgesprächen der Traum wahr und Anfang November 2020 wird das Hotel einsmehr öffnen und freut sich auf viele Gäste!

 

Lifeguide-Meinung: Wir sind stolz, dass ihr in unserer Stadt, in Augsburg, dieses Leuchtturmprojekt realisiert habt! Und wir wiederholen gern, was wir in unserem Artikel in Juni 2018 schon gesagt haben: Wir finden eure Initiative, euren Mut, euer Engagement, eurer Durchhaltevermögen, kurz eure Chuzpe ins Hotelgewerbe einzusteigen, einfach großartig. Chapeau! Und JA, eine inklusive Stadtgesellschaft mit einem Inklusionshotel kann und wird gelingen und dafür wünschen wir Euch viel Glück.

 

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Lifeguide Augsburg

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