Recyclingpapier in Augsburg: Beschämend wenig!

Ein eindeutiger Stadtratsbeschluss muss her! Kolumne von Vanessa Polednia

Der Papieratlas 2017 zeigt: Augsburg liegt beim Einsatz von Recyclingpapier weit abgeschlagen auf Platz 97 von 106 teilnehmenden Kommunen. Die durchschnittliche Recyclingpapierquote liegt bei anderen Städten und Kommunen bei 86%. Augsburg hat eine beschämende Quote von 43% Recyclingpapier (RCP) in der Verwaltung. Bei den Schulen schneidet Augsburg sogar noch schlechter ab – dort sind es nur 39%. Einzig die Hochschule für angewandte Wissenschaften verbessert Augsburgs Ansehen ein wenig: Mit dem Einsatz von immerhin 77% RCP.

Diese Zahlen stammen aus dem seit 2008 erscheinenden Papieratlas,  einem Projekt der Initiative Pro Recyclingpapier. Er ist das Ergebnis eines jährlichen Wettbewerbs zum Einsatz von Recyclingpapier in den Kategorien „Kommunen“ und „Hochschulen“. Der Wettbewerb soll dazu beitragen, dass mehr Städte und (Hoch-)Schulen bei der Trendwende zu einem nachhaltigen Papierkonsum mitmachen. Dabei ist es spannend zu sehen, wie andere Komunen aufgestellt sind.

Bayerische Großstädte im Vergleich

Im bayerischen Vergleich steht nur Würzburg noch schlechter da als Augsburg. Alle anderen Großstädte, außer Ingolstadt, liegen seit Jahren bei mehr als 80%. In Augsburg dagegen sind die Werte stetig gesunken. Das irritiert in Anbetracht des Stadtratsbeschlusses von 2009 zum nachhaltigen Papierverbrauch gewaltig. Besonders dramatisch erscheint der Wert bei den Augsburger Schulen mit nur 39% RCP-Anteil, denn dort werden jährlich über 16 Millionen Blatt Papier verbraucht. Das ist nicht nur eine verantwortungslose Verschwendung von Ressourcen, sondern die Schulen geben ein schlechtes Beispiel ab. Dem Anspruch, Vorbild für eine nachhaltige Entwicklung zu sein, werden sie damit nicht gerecht.

 

Augsburg könnte doppelt so viel Wasser, Energie und Holz sparen

Laut Papieratlas wurden in Augsburg durch den Einsatz von 43 % RCP im Vergleich zum Frischfaserpapier immerhin 2.494.030 l Wasser, 513.621 kWh Energie sowie 236 t Holz eingespart. Diese Menge an Wasser deckt den täglichen Trinkwasserbedarf von 20.611 Einwohner*innen. Die Energieeinsparung entspricht dem jährlichen Verbrauch von 146 Drei-Personen-Haushalten. Würde Augsburg komplett umsteigen, würde sich diese Menge mehr als verdoppeln. Angesichts der Tatsache, dass für unseren Papierverbrauch nach wie vor Urwälder abgeholzt werden, ist diese Ressourcenverschwendung unverantwortlich.

Hochschulen Augsburg: Gut, aber mit Luft nach oben!

Dass es auch anders geht, zeigen die Werte der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Augsburg. Sie hat nach der großen Papierwende-Ausstellung 2008, die in ihren Räumen gezeigt wurde, konsequent umgestellt. Mit einem Recyclingpapier-Anteil von 77% Anteil hat sie sich im Vergleich zum Vorjahr noch steigern können und liegt somit über dem Durchschnitt. Die HS Augsburg hat eine hochschulweite Empfehlung für die Verwendung von Recyclingpapier: Mehr als 50% der Publikationen werden darauf gedruckt. Aber auch hier ist noch Luft nach oben.


100% sind möglich: Solingen macht es vor

Am Papieratlas 2017 haben sich mehr als 100 Kommunen beteiligt. Das ist ein Rekord in der zehnjährigen Bestehen des Papieratlas. Ebenfalls ein Rekord ist die Steigerung der durchschnittlichen Recyclingpapierquote auf 86%. Der Titel der „Recyclingpapierfreundlichsten Stadt“ ging dieses Jahr an Solingen mit einer Quote von 100% sowie 18 Sonderpunkten. Als die „Recyclingpapierfreundlichste Hochschule“ wurde die Universität Osnabrück, mit einer Quote von 100% in der Verwaltung und 17 Sonderpunkten, gekürt. Die Sonderpunkte gibt es für zusätzliche Bemühungen der Städte, wie Bildungs- und Werbemaßnahmen. Das wichtigste Ergebnis der Studie ist jedoch, dass es mittlerweile 28 Städte mit einer Quote von 100% gibt. Das umweltbelastende Frischfaserpapier ist dort komplett verbannt worden! Diese Städte sind das beste Gegenbeispiel für alle, die behaupten, es gäbe Probleme beim Einsatz von Recyclingpapier.

 

Stadtrat: Klarer Beschluss nötig

Woran fehlt es dann in Augsburg? An einem klaren, eindeutigen und unumstößlichen Beschluss des Stadtrats. Auf Initiative der Arbeitsgruppe „Papierwende“ der Lokalen Agenda 21 gab es zwar 2009 einen Stadtratsbeschluss zur Umstellung auf RCP. Der Beschluss wurde allerdings durch die Zielvorgabe verwässert, einen RCP-Anteil von 75% anzustreben. Außerdem wurde nicht festgelegt, welche Stellen umsteigen sollen. Damit war das Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt! Die einzelnen Schulen und Dienststellen bestellen ihr Papier selbst und haben dabei die Wahl zwischen Frischfaser- und RCP. Es müsste also jede Schule und Dienststelle einzeln vom Umstieg überzeugt werden. Das ist unglaublich aufwändig. Denn nach wie vor kursieren so eine Art „Papier-Fake-News“ über die Nachteile von RCP: Es gibt Lehrkräfte, die den Eltern quasi verbieten, ihren Kindern Hefte aus RCP zu kaufen. Auch die Vorstellung, der Drucker ginge beim Einsatz von RCP kaputt, ist bei manchen Mitarbeiter*innen in der Verwaltung unausrottbar. Hier hilft nur der Beschluss komplett auf RCP umzustellen!

Das es auch ganz anders gehen kann, zeigt der „Aufsteiger des Jahres“ beim Papieratlas: die Stadt Potsdam. Durch eine Dienstanweisung vom Oberbürgermeister hat die Stadt ihre Recyclingpapierquote innerhalb eines Jahres von 46% auf 99% gesteigert. Das entspricht einer Steigerung von über 100%. So einfach und schnell kann das gehen.


Das kann Augsburg auch!

Die Stadt Augsburg sollte ihrem Titel als nachhaltigste Großstadt Deutschlands auch bei der Beschaffung gerecht werden und schnellstmöglich die Papierwende hin zu ressourcenschonendem Recyclingpapier vollziehen. Und zwar mit einer angestrebten Recyclingpapierquote von 100%. Außer dem politischen Willen gibt es nichts, was dem entgegenstünde!

 

 

Grafik: geralt, pixabay

Über die Autorin

Vanessa Polednia

Die gebürtige Augsburgerin studiert seit Herbst 2014 Sozialwissenschaften an der hiesigen Universität. Während ihres Praktikums im Büro für Nachhaltigkeit lernte sie ihre Heimatstadt aus einer anderen Perspektive kennen und lieben. Ihr Fazit: Augsburg kann Großstadt, darf sich aber noch mehr trauen!

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