Earth Overshoot Day 2018

Am 1. August hat die Menschheit das Budget für dieses Jahr aufgebraucht

Bereits Anfang August hat die Menschheit das Budget der Natur für das ganze Jahr aufgebraucht. Dies berechnet Global Footprint Network, eine Forschungsorganisation, welche dieses Datum mit ihrer Ressourcenbuchhaltung, dem Ökologischen Fussabdruck, berechnet hat. Die Methode dient dazu, unsere Ressourcenabhängigkeit zu messen und zu managen. Dies wird im Kontext des Klimawandels und der wachsenden Ressourcennachfrage immer wichtiger.

Der «Earth Overshoot Day» (oder auch «Erdüberlastungstag» genannt) markiert den Tag, ab dem wir aus ökologischer Sicht über unseren Verhältnissen leben. Das bedeutet, dass die Menschheit vom 1. Januar bis zum 1. August so viel von der Natur verbraucht hat, wie die Erde im ganzen Jahr erneuern kann. Mit anderen Worten, nutzen wir Menschen die Natur 1,7-mal schneller als Ökosysteme sich regenerieren können. Das bedeutet wir brauchen mittlerweile 1,7 Erden. Mehr über den Earth Overshoot Day (meist auf Englisch) gibt es auf www.overshootday.org.

Der Mehrverbrauch (oder Overshoot) ist möglich, weil wir mehr CO2 in die Atmosphäre ausstossen können als unsere Ozeane und Wälder absorbieren, weil wir schneller fischen können, als sich die Fischbestände erholen, und wir Bäume schneller fällen können, als sie nachwachsen. Der CO2 Ausstoss ist der am schnellsten wachsende Anteil des Ökologischen Fussabdrucks oder Footprints. Der Carbon Footprint macht heute 60% des ganzen Footprints der Menschheit aus. Um das 2°C Ziel des Pariser Klimaabkommens vom Dezember 2015 zu erreichen, sollte der CO2 Ausstoss von Fossilenergie weltweit vor 2050 auf null sinken.

So lässt sich das Datum verschieben

Wir können den Trend umkehren. Wenn wir jedes Jahr den Earth Overshoot Day um 4,5 Tage in die Zukunft schieben, würden wir bis 2050 wieder innerhalb der Kapazität unserer Erde leben. «Unser Planet ist endlich, aber unsere Möglichkeiten sind es nicht. Innerhalb des Ressourcenbudgets unseres Planeten zu leben ist nicht nur technologisch machbar, sondern auch finanziell von Vorteil. Es ist unsere einzige Chance für eine blühende Zukunft», sagte Dr. Mathis Wackernagel, CEO von Global Footprint Network und Entwickler des Ökologischen Fussabdrucks.

 «Letztlich geht es in der Nachhaltigkeit um das Zurückschieben des Earth Overshoot Datums».

Am Earth Overshoot Day 2018 deutet Global Footprint Network auf existierende Lösungsmöglichkeiten hin, und schätzt ab, um wie viele Tage jede Aktion das Datum des Earth Overshoot Days verschieben könnte. Würden wir zum Beispiel Nahrungsmittelabfälle weltweit halbieren, wäre das Datum um 11 Tage in die Zukunft verschoben. Unseren CO2 Ausstoss zu halbieren gäbe uns 93 Tage.

Eigenen Fußabdruck berechnen

Seinen eigenen ökologischen Fußabdruck kann man unter www.footprintcalculator.org berechnen. «Der carbon Footprint der Menschheit hat sich seit den frühen 1970er Jahren mehr als verdoppelt und treibt die Kluft zwischen dem Ökologischen Fußabdruck und der Biokapazität des Planeten», so Wackernagel. «Aber, wie immer mehr Studien zeigen: wir können den carbon Footprint eliminieren – gar mit wirtschaftlichen Vorteilen».

Die neuesten Daten von Global Footprint Network zeigen, dass es möglich ist, in die richtige Richtung zu gehen. Zum Beispiel fiel der Ökologischer Fußabdruck in den USA pro Kopf um knapp 20% von 2005 (seinem Höchststand) bis 2014 (die letzten verfügbaren Daten). Diese signifikante Verschiebung, die eine Rezession beinhaltet, ist vor allem mit abnehmenden CO2-Emissionen verbunden. Doch gleichzeitig wuchs das BIP in den USA pro Kopf um etwa 20%. Das zeigt, dass damit Entkopplung stattgefunden hat: Wirtschaftsexpansion mit reduziertem Ressourcenverbrauch.

Trotz dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen haben viele US-Städte, Staaten und Großunternehmen ihre Klimaanstrengungen beschleunigt. China, das Land mit dem größten nationalen Ökologischen Fußabdruck, engagiert sich für den Aufbau einer ökologischen Zivilisation, die auch schon in ihrem jüngsten Fünfjahresplan deutlich verankert ist. Schottland, Costa Rica und Nicaragua sind weitere Beispiele von Nationen, die der Fossilenergie den Rücken kehren.

Hintergrund zum Global Footprint Network

Global Footprint Network ist eine internationale Forschungsorganisation, die daran arbeitet, nachhaltige politische Entscheidungen in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und Klimawandel voranzutreiben. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen koordiniert Global Footprint Network die Forschung rund um den Ökologischen Fußabdruck, entwickelt methodologische Standards und bietet Entscheidungsträgern ein Portfolio von Entscheidungs- und Messinstrumenten an. All das soll helfen, Wege zu finden, wie die Wirtschaft innerhalb der ökologischen Kapazität der Erde blühen kann. www.footprintnetwork.org

Ein Video, das die National Footprint Accounts erklärt: https://youtu.be/_T5M3MiPfW4

Über die Autorin

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab ist in Nürnberg geboren, hat in Erlangen und Keele, Staffordshire studiert und lebt seit 2003 in Augsburg. Sie ist Journalistin und schreibt Texte für Unternehmen, coacht Autoren und gibt Schreibkurse. Gemeinsam mit ihrem Ehemann managt sie ihre Agentur, einen Haushalt mit 3 Kindern und will die Welt ein bisschen besser machen. Als sie ins eigene Haus gezogen ist, wurde ihr bewusst, wie viel Müll sie als fünfköpfige Familie produzierten und so machte sie sich Anfang 2015 ans Werk, den (Plastik-)Müll zu reduzieren. Wie sie das macht, schreibt sie in ihrem Blog www.gruenerwirdsnimmer.de. Darüber hinaus erzählt sie Verbrauchern, Organisationen und Unternehmen, wie sie selbst weniger Plastik verbrauchen können. Dafür gibt es sogar ein Zertifikat.

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