Ich liebe einfach, was ich tue

15 Fragen an Juliet Donkare - Gastbeitrag von Julia Kabatas

Wann immer man Juliet Donkares Fashion Store in der Augsburger Karlstraße betritt, findet man die flippige Schneiderin und Modedesignerin aus Uganda an ihrer Nähmaschine hinter der Kassentheke. Dass das Nähen ihre große Leidenschaft ist, ist nicht zu übersehen: Der geräumige Laden ist prall gefüllt mit herrlich farbenfrohen Kleidungsstücken und Accessoires, allesamt von Juliet selbst designt und in liebevoller Handarbeit genäht.


„Ich bin absolute Frühaufsteherin und arbeite ständig. Ich liebe einfach, was ich tue und würde wohl verrückt werden, könnte ich nicht mehr an meine Nähmaschine,“ lacht sie auf. Fünf Tage die Woche arbeitet sie hier von neun bis zwanzig Uhr an immer neuen Modeschöpfungen für Damen, Herren und Kinder. In einer weitläufigen Regalwand türmen sich unterschiedlichste Stoffbaren, die auf ihre Verwandlung warten. „Von Stoffen krieg ich nie genug,“ gesteht sie mit einem breiten Grinsen. Früher habe sie alles direkt aus Uganda mitgebracht. Mittlerweile bekäme sie die typischen Stoffe und Prints aber sogar direkt in Augsburg, wo sie z.B. für den Export nach Westafrika produziert würden. Es müssten auch nicht immer afrikanische Muster und Materialien sein. „Ich möchte Mode für alle machen und finde viele tolle Stoffe auch in den örtlichen Resteläden, wo ich häufig vorbeischaue.“
Juliets Laden ist aber noch weit mehr, als Verkaufsraum, Lager und Produktionsstätte. An drei Tagen pro Woche gibt die energiegeladene Powerfrau Nähkurse und nutzt das Studio im unteren Stockwerk nach Ladenschluss regelmäßig für Events, Fashion Shows, Tanz- und Trommelworkshops. Hinter allem steht immer auch die Idee, den Augsburgern nicht nur ihre Heimat Uganda, sondern auch die facettenreichen Kulturen des afrikanischen Kontinents näherzubringen. Seit Jahren ist die Modeschöpferin eine feste Größe der „Afrikanischen Wochen“ in Augsburg und richtet 2017 eine gemeinsame Modenschau mit Solange Feyerabend aus dem Tschad und Fred Ihorere aus Nigeria zum Eröffnungsfest der Veranstaltungsreihe aus.

Steckbrief
Name: Juliet Donkare (aber alle nennen mich Julie)
Alter: 35
Beruf: Schneiderin und Modedesignerin
Geboren in: Paidha (Stadt im Norden Ugandas)
Lebt in: Augsburg
Lieblingsort: Die Basilika St. Ulrich und Afra. Jeden Morgen und Abend und wann immer die Zeit es erlaubt, gehe ich in diese Kirche. Dort finde ich stets neue Kraft, schöpfe Mut, Zuversicht und Hoffnung.
 

Alte oder kaputte Kleidung würde ich nie wegwerfen. Diese Vorstellung ist mir von jeher fremd. In Uganda wird alles repariert oder via Upcycling in etwas anderes verwandelt, um neu genutzt zu werden. Es erscheint mir immer seltsam und unwirklich, dass manche Menschen noch nicht mal einen Knopf annähen können.

15 Fragen an Juliet Donkare

Was motiviert dich?
Mein Glaube und vor allem die Liebe fürs Schneidern. Den jetzigen Laden in der Karlstraße habe ich ja erst diesen August eröffnet. Meinen ersten eigenen Laden hatte ich aber bereits in Kampala, gleich nach dem Studium. Die Geschäfte liefen gut, aber als der deutsche Vater meines Sohnes hierher zurückkehren musste, ging ich mit ihm und habe in Augsburg nochmal ganz von vorn angefangen. Zuerst mit einem kleinen Geschäft in der Jakoberstraße, das ich nach knapp zwei Jahren jedoch wieder aufgeben musste.

Ich möchte den Menschen zeigen, dass man auch mit kleinen Mitteln vieles schaffen kann, wenn man an sich selbst glaubt und dann einfach dranbleibt und es durchzieht.


Was trägst du gerade?
Eine eigene Kreation, eine gemusterte Bluse. Ich trage fast ausschließlich meine eigene Mode. Nur zu ausgeflippt darf‘s hier im Alltag nicht sein.


Wer oder was inspiriert dich?
Die größte Inspiration bis heute ist mein Vater. Auch er war Schneider, nähte Uniformen für das Militär in Uganda, aber auch die Kleidung für die ganze Familie. Als kleines Mädchen machte er mir ein Schmetterlingskleid, dass ich heiß und innig liebte. Seither war für mich klar, dass auch ich Schneiderin werden wollte.


Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?
Alte oder kaputte Kleidung würde ich nie wegwerfen. Diese Vorstellung ist mir von jeher fremd. In Uganda wird alles repariert oder via Upcycling in etwas anderes verwandelt, um neu genutzt zu werden. Es erscheint mir immer seltsam und unwirklich, dass manche Menschen noch nicht mal einen Knopf annähen können. Auch deswegen gebe ich Nähunterricht, vor allem in der Freihand-Methode, die in ganz Afrika weit verbreitet ist, viel Zeit spart und ohne Abstecken etc. auskommt.


Was bremst dich aus?
Zweifler versuchen es, aber eigentlich spornen sie mich nur noch mehr an.


Wofür würdest du gern mehr Zeit haben?
Definitiv für meinen siebenjährigen Sohn. Sein Vater und ich leben inzwischen getrennt, doch er ist der beste Vater auf Erden und hilft mir sehr.


Was ist deine geheime Superkraft?
Das bin ich selbst und meine innere Haltung. Immer und überall bin ich auch allein stark für mich selbst und überzeugt von dem, was ich tue.


Was würdest du gern können?
Ich hätte gern bessere Managementqualitäten. Ich bin sehr kreativ, stecke voller Ideen und Schaffenskraft, aber das Wirtschaftliche liegt mir weniger.


Du triffst dein 18-jähriges Ich. Welchen Rat gibst du dir selbst?
Niemals aufgeben.


Ein Tag, den du nie vergessen wirst?
Der Tag, an dem ich im Alter von vierzehn Jahren meinen Vater, den Held meines Lebens, verloren habe. An diesem Tag wurde ich erwachsen und musste mich fortan um meine Geschwister kümmern.


Welcher Moment hat alles verändert?
Da gibt es eigentlich zwei. Einmal die Geburt meines Sohnes und der Tag, an dem ich eine Stimme im Radio hörte, die wie mein Vater klang. Seither habe ich das Gefühl, er ist noch irgendwo hier bei mir.


Was ist deine Lieblingsjahreszeit?
Sommer. Oh Gott, der Winter steht vor der Tür! Der Sommer ist die beste Jahreszeit für meine Kollektionen.


Was würdest du niemals für Geld tun?
Anderen helfen. Das kommt immer von Herzen. Dafür würde ich niemals eine finanzielle Gegenleistung erwarten.


Du bist Bürgermeisterin von Augsburg. Was würdest du ändern?

Ich würde Talente und Kreative mehr fördern und sie in ihrer Professionalisierung unterstützen, sie in der Stadt mehr promoten und helfen, sie zuerst einmal überhaupt bekannt zu machen. Da fühle ich mich schon allein auf mich gestellt. Dabei sorgt das meiner Meinung nach für neue Impulse und Einflüsse, neue Jobs und zieht weitere Kreative an.


Was kochst du, wenn Besuch kommt?
Am liebsten typische Gerichte aus meiner Heimatstadt Paidha. Die Ethnie der Luo, zu der ich gehöre, kocht traditionell mit viel Shea Butter und Sesam. Das schmeckt super lecker, ist aber leider auch sehr kalorienreich, weshalb unsere Leute im Schnitt nicht besonders alt werden. Hier in Bayern liebe ich Schweinebraten!


Welche Eigenschaft schätzt du an einem Menschen?
Höflichkeit, Freundlichkeit und Güte im Umgang mit Mitmenschen. Das ist mir das Wichtigste.  

 

Kontakt:
Juliets Fashion Store
Karlstr. 10
86150 Augsburg
Öffnungszeiten: Mo bis Sa 9:00 bis 20:00 Uhr
www.facebook.com/pg/Donkarejulie/

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Über die Autorin

Julia Kabatas

Nach ihrem Studium der Kulturwissenschaften war sie zunächst im Bereich Kultur- und Veranstaltungsmanagement tätig und ist so im Jahr 2013 als regionale Koordinatorin des 1. Deutschen Entwicklungstages beim Verein Werkstatt Solidarische Welt e.V. gelandet. Im Anschluss an das Projekt blieb sie als freie Bildungsreferentin für den Verein tätig und ist dort seit Mai 2016 als hauptamtliche Mitarbeiterin insbesondere für Bildungsarbeit im Rahmen des Globalen Lernens und die Organisation der Veranstaltungsreihe „Afrikanischen Wochen“ zuständig.

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