Lebensraum Kiesbank

Am Lech brütet der Flussregenpfeifer

Was viele nicht wissen: Die Kiesbänke am Lech sind mehr als „nur ein Haufen Steine“! Hier brütet der Flussregenpfeifer. Das Lechufer ist deshalb in Schutzzonen für Tiere und Erholungszonen für Menschen aufgeteilt.

Kiesbänke – nur ein Haufen Steine?

Am Lech zwischen Gersthofen und Meitingen haben sich Kiesbänke als typisches Element der einstigen Wildflusslandschaft erhalten. Erholungssuchende aus dem ganzen Großraum Augsburg genießen hier die Natur, das Rauschen des Wassers und die warme Sommersonne.

Was viele nicht wissen: Kiesbänke sind mehr als „nur ein Haufen Steine“! Viele Tier- und Pflanzenarten haben sich an die kargen Lebensbedingungen angepasst und finden hier ihren angestammten Lebensraum: Die (bei uns inzwischen ausgestorbene) Flussufer-Wolfsspinne etwa oder die Zwergglockenblume. Besonders wichtig sind die Kiesbänke bis heute für eine Vogelart, die auf dem Kies brütet: Der Flussregenpfeifer.

 

Steckbrief Flussregenpfeifer

  • Zugvogel, überwintert in Afrika
  • kehrt im März zurück und zieht am Lech seinen Jungen auf
  • Hauptbrutzeit 1. April bis 30. Juni
  • ernährt sich von Insekten und Weichtieren, die er vor allem am Ufer der Kiesbänke findet
  • auf Kies bestens getarnt: Gefieder und auch Eier „kiesfarben“
  • nur noch 8 - 10 Brutpaare zwischen Gersthofen und Meitingen

 

Überlebenskünstler – aber störungsempfindlich!

Flussregenpfeifer sind an das Leben auf der Kiesbank bestens angepasst. Hier finden sie Nahrung, verstecken sich durch optimale Tarnung vor Fressfeinden und haben sogar Tricks entwickelt, um mit der Hochwassergefahr umzugehen.

Aber eine große Gefahr für die Tiere ist die Störung durch Erholungssuchende: Die Elterntiere werden aufgeschreckt und müssen Gelege oder Küken schutzlos zurücklassen. In Bereichen mit hohem Besucheraufkommen überleben deswegen weniger Küken!

 

Naturgenuss und Artenschutz am Lech - durch faires Miteinander

Damit der Flussregenpfeifer langfristig bei uns am Lech eine Überlebenschance hat, müssen mehr Küken überleben. Weniger Störung durch uns Menschen bedeutet bessere Überlebenschancen für die Jungvögel!

Der Lech wurde deswegen fair in Schutz- und Erholungszonen aufgeteilt:

- Schutzzone: Vom 1.4. bis 30.6. bitte nicht betreten!

- Erholungszone: Ganzjährig frei betretbar. Bitte auch hier achtsam mit der Natur umgehen!

Diese Zonen sind in der Karte dargestellt. Die Schutzzonen sind während der Brutzeit mit Hinweistafeln markiert. Auch unser Kiesbank-Ranger gibt Erholungssuchenden die Information, welche Bereiche ihnen offenstehen.

So können Naturgenuss ohne schlechtes Gewissen und Schutz einer bedrohten Tierart gut kombiniert werden!

 

Immer up to date: Die App für „Kiesbank-Checker“

Oft werden die Hinweistafeln an den Schutzzonen Opfer von Vandalismus. Wenn man dann keine Karte zur Verfügung hat, ist es schwer festzustellen, ob man gerade in einer Schutz- oder in einer Erholungszone ist.

Hilfe bietet da die neue „Kiesbank-Checker“-App: Sie überprüft schnell und komfortabel anhand von Datum und GPS-Daten, ob man eine Kiesbank betreten darf oder ob diese in einer Schutzzone legt.

 

Im Einsatz für die Artenvielfalt am Lech

Die Schutzmaßnahmen für den Flussregenpfeifer und die Information der Erholungssuchenden organisiert der Verein Lebensraum Lechtal. Während der Brutzeit sind Kiesbank-Ranger am Lech unterwegs und informieren Erholungssuchende. Eine Reportage des Kiesbank-Rangers Benjamin Vogt finden Sie hier.

Finanzielle Unterstützung erhält der Verein Lebensraum Lechtal von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben und dem Bayerischen Naturschutzfonds.

Der Verein engagiert sich entlang des Bayerischen Lechs auch für andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie Frauenschuh und Zauneidechse oder selten gewordene Lebensräume wie Lechheiden und lichte Kiefernwälder.

 

Projektträger

Lebensraum Lechtal e.V.

c/o Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen

Dr.-Ziegenspeck-Weg 10

86161 Augsburg

www.lebensraumlechtal.de

Ansprechpartner

Stephan Jüstl, Lechtal-Gebietsbetreuer

gebietsbetreuer [at] lebensraumlechtal.de

01577 - 3092285

 

Die Küken des Flussregenpfeifers sind perfekt getarnt. Foto: Christa Kohout
Von April bis Juni dürfen die Flussregenpfeifer nicht gestört werden, ansonsten verlassen sie ihre Küken. Foto: Stephan Jüstl
Flussregenpfeifer. Grafik: Benjamin Vogt
Wolfsspinne. Foto: Stephan Jüstl
Flussregenpfeifer. Foto: David Bertuleit

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