Nachhaltiges Wickeln ohne Stress

Mit Stoffwindeln die Umwelt und den Geldbeutel schonen

Im Laufe einer durchschnittlichen Windelzeit von zweieinhalb bis drei Jahren kommt einiges an Müll zusammen. Fünf bis acht Mal am Tag wird ein Baby gewickelt, insgesamt macht das also ungefähr einen Pack Windeln die Woche und mehr als 5.000 Windeln, bis das Kind trocken ist. Dazu kommen die Feuchttücher um den Po sauber zu bekommen, von denen man durchschnittlich etwa ein bis zwei Packungen im Monat braucht. Die Vorstellung eines solchen Müllberges war mein Beweggrund, alle drei Kinder von Beginn an mit Stoffwindeln zu wickeln.

Stoffwindeln gibt es in verschiedenen Größen und den unterschiedlichsten Systemen, und nicht jedes ist für jeden Wickler oder jeden Anlass tauglich. Da Stoffwindeln aber einen recht hohen Wiederverkaufswert haben, habe ich mir am Anfang von jedem System, das mir zusagte, einige Windeln gebraucht gekauft und wir haben uns erst nach und nach entschieden. Die weniger beliebten habe ich wieder verkauft und davon die bevorzugten Windeln aufgestockt.

Unterschiedlichste Stoffwindel-Systeme

In der Krippe entschieden wir uns für sogenannte All-in-one, eine Stoffwindel, die sich in der Handhabung nicht wirklich von ihrem Wegwerfpendant unterscheidet. Sie besteht aus einem saugenden Baumwollkern und einer wasserundurchlässigen Schicht aus laminiertem Stoff (Polyurethanlaminat, kurz PUL).

Zuhause hatten wir Baumwollwindeln mit verschiedenen Stoffeinlagen und passende Überhosen aus PUL, und ein zweites System, eine Hybridwindel, die sowohl mit Stoffeinlagen als auch mit Wegwerfeinlagen befüllt werden kann. Diese Windel von der Windelmanufaktur wird in Dresden von einem kleinen Familienunternehmen hergestellt. Sie besteht aus einem Stoffhöschen und einer einknöpfbaren Innenwindel aus PUL oder Wolle, welche mit Einlagen ausgestopft wird. Meist muss bei dieser Variante nur die Einlage gewaschen werden, sodass diese Windel sehr wenig Schmutzwäsche verursacht.

Unterwegs ohne Waschmöglichkeit haben wir hin und wieder auf Vorlegewindeln zurückgegriffen, die dann in die Innenwindel gesteckt werden. So entsteht wesentlich weniger Müll als mit einer kompletten Wegwerfwindel.

Alternativen zu Feuchttüchern

Auch zu Feuchttüchern gibt es Alternativen. Herkömmliche Feuchttücher bestehen meist aus Kunststoffvlies, das mit allerlei Chemikalien behandelt ist. Stattdessen haben wir kleine Baumwolllappen benutzt, die es fertig zu kaufen gibt, oder wir haben uns selbst aus alten Handtüchern welche zurechtgeschnitten. Die wurden dann einfach vor Ort nass gemacht oder feucht mitgenommen. Die feuchten Lappen lassen sich prima in sogenannten Wetbags transportieren: kleine Beutel, die ebenfalls eine wasserabweisend Seite besitzen. In so einen zweiten etwas größeren Beutel wandern unterwegs auch die gebrauchten Tücher und Windeln, sodass weder Geruch noch Feuchtigkeit nach außen kommen.

Ein weiteres Argument gegen Wegwerfprodukte ist der Preis. Während Stoffwindeln zwar in der Anschaffung momentan teuer erscheinen, muss man dann aber im Laufe der Wickelzeit kaum noch etwas nachkaufen, sodass insgesamt sogar weniger Geld ausgegeben wird. Zusätzlich lassen sich die Windeln beim nächsten Kind direkt wieder verwenden. Gebrauchte Stoffwindeln können auf Babyflohmärkten problemlos weiterverkauft werden, so wandert am Ende der Wickelzeit oft sogar wieder etwas Geld zurück aufs Konto.

Auf den ersten Blick mag der Umgang mit waschbaren Windeln vielleicht abschrecken, aber mit dem zu Eltern und Kind passenden System wird er schnell zur Routine. Chemiefreie Babyhaut und leere Mülltonnen sind es wert.

Dieser Artikel ist erschienen in der Kolumne "Einfach machen" der AZ Augsburger Land.
 

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Baby mit Stoffwindeln wickeln
Alternative Feuchttücher
Stoffwindeln

Über die Autorin

Andrea Maiwald

Andrea Maiwald ist Grundschullehrerin und Mutter zweier Kinder. Als sie vor sieben Jahren schwanger wurde, hat sie sich Gedanken über den „tonnenweisen Müll“ gemacht, den allein die Windeln für ihre Tochter produzieren würden. Und sie hat sich auf die Suche begeben: Nach plastikfreiem Babyzubehör, nach Alternativen aus Edelstahl, Naturkautschuk oder Biobaumwolle. Seit sieben Jahren lebt sie mit ihrer Familie möglichst plastikfrei und ressourcenschonend, indem sie vieles gebraucht kauft, upcycelt oder selbst herstellt. In ihrem Blog „Gruenezwerge.de“ lässt sie uns teilhaben an diesem schwierigen Spagat zwischen Realität und Anspruch und zeigt, wie sie ihre Ideen umsetzt.

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