Reich an Rohstoffen und dennoch arm

Der Ressourcenfluch betrifft vor allem Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika

Sie sind die reichsten Länder der Welt. In ihren Böden lagert Gold in Hülle und Fülle. Sie verfügen über Öl, Gas und Seltene Erden. Und trotzdem sind die Menschen in diesen Ländern bitterarm. 70 Prozent der Bevölkerung in rohstoffreichen Ländern müssen mit weniger als 1,90 US-Dollar am Tag überleben. Der Fachausdruck für diesen inakzeptablen Zustand ist Ressourcenfluch. In Afrika sind über 20 Länder betroffen und auch in Lateinamerika und Asien trifft es viele ressourcenreiche Länder.

Bekannte Beispiele sind Nigeria, Venezuela und Indonesien. Besonders drastisch trifft der Ressourcenfluch die Demokratische Republik Kongo mit seinen Goldvorkommen. Das wertvolle Gold aus der roten Erde des zentralafrikanischen Staates findet sich in nahezu allen Smartphones oder Laptops dieser Welt. Häufig stammt das kongolesische Gold aus illegalen Geschäften.

In Afrika lagern 40% der weltweiten Goldvorkommen, aber trotz dieser und anderer  enormer Rohstoffvorkommen produziert der Kontinent nur 3% des Wertes aller weltweit hergestellten Waren und Dienstleistungen. Auf dem Weltmarkt sind afrikanische Produkte kaum zu finden, noch nicht mal ein Kugelschreiber oder eine Luftpumpe! Das Schicksal des Kontinentes ist beispielhaft für den fatalen Zusammenhang von reichen Bodenschätzen und einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung. Das Gold aus dem Kongo steht in diesem Artikel exemplarisch für zahlreiche andere Rohstoffe, die weltweit von der Industrie verarbeitet werden - wie Kobalt , Seltene Erden oder Seltene Metalle.

 

Mit dem Gold wird die Verantwortung verkauft

Angefangen mit dem Kolonialismus sind seit jeher internationale Großunternehmen an den Goldvorkommen der Länder interessiert. Sie schlachten in großen Minen systematisch die Bodenschätze aus, exportieren die Rohstoffe und bringen die Länder politisch und wirtschaftlich aus dem Gleichgewicht. 

Denn der Handel mit Rohstoffen ist oft die größte und einzige Einnahmequelle der Regierungen. Die Steuern der Einwohner*innen spielen keine wichtige Rolle, entsprechend gering ist der Einfluss der Bevölkerung auf ihre Staatsoberhäupter.
Das nutzen viele Regierungen aus, um sich persönlich zu bereichern. Und auch durch Bestechungsgelder verschwindet viel Geld in privaten Taschen.

Das Wohl der Allgemeinheit, Bildung und soziale Maßnahmen hingegen werden kaum gefördert. Auch eine nachhaltige Entwicklung der Wirtschaft wird vernachlässigt. Besonders gravierend ist dies in Bezug auf die Landwirtschaft: Die Bevölkerung ist dadurch immer weniger in der Lage, sich selbst mit einheimischen Nahrungsmitteln zu versorgen.

 

Folgen für Mensch und Natur

Die Arbeitsbedingungen in den großen industriellen Minen aber auch in kleineren, familiären Bergbaubetrieben in Ländern des globalen Südens (Entwicklungsländern) sind in vielen Fällen miserabel. Die Arbeiter und Arbeiterinnen verdienen mit ihrer körperlich anstrengenden Arbeit nicht genug Geld, um ihre Familien zu ernähren. Kinderarbeit ist deshalb weit verbreitet. Zehntausende Kinder suchen weltweit in Minen nach dem begehrten Edelmetall. Viele können dadurch die Schule nicht besuchen. Sich eine bessere Zukunft aufzubauen und damit dem Ressourcenfluch zu entkommen, bleibt ihnen verwehrt.
 
Die 100 Millionen Erwachsene und Kinder, die weltweit im Rohstoffabbau arbeiten, gefährden dabei ihre Gesundheit. Rund zehn Prozent des geförderten Goldes kommt aus kleinen, nicht offiziell zugelassenen Minen. Gerade in diesen Minen bekommen die Schürfer*innen keine Schutzausrüstung, sie atmen tagtäglich viele Stunden Staub und teilweise giftige Substanzen ein. Lungenerkrankungen wie Asthma sind weit verbreitet. Viele Minen sind nicht ausreichend gesichert. Von Hand gegrabene Schächte und Tunnel drohen einzustürzen und führen zu schweren Unfällen mit tödlichen Folgen.

Tödlich kann auch der ungeschützte Kontakt mit giftigen Substanzen enden. Gold zu gewinnen ist sehr aufwendig, es kommt im Boden nur in geringen Konzentrationen und als feine Partikel vor. Um es abzubauen wird das hochgiftige Zyanid oder Quecksilber verwendet. Ohne Schutzausrüstung sind Hautentzündungen und Vergiftungen die Folge. Und auch die Umwelt leidet unter diesen Substanzen. Das Grundwasser wird vergiftet, Tiere und Pflanzen streben.

 

Zertifiziertes, faires Gold erkennen

Seit einigen Jahren rückt die Herkunft des Goldes immer mehr in den Fokus. Vom einfachen Minenarbeiter zum Zwischenhändler, weiter an die internationalen Umschlagplätze bis zur Verarbeitung von Gold - von der Abbaumine bis zum Endverbraucher -  ist es ein weiter Weg.  In den letzten Jahren haben sich mehrere freiwillige Initiativen und auch internationale Standards und Regularien entwickelt, die das Goldgeschäft nachhaltiger gestalten sollen. Neben besseren Arbeitsbedingungen für die Goldschürfer*innen weltweit, ermöglichen diese Standards den Verbraucher*innen, zurückzuverfolgen, woher das Gold kommt und unter welchen Bedingungen es gewonnen wurde.

Die „Alliance for Responsible Mining“ ist ein Pionier im Bereich des verantwortungsvollen Goldbergbaus. Das Netzwerk aus Organisationen, Umweltschützer*innen und Unternehmen zeichnet mit dem Siegel „Fairmined“ Goldminen aus, die beim Abbau soziale und ökologische Standards einhalten. Die Arbeitsplätze und der Arbeitsprozess sind sicher. Sie verzichten auf Kinderarbeit und setzen Chemikalien sicher und reduziert ein. Das Siegel garantiert den Minen einen Mindestpreis und zusätzliche Prämien, wenn sie die Standards einhalten. Die Alliance for Responsible Mining betreut und unterstützt zertifizierte Minen außerdem bei der Einhaltung der Standards.

Auch der Verein TransFair vergibt ein Fair Trade Siegel für Gold und Edelmetalle. Das Siegel steht für besseren Schutz von Mensch und Umwelt im Goldabbau, damit die Minenarbeiter ihre Lebenssituation und die ihrer Familie aus eigener Kraft langfristig verbessern können. Für zertifiziertes Gold bekommen die Minen einen stabilen Mindestpreis und eine zusätzliche Fairtrade-Prämie. Bestimmungen für Arbeits- und Umweltschutz werden eingehalten, die Minenarbeiter*innen können vom Goldabbau leben und ihre Kinder eine Schule besuchen. Wer mit dem Kauf von Schmuck fairen Handel unterstützen möchte, findet Händler*innen und Goldschmiede, die mit zertifiziertem Gold arbeiten, im fairtrade-Produktfinder.


Das nachhaltigste Gold ist recyceltes Gold

Wer in Deutschland Schmuck bei einem Goldschmied kauft, muss sich nicht allzu große Sorgen um die Herkunft des Goldes machen.

Wir sind die ältesten Recycler der Welt." Reiner Fein vom Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere.

Mehr als 90 Prozent des Goldes, das deutsche Goldschmiede verarbeiten, ist recyceltes Gold.

Die größten, unstillbaren „Hungerer“ nach Gold sind nicht die Juweliere, sondern die Anleger, die Gold als Kapitalanlage kaufen und die Industrie, die den Rohstoff für Handys, Katalysatoren in PKWs oder für Computer benötigen“,  Sophia Singer, Augsburger Goldschmiedemeisterin.

Sophia Singer verwendet hauptsächlich recyceltes Gold für ihre Werke. Das hat in ihrem Handwerk seit Jahrtausenden Tradition. Für die Schmuckdesignerin ist das nicht nur eine Frage der Wertschätzung des teuren Materials, sondern auch eine Frage der Nachhaltigkeit:  „Jedes Material, das wir recyceln können ist besser und nachhaltiger, als frisch abgebautes Material“, so Sophia Singer. Bei Schmuck ist es also relativ einfach, nachhaltig zu handeln. Altes Gold einschmelzen und daraus neue Lieblingsstücke zu machen, verbraucht keine neuen Ressourcen. Die Geschichte des alten Schmuckstücks lebt im Neuen weiter. Dafür werden keine Menschenrechte verletzt und der Ressourcenfluch wird nicht weiter befeuert.

 

Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex

Um ein Umdenken zu initiieren ist es beim Kauf von Smartphones, Handys oder Laptops  wichtig, nachzufragen, woher das Material stammt und unter welchen Bedingungen es abgebaut wurde. Eine Liste mit fairen Handys und Smartphones stellt Utopia zur Verfügung. Auch wer Gold als Geldanlage verwendet, sollte die Herkunft klären.

Zertifizierungen von Gold beziehungsweise von Rohstoffen allein lösen aber nicht das Problem des Ressourcenfluchs. Die Zertifizierungen erhöhen zwar die Transparenz in der Lieferkette und können zu einer Verbesserung der Lebensumstände der Minenarbeiter beitragen, die Konflikte rund um die Minen und die sich selbst bereichernden Regierungen bleiben jedoch bestehen. Den Ressourcenfluch zu lösen, ist komplex. Es braucht dafür sowohl ein Umdenken in der Politik der rohstofffördernden Länder als auch im Konsumverhalten der Länder, deren Industrie von den Rohstoffen profitiert.

 

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel ist ein Ergebnis des zweiten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2018/ 2019 im Fachbereich Geographie anboten.
Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab.

 

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fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
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fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade
Das Fairmined Logo garantiert faire Arbeitsbedingungen in den Minen. Logo: Faimined
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fairtraide, faires Gold, Foto: Fairtrade

Über die Autorin

Katharina Buse

Katharina Buse studiert Geographie an der Universität Augsburg. Für das Studium kam sie in die Stadt und ist begeistert, wie viel hier für mehr Nachhaltigkeit passiert. Die vielen Probleme, die die Welt hat, sind für sie der Ansporn, manches besser zu machen. Plastik verschwindet immer mehr aus ihrem Leben und fair gehandelte Produkte ziehen ein.

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