Sauer macht rot

Die Wunder der Natur entdecken

Blaue Blüten erröten, wenn man sie in einen Ameisenhaufen hält.

Bitte beachte! Waldameisen stehen unter Naturschutz. Pass daher bitte auf, dass du ihren Haufen nicht beschädigst. Berühre die Ameisen nicht direkt, denn Ameisensäure brennt auf der Haut. Bitte achte auch darauf, keine geschützten Pflanzenarten zu pflücken.

So geht‘s: Wenn du an einem Ameisenhaufen vorbei kommst und in der Nähe auch noch blaue Blumen, z.B. Glockenblumen entdeckst (1), versuche Folgendes: Streiche mit einer Blüte über den Ameisenhaufen (2). Die Ameisen fühlen sich von dem vermeintlichen Eindringling sofort bedroht. Sie greifen die Blüte an, indem sie sie mit Säure anspritzen. Die Blüte färbt sich an diesen Stellen rot (3).

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Ameisen sind eng mit den Bienen und Wespen verwandt, und wie diese besitzen sie Giftdrüsen im Hinterleib. Ein wichtiger Bestandteil des Ameisengifts ist ein simpler Stoff mit der chemischen Formel HCOOH, bekannt als Ameisensäure. Die Waldameisen versprühen zerstäubte Wölkchen davon, um Feinde auszuschalten oder zu vertreiben. Neben den Ameisen nutzen u. a. manche Skorpione, Käfer oder Quallen Ameisensäure zur Verteidigung oder zum Beutefang. Beim Menschen äußert der Kontakt sich durch Brennen und Quaddelbildung. Manche Ameisenarten wie die Rote Gartenameise besitzen sogar einen kleinen Stachel, mit dem sie die Säure wirkungsvoll unter die Haut platzieren – es handelt sich bei den unangenehmen Begegnungen also nicht um Bisse sondern um Stiche. Man kennt den Schmerz von der Brennnessel: Sie nutzt eine ähnliche Technik und verwendet denselben Stoff.

Mehr zum Thema: Wandelbare Blütenfarben

Der blaue Farbstoff der Glockenblumenblüte reagiert auf den Säuregehalt der Umgebung, den pH-Wert: Im basischen Bereich ist er blau, im sauren wechselt er ins Rote. Auch andere Blüten wie die Frühlingsplatterbse besitzen diese Farbstoffe. Die Blütenfarben sind für die Pflanzen wichtig. Sie locken bestäubende Insekten an und schützen die Zellen vor UV-Strahlung.

 

Dieser Trick ist dem BN-Taschenführer „Trickkiste Natur. 40 Naturwunder vor deiner Haustür: entdecken – staunen - ausprobieren“ entnommen. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des BN und des oekom verlags. Der Ausflugsbegleiter für Groß und Klein mit 40 Tricks ist für 9,95 Euro im Buchhandel erhältlich.


Ameisentrick
Titel Trickkiste Natur
Ameisentrick

Über den Autor

Torsten Mertz

Torsten Mertz studierte Geographie in Köln und Trier, lebt seit 2000 in Augsburg und arbeitet seit vielen Jahren im Münchner oekom verlag, der auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spezialisiert ist. Hin und wieder findet er Zeit, für den Lifeguide zu schreiben oder ein Buch zu veröffentlichen. Zuletzt erschien „Veggieparty. Vegane Leckereien für Buffet, Brunch und Biergarten“, aus dem der Lifeguide auch ein paar Rezepte vorstellt.

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