Start in den Frühling

Faire Laufschuhe und Laufbekleidung

Endlich wird es wärmer, und es ist abends schon wieder merklich länger hell. Nix wie raus zum Laufen. Das ist gesund und liegt im Trend. Aber wie ökologisch und sozial gesund, sprich: „verantwortlich“ ist die Herstellung von Laufbekleidung und Laufschuhen eigentlich? Lifeguide-Vorstand Norbert Stamm hat sich informiert.

Ich habe mich in Augsburg auf die Suche begeben. Dabei gilt, was auch für sonstige Bekleidung und Schuhe gilt: Das meiste, was uns angeboten wird, ist ohne großen sozialen und ökologischen Anspruch hergestellt.

Allerdings schwappt das wachsende Verantwortungsbewusstsein aus dem Outdoor-Bereich auch in den Laufbereich: Im Outdoorbereich gibt es schon einige Hersteller wie deuter, Schöffel und vaude, die sozialverantwortlich produzieren möchten und es auch bereits tun. Sie sind der Fair Wear Foundation beigetreten und dort „Leader“, gehören also der besten Kategorie an. Zwei dieser drei Hersteller haben ihre Zentralen in unserer Region: deuter sitzt in Gersthofen, Schöffel in Schwabmünchen. Bis deren Verantwortungsbewusstsein den lukrativen riesigen Sportmarkenmarkt erreicht, ist es noch ein weiter Weg. Der Laufbereich könnte hier den Anfang machen. Denn viel braucht mensch zum Laufen ja nicht: Laufbekleidung und Laufschuhe.

 

Laufbekleidung

Bei der Funktionsbekleidung kann schon auf Angebote von Unternehmen zurückgegriffen werden, die der Fair Wear Foundation angehören und dort die Bestbewertung „Leader“ tragen – dazu gehören odlo oder hess natur. Das umfangreiche Sortiment des Schweizer Herstellers odlo findet sich in einigen Kaufhäusern und Sportgeschäften in und um Augsburg. Sportleggings und Sporthosen aus Bio-Baumwolle sowie Running-Shirts aus Modal (Buchenholz-Cellulose) von hess natur gibt es allerdings nur im Versandhandel. 

Größtenteils in Deutschland gefertigte Laufshirts, -hosen und -jacken bietet Andre Kossmann . Kossmann war früher Einkäufer für verschiedene Schuh- und Textilfirmen. Doch die Zustände, die er bei seinen Reisen vor Ort vorfand, haben ihn dazu gebracht, auszusteigen und etwas Besseres zu versuchen. Kossmann lässt in zwei Nähereien bei Chemnitz und einer in Ungarn nähen und hat kein Lager, sondern lässt die Ware größtenteils innerhalb von vier Wochen anfertigen, je nachdem, was sich verkauft. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Textilanbietern, die ihre Ware in Asien herstellen lassen – häufig ohne zu wissen, was davon letztlich verkauft und teils sogar ungetragen vernichtet wird.

Bei Kossmann kommen die Grundstoffe aus Deutschland, Italien und Österreich. Ihm kommt es nicht darauf an, dass die Materialien möglichst preisgünstig sind, sondern funktional, möglichst nachhaltig, fair produziert und von guter Qualität. Trotzdem sollen die Dinge erschwinglich sein, keine Luxusmarke. In Augsburg sind die Kossmann-Sachen erhältlich im Runner's Shop in der Bäckergasse 1.

12 PET-Flaschen für eine Laufhose

Wir haben in Augsburg seit neuestem auch einige junge Unternehmerinnen und Unternehmer, die in ihren kleinen Läden auf faire und ökologisch korrekte Kleidung Wert legen. In ihren Sortimenten werden auch „Laufbegeisterte“ fündig. So bietet der 2016 eröffnete Shop „glore“ in der Grottenau 2 eine Lauf- und Yogaleggings von der Firma Mandala an, die zu 90% aus Repreve Recycled Polyester besteht. Das heißt: In jeder Hose stecken 12 recycelte PET-Flaschen. Auch beim Sport-BH der gleichen Firma lohnt sich ein Blick auf das Material-Zettelchen: Er besteht zu 61 % aus Lyocell, einem weichen Material aus natürlichem Eukalyptusholz, das in nachhaltiger Forstwirtschaft gewonnen wird.

Und was sagen unsere „Augsburger Pioniere“ in Sachen nachhaltige Shirts zum Thema Laufen? Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei vom fairen Augsburger Label degree clothing finden, dass auch ihre ganz „normalen“ ökologischen Shirts perfekt fürs Laufen geeignet sind: „Unsere Tops und Tanker werden von vielen Kundinnen und Kunden für Jogging und Yoga gekauft. Das liegt an den sportiven Schnitten und der atmungsaktiven Baumwolle ohne Zusätze. Die ist auch bei sportlicher Aktivität besonders gut hautverträglich“, so Fabian Frei.

Übrigens: Auch ein Blick in die zahlreichen Second-Hand-Läden kann sich lohnen.

 

Laufschuhe

Bei Schuhen wird es dann schwerer. Denn die großen bekannten Hersteller bieten bei der Frage nach Sozial- und Umweltstandards noch nichts wirklich Hilfreiches an. Laut Schwarzbuch Markenfirmen von März 2016 können adidas und Nike, aber wohl auch PUMA und die anderen Großen die Einhaltung der selbstgesetzten Arbeitsnormen bei ihren Zulieferern nicht garantieren. Auch kein anderer mir bekannter großer Hersteller bietet sichere Zertifizierungen.

Ein kleiner deutscher Hersteller – Lunge – produziert Laufschuhe in Düssin / Mecklenburg, 80 km östlich von Hamburg. Die Schuhe werden zu 100 % in Deutschland hergestellt, sind vergan und schadstofffrei. Verwendet werden Gummi und Latex, aber auch Kunststoff auf Erdölbasis. Und es ist auch schon etwas Recyclingmaterial dabei - so besteht der Grundstoff für die Fersenkappen aus geschredderten CDs.

Lunge-Laufschuhe sind rund ein Drittel teurer als vergleichbare Markenschuhe – meine Classic Run Fis kosteten 220 Euro. Angeblich halten sie länger. Und es ist möglich, die dämmende Einlegesohle nachzubestellen und abgelaufene Schuhe neu besohlen zu lassen.

Wie haltbar sie sind, kann ich noch nicht beurteilen. Aber mindestens neun Monate und gut 500 Kilometer sind es schon – die bin ich bisher darin gelaufen. Urteil: sehr bequem, gut gedämmt (keine Kniebeschwerden), griffige Sohle auch bei Matsch, Schnee und Eis (bei letzterem natürlich eingeschränkt) und noch kein erkennbarer Abrieb.

Das Gute: Mensch muss sie nicht online bestellen und per Lieferdienst bringen lassen. In Augsburg gibt es die bisher vier verschiedenen Lunge-Laufschuhe bei Schuh Beitelrock am Perlachberg, bzw. sie werden dort in der gewünschten Größe zur unverbindlichen Anprobe bestellt. Ach ja: Auch viele der Materialien der Lunge-Schuhe kommen aus Deutschland. Und da das Nähgarn von Amann kommt, läuft vermutlich sogar ein kleines Stückchen „made in Augsburg-Göggingen“ jedesmal mit durch den Siebentischwald.

 

PS: Falls Sie weitere Tipps für sozial- und umweltverantwortlich hergestelltes Laufzubehör haben, können Sie dafür gerne die nachfolgende Kommentarfunktion nutzen.

12 PET-Flaschen werden zu einer Leggings. Zu kaufen z.B. bei "glore" in Augsburg
Diese Leggings von Mandala bestehen zu 90 % aus Repreve Recycled Polyester. Sie wurden aus 12 recycleten PET-Flaschen hergestellt. Zu kaufen z.B. bei glore in Augsburg.
Lunge Laufschuhe: Die Schuhe werden zu 100 % in Deutschland hergestellt, sind vergan und schadstofffrei. Foto: Norbert Stamm
Laufgenuss pur. Foto: Pixabay
Laufgenuss pur. Foto: Pixabay
Laufgenuss pur. Foto: Pixabay

Über den Autor

Dr. Norbert Stamm

Mitarbeit schon beim alten "Lifeguide Augsburg". Leitet das Büro für Nachhaltigkeit und Geschäftsstelle Lokale Agenda 21 der Stadt Augsburg. Ausbildung als Literatur- und Kulturwissenschaftler mit Schwerpunkt Afrika, zusätzlich Studium Christlicher Sozialwissenschaft. Ehrenamtlich Mitvorstand des Eine Welt Netzwerks Bayern e.V. Verschiedene Veröffentlichungen, darunter "Augsburg Afrika. Ein Buch über Beziehungen" (1996) und "Rendite plus - Möglichkeiten sozialverantwortlicher Geldanlage" (2000). Mitherausgeber von "Kommunen und Eine Welt" (3. Auflage 2014), "Entwicklungspolitik in Bayern - Analysen und Perspektiven" (8. Auflage 2015) sowie "Runder Tisch Bayern: Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen" (jährlich seit 2007).

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Gast

Engel Sports
- weltweit einziger Hersteller von GOTS-Zertifizierter Funktionskleidung aus einer Merinowolle/Seidemischung
- Einhaltung höchster sozialer und ökologischer Kriterien in der gesamten Produktionskette
- komplett in Deutschland produziert

http://www.engel-sports.com/de/epaper/index.html#0

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