Veganes Essen muss sichtbar sein!

Interview mit Münir Kusanc von Mom’s Table

Raus aus dem Nischendasein, rein in die Maxstraße: Mit frischen Biozutaten zaubern Münir Kusanc und sein Dream-Team leckere vegane Gerichte und traumhafte Kuchen - alles ohne Zucker und Gluten!

Steckbrief: Münir Kusanc hat seinen Job im Groß- und Einzelhandel zugunsten der Gastronomie aufgegeben. Er war lange Jahre Inhaber eines Döner-Ladens. Dann beschäftigte er sich mehr mit spirituellen Dingen und konnte es nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbarten, Fleisch zu verkaufen. Der Augsburger mit türkischen Wurzeln meditiert täglich und findet so die Kraft und Inspiration, seinen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten.


Sylvia Schaab: Würstchen oder Sellerie? Was hast du als Kind am liebsten gegessen?
Münir Kusanc: Als ich ein Kind war haben wir in unserer Familie sehr viel Fleisch gegessen, das war vor allem bei Freunden und Festen in der Türkei üblich.

Was ist heute Dein liebstes Gericht auf der Speisekarte?
Eigentlich sind alle Gerichte auf der Speisekarte Lieblingsgerichte unseres Teams. Wir probieren viel aus und bereiten dann das zu, was uns am Besten schmeckt. Ich mag sehr gerne die Daal-Suppe oder den Auberginensalat.

Vom Döner-Laden zum Gesund-Veganen Pionier… das ist ein weiter Weg, oder?

In meinem Döner-Döner-Restaurant arbeitete ich häufig 14-Stunden. Irgendwann fing ich an, mir dann über den Sinn des Lebens Gedanken zu machen.

So bin ich zu vielen Kursen gegangen, habe Ausbildungen gemacht, Retreats besucht und habe begonnen zu meditieren. Das brachte mir einen ganzheitlichen Einblick in unsere Welt, in der Massentierhaltung und der Fleischkonsum für mich keinen Platz mehr hatte.

Ich habe mir dann gesagt: „Mach was dir dein Herz sagt“, mir die Haar abrasiert, die Uhr abgenommen und beschlossen, den Döner-Laden aufzugeben. Meine Familie und meine Freunde haben mich alle für verrückt erklärt, ein so gut laufendes Geschäft aufzugeben.

Doch ich wollte einen anderen Weg gehen und habe tatsächlich einen kompletten Neustart gemacht. Ich wollte nichts von dem Geld, das ich durch den Verkauf von Tieren verdient hatte, in mein neues Leben mitnehmen. Ich habe alles aufgegeben und bin nach München gezogen. Dort habe ich in veganen Restaurants gearbeitet und viel gelernt. Und irgendwann war es dann soweit, dass wir unser eigenes Restaurant eröffnen konnten

Wie kam es zu dieser tollen Lage in der Maxstraße?
Ich wollte auf alle Fälle einen Laden in exponierter Lage haben.

Veganes Essen soll raus aus dem Nischendasein und für alle sichtbar werden.

Daher bin ich total glücklich, dass wir hier auf der Maxstraße geklappt hat. So sind wir sehr präsent im Stadtbild. Bei uns essen der Bürgermeister und viele FCA Spieler, Heilpraktiker, Yoga Praktizierende, kranke Menschen die wieder gesund werden wollen und viele, viele mehr!

Vegan, Glutenfrei, zuckerfrei – das lässt in Sachen Gesundheit keine Fragen offen.
Ja, wir verarbeiten nur das Reine, Echte ohne Zusatzstoffe, ohne Zucker, ohne Gluten. Mom’s Table stellt die Gaben dar, die uns Mutter Natur liefert - rein und unverfälscht. Das sorgt dafür, dass sich die Menschen nach dem Essen bei uns einfach besser fühlen.

Unsere Gerichte beleben unsere Gäste und geben ihnen neue Energie. Für mich ist es wichtig zu zeigen, dass vegan essen nicht nur eine Gemüsepfanne ist, sondern dass es mehr Abwechslung gibt.

Wie kommt das?
Wir haben uns sowohl in der Ernährungsberatung als auch im veganen Bereich weitergebildet. Daher wissen wir, wie Nahrungsmittel auf uns wirken. Ich habe in den veganen Restaurants Münchens gearbeitet und dabei viel gelernt. Meine Frau Elisabeth hat sich auf die Rohkost und besonders auf die Kuchen spezialisiert, die eine Sensation sind. Bevor wir das Restaurant eröffneten, hat sie täglich bis zu 5 Kuchen entwickelt und gemacht.

Wie ist das Feedback der Gäste?
Wir können mit unserem Restaurant so viel bewegen. Es gibt Familien, die kommen zu uns zum Essen, weil ein Kind vegan lebt. Häufig sind sie total skeptisch und haben das Bild von Rohkost im Kopf, die grau und unansehnlich ist. Sie sind dann total über die Vielfalt überrascht.

Sie kommen mit mürrischem Gesicht in den Laden und gehen total begeistert, wenn sie merken: Das schmeckt ja sogar!

Welche Bilanz ziehst du nach den ersten zwei Jahren?
Unser Laden ist einfach zu klein geworden, ohne Reservierung geht bei uns abends gar nichts. Auch das verwundert viele, die veganes Essen eher als Randerscheinung sehen. Doch viele kommen einfach in der Mittagspause oder beim Stadtbummel zu uns und sind begeistert.

Ist eine vegane Lebensweise die Lösung unserer ökologischen Probleme?
Ja, denn anders können wir nicht weiter machen. Für 1 Kilogramm Fleisch werden 15.000 Liter Wasser verbraucht, 25 Prozent der weltweiten Agrarfläche wird für das Füttern von Tieren verwendet. Wir können es uns nicht leisten so viel Ressourcen und Land für die Tierhaltung zu reservieren, wenn wir alle Menschen satt bekommen wollen.

Was bewirkt veganes Essen?
Es gibt viele Gründe, warum Menschen vegan leben: Gewissen, Gesundheit oder ökologische Überzeugung. Egal von welcher Seite man es betratet, es ist einfach eine runde Sache. Bei mir persönlich war das vegane Essen allerdings nur der Anfang. Ich wollte das Essen wirklich gesund haben und verzichte daher völlig auf Zusatzstoffe oder mögliche Allergene wie Gluten. Daher verwende ich auch keinen Käseersatz, denn für die richtige Konsistenz müssen Zusatzstoffe hinein. Da kann ich nicht dahinterstehen.

Ich will die reinen Sachen haben und es ganzheitlich betrachten. Unser Essen ist echt und kein Fake! Vor allem geht es mir aber darum, nicht rücksichtslos mit der Erde umzugehen.

Was würdest du machen, wenn du Bürgermeister von Augsburg wärst?

Ich würde Augsburg zur bio-vegan-freundlichsten Stadt Europas machen. Überall würde es pflanzliches Essen in Bioqualität geben: in Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser oder öffentlichen Kantinen. Das würde ein Zeichen setzen, wie wir unsere Zukunft so gestalten, dass wir für alle Essen haben, in Einklang mit der Natur und in Frieden mit andere Völkern leben können. Ich finde, das würde für die Friedensstadt Augsburg, sehr gut passen.

Wie wohl fühlst du dich in Augsburg?
Ich liebe Augsburg und schätze es besonders, dass es für seine Größe und Einwohnerzahl, eine sehr ruhige und harmonische Stadt ist.

Was ist dein Lieblingsort in Augsburg?
Für mich ist der Schaezler-Brunnen im Siebentischwald der magischste Ort in Augsburg. Die Bäume sind besonders angeordnet - wie in Stonehenge. Am liebsten sitze oben auf einem Stein und blicke durch den Bogen. Schon als Kind und Jugendlicher bin ich vom Hochfeld aus immer hierher gekommen.

Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdest du gern mal etwas trinken gehen?
Mit der Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva. Sie ist sehr bewusst, kennt sich sehr gut aus und steht immer in der ersten Reihe bei Demonstrationen für Frauenrechte und dem Erhalt der Natur mit 100 % Biolebensmitteln. Dafür wurde sie schon mehrfach ausgezeichnet. Mir gefällt ihre positive Einstellung. Sie zeigt, dass wir etwas tun können, um die Welt einen besseren Ort zu machen. Das gibt Mut!

Münir Kusanc, Moms Table, Augsburg, vegan, Restaurant, Maxxstraße, Foto: Sylvia Schaab
Münir Kusanc, Moms Table, Augsburg, vegan, Restaurant, Maxxstraße, Foto: Sylvia Schaab

Über die Autorin

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab ist in Nürnberg geboren, hat in Erlangen und Keele, Staffordshire studiert und lebt seit 2003 in Augsburg. Sie ist Journalistin und schreibt Texte für Unternehmen, coacht Autoren und gibt Schreibkurse. Gemeinsam mit ihrem Ehemann managt sie ihre Agentur, einen Haushalt mit 3 Kindern und will die Welt ein bisschen besser machen. Als sie ins eigene Haus gezogen ist, wurde ihr bewusst, wie viel Müll sie als fünfköpfige Familie produzierten und so machte sie sich Anfang 2015 ans Werk, den (Plastik-)Müll zu reduzieren. Wie sie das macht, schreibt sie in ihrem Blog www.gruenerwirdsnimmer.de. Darüber hinaus erzählt sie Verbrauchern, Organisationen und Unternehmen, wie sie selbst weniger Plastik verbrauchen können. Dafür gibt es sogar ein Zertifikat.

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