Wie wertvoll ist der Augsburger Zukunftspreis?

Lokalen Agenda 21: "Die Jury zur Auszeichnung nachhaltigen Engagements muss glaubwürdig sein."

Es für kein:en Beteiligt:en eine Ehrung, wenn jemand, der den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, einen Preis an diejenigen vergibt, die ihn aufhalten möchten." Akteure der Lokalen Agenda 21 der Stadt Augsburg.

Die Vertreter:innen verschiedener Foren der Lokalen Agenda 21 fordern den Augsburger Stadtrat im April 2021 auf, bei der Auswahl der Jurymitglieder und Laudator:innen darauf zu achten, dass diese selbst hinter den Zukunftsleitlinien stehen, damit der Zukunftspreis wertvoll bleibt. Schließlich ist es für kein:en Beteiligt:en eine Ehrung, wenn jemand, der den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, einen Preis an diejenigen vergibt, die ihn aufhalten möchten.

Seit 2006 ruft die Stadt Augsburg jedes Frühjahr engagierte Bürger:innen, Einrichtungen und Unternehmen dazu auf, Projekte für den Zukunftspreis einzureichen, die in ökologischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht zukunftsweisend sind. Ausgewählt und geehrt werden die Gewinner:innen von Angehörigen jeder im Stadtrat vertretenen Fraktion bzw. Ausschussgemeinschaft sowie Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats.

 

Zukunftspreis-Verleihung 2020: Affront für die Gewinner:innen und Beschädigung des gesamten Preises

Bisher erfolgte die Besetzung der Jury, ohne die Einstellung der Juror:innen zu den Zukunftsleitlinien zu beachten. Jede Fraktion konnte ein:en Vertreter:in entsenden, ohne mögliche Widersprüche zu hinterfragen. Die in den Foren der Lokalen Agenda 21 engagierten Verfechter:innen des sozio-ökologischen Wandels empfinden die Mitwirkung und Auszeichnung durch ein:en Vertreter:in einer Partei, die fundamental andere Ziele verfolgt – wie das beim Zukunftspreis 2020 geschehen ist – als unzumutbaren Affront für die Gewinner:innen und eine Beschädigung für den gesamten Preis.

Der Preis soll zukunftsfähiges Handeln ehren. Was Zukunftsfähigkeit bedeutet, hat Augsburg in den Zukunftsleitlinien niedergeschrieben. Dazu zählen unter anderem Klima schützen, allen die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen, soziales und ökologisches Wirtschaften fördern sowie Vielfalt leben. Unvereinbar mit einer Tätigkeit als Juror:in ist es, die menschliche Verantwortung für den Klimawandel und seine Konsequenzen abzulehnen oder sich für Diskriminierung und Ausgrenzung einzusetzen.  

 

Der Zukunftspreis soll respektvoll behandelt werden

Daher fordern die bürgerschaftlich engagierten Akteure der Lokalen Agenda 21 die demokratischen Kräfte im Stadtrat auf, künftig dafür zu sorgen, dass der Zukunftspreis mit Respekt und Integrität behandelt wird. Für die kommenden Zukunftspreisvergaben soll darauf geachtet werden, dass die Tätigkeit in der Jury mit der Anerkennung wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesellschaftlicher Realitäten des 21. Jahrhunderts und der sich daraus ableitenden Herausforderungen einhergeht. „Wer also den menschengemachten Klimawandel öffentlich leugnet, sollte nicht diejenigen ehren dürfen, die ihn aufhalten möchten“, so die Akteure der Lokalen  Agenda.

 

Berufungspraxis für die Besetzung der Jury ändern

Die Berufungspraxis für die Mitglieder der Jury soll dahingehend geändert werden, dass die Jury aus der gleichen Anzahl von Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats und des Stadtrats zusammengestellt wird, bei der jedoch nicht alle Fraktionen vertreten sein müssen. Alle Jurymitglieder müssen sich explizit zu den Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg bekennen. Diese Leitlinien sind die Basis für den Zukunftspreis.
Auch wenn die Agendaforen keinen Einfluss auf die Wahl der Zukunftspreisträger:innen haben, sind sie jedoch Teil des Prozesses. Viele Foren haben in den vergangenen Jahren selbst den Zukunftspreis erhalten und freuen sich zurecht über die Auszeichnung für ihr Engagement und die Wertschätzung für ihre Tätigkeiten.
Daher sehen die Verterer:innen der Foren es als dringend notwendig an, dass auch in der Jury Menschen sitzen, die uneingeschränkt hinter den demokratischen Werten unserer Gesellschaft stehen. Der Zukunftspreis muss wertvoll bleiben. Die Gewinner:innen des Zukunftspreises haben es verdient, in ihren Bestrebungen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Augsburg aufrichtig und ehrlich geehrt und wertgeschätzt zu werden.

Die Stellungnahme, mit der Bitte entsprechend den Forderungen zu handeln, die an die Fraktionen des Augsburger Stadtrats geschickt wurde, findet ihr hier.

 

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cm/pm

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Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

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