Windelfrei die Wale retten

Johannes Kessler aus Meitingen will etwas zum Umweltschutz beitragen – und seine 19 Monate alte Tochter macht mit. 

Just in dem Moment, in dem mir meine Frau eröffnete „Wir müssen die Blauwale retten!“, wurde sie von einem Anruf unterbrochen. Nachts darauf träumte ich dann davon, wie ich gestrandeten Walen zurück ins Meer half. Am nächsten Tag wollte ich es dann genauer wissen: Wann und wo wollte meine Frau Wale retten? Sie plante nicht etwa eine Reise ans Meer. Vielmehr wollte sie Meerestiere von hier aus retten. Die Lösung liegt nämlich in unseren Händen. Wenn wir unserem Nachwuchs zeigen, dass die Welt ein wunderbarer Ort ist, werden unsere Kinder alles dafür tun, um sie zu schützen. 

Diese Inspiration und der Aufruf zum Waleretten stammt aus „artgerecht – Das andere Baby-Buch“ von Nicola Schmidt. Die Wissenschaftsjournalistin hat das Projekt „artgerecht“ entwickelt. Es steht auch für naturnahe Erziehung, selbstbestimmte Geburt, stillen und windelfrei. Da wir unser Geflügel möglichst artgerecht halten, lag es nahe, unseren menschlichen Nachwuchs auch artgerecht aufwachsen zu lassen und ihm vorzuleben, wie man seinen ökologischen Fußabdruck verkleinern kann.

Nun ist es so, dass Wale nicht warten können, bis unsere 19 Monate junge Pupsnase größer ist und an Wal-Rettungsaktionen oder ähnlichem teilnehmen kann. Deshalb beschloss ich, unverzüglich zum Umweltschutz einen Beitrag zu leisten. So verbanden wir artgerechte Erziehung mit müllfreier leben und starteten wir das Projekt „Windelfrei“ mit unserer Tochter Madeleine. Denn weniger Windeln bedeutet weniger Müll und damit weniger Belastung für die Meere.

Die Signale des Babys richtig deuten

Der Trick beim Windelfrei besteht darin zu lernen, die Signale des Babys richtig zu deuten. Wenn wir von Anfang an die Bedürfnisse unserer Babys verstehen lernen und auf sie eingehen, sie bei uns tragen und ihnen viel Nähe geben, dann schreien sie weniger und entwickeln sie sich schneller. Das kostet zwar am Anfang viel Zeit, zahlt sich aber in der Kleinkindphase aus: Die Kinder sind schneller sauber, schneller mobil und einfach sozialer. 

Bei einem windelfreien Baby muss man also lernen die Signale zu deuten. Dabei ist es anfangs ratsam, in Standardsituationen das Töpfchen anzubieten: also nach dem Schlafen und nach dem Essen. Mal klappt es gut, mal weniger. Madeleine hat meist eine Windel als Schutz an, bleibt aber oft nachts und den halben Tag trocken. Damit spart man zum einen Windeln, zum anderen ist es angenehmer, nur das Töpfchen leeren und auswaschen zu müssen. 

Nach neun Monaten dachten wir, sie sei „stubenrein“. Doch sie hat gerade eine Phase, in der sie einfach von so vielen Dingen abgelenkt wird, dass sie auch mal vergisst, sich rechtzeitig bemerkbar zu machen. Dann kommt von ihr ein „Oh“ und sie zeigt auf ihre volle Windel. Windelfrei ist eben nicht mit einem konsequenten und strengen Töpfchentraining zu verwechseln. Ein Babyleben komplett ohne Windel wäre für uns nicht praktikabel, aber eine Mischung aus Windelfrei, Stoff- und Wegwerfwindeln ist die passende Lösung. Meine kleine Familie kann  vielleicht nicht alle Meerestiere vor dem Plastikmüll retten, aber wir können durch Müllvermeidung unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern. (Anmerkung meiner Frau: Vielleicht retten wir ja doch dadurch zumindest 1 Blauwal).
 

Diese Kolumne ist Teil der Serie "Einfach machen", die im Augsburger Landboten erscheint.

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