„Kein Kleidungsstück bleibt zurück!"

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei eröffnen im April 2018 das SUSLET, das erste nachhaltige Outlet

2014 Jahren gründeten Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei das faire Öko-Label „Degree Clothing“. Seitdem arbeiten sie so effizient zusammen wie ein „Schweizer Taschenmesser“. 2018 eröffnen sie das weltweit erste „eco-fashion Outlet“ der Welt: „SUSLET- Sustainable Outlet“ im Pop-up-Store in Augsburg. Wir sind gespannt, was sie 2022 machen… Jetzt aber erst einmal zu ihrem neuesten Projekt: SUSLET eröffnet am 5. April 2018 in der Barfüßer Straße 10. Annabell Hummel sprach mit Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei, deren Credo lautet: „Kein Kleidungsstück bleibt zurück!“

Annabell Hummel: Ihr eröffnet im Pop-Up-Store „Räumchen wechsel dich“ das deutschlandweit erste eco-fashion-Outlet. Wie kam es dazu?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei:

Überproduktion geschieht auch in der nachhaltigen Bekleidungsbranche – bloß meist nicht mit Absicht und deutlich geringer. Sollen diese Produkte monatelang durch das Lager wandern und bei der nächsten Inventur entsorgt werden?

Aus dem Kontakt zu anderen Marken und dem Feedback unserer Kunden entstand die Frage, was mit den Mustern, Ausstellungsstücken und der überproduzierten Ware passiert.  Wir lösen dieses Problem und bieten im „#SUSLET – Sustainable Outlet“ geprüft nachhaltige Produkte zu Outletpreisen.

 

Was genau bietet Ihr in Eurem Outlet an?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Der Schwerpunkt liegt auf Bekleidung für Frauen, Männer und Kinder. Verkauft werden stark reduzierte Musterartikel, Restposten und B-Ware sowie Taschen, Accessoires  und Bio-Kosmetika. Dabei sind unter anderem Marken wie PETA, Greentee, VATTER, Feuervogl, Recyclist Workshop, Life Tree, MNZE, pöig, Degree Clothing... Ergänzt wird das Sortiment durch Pflegeprodukte.

Die #SUSLET-Zielgruppe interessiert sich für einen nachhaltigen Lifestyle und kann diesen, dank Rabatten bis zu minus 50%, auch für Familie und Freunde ermöglichen.

Wir bieten bei #SUSLET ausschließlich nachhaltig und fair produzierte Ware von ausgewählten Partnern an.

 

Nach welchen Standards wird die Ware produziert? Was ist anders als bei konventioneller Ware?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Die angebotenen Produkte der Partnerfirmen müssen unseren Standards in unserem Produkt Codex entsprechen. Hierbei setzt #SUSLET auf Transparenz (Lieferketten, persönliche Treffen mit den Produktplanern, Markenbotschaftern) sowie Zertifikate wie dem „GOTS“, „IVN Best“, PETA…

 

Ihr kündigt Rabatte von bis zu 50 Prozent an. Wie ist eine solche Preisreduzierung bei fair gehandelter bzw. biologischer Ware möglich?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Auch bei Produkten im fairen & nachhaltigen Sektor werden Gewinnmargen in die Verkaufspreise einkalkuliert. Dank unseren direkten Kontakten zu den Partnermarken und einer neuartigen Marketing- & Logistikstrategie können wir bis zu 50 Prozent Rabatt realisieren.

 

Passt „Outlet“ und „Fair“ überhaupt zusammen?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Ja, da im #SUSLET „Sustainable Outlet“ Produkte, die durch kreative & handwerkliche Arbeit entstanden sind, wieder einen Wert bekommen und damit für soziale Anerkennung sorgen. Es handelt sich um Musterartikel, Produkte mit minimalen Fehlern und Restposten aus alten Kollektionen.

 

Wir wissen verstandesmäßig, dass konventionelle Ware häufig unter unhaltbaren Bedingungen produziert werden und zusätzlich auch noch mit giftigen Substanzen behandelt sind. Warum glaubt Ihr, greifen die meisten dennoch überwiegend zur Billigware?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Leider wird ein Großteil der konventionellen Ware unter diesen Bedingungen hergestellt. Alle Menschen dürfen im Alltag Probleme unterschiedlichster Herkunft bewältigen. Hierbei bekommen die Missstände anderer Menschen z.B. bei der Textilproduktion in Billiglohnländern oft kaum Gehör. Sie sind ja meist auch geografisch weit entfernt.

Firmen in der konventionellen Branche geben bis zu 50-60% ihres Budgets für manipulative Dauerbeschallung, also Werbung aus, um das Defizit an den eigentlichen Produkten auszugleichen.

Damit beeinflussen sie die mächtigste Entscheidungsgruppe, die Endverbraucher. Zusammengefasst gibt es drei Hauptgründe, welche sich gegenseitig bedingen oder ergänzen: 1. persönliche oder andere Probleme, 2. Marketing, 3. Kaufrausch als Lifestyle.

Firmen in der konventionellen Branche geben bis zu 50-60% ihres Budgets für manipulative Dauerbeschallung, also Werbung aus, um das Defizit an den eigentlichen Produkten auszugleichen.

Was glaubt Ihr, muss passieren, damit nachhaltige Textilien mehr zu einem Standard werden?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei:

Es werden mehr „starke Marken“ benötigt, die auch ohne das Argument „fair und nachhaltig“ marktfähig sind.

Am besten wäre ein Übertreffen der konventionellen Marken in den Bereichen Qualität und Marketing. Um sich diesem Ziel zu nähern werden die #SUSLET-Filialen auch optisch ein Highlight…

 

Wieso startet das Outlet ausgerechnet in einem Pop-up-Store?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Bei uns dreht sich alles um sinnvolle Ressourcen-Nutzung und zukunftsfähiges Handeln. Deshalb liegt es nahe sich für den ersten #SUSLET-Testshop einen Pop-Up-Store zu mieten um ein erstes Feedback zu erhalten.

Welche Wünsche verknüpft Ihr mit Ihrem Pop-up Outlet und welches Geschäftsmodell schwebt Euch für die Zukunft vor?  
Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Ein erstes Feedback für unser komplett neuartiges Outlet-System #SUSLET zu bekommen. Nach einer erfolgreichen Pop-Up-Zeit werden wir direkt in eine feste Immobilie umziehen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, werden wir #SUSLET-Filialen in weiteren Städten eröffnen.

 

Ihr habt mit degree ein eigenes Label mit Laden. Jetzt kommt noch ein Outlet-Store hinzu. Wie handhabt Ihr das mit der vielbeworbenen „work-life-balance“?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Wir haben sogar noch eine Agentur für nachhaltige Textilien „made in EU/ Augsburg“ (beide lachen).
Um eine möglichst große nachhaltige und kreative Auswirkung auf die Welt zu erreichen, arbeiten wir 24/7 mit unserem sehr fähigen Team an „Degree Clothing“, „TextilAgentur EU“, „#SUSLET-Sustainable Outlet“.
„degree-balance“ – A better tommorrow. Es gibt aber keinen Grund zur Sorge, wir gehen abends brav nach Hause und fahren auch regelmäßig in den Urlaub.

 

Ist Augsburg nicht für seine kritische Kaufkultur bekannt? Wie ist es, Gründer in Augsburg zu sein?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Kritische Kunden? (beide grinsen).

Dank diesem „Augsburg-Spirit“ sind wir auf den internationalen Markt perfekt vorbereitet.

Gute Produkte oder Konzepte werden durch loyale Kunden belohnt. Natürlich gibt es wie in jeder Stadt noch Optimierungsmöglichkeiten für die Startup-Szene. Wir lieben Augsburg und sind gerne Gründer in dieser Stadt.

 

Was ist eigentlich die vegane Suslet-Pille?

Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei: Die gibt es im SUSLET an der Kasse. Sie besteht aus wasserlöslicher Glucose, gefüllt mit Erde und Blumensamen. Die SUSLET-Pille wird in Manufaktur in Augsburg hergestellt. Man kann sie zu Hause in einem Blumentopf anpflanzen oder einfach zur Stadtverschönerung in vorgesehene Bereiche werfen. Die besonders pollenreichen Blumen, die aus der SUSLET-Pille wachsen, kommen vor allem unseren Bienen zugute. SUSLET freut sich auf eine blütenreiche Ernte und eine nachhaltige Zukunft.

Steckbrief:

Name: Wolfgang Schimpfle



Alter: 28
Ausbildung/Beruf: BA Engineer
Selbstständig seit: 2015
Lebt in: Augsburg
Trägt am liebsten: Ice Girls Allover Shirt
Kernkompetenzen: Finanzen und Schnitt
Findet Augsburg: Super nice

Name: Fabian Frei


Alter: 29
Ausbildung/Beruf: BA Engineer
Selbstständig seit: 2015
Lebt in: Augsburg
Trägt am liebsten: den weltweit ersten fairen Haargummi „made in Ausgburg“ by Degree Clothing
Kernkompetenzen: Design und Kontakt
Findet Augsburg: Sehr gelungen

 

Fabian Frei,Wolfgang Schimpfle, suslet, sustainable Outlet, Augsburg, degree, Foto: degree clothing
Wolfgang Schimpfle, Fabian Frei, suslet, sustainable Outlet, Augsburg, degree, Foto: degree clothing

Über die Autorin

Annabell Hummel

Annabell Hummel studierte Geografie in Mainz und lebt seit 2008 in Augsburg. Sie arbeitet als Regionalmanagerin bei der Regio Augsburg Wirtschaft GmbH. Hier hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen von den Vorteilen nachhaltigen Wirtschaftens zu überzeugen. Da dies am besten mit Inspiration gelingt, ist der Lifeguide nicht nur ihr Herzensprojekt sondern auch ein gutes Kommunikationsmittel. Ihre Artikel erscheinen auch im Ahochdrei Magazin.

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