„Wir sind ein Schweizer Taschenmesser“

16 Fragen an Degree Clothing

Der eine kommt vom Bauernhof und ist mit vielen Geschwistern aufgewachsen, der andere ist ein Einzelkind aus der Stadt. Beide haben Umwelt-und Verfahrenstechnik studiert. Beide surfen gern und haben sich gegen eine Karriere in ihrem Beruf entschieden: 2014 Jahren gründeten Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei das faire Öko-Label „Degree Clothing“. Seitdem arbeiten sie so effizient zusammen wie ein „Schweizer Taschenmesser“.  

Sie setzen auf selbst entworfene,  „kompromisslos“ ökologische Streetwear. Das heißt, ihre T-Shirts, Sweatshirts, Caps und Mützen werden nach dem strengen "Global Organic Textile Standard" (G.O.T.S.) hergestellt. Die ökologisch angebaute Baumwolle kommt aus der Türkei, verarbeitet und produziert wird in einem Familienunternehmen in Portugal,  das die beiden persönlich ausgesucht haben und das alle Sozialstandards erfüllt. Die Degree-Mützen werden im Augsburger Textilmuseum gestrickt. Ganz neu in ihrer Kollektion ist die Vinyl-Cap mit einem Schirm, der aus alten Vinyl-Schallplatten gestanzt  wird – darauf haben die beiden ein EU-Patent angemeldet.

Wer Wolfi und Fabian in ihrem Laden am Oberen Graben besucht, bekommt folgende Eindrücke: Die beiden lachen gefühlt alle 30 Sekunden. Herzhaft. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählen sind sie enthusiastisch, konzentriert, ideenreich und voll bei der Sache. In ihrem Laden ist ein ständiges Kommen und Gehen. Menschen trinken hier Kaffee, schreiben am Arbeits-, Ess-, und Werkstatt-Tisch ihre Seminararbeit, ratschen, ruhen kurz aus oder helfen mal eben bei der Arbeit. Kein Wunder, das hier der Lieblingsplatz der beiden Degree-Jungs ist.

 

Name: Wolfgang Schimpfle  und Fabian Frei

Alter: 26

Beruf: Umwelt- und Verfahrenstechniker

Geboren in: Augsburg

Leben in: Augsburg

Lieblingsplatz: Degree-Laden oder zu Hause im Sessel. Ansonsten: „Onkel Werner“ oder die „Sackpfeife“

 

Welches Kleidungsstück habt Ihr verabscheut, als Ihr Kinder wart?

Fabi: Ich verabscheute lange Hosen, auch deshalb, weil die Hosen immer zu kurz waren, weil ich immer so schnell gewachsen bin, ehrlich! (Fabian ist 2,12 Meter groß und hat Schuhgröße 52)

Wolfi: Polo-T-Shirts

 

Was ist Eure geheime Superkraft?

Fabi: Dass wir gemeinsam ein Schweizer Taschenmesser sind. Wir decken im Endeffekt alles ab: Wir können Websites selber machen, wir können Schnitte selber machen, wir machen mit Stofffarben alles selber, wir sind finanztechnisch gut aufgestellt.

Wolfi: Wir können alle Aspekte selbst bedienen. Zu zweit können wir die ganze Firma schaffen. Alles, was dazu kommt, zum Beispiel Praktikanten, die uns helfen, das ist gut. Aber unsere Philosophie ist: Wir können alles mit der Degree Familie schaffen.

 

Ihr seid Bürgermeister von Augsburg – Doppelspitze - was würdet Ihr ändern?

Fabi: Wir arbeiten ziemlich schwabenmäßig – ohne knauserig zu sein. Wir schauen halt, dass in unserer Firma überhaupt keine unnötigen Kosten entstehen. Also das erste, was ich machen würde, wäre Effizienz ohne Ende. 

Wolfi: Ich würde noch mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. Zum Beispiel alle städtischen Fahrzeuge auswechseln und auf E-Mobilität umsteigen. 

Fabi und Wolfi: Wir würden ein Haus für Start-Ups einrichten: Wir kennen das von anderen Städten. Da gibt es ganze Gründerhäuser, die von der Stadt verbilligte Mieten bekommen, wo sich Initiativen von der Hochschule finden, sich junge Unternehmer niederlassen oder Start-ups beraten werden. Ein Haus, wo richtig was läuft, wo Leute sagen: Ich habe jetzt Bock, was zu machen und wo sie das dann auch verwirklichen können. Wo jeder sein Zimmer anmalen kann, wie er will und er nicht erst den Hausmeister vom Business-Park fragen muss.

 

Was bedeutet nachhaltig leben für Euch?

Wolfi: Das ist ein allübergreifender Begriff, das fängt bei der Ernährung an, wir ernähren uns vegetarisch. Und dann schauen wir, dass wir möglichst regionale Produkte verwenden. Mein Bruder ist Landwirt, da beziehen wir zum Beispiel Kartoffeln und Erdbeeren, da haben wir mittlerweile einen richtigen Verteilerkreis aufgebaut.

Fabi: Die sind ein bisschen dreckig, die Kartoffeln. (Lachen) Bisschen wie bei meiner Oma, die hat sie aber vorher immer gewaschen.

 

Was kocht Ihr, wenn Ihr Besuch bekommt?

Wolfi: Couscous und Bulgur Salat, das machen wir hauptsächlich, auch hier im Laden. Und zum Grillen Veggie Päckchen, das ist aus Haferflocken, Ei, Gewürzen, wie so ein kleines Veggie-Küchle.

 

Eine Begegnung, die Ihr nie vergesst: (Sehr langes Grübeln) 

Fabi und Wolfi gleichzeitig: Dass wir uns getroffen haben und lieben gelernt haben, zwei Heten in Augsburg. (Turbulenzen und anhaltendes Gelächter)

 

Was treibt Euch an:

Fabi: Wir haben zwei Märkte, die wir bedienen dürfen: Einmal dieser ganze Nachhaltigkeitsmarkt, oder klischeehaft Ökomarkt. Das andere ist der Lifestyle Markt, wo es eben hauptsächlich um die Marke, das Branding und solche Sachen geht. Und da ist unser Antrieb, dass in diesen Markt auch nachhaltige Produkte reinkommen.

Wolfi: Wir wollen im Lifestyle Bereich mit absolut sinnvollen und nachhaltigen Produkten punkten.

Fabian: Deswegen sind wir auch in konventionellen Läden, da kaufen die Kunden, weil sie es gut finden, weil sie es schön finden und kriegen unsere Standards teilweise gar nicht mit. Aber für uns ist es wichtig, noch zusätzlich den Nachhaltigkeitsgedanken zu bedienen und zwar so, dass wir konkurrieren können. Das ist ja oft das Problem von diesen Öko-Labels, dass sie auf dem allgemeinen Markt margenmäßig oder vom Design her oder lifestyle-mäßig immer Probleme haben zu konkurrieren. Da ist es wichtig, sich gut aufzustellen.

 

Was sollte jeder in seinem Leben einmal getan haben?

Fabi (wie aus der Pistole geschossen): Ein Unternehmen gründen

 

Mit welcher bekannten Persönlichkeit würdet Ihr gern einmal einen Kaffee oder ein Bier trinken gehen?

Fabi (wie aus der Pistole geschossen): Arnold Schwarzenegger. Sorry, ganz klar. Es gibt ganz wenige Personen, die mir einfallen. Erst kommt natürlich Elon Musk (Gründer von Tesla).

Wolfi: Elon Musk.

Fabian: Die neuen Modelle vom kleinen Tesla sind toll, da schaffen die Akkus schon 1.000 km – da kann keiner mehr sagen, das geht nicht.

 

Was wäre, wenn Bayern ein Meer hätte?

Dann wäre Bayern perfekt ... dann müssten wir nicht mehr weg, zum Surfen.

 

Was muss ein T-Shirt haben, um ein Degree-Shirt zu werden?

Fabian: Es muss uns gefallen. Und die ökologische Herstellung ist die Basis. Da verstehen wir keinen Spaß.  (Lachen)  

 

Euer Label Degree ist „eco, fair, endless“. Warum endless?

Wolfi: Es gibt keine Grenzen…

Fabi: Die Idee ist: Wir wollen halt das größte Green-Label Europas oder der Welt werden und das sagen wir in jedem Interview, deshalb lieben und hassen uns die Reporter. (Gelächter) Das heißt aber auch: Wir arbeiten zurzeit 11, 12,13 14 Stunden am Tag … es hört nie auf, man kann den ganzen Abend weitermachen.

Wolfi: Wir haben ja mittlerweile eine Mittagspause eingeführt… na ja, die hat eigentlich ein Praktikant eingeführt.

 

Was soll die Welt über Eure T-Shirts und Caps wissen: 

Fabi: Dass sie mit Liebe gemacht sind.

Wolfi: Und dass wir trotzdem keine Einhörner auf T-Shirts drucken, obwohl Fabian´s Freundin das gern hätte.

 

Welche Frage hätten wir Euch stellen sollen:

Hätten wir gern staatliche Unterstützung? (schallendes Gelächter) Wir haben in den Innenstädten einen Leerstand, der unnötig ist.  Wir wünschen uns eine sinnvolle Immobilienbörse, die junge Unternehmer unterstützt. Dass sie zum Beispiel durch angemessene Mieten gefördert werden – dann gibt es keinen Leerstand in der Innenstadt und es kommt nicht die nächste Ladenkette dort hinein.

 

Interview: Cynthia Matuszewski

 

Degree Clothing in Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski
T-Shirt von degree-clothing Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski
Vinyl-Cap - patentiert von degree Clothing Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski
Degree-clothing Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski
Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei  (von links)von Degree Clothing in Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski
Wolfgang Schimpfle und Fabian Frei  (von links)von Degree Clothing in Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist freiberufliche Journalistin und Fotografin. Sie arbeitet als PR-Referentin für Klient*innen aus Politik, Wirtschaft und Soziales, sowie verschiedene NGOs. Seit 2013 ist sie Redakteurin des Lifeguides Augsburg und seit 2016 Vorstand des Vereins Lifeguide Augsburg e.V.. Mit ihrer Begeisterung für Interviews und Regionaljournalismus schreibt sie u.a. für Chrismon, Augsburger Allgemeine Zeitung, Kindergarten heute, Evangelisches Sonntagsblatt, London Female Film Festival. Stationen: Kindheit in Köln. Ausbildung und Arbeit als Fotografin in Berlin. Studium der Publizistik an der Freien Universität Berlin. Hörfunk- und Printjournalistin u.a. für SFB, WDR, Deutsche Welle, WAZ.

Kommentare

Gast

I can't beevile I've been going for years without knowing that.

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