Gemeinwohl-Ökonomie

Ziel: Die Wirtschaft soll dem Gemeinwohl dienen - und nicht der Geldvermehrung um ihrer selbst willen

In Augsburg wurden 2020 insgesamt 13 Unternehmen gemeinwohlzertifiziert. Hier wird erklärt, was Gemeinwohl-Ökonomie ist. Im Lifeguide-Schwerpunkt zum Jahreswechsel 2020/2021 kommen außerdem der Gründer der Gemeinwohl-Ökonomie, Christian Felber, die Verlegerin Uta Börger, die Journalistin Angelina Blon, die Geschäftsführerin Rica Friedl und der Wirtschaftsingenieurwissenschaftler Michael Schnitzlein zu Wort.

Die Vision

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) strebt einen Wandel des aktuellen Wirtschaftssystems an, mit dem Ziel ein gutes Leben für alle zu ermöglichen. Die Wirtschaft soll dem Gemeinwohl und nicht der Geldvermehrung um ihrer selbst willen dienen. Ungleichheiten bei Einkommen, Vermögen und Macht halten sich dabei in maßvollen Grenzen. Der Umweltverbrauch bleibt innerhalb der Regenerationsfähigkeit natürlicher Ökosysteme und der planetaren Grenzen. Gegenwärtige und zukünftige Generationen genießen gleiche Lebenschancen. Dabei setzt die GWÖ nicht nur auf Unternehmen, Politik, Bildungseinrichtungen oder Privatpersonen, sondern spricht alle Anspruchsgruppen in gleichem Maße an.


Die Gemeinwohl-Bilanz - Erreichung globaler und lokaler Ziele

Nach aktuellem Stand sollen die Ministerien in Deutschland eigene Wege zur Erreichung der Umweltschutz-Ziele 2030 finden. Die Gemeinwohl-Bilanz bietet dafür ein Mittel um anschaulich und transparent den aktuellen Stand des regionalen Engagements zu zeigen und weiteren Handlungsbedarf aufzudecken. Die Bilanz wird durch einen breiten Fragenkatalog erstellt. Basis hierfür sind die 20 Gemeinwohl-Themen der Gemeinwohl-Matrix, welche die Werte Menschenwürde, Solidarität & Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit sowie Mitbestimmung & Transparenz den 5 Berührungsgruppen einer Körperschaft (Unternehmen, Gemeinden, Bildungseinrichtungen etc.) gegenüberstellt.


 
Auf Grundlage der Matrix kann ein Unternehmen oder sogar eine ganze Gemeinde einen Gemeinwohl-Bericht (ähnlich dem Jahresabschlussbericht) erstellen und eine Gemeinwohl-Punktzahl ermitteln. Die Punktzahl kann zwischen -3.600 und 1.000 liegen, wobei 0 Punkte dem gesetzlich vorgegebenen Standard entsprechen. Die aus dem Bericht resultierende Bilanz wird den EU (und nationalen) – Normen zur CSR-Berichterstattung für Unternehmen gerecht, unterliegt einer externen Prüfung und sorgt auf einen Blick für Transparenz über die gesamte unternehmerische Tätigkeit.


Veränderung leben

Die klaren Fragestellungen zur Berichterstattung werden von Unternehmen als sehr angenehm empfunden und führen zu spürbaren Veränderungen im eigenen Betrieb.
Gesellschaftliche Unterstützung erfahren Gemeinwohl-Unternehmen zunächst am Markt durch Verbraucher*innen, Kooperationspartner*innen und gemeinwohlorientierte Geldgeber*innen.
Sie sollen langfristig aber auch durch politische Mittel (bspw. Vorrang im öffentlichen Einkauf, Steuervorteile, Kreditvergaben o.ä.) subventioniert werden.


Die GWÖ vor Ort

Durch ein wachsendes Netzwerk an Unternehmen, Politiker*innen und Privatpersonen entstehen Synergie-Effekte, da die GWÖ im Gegensatz zum derzeitigen Wirtschaftssystem auf Kooperation statt auf Konkurrenz basiert. Knapp 2000 Unternehmen unterstützen die bereits in der bayerischen Verfassung verankerte Gemeinwohl-Ökonomie:
„Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle und der allmählichen Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten.“ - Art. 151 Abs. 1

 

Regionalgruppe Augsburg

In Augsburg konnte die Regionalgruppe Augsburg die ersten knapp 20 Unternehmen auf dem Weg zu einer Gemeinwohl-Bilanz begleiten. Die Regionalgruppe trägt in allen gesellschaftlichen Bereichen zu einer Kultur des guten Lebens in einer friedlichen und nachhaltigen Zivilisation bei. Das Zusammenleben in der Gemeinwohl-Gesellschaft ist geprägt durch ein menschliches Miteinander, ein hohes Maß an Vertrauen und Wertschätzung, starken sozialen Zusammenhalt, überschaubare Strukturen und gesicherte Grundrechte.

Hier geht es zu Gemeinwohl-Ökonomie, Regionalgruppe Augsburg Kontakt: augsburg [at] list.ecogood.org

 

In der Region Augsburg sind folgende Unternehmen gemeinwohlzertifiziert:

 

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Ein spannendes Interview mit Michael Schnitzlein zum Thema Gemeinwohlökonomie findet ihr auch auf der Website Aufgeklärtes Herz

Logo Gemeinwohlökonomie Augsburg
GWÖ, AFA, Augsburg, Foto: Michael Schnitzlein

Über den Autor

Michael Schnitzlein

Michael Schnitzlein hat an der Universität Augsburg Wirtschaftsingenieurswesen studiert und seine Bachelorarbeit zum Thema Gemeinwohlökonomie geschrieben. Seit Februar 2020 ist er stellvertretender Geschäftsführer der Best Economy gGmbH. Hier organisiert er das BEST ECONOMY forum, welches die nachhaltige Alternative zum Weltwirtschaftsforum darstellt. Ehrenamtlich engagiert sich Michael Schnitzlein für das Forum Plastikfreies Augsburg und die Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie in Augsburg. Außerdem ist er begeisterter Koch und Angler. Michael ist in Augsburg geboren und wohnt bis heute hier.

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