Grüne Geldanlagen

„Greenwashing“ oder zukunftweisend? Interview mit Dr. Eduard Belotti

Der Finanzvermittler Dr. Eduard Belotti nimmt nur streng geprüfte Anlagen in sein Angebot auf. Sein Credo: Ziel nachhaltiger Geldanlagen ist es, Menschen dabei zu helfen, Vermögen anzulegen oder sich finanzielle Sicherheit im Alter aufzubauen, ohne damit Umwelt, Klima, Gesundheit, Sozialsysteme und den Weltfrieden zu gefährden. Wichtig sind dabei einige grundlegende Entscheidungen und ein sehr kritischer Blick auf die Details.

Sylvia Schaab: Herr Belotti, bringt eine nachhaltige Geldanlage überhaupt Rendite?
Eduard Belotti: Bei der Geldanlage sind Chancen auf höhere Renditen grundsätzlich mit einem höheren Risiko verbunden. Das ist bei nachhaltigen Investitionen nicht anders. Daher sollte sich jeder Anleger erst einmal darüber im Klaren sein, wie viel Risiko er vertragen kann. Risikoarm sind etwa Mikrofinanzfonds, risikoreich sind Aktienfonds oder Genussrechte.

Welche Anlageformen gibt es im Bereich Nachhaltigkeit?
Nachhaltig Geld anlegen kann man entweder in „grünen“ Investmentfonds und in Mikrokredite oder aber direkt in nachhaltige Projekte. Dazu zählen vor allem die Stromerzeugung durch Windparks, Solarparks oder die Anpflanzung von Bäumen für Bau-, Möbel- oder Brennholz. Nicht nachhaltig ist die Investition in neue Wasserkraftwerke, da diese die letzten naturnahen Flussabschnitte zerstören. Sinnvoll ist dagegen die Verbesserung bestehender Wasserkraftwerke hinsichtlich Effizienz und Ökologie.
Möglich ist auch so genanntes Contracting. Dabei können öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Krankenhäuser, aber auch Industrie- und Gewerbebetriebe oder Eigentümer von Wohngebäuden die energetische Sanierung von einem Contracting-Geber bezahlen lassen, der dann über einen längeren Zeitraum aus laufenden Einsparungen bei den Energiekosten bezahlt wird.

Bei Mikrokrediten kann man sich sicher sein, dass man Menschen direkt hilft, ihr Leben zu verbessern", Dr. Eduard Belotti

Wie kann eine Anlegerin oder ein Anleger feststellen, ob eine Geldanlage tatsächlich nachhaltig ist?
Für den Laien ist es häufig schwer bis unmöglich festzustellen, ob eine Geldanlage nachhaltig ist. Am einfachsten ist der Fall bei einer Beteiligung an konkreten Projekten wie z.B. einem Windpark oder auch bei einer Genossenschaft, die nur Photovoltaik initiiert. Bei Investmentfonds, die Wertpapiere von sehr vielen Firmen enthalten, die auch immer wieder ausgetauscht werden, ist eine komplette Beurteilung nicht möglich. Oft hilft aber schon ein Blick auf die Anlagekriterien des Fonds. Wenn diese sehr schwammig sind oder wenn sie - wie etwa viele „Klimaschutzfonds“ - Atomkraft nicht ausschließen, fällt die Entscheidung leicht. Wer tiefer einsteigt, kann in den Bestandslisten der Jahresberichte „Fremdkörper“ entdecken, wie etwa den Lebensmittelkonzern Nestlé, der relativ häufig wegen Verstößen gegen Umwelt und Menschenrechte in die Schlagzeilen gerät. Das „Greenwashing“ von Firmen, also die Bemäntelung eines ökologisch und sozial schädlichen Kerngeschäfts mit punktuellen Maßnahmen, etwa Wassersparen, ist leider auch in der Öko-Fondsbranche gängige Praxis. Hier können Fachleute helfen. Zu beachten ist auch, dass die Nachhaltigkeit nur eines von mehreren Merkmalen ist. Auch sonst muss die Geldanlage zum Anleger passen.

Wenn ein sogenannter „Klimaschutzfonds“ Atomkraft nicht ausschließt, fällt die Entscheidung gegen diesen Fond leicht", Dr. Eduard Belotti

Was kann man mit einer nachhaltigen Geldanlage bewirken?
Wer in erneuerbare Energien investiert, leistet einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Auch bei Mikrokrediten kann man sich sicher sein, dass man Menschen direkt hilft, ihr Leben zu verbessern. Die Investition in Plantagenholz hilft, die weitere Vernichtung von Regenwald zu stoppen.

Was würden Sie im Finanzwesen ändern, wenn Sie könnten?
Solange die Wirtschaft nicht insgesamt auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist, bleibt nichts Anderes übrig, als Einzel-Maßnahmen zu ergreifen. Bei mir steht ganz oben auf der Prioritätenliste das Verbot von Derivaten, also Finanzprodukten, die reine Wetten auf die Entwicklung bestimmter Kennzahlen, z.B. des Dax oder des Öl- oder Fleischpreises sind. Nur Bauern sollten die Möglichkeit haben, sich gegen den Verfall der Preise für ihre Produkte abzusichern.

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Dr. Eduard Belotti, Augsburg, Zukunftsinvestitionen, nachhaltige Geldanlage, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Sylvia Schaab

Sylvia Schaab ist in Nürnberg geboren, hat in Erlangen und Keele, Staffordshire studiert und lebt seit 2003 in Augsburg. Sie ist Journalistin und schreibt Texte für Unternehmen, coacht Autoren und gibt Schreibkurse. Gemeinsam mit ihrem Ehemann managt sie ihre Agentur, einen Haushalt mit 3 Kindern und will die Welt ein bisschen besser machen. Als sie ins eigene Haus gezogen ist, wurde ihr bewusst, wie viel Müll sie als fünfköpfige Familie produzierten und so machte sie sich Anfang 2015 ans Werk, den (Plastik-)Müll zu reduzieren. Wie sie das macht, schreibt sie in ihrem Blog www.gruenerwirdsnimmer.de. Darüber hinaus erzählt sie Verbrauchern, Organisationen und Unternehmen, wie sie selbst weniger Plastik verbrauchen können. Dafür gibt es sogar ein Zertifikat.

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