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Gärtnern geht auch torffrei

Torffrei gärtnern
Wir stellen euch praktische Tipps vor, wie ihr beim Gärtnern ganz einfach auf Torf verzichtet – und damit aktiv zum Klimaschutz beitragt. Denn torffreies Gärtnern ist einfacher als gedacht.
Kleine Pflanze im Topf, Bild von congerdesign auf Pixabay.com/de

Torf wird durch die Ablagerung nicht vollständig zersetzter Pflanzenbiomasse in Mooren gebildet. Diese Moorböden bedecken knapp drei Prozent der Landfläche der Erde und sind sehr kohlenstoffreich. Sie binden doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder auf Welt zusammen. Somit sind Moorböden die mächtigsten Kohlenstoffspeicher, die wir haben. 

Ursprünglich waren 5 Prozent Deutschlands von natürlichen Mooren bedeckt, das sind etwa 1,8 Millionen Hektar. Heute gelten davon 95 Prozent als zerstört. Das sorgt dafür, dass wichtige Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten verloren gehen. Menschliche Einflüsse wie Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur und Torfabbau sorgen dafür, dass der Flächenanteil immer weiter zurückgeht. Zudem wird beim Abbau des Rohstoffs in kurzer Zeit besonders viele CO2-Emissionen freigesetzt, was die Erderwärmung vorantreibt.

Mit dem bewussten Verzicht auf torfhaltige Erde könnt ihr somit einen wertvoller Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. 

So gelingt torffreies Gärtnern

Damit Ihr genauso viel Freude beim Gärtnern habt, geben wir euch im Folgenden ein paar Tipps an die Hand, wie eure Gewächse wunderbar gedeihen können – auch ganz ohne Torf.

Augen auf beim Erdekauf

Nur Produkte, die eindeutige Kennzeichnungen wie "torffrei" oder "ohne Torf" tragen, werden ihrem Namen auch gerecht. Von torfreduzierter oder torfarmer Erde solltest du lieber die Finger weglassen, da sie immer noch bis zu 70% Torf enthalten können. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Torffreie Erden beinhalten alternative Rohstoffe wie Grüngutkompost, Holzfasern, Rindenhumus oder Kokosprodukte.

Richtig gießen

Torffreie Erde kann Wasser weniger gut speichern, wodurch sie oberflächlich schneller austrocknet. Dadurch versickert das Wasser und sammelt sich am Boden des Pflanzgefäßes an, wodurch die Wurzeln nicht ausreichend Flüssigkeit aufnehmen können

Deshalb: 

  • Vor dem Gießen mit dem Finger oder einem Holzstab fühlen, ob Wasser benötigt wird
  • Öfter und in kleineren Mengen gießen
  • Staunässe vermeiden
  • Pflanzen von unten wässern, indem der Topf in eine Schale mit Wasser gestellt wird. So kann die Erde die Menge an Wasser aufnehmen, die sie benötigt
  • Um die optimale Feuchtigkeit der Erde zu erreichen, ist die Verwendung eines Gefäßes mit Wasserspeicher empfehlenswert

Jede Erde hat andere Vorlieben 

Die Zusammensetzung der Erde und der genutzte Dünger, haben einen direkten Einfluss aufeinander, wodurch die Düngewirkung beeinträchtigt werden kann. Daher sollten beide Komponenten aufeinander abgestimmt werden

Deshalb: 

  • Vergleiche die Zusammensetzung von Dünger und Substrat. Beispielsweise brauchen Blumenerden mit viel Holzbestand eine stickstoffbetonte Düngung während jene mit Kompost aufgrund des hohen Phosphoranteils keinen Zuschuss von diesem Nährstoff brauchen
  • Regelmäßiges düngen ist ebenfalls empfehlenswert, um lange Freude an dem Gewächs zu haben. Werfe hierzu einen Blick auf die Empfehlungen auf den Verpackungen der Erde und des Düngers

Auch die Erde möchte ein schönes Zuhause haben

Wird die torffreie Erde länger nicht genutzt, können sich Volumen, Nährstoffgehalt und pH-Wert verändern.

Deshalb: 

  • Lagere die Erde an einem trockenen, vor Sonneneinstrahlung geschützten und möglichst kühlem Ort
  • Versuche, die Erde möglichst direkt nach dem Kauf zu nutzen. So kannst du dir sicher sein, dass sie ganz frisch ist
  • Verschließe angebrochene Säcke fest, um den restlichen Inhalt zu schützen 

Regionaler Kompost lohnt sich

Statte deiner regionalen Kompostierungsanlage einen Besuch ab. Diese bietet nicht nur günstigen, sondern gleichzeitig auch gütegesicherten Grüngutkompost an. Dieser ist zwar mikrobiell aktiver als Torf und weißt übers Jahr keine konstanten Qualitäten auf, ist aber für den Einsatz im Hobbygarten völlig ausreichend. 

Nun wünschen wir dir viel Spaß beim Buddeln, Umtopfen und Gießen. Schließlich weißt du ja jetzt, wie der Umgang mit torffreier Erde reibungslos funktioniert. So schwer ist es ja gar nicht.

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Gemüse selbst anbauen auf dem Sonnenacker

Du würdest gerne selbst angebautes Gemüse essen - hast aber keinen Garten oder Ihr Garten ist zu klein? Die Lösung: Die Sonnenäcker von AUGSBURG AICHACH-FRIEDBERGER LAND, die für eine Anbausaison gepachtet werden können.

Chippenhamring
86316 Friedberg
Deutschland

Mangold, Sonnenacker, Friedberg,  Foto: Cynthia Matuszewski

Hobbygärtner bestellen Acker

Von Mitte April bis Mitte Oktober stellen die Landwirte von AUGSBURG LAND in Friedberg West und Bärenkeller fruchtbare Ackerflächen zur Verfügung, auf denen Hobbygärtner*innen und Biogemüsefans nach Lust und Laune ihr Lieblingsgemüse, frische Kräuter oder Blumen selbst anbauen können. Wichtige Bedingung: Es darf kein mineralischer Dünger und kein chemischer Pflanzenschutz verwendet werden.

Die Anmeldezeit für einen Acker endet zwar im März, aber aktuell sind noch Plätze zu vergeben. Im April bereitet der Landwirt einen sogenannten Bifanger vor, einen schmalen, erhabenen Ackerstreifen zwischen zwei Furchen. Und wenn auch schon im April und Mai das Säen begonnen hat, geht vielleicht noch das ein oder andere – oder ihr plant schon für das kommende Jahr. Auf Wunsch gibt es Tipps zum Anbau und der Verarbeitung des eigenen Gemüses. Die aktuellen Preise für die gemietet Quadratmeter findet ihr hier. 

AUGSBURG LAND gehört zum Netzwerk UNSER LAND

Das Netzwerk UNSER LAND besteht aus Solidargemeinschaften in 10 Landkreisen rund um Augsburg und München. Augsburg Aichach-Friedberger Land gehört seit 2010 zum Netzwerk UNSER LAND. Zentrale Aufgabe der Solidargemeinschaften ist die bewusstseinsbildende Arbeit mit dem Ziel, die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen in der Region zu erhalten. Durch Aktionen und Informationen sollen die Verbraucher*innen in unserer Region zu bewusstem Konsum und einer aktiven Mit-Gestaltung ihres Lebensumfeldes angeregt werden.  

Zu den Projekten der Solidargemeinschaft AUGSBURG AICHACH-FRIEDBERGER-LAND gehören neben den Sonnenäckern auch Kinderkochkurse, ein Schulprojekt mit Streuobstwiese, sowie Vorträge, Führungen, Ausstellungen und Informationsveranstaltungen.

Interessiert? Weitere Informationen findest du hier: Sonnenäcker von AUGSBURG AICHACH-FRIEDBERGER LAND

Öffnungszeiten
Wochentag
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Youfarm

Pädagogisch betreuter Erlebnisplatz mit Niedrigseilgarten, Wasserspielplatz, Tipi und Lagerfeuer

Am Pferseer Feld 30
86157 Augsburg
Deutschland

Niedrigseilgarten, youfarm, Augsburg Pfersee, Foto: Cynthia Matuszewski

Am Lagerfeuer sitzen, Hütten bauen, Tiere versorgen, im Niedrigseilgarten balancieren und kraxeln, eigenes Obst und Gemüse anbauen, werkeln, bauen und hämmern... in der youfarm mitten in Augsburg können Kinder und Jugendliche, aber auch Familien, Schulklassen und andere Gruppen das ganze Jahr über im Freien aktiv und kreativ sein.

Der pädagogisch betreute Erlebnisplatz wurde vom Förderverein youfarm und dem Frère-Roger-Kinderzentrum im Augsburger Westen ins Leben gerufen.

Bisher fand das vielseitige Angebot für offene Jugendarbeit unter freiem Himmel statt. Inzwischen wurde auch ein Farmhaus gebaut.

Das Gelände ist vormittags von 9 bis 13 Uhr für Gruppen reserviert - Anmeldung hierfür bitte beim youfarm Team, Telefon 0821 20713261 oder 0151 72305139.

Öffnungszeiten
Wochentag
Di - Fr Winter: 14:00 bis 17:00 Sommer: 14:00 bis 18:00
Samstag Winter: 10:00 bis 16:00 Sommer: 10:00 bis 17:00
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Ausflüge
grüne Oasen
Lieblingsorte

CityFarm Augsburg - offener Garten im Norden Augsburgs

Mitmachen, Anfassen, Natur erleben – die CityFarm Augsburg ist ein offener, ökologischer Garten im Norden der Stadt, den die Geographin Ildikó Reményi und der Lehrer Benjamin Vogt 2012 gegründet haben.

Gablinger Weg 36
86154 Augsburg
Deutschland

CityFarm Augsburg, Urban Gardening, Ildiko Remenyi-Vogt, Benjamin Vogt,  Foto: Cynthia Matuszewski

Mitmachen, Anfassen, Natur erleben – die CityFarm Augsburg ist ein offener, ökologischer Garten im Norden der Stadt, den die Geographin Ildikó Reményi und der Lehrer Benjamin Vogt 2012 gegründet haben.

In der vielfältigen, bunten und gastfreundlichen Atmosphäre gedeihen seither nicht nur seltene und altbekannte Nutzpflanzen und Hühner, Kaninchen oder Bienen. Hier entstehen auch Freundschaften und Interessengemeinschaften. Und es wird Wissen über Natur und Lust an der Natur weitergegeben.

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Öffnungszeiten
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Montag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Dienstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Mittwoch 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Donnerstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Freitag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Samstag geschlossen
Sonntag geschlossen
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Gärtnern

Interkultureller Jugendgarten

In dem interkulturellen Jugendgarten bestimmen Jugendliche selbst, was passiert und was wächst. Frei nach dem Motto: Your Hands - Your Choice – Your Work – Your Food.

Stadtbergerstraße 19 I
86157 Augsburg
Deutschland

Gemüse. Foto: Cynthia Matuszewski

In dem interkulturellen Jugendgarten bestimmen Jugendliche selbst, was passiert und was wächst. Begleitet werden sie dabei in einem zweiwöchigen Rhythmus von Umweltpädagog*innen.

Die Ziele sind:

  • Naturerfahrungen aus erster Hand – und das mitten in der Stadt.
  • Grenzen abbauen – trotz Sprachbarrieren.
  • Eigene Entscheidungen treffen – und deren Konsequenzen hautnah erleben.

Deshalb und aus vielen anderen Gründen gestaltet Streetwork West in Kooperation mit dem Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge der AWO Pfersee, der Umweltstation Augsburg und der Cityfarm Augsburg ein neuartiges Gartenprojekt.

 

Öffnungszeiten
Wochentag
Montag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Dienstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Mittwoch 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Donnerstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Freitag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
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Sonntag geschlossen

Urban Gardening in Augsburg

Urban Gardening Augsburg Stadtverschönerung
Urban Gardening liegt voll im Trend. Immer mehr Städte in Deutschland integrieren gemeinschaftliche Grünflächen inmitten von Hochhauskomplexen – so auch in Augsburg.
Grow up, Urban Gardening, Interkulturelle Gärten, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski

Urban Gardening liegt voll im Trend. Immer mehr Städte in Deutschland integrieren gemeinschaftliche Grünflächen inmitten von Hochhauskomplexen – so auch in Augsburg. Die Intentionen dabei sind unterschiedlich, jedoch gilt der Aspekt der Unabhängigkeit als einer der größten Anreize.

 

Erste Gemeinschaftsgärten gab es schon in den 40ern

 

Die Idee von urbanen Gartenanlagen ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1940er Jahren erfreuten sich Gemeinschaftsgärten in den USA oder auch auf Kuba großer Beliebtheit. Die ersten urbanen Gärten entstanden in Columbus, Ohio. Das Gefühl der Unabhängigkeit spornte viele Familien an, in der Stadt einen eigenen Garten zu bewirtschaften. Das ist auch heute noch der Anreiz, auch wenn vielleicht nicht der komplette Lebensmittelbedarf aus dem eigenen Garten gedeckt werden kann. Seit etwa zehn Jahren gibt es auch in Deutschland Projekte, die das gemeinschaftliche Gärtnern auf freien Flächen inmitten der Stadt umsetzen: Eines der ersten war der Prinzessinnengarten in Berlin 2009.

 

Auch in Augsburg gibt es mittlerweile eine große Anzahl an urbanen Gartenprojekten, die von Menschen aller Altersklassen und Herkunft betrieben werden und in denen man ein bisschen Gartenfeeling erleben kann. Um dieses bunte Potpourri unter einen Hut zu kriegen, hat die gartenbegeisterte Künstlerin Tine Klink 2015 den Arbeitskreis Urbane Gärten Augsburg gegründet, der Mitglied im Prozess der Lokalen Agenda 21 der Stadt Augsburg ist.

 

Garten-Feeling in der Stadt erleben

 

Im AK Urbane Gärten sind viele Projekte vereint: Vom Gemeinschaftsgarten über Nachbarschaftsgärten, bis hin zu Hochbeet-Anlagen ist für jeden Gartenfreund etwas dabei. Eine feste Stütze des Arbeitskreises ist Tine Klink. Sie ist selbst ein großer Garten-Fan mit eigenem Schrebergarten. Daneben arbeitet sie hoch motiviert bei vielen Augsburger Gartenprojekten mit. Sie ist die Hauptansprechpartnerin für die Stadt Augsburg in Sachen Urban Gardening: Wird eine Grünfläche freigestellt, ist Tine Klinks kreativer Kopf gefragt. So hat sie schon das ein oder andere Projekt in Augsburg in die Wege geleitet. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde ihr bereits die Silberdiestel verliehen, ein handgeschmiedeter Preis der Augsburger Allgemeinen Zeitung.

 

Eines der bekanntesten Urban-Gardening-Projekte ist der Interkulturelle Garten Grow-Up in Kriegshaber. Dieses Gartenprojekt gewann 2016 den Zukunftspreis der Stadt Augsburg und ist ein Beispiel für den hohen Stellenwert den Gartenprojekte in Augsburg haben. Hier können sich Gartenfreund*innen und alle anderen treffen, die Spaß an der Natur haben. Dafür muss man gar keinen grünen Daumen haben, das Miteinander ist ebenfalls sehr wichtig. Auch die Augsburger CityFarm und die Hochbeetanlagen des Sozialkaufhauses Contact sind Projekte des AK Urbane Gärten.

 

"Einfach an der frischen Luft sein, die Hände in der Erde vergraben und sich dabei auch ruhig ein bisschen schmutzig machen. Das ist gut für die Gesundheit und macht einfach gute Laune.“

 

Tine Klink, Künstlerin und Gärtnerin

 

Gemeinschaftsgärten als Orte der Zusammenkunft

 

Der soziale Aspekt ist für Tine Klink bei allen Gartenprojekten von großer Bedeutung: „Es soll nicht nur um Gartenarbeit gehen, auch Leute die keinen grünen Daumen haben sollen sich wohl fühlen.“ Deswegen finden häufig spezielle Aktionen in den Gärten statt wie das Frühlingsfest oder gemeinsam Mondfinsternis im Garten erleben.

 

 

"Die soziale Interaktion zwischen Menschen verschiedener Nationen funktioniert bei so praktischen Dingen wie der Gartenarbeit wie von alleine. Daher funktioniert die Integration bei diesen Projekten besonders gut, wie das Beispiel einer syrischen Familie bei Grow-Up zeigt.“

 

Tine Klink, Künstlerin, Gärtnerin

Um die Gärten nachhaltig zu gestalten gehört auch viel Aufklärungsarbeit dazu. So gibt es Tipps, welches Saatgut bedenkenlos gekauft werden kann, welche Sachen sich kompostieren lassen und wie man überhaupt Setzlinge pflanzt. Natürlich erfordert dies viel Zeit und Mühe, aber so bekommt jeder die Möglichkeit, an solchen Nachhaltigkeitsprojekten mitzuwirken.

 

Bessere Luft durch städtisches Gärtnern

 

Neben den Aspekten Selbstversorgung und soziale Zusammenkünfte, bieten urbane Gärten auch ökologische Vorteile. Sie können helfen die Luftqualität zu verbessern und die Artenvielfalt zu erhöhen. Allerdings sind nicht alle Gärten gut mit dem ÖPNV zu erreichen und nicht alle Gartenfreunde sind in der Lage, weitere Strecken mit dem Fahrrad zu fahren. Deswegen wäre es optimal, wenn es in jedem Stadtviertel mehrere Gartenprojekte gibt.

"Wenn die Leute mit dem schadstofferzeugenden Auto zu den Gärten fahren, macht das umwelttechnisch allerdings wenig Sinn."

 

Gärtnerin Tine Klink

Daher ist Tine Klinks großer Wunsch, dass es in jedem Augsburger Stadtviertel urbane Gartenanlagen gibt. Bis jetzt ist dies aber hauptsächlich im Nordwesten der Stadt, also in Pfersee, Kriegshaber und Oberhausen der Fall. Neu ist in diesem Jahr ist privat gepachtete Fläche in der Südtiroler Straße, sodass erstmals auch östlich des Lechs die Menschen etwas anbauen können. In Lechhausen sind Flächen jedoch rar.

 

Vision Dachgarten - eine Lösung für Gärtnern in der Stadt

 

Platz für Gärten ist allgemein gerade in den Städten ein großes Problem. Daher entwickelte die Architektin Sabine Pfister, die Idee eines Dachgartens: Der Gemeinschaftsgarten in luftiger Höhe auf dem Dach des Schwabencenters ist ihre Vision für ein grüneres Augsburg. Mit dem „Wohnzimmer“ gibt es in der Ladenpassage bereits einen Ort der Zusammenkunft inmitten der Geschäfte. Nun will die Gründerin des Agendaforums „Lebensraum Schwabencenter“ mit dem Dachgarten ein neues Gemeinschaftsprojekt starten. Die Entscheidung liegt bei den Eigentümer*innen der Wohnungen. Sie sind momentan noch zurückhaltend.

"Viele Eigentümer wollen keinen Gemeinschaftsgarten. Sie haben Angst, dass die Verantwortung für die Sauberkeit und die Pflege der Gartenanlage an Ihnen hängen bleibt.“

 

Sabine Pfister, Architektin

 

Eigene Radieschen auf dem Dach

 

Die Vision von Sabine Pfister sieht vor, das auf dem Dach ein Gemeinschaftsgarten entsteht, in dem sich die Bewohner hin und wieder treffen können – ähnlich wie in dem bereits etablierten Wohnzimmer einige Stockwerke tiefer. Der Garten soll für die Anwohner*innen ein Ort der Entspannung sein, wo man ein wenig die Natur inmitten des städtischen Lebens genießen kann. Für Bewohner*innen mit einem grünen Daumen könnten einige Hochbeete angelegt werden, in denen Radieschen, Karotten oder ähnliches angebaut werden. Durch das Prinzip des Gemeinschaftsgartens wäre es auch möglich, sich gegenseitig bei der Gartenarbeit zu unterstützen. Ist man einmal krank oder verreist gibt es Nachbarn, die sich um die Pflänzchen kümmern können. Dieses Prinzip beruht auf Gegenseitigkeit und kann ganz neue soziale Beziehungen und Freundschaften entstehen lassen.

 

Ein Dachgarten ist auch mit dem Rollstuhl bequem zu bewirtschaften

 

Auch das Prinzip der Barrierefreiheit würde sich in solch einem Projekt gut umsetzen lassen. Viele Bewohner*innen des Schwabencenters sind ältere Leute, die nur umständlich in den Siebentischwald oder in eine Kleingartenanlage gelangen können. Durch die Aufzüge im Schwabencenter können sogar Rollstuhlfahrer*innen aufs Dach gelangen und müssen nicht erst überlegen, wie sie zu ihrem Garten kommen.

Ein Gemeinschaftsgarten auf dem Dach des Schwabencenters würde den Hochhauskomplex aufwerten, der nicht gerade für seine Schönheit bekannt ist. Im jetzigen Zustand erwecken die Dächer, von ein paar wildgewachsenen Moosen und Flechten abgesehen, eher einen tristen Eindruck – und das obwohl ein Teil des Daches früher als Spielplatz genutzt wurde. Dort oben ist eine Menge Platz, jedoch macht die Fläche derzeit eher einen verwahrlosten Eindruck. „Niemand fühlt sich wirklich dafür verantwortlich, wie es dort oben aussieht“, so Pfister. Die wenigsten Bewohner des Schwabencenters nutzen diese Fläche – was auffällt sind zwei Stühle und ein Tisch auf dem ein Aschenbecher steht.

 

Im Pilotprojekt Erfahrungen sammeln

 

Obwohl solch ein Gemeinschaftsgarten viele Vorteile bieten würde, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Um den Bewohner*innen ihre Ängste und Bedenken zu nehmen wird versucht, ein Pilotprojekt zu starten. Circa zwei Jahre lang könnte es auf dem Schwabencenter eine Art Gemeinschaftsgarten geben. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit stellt Fördergelder für die Einrichtung und Pflege zur Verfügung.

Ob das die Meinung der Bewohner*innen ändern wird, ist schwer zu sagen. Es wäre für Augsburg jedoch ein Pilotprojekt, das über die Grenzen der Stadt strahlen würde. Und es würde noch mehr Menschen in Augsburg die Möglichkeit geben, ein bisschen Gartenluft zu schnuppern. Daher wäre es schön, wenn solche Gartenprojekte weiterhin tatkräftig unterstützt werden: Als Belohnung gibt es vielleicht das ein oder andere Pflänzchen und nebenbei noch zwischenmenschliche Erlebnisse mit Feelgood-Garantie.

 

Über Tine Klink: Tine Klink ist freiberuflich tätig und begeistert mit ihren Programmen wie „bunt und draußen“ oder dem Kreativraum Pfersee immer wieder Natur- und Gartenfreunde. Sie beschäftigt sich mit der Kunstform Landart und ist Gründungsmitglied im AK Urbane Gärten Augsburg.

 

Über Sabine Pfister: Sabine Pfister ist Architektin und Sicherheitsingenieurin und engagiert sich über die lokale Agenda 21 für ein nachhaltiges Leben in und um Augsburg. Sie wohnt und arbeitet seit 30 Jahren im Herrenbachviertel in Augsburg.

 

 

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Radtour zu Augsburgs schönsten Gemeinschaftsgärten

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Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel entstand im Rahmen des ersten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2017/ 2018 im Fachbereich Geographie anboten.

Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab. Am Ende dieser vielversprechenden Zusammenarbeit lagen dem Lifeguide  insgesamt 11 neue Artikel vor.

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Kein Torf auf unsere Balkons und in unsere Gärten!

Torffrei auf Balkons und in Gärten
Die Gartensaison fängt wieder an und für unsere bunten Kübel mit Osterglocken und Stiefmütterchen brauchen wir jetzt säckeweise Blumenerde. Aber aufgepasst: Wo Blumenerde drauf steht ist meist Torf drin. Kompost ist eine gute Alternative!
Frühlingsgarten_cynthia_matuszweski

Die Gartensaison fängt wieder an und für unsere bunten Kübel mit Osterglocken und Stiefmütterchen auf dem Balkon oder auf der Terrasse brauchen wir jetzt säckeweise Blumenerde. Die gibt es in Baumärkten, Discountern oder beim Gärtner um die Ecke. Was viele Leute jedoch nicht wissen: Wo Blumenerde drauf steht ist meist Torf drin.  Und das ist ein Naturprodukt aus Mooren, das sehr sehr langsam wächst und viel zu schnell abgebaut wird.

 

Moore sind gut für Tiere, Pflanzen und für den Klimaschutz

Torf ist ein Naturprodukt, das aus abgestorbenen Moosen und Pflanzen besteht. Der Vorteil von Torf ist, dass er die Erde auflockert. Aber Naturprodukt ist in diesem Fall nicht gleichbedeutend mit „umweltfreundlich“. Torf wird nämlich in Mooren abgebaut und das trägt langfristig zu ihrer Zerstörung bei. Laut Experten binden Moore mehr CO2 als die tropischen Regenwälder und leisten damit einen großen Beitrag zum Klimaschutz und Klimaerhalt. Bei der Zerstörung des Moors wird nicht nur Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt, sondern es werden auch wichtige Wasserspeicher zerstört. Zudem sind Moore auch der Lebensraum vieler Tierarten, wie beispielsweise dem Wiesenvögelchen, einem seltenen Tagfalter, oder der Kreuzotter.

 

Torf gehört in die Moore!

Zwei Millionen m3 Torf werden in Deutschland jedes Jahr verwendet, während der Torf nur ein Millimeter im Jahr wächst. So werden langsam aber sicher die Moorlandschaften zerstört. In Deutschland darf Torf kaum noch abgebaut werden. Stattdessen wird er aus Osteuropa, besonders aus dem Baltikum importiert. Torf ist daher weder regional, noch klimaschonend, oder schon gar nicht gut für unsere biologische Vielfalt und den Wasserkreislauf.

 

Ein Garten ohne Torf ist möglich!

Was können wir tun? Die einfachste Antwort lautet: Kompost. Wer einen Garten hat, kann selbst kompostieren, aber es gibt auch Komposterde zu kaufen. Kompost hat viele Vorteile gegenüber Torf. Zum einen schont Kompost Ressourcen: Er liefert von Phosphor über Magnesium bis hin zu Kalk alles, was ein herkömmliches mineralisches Düngermittel liefern würde – deren Herstellung jedoch eine hohe fossile Energie benötigt.

Außerdem macht Kompost die Böden fruchtbar. Im Gegensatz zu Torf, der nur zum Teil aus Humus besteht, ist Kompost Humus pur. Dadurch werden sandige Böden ertragreicher, denn der Humus speichert Wasser und Nährstoffe. Dazu gehören auch Spurenelemente, die dem Boden ansonsten neu zugeführt werden müssten. Lehmige Böden werden dank Humus luftdurchlässiger und leichter und sind deshalb einfacher zu bearbeiten. Für Zimmerpflanzen empfiehlt es sich die Erde mit 1/3 Kompost und 1/3 Sand zu mischen, um den perfekten Nährwert zu erreichen.

 

Wo bekomme ich Kompost?

Im Handel ist Kompost mancherorts schwer zu bekommen. Große Garten- und Baumarktketten haben Kompost zwar im Sortiment, aber viele Filialen bestellen ihn nicht, weil sie befürchten, dass sie auf der Ware sitzen bleiben. Um das Bewusstsein beim Händler zu wecken, sollten die Kund*innen öfters mal nachfragen.
Beim Kauf von Komposterde oder Blumenerde sollte man darauf achten, dass die Ware „torffrei“ ist und nicht als „torfarm“ oder als „torfreduziert“ gekennzeichnet ist. Das bedeutet nämlich, dass sie trotzdem noch hauptsächlich aus Torf besteht.
Vorsicht auch bei der Bezeichnung „BIO“: Da die Begriffsbezeichnung „Bio-“ bei Erden nicht geschützt ist, kann man darauf  nicht vertrauen.

Die Hersteller haben die Möglichkeit, sich einer freiwilligen Gütersicherung zu unterziehen. In Bayern wird die Gütesicherung von den Verbänden Bundesgütegemeinschaft Kompost e. V.
und von der Fachvereinigung Bayerischer Komposthersteller e. V. betrieben. Gütegesicherte Komposte und Gärrückstände werden regelmäßig durch zugelassene Prüflabore überwacht.

 

 

Eine Aufstellung aller torffreien Erden, die im Handel erhältlich sind, wurden vom BUND in einer Einkaufsliste zum torffreien Einkaufen zusammengestellt.

 

Die Lösung: Bewusst einkaufen oder den eigenen Kompost herstellen!

Da der Bioabfall in Bayern getrennt wird und daraus auch Komposterde hergestellt wird, kann es gut möglich sein, dass man seine Blumen mit dem eigenen Müll düngt. Denn Kompost muss nicht erst importiert werden, sondern kann wortwörtlich vor der Haustür hergestellt werden!
Die Umstellung auf Komposterde ist leicht. Entweder den Kompost aus dem eigenen Garten verwenden, oder im Handel einfach nach dem richtigen Sack greifen! Und schon tut man etwas Gutes: für das Klima, für den Boden und für die Region!

 

Leser*innen-TIPP:

Kompostieranlage in Steppach: Hier können Eimer, Wannen oder Taschen mitgebracht werden. Es gibt für wenig Geld verschiedene Arten von Erde, wie Pflanzerde, Kompost, saure Erde oder Rindenmulch.

 

 

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Umdenken im Kleinen und konsequent Handeln im Alltag

Umdenken im Kleinen und konsequent Handeln im Alltag
Interview mit Benjamin Vogt von der CityFarm Augsburg: "Wenn ich die Welt im großen Stil verändern könnte, würde ich die Uhr der Naturgeschichte um zwei- bis dreitausend Jahre zurückdrehen."
CityFarm Augsburg, Urban Gardening, Benjamin Vogt,  Foto: Cynthia Matuszewski

Die CityFarm in Augsburg ist seit 2012 fester und wichtiger Bestandteil der Urban-Gardening-Szene in Augsburg. Wer mehr darüber erfahren will, wie die Geographin Ildikó Reményi und der Lehrer Benjamin Vogt den ökologischen Garten in der Gablinger Straße entwickelt, aufgebaut, erweitert und nach Rückschlägen neu-erfunden haben, dem sei das Buch „Urban Gardening mal anders“ von Benjamin Vogt empfohlen.

 

In Kapiteln wie „Finde deinen inneren MacGyver!“ oder „Die Nackthuhnbande“ berichtet Benjamin Vogt von allem, was ihm am Herzen liegt: Von einer vielfältigen, artenreichen Natur, von der Freundschaft oder Liebe zwischen Menschen und Tieren, von altem Wissen um Pflanzen, von Schafen mitten in der Stadt, von hilfreichen Freunden, von inspirierenden Lehrmeistern und vielem mehr. Wir haben vorab mit ihm über sein Buch, über die CityFarm und über Wiedehopfhacken gesprochen.

 

Lifeguide: Fangen wir mal mit MacGyver an: Was ist dein wichtigstes Werkzeug?

Benjamin Vogt: Puh! Schwere Entscheidung. Ich würde sagen fify-fifty: Wiedehopfhacke und Bodenfräse! Wobei wir ohne Hammer und Motorsäge auch nicht weit kommen würden. Leider wurde das universelle Allzweckwerkzeug noch nicht erfunden. Am Ende sind doch immer meine Hände das wichtigste Werkzeug.

 

Deine wichtigste Erkenntnis?

Trage bei der Arbeit immer Sicherheitsschuhe, am besten mit Trittschutz! Gebrochene Zehen und Zimmermannsnägel im Fuß sind nicht lustig.

 

Welche Tiere habt Ihr auf der CityFarm?

Mascha, Wanya, Simba, Urmeli, Apollo 13, Balou, Kira, Füchschen, Dino der Zweite, Einhorn… Aber im Ernst. Wir haben Dunkle Bienen, Russenkaninchen, einen Hund namens Fluffgepuff alias Kira, Indische Laufenten, Skudden Schafe, Buren Ziegen, Brieftauben und einen Kater namens Mio. Ein wahrhaft magischer Moment war das erste Küken, das ich aus seinem Ei befreit habe. Der erste hoffnungsfrohe Blick ins Leben eines Lebewesens und ich war seine „Mamma“!

 

Was war der beste Moment als CityFarmer?

Schwierig, das so absolut zu sagen. Es gibt tausendundein Glücksmomente des täglich wiederkehrenden Wahnsinns. Angefangen bei Kindern, die partout nicht nach Hause gehen wollen oder gleich für immer bei uns einziehen möchten, bis hin zum ersten eigenen Bienenschwarm. Meine Frau wird es mir vielleicht übel nehmen, wenn ich nicht unsere Hochzeitsfeier auf der CityFarm als schönsten Moment ansehe… Aber ein wahrhaft magischer Moment war das erste Küken, das ich aus seinem Ei befreit habe. Der erste hoffnungsfrohe Blick ins Leben eines Lebewesens und ich war seine „Mamma“! Bei meiner Frau war es ähnlich. Ihr persönlicher Glücksmoment war das erste, frisch geborene Lämmchen, das sie in ihren Armen hielt. Obwohl es erbärmlich quäkte, war das Schafbaby bei bester Gesundheit.

 

Wie sollten Menschen und Tiere zusammenleben?

Sie sollten überhaupt einmal wieder zusammenleben. Wenn, dann aber artgerecht. Viele vergessen gerne, dass Tiere auch Charakter und Bedürfnisse haben, genauso wie Menschen. Es gibt Kaninchen die ich richtig gerne mag und andere denen ich sofort den Hals umdrehen könnte. Ein einmal lieb gewonnenes Tier zur Schlachtbank zu führen, würde den meisten ihren Appetit auf Fleisch verderben.

Ich selbst esse gerne Fleisch und mir ist es egal ob es “bio“ aufgewachsen ist oder nicht. Hauptsache mein Braten hatte ein lebenswertes Dasein. Wir füttern unsere Tiere auch mit Supermarktabschreibungen, die vielfach nicht biologisch angebaut wurden.
Würden viele Leute das Tierleid, das sie durch ihr Konsumverhalten verursachen, sehen, oder noch besser am eigenen Leib zu spüren bekommen, hätten plötzlich alle wieder Hühner im Hinterhof und Kaninchen im Garten. Die tiefgehende Naturentfremdung vieler Zweibeiner bekommen unglücklicherweise die Tiere in der Massenhaltung zu spüren. Dazu ein schönes Zitat von Mahadma Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.“ Menschen und Tiere sollten überhaupt einmal wieder zusammenleben. Wenn, dann aber artgerecht. Viele vergessen gerne, dass Tiere auch Charakter und Bedürfnisse haben, genauso wie Menschen.

 

Wie sollten Menschen und Menschen zusammenleben?

Weniger anonym. Versuch mal, erhobenen Hauptes durch die Stadt zu laufen und dabei den Passantinnen und Passanten ins Gesicht zu blicken. Nicke ihnen freundlich zu oder lächele probehalber. Du wirst sehen: Daraus ergeben sich viele interessante Gespräche oder Begegnungen. Man glaubt gar nicht, wie viele Menschen einsam sind, obwohl sie von Hunderttausenden ihrer eigenen Spezies umgeben sind.

 

Was hast Du Opa Rolf zu verdanken?

Als allererstes meine geliebte Ehefrau Ildiko. Er ist ja schließlich der Vater ihrer Mutter und hat sie mit erzogen.

Als zweites legte Opa Rolf die Grundlage für mein Dasein als Gärtner, sozusagen die Basis meines Wissens. Ich hatte herzlich wenig Ahnung von Gartenbau oder Bäumen, bevor ich bei ihm in die „Lehre“ gegangen bin. Ich verdanke ihm die CityFarmerei, denn ohne Opa Rolf wäre ich jetzt eher ein lehrender Geisteswissenschaftler in Anzug und Krawatte, denn ein glücklicher, dreckverkrusteter Bauer in der Schnittschutzhose.

 

Welche Rolle spielen Freunde für die CityFarm?

Im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Rolle. Wir packen gemeinsam mit an. Schleppen, schaufeln, bauen, gießen und werkeln zusammen. Meine Freunde wissen was zu tun ist, wenn wir nicht da sind. Sie bringen Leben in die Bude. Ohne unsere Freunde und Unterstützer käme eine Bewirtschaftung unserer Flächen und die Versorgung unserer Tiere in der derzeitigen Größenordnung kaum in Frage. Außerdem wäre so viel Freiraum für nur zwei Leute absolute Platzverschwendung.

 

Was willst Du Kindern beibringen, die zu Euch kommen?

Zuerst einmal den richtigen Umgang mit Tieren. Die grundlegenden Verhaltensregeln. Dazu gehört, dass man nicht schreit und die Tierchen nicht jagt. Sowohl der Hahn als auch Schafe und Ziegen würden sich irgendwann wehren und das könnte böse ausgehen. Ein wichtiges Anliegen ist mir auch der „sichere Umgang mit Feuer“. Dazu veranschauliche ich gerne, wie schnell ein Stück Plastikjogginghose abbrennt. Im Schnitt dauert es maximal 30 Sekunden.

 

Aber auch andere Themen stehen auf dem „Stundenplan“. Lebensraum Wiese, Hecke oder Wasser. Manchmal schmieden wir auch oder bauen Vogelhäuschen. Für Ü-Klassen, (Übergangsklassen, in die Kinder mit wenigen oder gar keinen Deutschkenntnissen gehen. Anm. d. Redaktion) biete ich auch eine „Wortschatzerweiterung Bauernhof“ an.

 

 

Was rätst Du allen Urban-Gardening-Neulingen?

„Wer Gott zum Lachen bringen will, der mache einen Plan“. Trotzdem sind eine gewisse Planung und Vorbereitung unabdingbar für ein erfolgreiches Urban-Gardening-Projekt. Wer sich vorab informiert, ist besser dran. Bei mir ist anfangs gerade im handwerklichen Bereich ganz schön viel in die Hose gegangen, da ich zwar mit viel Elan, aber ohne einen blassen Schimmer von der Materie an die Sache herangegangen bin. Meine Trockensteinmauer um die Kräuterspirale ist mindestens zehnmal eingestürzt. Das war „learning by doing“ über „try and error“. Da bringe ich mittlerweile lieber Gott zum Lachen und informiere mich vorher, was ich da eigentlich mache.

 

Du plädierst für ein Umdenken im Kleinen – was meinst Du damit?

Ein erfülltes, ethisch-moralisch vertretbares Leben wird durch die Masse unserer Einzelentscheidungen definiert, meist nicht durch die großen Lebensentscheidungen. Erdbeeren im Winter? Der gesamte Müll unsortiert in die schwarze Tonne oder doch recyceln? Schmeiße ich mein Geld einem internationalen Großkonzern in den Rachen oder kaufe ich regionale und saisonale Produkte? An jedem Produkt hängen lange Wirkungsketten, die umgangen werden können, kauft man zum Beispiel beim Direktvermarkter.

 

Man kann aber von Konsumentinnen und Konsumenten kein sofortiges Umdenken erwarten.
Umdenken im Kleinen vollzieht sich in kleinen Schritten und das kann auch mal 15 Jahre dauern. Auf alle Fälle bedarf es einer gewissen Kompromissbereitschaft um Schritt für Schritt seinen persönlichen Weg im modernen Konsumdschungel zu finden.

 

Dein ganz individueller Weg zum mündigen Konsumenten?

Am Anfang meines Werdegangs als „mündiger Konsument“ - für den ich mich übrigens längst nicht halte - standen diverse Reisen nach Indien, Afrika und Indonesien. Das allgegenwärtige Plastik dort, der Müll, die Schutthalden mit Abermillionen von Computern, pechschwarze Flüsse, die stanken wie die Pest… Für meine verwöhnte, westeuropäische Seele ein Schock. Daher begann ich mich mit dem Thema Umwelt zu beschäftigen.

 

Ich kam zu dem Ergebnis, dass eine grundlegende Natur- und Umweltbildung wieder einmal das Schlüsselelement für eine Verbesserung der Lebensumstände zig tausender Menschen und Tiere wäre. Da traf es sich gut, dass ich meine geliebte Ehefrau Ildiko während der Hörsaalbesetzung 2009 an der Uni Augsburg kennenlernte. Sie trug einen unerschöpflichen Wissensschatz an mich heran. Zusätzlich lernen wir täglich gemeinsam Neues über die Folgen unserer Konsumhandlungen. Bei uns auf der CityFarm ist das ein nie abgeschlossener Prozess und er betrifft alle Lebensbereiche. Mobilität, Ernährung, Wohnen, Energie…

Es benötigte fast ein Jahrzehnt des Überwindens von alten Mustern, bis wir unseren ganz eigenen Pfad gefunden hatten. Wir mussten uns die Produktionsprozesse einzelner Produkte erst einmal bewusst machen. Wie wurden die Ressourcen erschlossen? Hat das Produkt eine geplante Obsoleszenz? Wo und unter welchen Umständen wurde produziert? Das Schwierigste dabei ist, nicht zum Moralapostel zu verkommen. Manchmal ist es nicht ganz einfach, andere nicht für ihre persönliche Lebensführung zu verurteilen, obwohl es so mancher definitiv besser wüsste. Aber wir wollen jeden so akzeptieren, wie er ist und wollen selbst auch nicht verurteilt werden.

 

Das Wissen ältere Generation – welche Rolle spielt das für Dich?

Ohne das Wissen unserer Vorväter wären uns viele Freuden und Notwendigkeiten des CityFarmalltags verwehrt. Die Konservierung von Nahrungsmitteln, Obstbaum-Veredelung, traditionelle Heuernte, Drei-Felder- Wirtschaft, Kopfweidennutzung oder die richtige Konstruktion eines lapidaren Erdkellers. Dafür will ich Euch ein tolles Buch ans Herz legen. „Altbewährtes neu entdeckt. Praktische Anleitungen, Hausmittel und Rezepte von anno dazumal“ von Paul Binsch. Gerade in unserer Anfangszeit wären wir ohne dieses Werk ziemlich aufgeschmissen gewesen. Gerne gebe ich zu, dass uns einige wohlgesonnene, „ältere Herrschaften“ mit Rat und Tat zur Seite standen. Ohne sie wäre deutlich mehr schief gegangen. Deswegen gibt es in meinem Buch „Urban Gardening mal anders“ sogar ein eigenes Kapitel über die „grauen Eminenzen“ der CityFarm.

 

Was ist das Tolle am bäuerlichen Leben?

Zunächst einmal führen wir kein wirkliches bäuerliches Leben. Zuallererst bin ich freiberuflicher Lehrer und mache liebend gerne Schulgärten, begleite die Naturforscherkids und veranstalte Umwelt-AGs. Erst dann kommt das ehrenamtliche Hobby „Landwirt“. Auch jeder unserer Helfer arbeitet ganz normal. Wir wohnen mitten in Augsburg und haben uns mit der CityFarm ein Stückchen Bauernhof in die Stadt geholt.
Das Tollste an der CityFarmerei ist die direkte Naturverbundenheit, die Selbstbestimmtheit und der Umgang mit den Tierchen. Wir dürfen „Jagen und Sammeln“, um die Versorgung unserer Vierbeiner zu gewährleisten. Dabei blicken wir auch mal tief in die Tonne eines Supermarktcontainers, selbstverständlich mit Erlaubnis der Betreiber. Das morgendliche und abendliche Füttern ist dabei das Highlight meines Alltags, denn das zufriedene Kauen unserer tierischen Mitbewohner ist meine liebste Hintergrundmusik zum Schreiben meiner Bücher.

 

Welche Rückschläge und Misserfolge musstet Ihr beim Aufbau der CityFarm einstecken? Wie geht Ihr damit um?

Der niederschmetterndste „Rückschlag“ war selbstverständlich die Kündigung unseres ursprünglichen Geländes im Westendorfer Weg, doch die Hochzeit mit meiner geliebten Ehefrau ließ mich diesen Schicksalsschlag lächelnd überstehen. Durch den Einsatz diverser Ämter und Politiker der Stadt Augsburg wurde die CityFarm dann doch noch gerettet. Uns wurde kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist ein neues Grundstücks im Gablinger Weg zugesagt. Wir konnten den Winter nutzen, um im Schneetreiben den Umzug der Farm zu begehen. Finanzielle Starthilfe gab es aus dem deutschen Nachhaltigkeitspreis der Allianz Umweltstiftung, den die Stadt Augsburg 2013 gewann.

Mich persönlich treffen die wiederkehrenden Einbrüche und der Vandalismus auf unserem Gelände am Härtesten. Scheinbar wecken einige Schaufeln und ein wenig Gemüse Begehrlichkeiten. Einem gemeinnützigen, ehrenamtlich betriebenem Projekt das Werkzeug zu entwenden, trifft ins Mark der Engagierten und der Kinder, was uns gerade in der Anfangszeit beinahe in den Ruin trieb. Nie werde ich die Solidarität unsere Unterstützer vergessen. Bis heute sind Werkzeugspenden aller Art herzlich willkommen. Das aktuellste Unding war, dass uns jemand alle Feuerlöscher dreist geklaut hat. Der Feuerwehr und unseren Unterstützern sei Dank, dass wir wieder mit den notwendigen Feuerschutzmaßnahmen ausgerüstet sind. Mir hat dieses niederträchtige Verhalten mancher Mitmenschen zwischenzeitlich jeden Spaß an der CityFarmerei geraubt. Doch irgendwann gewöhnt man sich daran Ziel derartiger Untaten zu sein. Wir sehen trotzdem immer noch jeden Rückschlag als Chance, ohne die wir nicht da wären, wo wir heute sind.

 

 

Ihr stoßt auf Lob und Kritik – und zwar generationenübergreifend – Eure Reaktion?

Gelassenheit. Wir werden es wohl nie jedem Recht machen können. Die charmantesten Bezeichnungen der CityFarm waren „Verhau“ und „Zigeunersiedlung“, weshalb sich ein „netter“ Herr genötigt fühlte, die Polizei zu verständigen, um nachzuforschen, ob wir dort überhaupt sein dürften. Wir hatten wohl sein Auge beleidigt.

Das ein oder andere Kind wird uns trotzdem bis ins Erwachsenenalter für sein Leben gerne besuchen kommen, weil wir ihm einen unschätzbaren Freiraum geschaffen haben. Der Tag wird kommen, da will er vielleicht seinem Sprössling zeigen, wie man sicher ein Feuer entfacht… Letztendlich freue ich mich darauf, mich mit interessierten Leserinnen und Lesern von „Urban Gardening mal anders“ auseinanderzusetzen und zwar allen Alters. Ohne Lob und Tadel können wir uns schließlich nicht verbessern.

 

Wie würdest Du die Welt verändern, wenn Du könntest?

Wir haben erkannt, dass man die Welt nicht im Großen verändern kann. Wir machen das Beste für unsere direkte Umgebung. Angefangen von den Regenwürmern im Boden unserer Äcker, über unsere Tierchen die nur bestes Futter erhalten, bis zu Heerscharen glücklicher Kinder die mit rot verschmiertem Mund Erdbeeren im Garten naschen.
Wenn ich die Welt im großen Stil verändern könnte, würde ich die Uhr der Naturgeschichte um zwei- bis dreitausend Jahre zurückdrehen. Mit unserem Wissen von heute und der Natur von damals wären wir meiner Meinung nach in der Lage die Erde in ein echtes Paradies zu verwandeln.

 

Du bist nicht nur Cityfarmer. Was machst du neben deiner Tätigkeit als Hobbybauern?
In den Sommermonaten arbeite ich nebenher als „Kiesbankranger“ für den Lebensraum Lechtal. e.V.. Es geht darum, die Schutzgebiete der nördlichen Lechauen während der Brutsaison des Flussregenpfeifers vor Homo Sapiens und Canis lupus familiaris, dem Haushund, zu bewahren. Wir setzen dafür das Besucherlenkungskonzept um und bitten „Störenfriede“ die Schutzzonen auf den Kiesbänken zu verlassen. Gerne gebe ich zu, dass dieser Job nicht ganz ungefährlich ist. Mir wurden auch schon Wodkaflaschen hinterhergeschmissen…

Im Winter hingegen zieht es mich in den Wald und auf die Bäume in der Stadt. Die professionelle Baumpflege und Renaturierung von Wäldern sind mir ein wichtiges Anliegen. Nur im äußersten Notfall wird gerade im Stadtraum ein Baum gefällt. Selbstverständlich gehe ich über das ganze Jahr meiner Tätigkeit als „Natur-Lehrer“ in verschiedenen Augsburger Schulen nach.

 

Dein letztes Wort:

Tausend Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, die die CityFarm und damit auch das Buch „Urban Gardening mal anders“ erst möglich gemacht haben.

 

 

„Urban Gardening mal anders“ 100Fans, ISBN 978-3-95705-018-2

Der komplette Erlös des Buches kommt der CityFarm zugute.
 

 

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Fahrradtour zu Augsburgs Gemeinschaftsgärten

Fahrradtour zu Augsburgs Gemeinschaftsgärten
Augsburg hat eine Fülle von Gemeinschaftsgärten, Gemüseäckern, Hochbeeten, Pflanzsäcken und begrünten Innenhöfen. Entdeckt die schönsten auf einer Radtour.
Sonnenäcker. Foto Cynthia Matuszewski

Ihr findet in Augsburg unzählige Orte, wo Menschen gemeinschaftlich gärtnern. Tine Klink vom Arbeitskreis Urbane Gärten hat eine Radtour zu den schönsten Urban-Gardening-Projekten in der Stadt zusammengestellt.

Wir haben diese Tour im Juli 2016 mit knapp 30 Radler*innen gemacht. Dabei haben wir Augsburg von seiner wilden, grünen Seite kennengelernt und interessante Menschen getroffen. Und weil es für Gärten eigentlich keine „falsche“ Jahreszeit gibt, stellen wir euch im Folgenden alle 11 Ziele vor. Sucht euch die schönste Jahreszeit und die besten Ziele aus, schwingt euch auf euer Rad und lasst euch von Augsburg überraschen! 

Eine Bitte: In der Gartenszene kann sich immer einmal wieder etwas verändern. Wir bemühen uns, aktuell zu sein. Trotzdem ist es sinnvoll, Adressen und Öffnungzeiten zu checken, bevor ihr euch auf's Rad schwingt.

Tipp für die Routenplanung: Wir haben den Falk-Routenplaner für Fahrräder verwendet, er zeigt die besten Wege an (auch Schleichwege).

 

Radtour in 11 Stationen

 

Die Radtour ist insgesamt knapp 20 Kilometer lang und hat 11 Stationen.

STATION 1: Am Pferseer Feld 18: Der Erlebnisplatz youfarm liegt mitten in Augsburg und lockt mit einem Niedrigseilgarten, Tipi und Lagerfeuer. Hier können Kinder und Jugendliche, aber auch Familien, Schulklassen und andere Gruppen nach Anmeldung das ganze Jahr über im Freien aktiv und kreativ sein.

STATION 2: Sommestraße 40: Grow up! in Kriegshaber: Aus einem Stück Brachland hinter dem Reese-Theater entstand in Gemeinschaftsarbeit der Interkulturelle Garten Grow up! – eine Oase direkt hinter dem Abraxas.

STATION 3: Dieboldstraße Neusäß/ Bärenkeller:  Die Sonnenäcker sind etwas für leidenschaftliche Gärtnerinnen und Gärtner. Wer gern Gemüse anbaut, mietet sich für eine Saison den eigenen Acker – und los geht’s mit der Selbstversorgung.

STATION 4: Zwischen Hirblinger Straße und Holzweg: Ein bisschen weniger Arbeit als die Sonnenäcker machen die Felder der GemüseSelbstErnte. Auch sie werden für eine Saison gemietet, aber hier bereitet der Bio-Bauer das Feld vor und düngt auch ökologisch.

STATION 5: Gablinger Weg 36:  Die CityFarm Augsburg ist ein offener, ökologischer Garten mitten in der Stadt, den die Geographin Ildikó Reményi und der Lehrer Benjamin Vogt 2012 gründeten. Vor allem Kinder und Jugendliche erleben in der CityFarm die Natur mit allen Sinnen. Hier auch nach dem Programm und den Öffnungszeiten schauen.

STATION 6: Spielplatz an der Dieselbrücke: Das Nachbarschaftsbeet in Augsburg wurde vom Quartiersmanagement Oberhausen initiiert und ist ein Platz zum gemeinsamen Gärtnern, Ratschen, Grillen und Spielen. 2017/2018 sind zwei neue Nachbarschaftsbeete dazugekommen: Der Quartiersgarten rechts der Wertach und der Nachbarschaftsgarten in der Neuhofer Straße.

STATION 7: Austraße 27: Der Interkulturelle Garten an der Ballonfabrik ist eine offene Begegnungsstätte, die durch bürgerschaftliches Engagement entstanden ist und jetzt selbst verwaltet wird.

STATION 8: Springergäßchen 5: Grandhotel Cosmopolis: Kaffeepause in dem bundesweit einmaligen Projekt, wo Reisende mit und ohne Asyl absteigen, wo in der Lobby ausdrücklich Kinder erwünscht sind, die Hotelzimmer Kunstwerke sind und der Veranstaltungskalender prall gefüllt ist mit schrägen und spannenden Events. Hier relaxen wir nach Wahl im Rosengarten, im Teegarten oder unter der Linde. Mehr zum Café im Grandhotel Cosmopolis.

STATION 9: Am Roten Tor: Das Augsburger Kräutergärtlein: Eine verträumte Oase am Roten Tor, wo zwischen ordentlich gestutzten Buchshecken Kräuter zum Mitnehmen wuchern, Heilpflanzen gedeihen und Rosen duften.

STATION 10: Theodor-Heuss-Platz: Ganz anders als der Rest der Tour: Als Teilprojekt des „Augsburg Boulevard“, entstand am Theodor-Heuss-Platz ein neuer, grüner Quartiersplatz.

STATION 11: Im Tal 8:  Hochbeete am Sozialkaufhauses contact. Auch hier nach den Öffnungszeiten des Sozialkaufhauses schauen - es gibt ein Café und das Stöbern lohnt sich.

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Ein Leben wie ein CityFarm-Huhn

Ein Leben wie ein CityFarm-Huhn
Natur erleben mitten in der Stadt: die CityFarm Augsburg

Mitmachen, Anfassen, Natur erleben – die CityFarm Augsburg ist ein offener, ökologischer Garten mitten in der Stadt, den die Geographin  Ildikó Reményi und der Lehrer Benjamin Vogt 2012 gegründet haben. In der vielfältigen, bunten und gastfreundlichen Atmosphäre gedeihen seither nicht nur seltene und altbekannte Nutzpflanzen und Hühner, Kaninchen oder Bienen. Hier entstehen auch Freundschaften, Interessengemeinschaften bilden sich, Wissen über Natur und Lust an der Natur werden weitergegeben.

Vor allem Kinder und Jugendliche erleben in der CityFarm die Natur mit allen Sinnen. „Kinder haben ein großes Defizit. Wenn Du im Kindergarten fragst: Wo kommt das Ei her, herrscht erst einmal absolute Stille“, berichtet Ildi, wie Ildikó Reményi von allen genannt wird. Für Erwachsene und Kinder bieten Ildi und Benni regelmäßig Erlebnisführungen, Workshops und Mitmach-Aktionen an. Sie geben ihr Wissen gern weiter: über seltene Pflanzen, Mischkulturen, artgerechte Tierhaltung, Saatgutvermehrung oder altbewährte Konservierungsmethoden.

Die Idee, in Augsburg eine CityFarm zu gründen, entstand auf der entlegenen Waldbergalm im Zillertal. „Wir lebten einen Monat lang mit einem alten Milchbauern zusammen, haben das Jungvieh betreut, mit der Sense Heu gemacht und Wasser aus dem Quellbach getrunken. Wir waren von allem abgeschnitten. Das war ein Gefühl, als ob du dich in einem Zeitloch befindest“, erzählt Benni. Dieses Leben im Einklang mit der Natur und diese Zeitgefühl nehmen Ildi und Benni mit nach Augsburg. Zusätzlich inspiriert von dem Buch „Meine kleine Cityfarm“ von Novella Carpenter, verfestigt sich der Plan, einen Stadtgarten mit Tierhaltung in Augsburg zu realisieren.

Ildi ist auf einem Bauernhof in Sachsen Anhalt aufgewachsen. „Wir hatten Schafe, eine riesige Obstwiese und Pferde. Im Sommer sind wir von der Schule nach Hause gerannt, haben das Heu gewendet und danach ging‘s ins Freibad. Selbstversorgung war völlig normal. Wir Kinder haben immer mitgeholfen. Damals haben wir die Arbeit natürlich verflucht, aber im Nachhinein war das eine tolle Zeit. Wir sind im Freien aufgewachsen.“ Nach einer Ausbildung zur Bauzeichnerin zieht es Ildi wieder in die Natur. Sie lebt auf einem Reiterhof in Mecklenburg und trainiert intensiv mit einem alten, einäugigen Hengst. Das lahme Pferd wird wieder fit. „Das war ein Schlüsselerlebnis – dieses positive Band zwischen Mensch und Tier, das dabei entstanden ist“, berichtet sie.

Für Ildi und Ben ist die artgerechte Tierhaltung ein wichtiges Anliegen. Ihr Hühner und Kaninchen haben ungeheuer viel Platz, die Bienen dürfen ihren Honig behalten.  Die Hühnerküken laufen aberwitzig schnell durch den Garten. Benni schnappt sich ein „Pieperle“ und streichelt es: „Durch die Geburt sind wir unterschiedlich viel wert – für ein Huhn ist es doch ein riesiger Unterschied, ob es in einer Legebatterie geboren wird oder hier auf der CityFarm. Ich stelle mir das immer so vor: Ich habe mir selbst ein Leben als CityFarm-Huhn ausgesucht!“ Er lacht und lässt das „Pieperle“ wieder laufen.

Benjamin Vogt: Der kreative Schaffens- und Schöpfungsprozess wird heutzutage vernachlässigt. Wer versteht, warum er etwas macht, tut es mit einem Lächeln.

Benni ist in Augsburg geboren und in Krumbach aufgewachsen. An der Augsburger Universität lernt er Ildi kennen, seit 2014 sind sie verheiratet. Die Liebe zur Natur hat Benni von seinem Urgroßvater geerbt, einem Bauern. „Der kreative Schaffens- und Schöpfungsprozess wird heutzutage vernachlässigt. Hier auf der CityFarm sehe ich, wofür ich arbeite und zwar gern und leidenschaftlich. Wer versteht, warum er etwas macht, tut es mit einem Lächeln“, lautet das begeisterte Plädoyer für seine handwerkliche und gärtnerische Arbeit auf dem CityFarm-Gelände. Der Lehrer Benjamin Vogt liebt es aber auch, Führungen zu gestalten und sein Wissen weiterzugeben. Vor allem für das Thema Wasser, Augsburger Wasserwege und Wassertechnik kann er sich begeistern.

Ildis Spezialgebiet sind alte, in Vergessenheit geratene Nutzpflanzen, wie rote Gartenmelde, Boretsch, Baumspinat oder Lippischer Braunkohl. Sie erzählt, wie köstlich der Braunkohl schmeckt, dass er aber nicht für den industriellen Anbau geeignet ist. „Die Pflanzen wachsen nicht gleichmäßig – die eine wird nur 1,50 Meter groß, die andere fast drei Meter.“ Damit passt der Lippische Braunkohl perfekt zur CityFarm-Philosophie: Hier leben Mensch und Natur im Einklang und selbst der Kohl wird er nicht reglementiert und kann ungenormt wachsen und einfach nur lecker sein.

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