Nachhaltig Shoppen in Augsburg

Mode: Bio, fair, ökologisch oder vegan?

Jetzt wehen sie uns wieder entgegen: Wie bunte Fähnchen verheißen die Kleider, Röcke und Shirts vor den Läden einen langen Sommer mit viel Sonne und guter Laune. Ein geblümtes Shirt oder ein witziges Tuch sind im Vorbeigehen schnell mal „abgegriffen“. Und selbst wer sich fest vornimmt, auf ökologische, faire oder Bio-Label zu achten, weiß manchmal nicht so recht, wo bei uns das Bio-Shirt oder die nachhaltig genähte Jeans zu finden sind. Der Lifeguide-Shopping-Rundgang stellt tolle Augsburger Adressen vor.

Denn in Augsburg gibt es inzwischen viele kleinere Geschäfte und Initiativen, die Wert auf nachhaltige, fair gehandelte, bio-zertifizierte, ökologische und teilweise sogar vegane Kleidung legen.

Wir haben in Augsburg engagierte, junge Unternehmer*innen, wir haben ganz neue Shops und gute, altbewährte Initiativen. Und wir haben ein enges Netz von Second-Hand-Läden. Es lohnt sich also, dieses Angebot zu kennen und zu nutzen. Denn es tut unserer Haut gut, ökologisch hergestellte, unbelastete Stoffe zu tragen. Es tut es unserer Umwelt gut, wenn sie mit weniger Schadstoffen und Pestiziden belastet wird. Vor allem aber hilft es den Näherinnen am Ende der Produktionskette, wenn sie unter fairen Bedingungen leben und arbeiten können. Mehr zu dem Thema im Lifeguide-Interview mit Andrew Morgan, dem Regisseur von „The True Cost – der Preis der Mode“.

 

Augsburg zieht an!

Mit der Aktion „Augsburg zieht an!“ will die Werkstatt Solidarische Welt e.V. unsere nachhaltigen Adressen hier in Augsburg bekannter und sichtbarer machen. Anlässlich des Jahrestages von Rana Plaza, wo am 24. April 2013 hunderte Näherinnen beim Einsturz einer Textilfabrik starben, werden im April 2017 zwei faire Shopping-Stadtführungen angeboten. Diese Rundgänge können auch in Zukunft in der Werkstatt Solidarische Welt gebucht werden. Sylvia Hank bummelt mit Ihnen durch Augsburgs Innenstadt und erzählt viele Interessantes zur Textilstadt Augsburg.

Der Lifeguide hat diesen nachhaltigen Shopping-Rundgang durch Augsburgs Innenstadt für Sie virtuell zusammengestellt. Außerdem haben wir ihn durch einige Adressen am Stadtrand und in unserer Region ergänzt. Der Rundgang in der Innenstadt ist etwa 3.5 Kilometer lang und dauert je nach Kauf-Lust und Shopping-Laune zwei bis drei Stunden.

 

Station 1: Der Weltladen Augsburg  in der Weißen Gasse 3

Die Weltläden sind die „Mütter“ des gerechten Handels: Den Augsburger Laden gibt es seit 1980. Also starten wir unseren Rundgang hier, in dem wirklich schönen Shop in der Weißen Gasse 3. Im hinteren Teil des Ladens gibt es eine gute Auswahl an bio-fairer Mode: Shirts und Pullis für Männer und Frauen, außerdem Röcke, Kleider und Tücher. Vom Bio-Baumwollanbau bis zum fertigen Shirt sind alle Herstellungs-Schritte transparent. Für die Produzent*innen, die ihre Waren über den Fairen Handel verkaufen können, bedeutet die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.

 

Station 2:  manomama am Moritzplatz 4

Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet für mich: so zu wirtschaften, dass nicht der Kunde glücklich ist, sondern dessen Enkel."

Sina Trinkwalder, manomama

Hier gibt es tolle Basics made in Germany: Shirts, Jeans, Pullis und Kleider. Außerdem Gürtel und Accessoires.

Sina Trinkwalder mit ihrer Firma manomama dürfte den meisten Augsburgerinnen und Augsburgern ein Begriff sein. 2010 hat sie manomama aus dem Boden gestampft und beschäftigt heute 150 Frauen, die auf unserem Arbeitsmarkt als „unvermittelbar“ galten. Am Willy-Brand-Platz, hinter der Citygalerie, nähen diese Frauen für einen Einheitslohn von 10 Euro die Stunde Stofftaschen und die eigene manomama-Kollektion. Gesponnen, gewebt, gefärbt und gestrickt wird in Nordrhein-Westfalen, entworfen und genäht in Augsburg. Verarbeitet werden Baumwolle aus Tansania (von einem Raingrow-Projekt) und Augsburger Merino-Wolle.

Hinter der City-Galerie gibt es den Fabrik-Verkauf von manomama.  Mehr über manomama in unserem Lifeguide-Interview mit Sina Trinkwalder

 

Station 3: Glore in der Grottenau 2

Be green in any colour you like

...so lautet das Motto des neuen Glore-Shops, der im September 2016 in Augsburg eröffnete. Wer Lust auf einen wirklich ästhetischen Shopping-Genuss hat, kann hier auf 160 qm Verkaufsfläche guten Gewissens in moderner, ökologisch nachhaltiger und fair gehandelter Mode für Damen, Herren, Kinder und Babys schwelgen. Darüber hinaus findet man bei Glore Schuhe, Accessoires, Schmuck, Taschen und Beauty Produkte. Alle bei Glore geführten Labels sind mit dem „GOTS & FAIR WEAR“ zertifiziert: Das heißt, die komplette Produktionskette, vom Anbau der Rohstoffe bis zur Endverarbeitung, ist ökologisch und fair. Außerdem haben alle Materialien Bioqualität. Dazu gehören Baumwolle, pflanzlich gegerbtes Leder, Modal, Leinen, Hanf, Tencel, recyceltes PET, Kork und Wolle. Eine Besonderheit sind die Winterjacken von Knowledge Cotton Apparel aus Dänemark. Der Hersteller fertigt die Jacken aus recyceltem PET und gewinnt die Fasern aus gebrauchten Wasserflaschen. Auch der Materialmix der Schweizer Marke FREITAG, aus Leinen, Hanf und Modal, ist außergewöhnlich: Er ist zu 100% kompostierbar.

Mit Simone Kunz haben wir übrigens eine kundige und engagierte Ladeninhaberin nach Augsburg bekommen. Fragen Sie sie beim Shoppen ruhig alles, was Sie zum Thema nachhaltige Mode wissen möchten  - sie kennt viele interessante Details.  

 

Station 4: Die Latztruhe in der Heilig-Kreuz-Straße 6

In diesem wirklich schnuckelig eingerichteten Laden gibt ökologische Baby- und Kinderkleidung. Allein das Anschauen macht schon sehr viel Spaß. Hier finden Eltern Strampler, Kleidchen, Babyschuhe, Babytragesystemen und vieles mehr. Für die Inhaberin Julia Lauterbach haben die zertifizierten Standards von GOTS (Global Organic Textile Standard) und dem IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) höchste Priorität. Kund*innen finden hier ausschließlich Kleidung aus 100% Biobaumwolle, von ausgesuchten Herstellern und Lieferanten, deren Produkte und Produktion ausnahmslos dem ökologischen Gedanken und der sozialen Gerechtigkeit verschrieben sind.

 

Station 5: Onimos am Obstmarkt 11

Es gibt schon so viel bereits produzierte Mode auf dieser Welt, man muss nichts Neues produzieren, lieber die alten Teile neu kombinieren."

Birgit Fischer, onimos.

ONIMOS ist der erste und einzige Slow Fashion Store Bayerns. Slow Fashion zu Deutsch: entschleunigte Mode. Das ist eine Kombination aus nachhaltig hergestellter Mode, sowie Vintage- und Second-Hand-Mode. Birgit Fischer bietet genau diese Auswahl in ihrem Laden an: gut erhaltene Vintage- und Second-Hand-Mode, speziell aus den 70er, 80er und 90er Jahren,  nachhaltig produzierte T-Shirts und Mützen von ihrem eigenen Label  „ONIMOS clothing“, sowie T- Shirts, Caps und Sonnenbrillen von lokalen und  anderen nachhaltigen Labels aus Deutschland. Ergänzt wird ihr Angebot durch ONIBOXEN, einem Indoor-Flohmarkt, bei dem jede/r ihre/seine eigene Kleidung verkaufen kann. ONIMOS erhält dafür eine kleine Provision.

Mehr über das shopping-Gefühl bei Onimos in unserer Lifeguide-Reportage "Entschleunigte Mode".

 

Station 6: Dear Goods in der Frauentorstraße 7

„Buy less – choose well“

... dieses Motto finden wir bei Dear Goods in der Dekoration. Ein guter Rat, den neuerdings viele Menschen befolgen: Sie kaufen bewusst nur noch sehr wenige „Lieblingsstücke“ ein, die sie oft und gern tragen. Die Kleiderschränke werden dadurch übersichtlicher, die Regale sind luftig leer. Diese angenehme Reduktion strahlt auch der Laden von Dear Goods aus. Hier sind alle Produkte menschen-, tier- und umweltfreundlich, also „Fair + Bio + Vegan“. Die Philosophie von DearGoods lautet: "Mode macht Spaß. Noch mehr Spaß macht Mode, wenn man Verantwortung übernimmt. Und so wird eine schöne Tasche noch schöner, wenn weder Menschen noch Tiere leiden mussten und auch die Umwelt möglichst unversehrt bleibt. DearGoods bietet Konsum ohne Ausbeutung."

 

Station 7: Vinty’s

In diesem Second-Hand-Laden der aktion hoffnung kommen Vintage-Liebhaber*innen und Retro-Fans voll auf ihre Kosten. Auf zwei Etagen und über 300 Quadratmetern gibt es alles, was das Herz begehrt: Vintage-Kleidung, Schuhe, Accessoires und andere Second-Hand-Schätzchen. Wer eine kleine Pause braucht, kann sich im Retro-Café entspannen. Neben Fairtrade-Produkten wird hier jeden Freitag hausgemachter Bio-Kuchen angeboten.  Kleiderspenden sind willkommen.

 

Station 8: Degree Clothing am Mittleren Lech 18

Die ökologische Herstellung ist die Basis" , Fabian Frei, degree clothing.

Faire Streatwear aus Augsburg: Biobaumwolle aus der Türkei, Produktion und Verarbeitung unter fairen Bedingungen in Portugal und der letzte Feinschliff hier vor Ort in Augsburg. Das ist Degree Clothing. Label und Kollektion stammen von den Augsburgern Fabian Frei und Wolfgang Schimpfle. Die Inhaber präsentieren und verkaufen in ihrem Showroom ihre eigene Kollektion. Zu ihrem Angebot gehören hauptsächlich Frauen- und Männeroberbekleidung mit kleinen optischen Details und speziellen außergewöhnlichen Funktionen. Zum Beispiel ein Shirt, das sich in einen Beutel verwandeln lässt oder der „Hooder Helicopter“ von Degree, ein Pullover an dessen Kapuze ein Holz-Propeller befestigt ist. Die degree-Mützen werden im Textilmuseum gestrickt. Zusätzlich gibt es Caps und Longboards – die Bretter werden hier in Augsburg produziert.

Und warum Fabian Frei und Wolfgang Schimpfle wie ein Schweizer Taschenmesser funktionieren, erfahren Sie im Lifeguide-Interview mit den degree-Machern

 

Station 9: Runners Shop in der Bäckergasse 1

Wer jetzt noch Energie hat und auch beim Sport nicht auf faire Kleidung verzichten will, wird beim Runner’s Shop fündig. Laufshirts, - hosen und – jacken von Kossmann werden größtenteils in Deutschland gefertigt. Auch die Grundstoffe stammen aus Deutschland, Italien oder Österreich.

Mehr über faire Sportbekleidung

 

End-STATION 10: Weißen Gasse 3: Werkstatt Solidarische Welt 

Unser Bummel durch Augsburgs Innenstadt endet in der Weißen Gasse 3, bei unserem Ausgangspunkt. Hier ist nicht nur der Weltladen, sondern im 1. Stock auch die Werkstatt Solidarische Welt, eine gute Anlaufstelle für alle, die noch mehr Hintergrundwissen benötigen. Die WSW stellt   Informationen, Materialien und Aktionen rund um Kleidung und Textilien zur Verfügung. Hier gibt es Bücher, Filme und Infos zu Arbeitsbedingungen, Siegeln und Fairem Handel. Außerdem Wissenswertes über Baumwolle, die "Globalisierung im Kleiderschrank" oder Altkleidercontainer. Auch Führungen durch den Weltladen, ein „Kolonialer Stadtrundgang“ oder eine nachhaltige Shopping-Tour gehören zum Angebot. Außerdem können Workshops und Vorträge gebucht werden.

 

Diese Shops finden wir auch toll:

Modesalon Anita Miller Neue Mode aus alten Stoffen und Materialien. Anita Miller liebt die 60er und 70er Jahre und verleiht den recycelten Stoffen mit ihrem Label neuen Glanz. Und bei Kleidsam am Perlachberg gibt es witzige Einzelstücke von angesagten Designer*innen.

Am Stadtrand von Augsburg:

Natürlich gehören die beiden Sozialkaufhäuser mit ihrem großen Angebot an preiswerter Mode mit zu unseren Shopping-Tipps:

Im Norden, in der Hirblinger Straße, finden Sie das SozialKaufhaus Augsburg. Im Süden, im Tal 8, befindet sich das Sozialkaufhaus Contakt.

Speziell für Kinder gibt es außerdem die Second-Hand-Läden Katze, Just for Kids und Mini Klamotti.

 

Ein Blick in die  Region:

Auch in der Region Augsburg gibt es einige sehr gut bestückte Weltläden: Sie sind in Aichach, Bobingen, Friedberg, Königsbrunn und Schwabmünchen.

Ökologische Mode speziell für werdende Mütter bietet Momelino in Bobingen.

Und für kleine Füßchen sind die knuddeligen Kinderschuhe von diedaa in Friedberg perfekt.

Second-Hand gibt es in der Wundertüte

Mehr zum Thema im Lifeguide: Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen

Haben wir etwas vergessen? Wir freuen uns über Tipps und Adressen. Einfach eine Mail an redaktion [at] lifeguide-augsburg.de

 

 

"Augsburg zieht an" Logo des Textil-Aktionstages 2017 für faire, ökologische und nachhaltige Kleidung.
Degree-clothing Augsburg. Foto Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist freiberufliche Journalistin und Fotografin. Sie arbeitet als PR-Referentin für Klient*innen aus Politik, Wirtschaft und Soziales, sowie verschiedene NGOs. Seit 2013 ist sie Redakteurin des Lifeguides Augsburg und seit 2016 Vorstand des Vereins Lifeguide Augsburg e.V.. Mit ihrer Begeisterung für Interviews und Regionaljournalismus schreibt sie u.a. für Chrismon, Augsburger Allgemeine Zeitung, Kindergarten heute, Evangelisches Sonntagsblatt, London Female Film Festival. Stationen: Kindheit in Köln. Ausbildung und Arbeit als Fotografin in Berlin. Studium der Publizistik an der Freien Universität Berlin. Hörfunk- und Printjournalistin u.a. für SFB, WDR, Deutsche Welle, WAZ.

Neuen Kommentar schreiben